George Soros

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George Soros, 2018

George Soros (* 12. August 1930 in Budapest) ist ein US-amerikanischer Philanthrop und Investor ungarischer Herkunft. Er betreut viele Fonds, unter anderem den Quantum Funds, und unterstützt mit seinem Vermögen unter anderem Bürgerrechtsbewegungen, Bildungseinrichtungen sowie politische Aktivisten.

Jugend

Soros wurde als Sohn des Esperanto-Schriftstellers Tivadar Soros in Budapest geboren. Ab 1936 trug er den magyarisierten Namen György Soros (vorher Schwartz). Trotz der jüdischen Herkunft seiner Familie überlebte Soros die Besetzung Ungarns durch das nationalsozialistische Deutschland und die Schlacht um Budapest. Sein Vater hatte sich selbst und seinen Sohn über Monate hinweg versteckt, unter anderem im Sommerhaus der Tänzerin Elza Brandeisz in Balatonalmádi.[1] Darüber schrieb sein Vater auf Esperanto das Buch „Maskerado ĉirkaŭ la morto“.[2] In seinem Elternhaus gingen Esperantisten ein und aus; so lernte auch George Soros Esperanto. Er nahm mit seinem Vater am Esperanto-Weltkongress in Bern teil. Von dort aus reiste er weiter zum Esperanto-Jugendweltkongress nach Ipswich in England; danach emigrierte er nach England.[3]

Soros studierte an der London School of Economics and Political Science, unter anderen bei dem Philosophen Karl Popper. Dessen Konzept einer offenen Gesellschaft beeinflusste Soros stark, so dass er später mehrere seiner eigenen Gesellschaften danach benannte.[4] Während seines Studiums bei Popper arbeitete Soros als Bahnträger und Kellner und erhielt einmalig 40 Pfund von einer Quäker-Wohltätigkeitsorganisation.[5] 1951 erlangte er den Bachelor of Science, 1954 schloss er sein Studium mit dem Master of Science ab.

Finanzgeschäfte

1954 begann Soros seine Finanzkarriere bei der Handelsbank Singer & Friedlander in London. Er arbeitete als Angestellter und wechselte später zur Arbitrage-Abteilung. Ein Mitarbeiter, Robert Mayer, schlug ihm vor, sich beim Maklerhaus seines Vaters F.M. Mayer in New York City zu bewerben.[6]

1956 zog er nach New York City und übernahm 1968 einen Investmentfonds (Hedgefonds) in Curaçao.[3] 1969 gründete Soros mit Jim Rogers den Soros-Fund, der später in Quantum Fund umbenannt wurde. Er bezog seinen Sitz in der Steueroase Niederländische Antillen.[7] Der Fonds hatte zunächst fünf Millionen US-Dollar Startkapital privater Anleger, das mit Devisenspekulationen bis 1993 auf vier Milliarden US-Dollar anwuchs. 1981 konnte der Fonds keine Gewinne ausschütten. Beim weltweiten Aktieneinbruch 1987 (Schwarzer Montag) verlor er 650 Millionen US-Dollar, die Soros jedoch in wenigen Monaten wieder ausgleichen konnte. 1989 zog sich Soros aus dem täglichen Geschäft zurück und wurde Berater seiner Fondsmanager, der nur noch bei besonders wichtigen Marktentwicklungen selbst Entscheidungen trifft.[8]

1988 erzielte Soros mit dem Kauf und Verkauf von Aktienpaketen der französischen Großbank Société Générale rund 2,2 Millionen US-Dollar Spekulationsgewinn. Die Transaktion erregte zunächst kein Aufsehen. 2006 wurde er von einem französischen Gericht in letzter Instanz für schuldig befunden, von vertraulichen Informationen profitiert zu haben, und wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe in Höhe seines mutmaßlichen Gewinns verurteilt.[9] Im Dezember 2006 reichte er dagegen Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein.[10] Dieser bestätigte jedoch im Oktober 2011 das französische Gerichtsurteil.[11]

Am „Schwarzen Mittwoch“, dem 16. September 1992, musste die Bank of England das Pfund Sterling stark abwerten; in der Folge schied es aus dem europäischen Wechselkurssystem aus. Soros hatte die Abwertung vorausgesehen, sich große Mengen britische Pfund geliehen und sie in andere europäische Währungen (hauptsächlich in Deutsche Mark und Französischer Franc) umgetauscht, mit denen er seine Kredite nach der Abwertung weit günstiger zurückzahlte. Er soll daran rund eine Milliarde US-Dollar verdient haben und wurde persönlich für die Währungskrise verantwortlich gemacht. Dass seine Transaktionen den Kurssturz des Pfunds verursacht hatten, konnten ihm jedoch mehrere Untersuchungsausschüsse nicht nachweisen. Er selbst erklärte, er könne als Einzelinvestor keine Krise einer innerlich starken Währung herbeiführen und auch mit seiner Bekanntheit keinen Trend in ganzen Märkten einleiten.[12] Nach dem Gewinn von 1992 sanken die Gewinne des Quantumfunds auf Durchschnittswerte.[13]

1993 spekulierte Soros gegen die DM und forderte in einem Interview: „Down with the D-Mark!“ 1997 wurde ihm vorgeworfen, sein Quantumfunds habe Malaysias Währung, den Ringgit, einbrechen lassen und so die damalige Asienkrise ausgelöst.[14] Malaysias Premierminister Mahathir bin Mohamad machte Soros für die Finanzkrise seines Landes verantwortlich. Soros verwahrte sich gegen die Vorwürfe, etwa in seinem Buch Die Ära der Fehlentscheidungen. Nach einem persönlichen Gespräch mit Soros nahm Mahathir 2006 seine Vorwürfe zurück.[15]

Die Finanzkrise ab 2007 sah Soros frühzeitig als Vorboten einer Rezession in den USA an.[16] 2007 kehrte er ins Spekulationsgeschäft zurück[17] und erzielte mit seinem Quantum Endowment Fund im selben Jahr eine Rendite von 32 Prozent, die ihm 2,9 Milliarden US-Dollar Gewinn einbrachte.[18][19]

2008 war Soros mit einem Einkommen von 1,1 Milliarden US-Dollar der bestbezahlte Hedgefondsmanager. Bis Juli 2009 stieg die Gesamtsumme des durch seine Investmentfirma Soros Fund Management verwalteten Vermögens um 40 Prozent auf 24 Milliarden US-Dollar.[20] Das Forbes Magazine schätzte sein Vermögen 2016 in seiner Liste der Milliardäre auf 24,9 Milliarden US-Dollar; damit lag er damals auf Platz 23. Im Oktober 2020 lag er mit 8,6 Milliarden US-Dollar auf Platz 162.[21]

In seinem Buch Alchemie der Finanzen (1988) beschrieb Soros seine „Theorie der Reflexivität“ als Grundlage für seine Börsenerfolge und bezog sich dabei auf seinen Lehrer Karl Popper. Bereits 1970 hatte er die Funktionsweise von Real Estate Investment Trusts in den Kategorien dieser Theorie beschrieben.[22]

Philanthropisches und politisches Engagement

George Soros (links) und James H. Billington (2001)

Osteuropa

Seit den 1970er Jahren engagiert sich Soros als Philanthrop. 1979 gründete er dazu die Open Society Foundations, die er leitet und fördert. Soros spielte eine wichtige Rolle bei den politischen Prozessen in Osteuropa, die 1989/90 zum Zusammenbruch des Ostblocks führten, und war nach eigener Aussage „aktiv an der Revolution beteiligt, die das Sowjetsystem hinwegfegte“.[23] Seit 1979 unterstützte Soros osteuropäische Dissidenten mit drei Millionen US-Dollar pro Jahr, darunter die Gewerkschaft Solidarność in Polen, die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 in der Tschechoslowakei und den Dissidenten Andrei Dmitrijewitsch Sacharow in der Sowjetunion.[24]

Von 1991 bis 1993 spendete Soros rund eine Milliarde US-Dollar zur Unterstützung russischer Akademiker.[25]

1995 unterstützte Soros die Tschetschenen in Russland. Dies wurde dort mit Unverständnis registriert.[26] 1997 warf das Forbes Magazine Soros vor, er fördere den Machterhalt von Altkommunisten.[27] Dagegen warf ihm der Journalist Neil Clark 2003 vor, er habe in den 1990er Jahren mit seiner Unterstützung des Senders B92 und anderer Oppositionsgruppen in Serbien die Bundesrepublik Jugoslawien auch aus eigenen Geschäftsinteressen heraus destabilisiert. Clark bezeichnete Soros als „ungekrönten König von Osteuropa“.[24]

Mit der 1993 gegründeten Soros-Stiftung unterstützte Soros die von ihm mitgegründete Central European University in Budapest finanziell.[28]

Im Zuge der Euromaidan-Proteste in der Ukraine richtete die Soros-Stiftung das Ukraine Crisis Media Center ein. Nach dem Regierungswechsel forderte Soros einen „Marshall-Plan“ für das Land. Am 23. August 2014 bedankte sich der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko bei Soros für seine Unterstützung der Ukraine und ihrer demokratischen Entwicklung und sprach mit ihm darüber, wie man die Attraktivität des Landes für Investoren erhöhen könne.[29]

In einem ZDF-Interview im November 2014 forderte Soros, der stark in ukrainische Staatsanleihen investiert hat, den Sparkurs, den Bundeskanzlerin Angela Merkel der ganzen EU diktiere, zugunsten der Ukraine aufzugeben: „Leider scheint sie nicht zu begreifen, dass ihre Sparpolitik unangemessen ist in Kriegszeiten wie diesen. Wer im Krieg ist, muss an erster Stelle seine Ressourcen nutzen – und wenn nötig seinen Einsatz noch erhöhen.“ Er warnte, die mangelnde Unterstützung der Ukraine könne für die EU selbst üble Folgen haben.[30] Seiner Meinung nach „verteidige die Ukraine die EU gegenüber einer russischen Aggression“.[31]

Wegen der deutlichen Überschreitung der bei Kreditabschluss vertraglich vereinbarten Maximalverschuldung von 60 % des Bruttoinlandsprodukts drohte Russland an, im Jahr 2015 Kredite an die Ukraine in Höhe von etwa drei Milliarden US-Dollar fällig zu stellen. Damit hätte die Ukraine, die für 2015 noch keinen Haushaltsplan erstellt hatte, in den nächsten Jahren auch acht Milliarden US-Dollar an private Investoren wie Soros zurückzuzahlen gehabt. Im Januar 2015 forderte Soros daraufhin von der internationalen Gemeinschaft und vor allem von der EU rasche Finanzhilfen von 50 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der Ukraine, die Modernisierung ihrer Wirtschaft und die Beseitigung von Kriegsschäden in der Ostukraine. Dieses Engagement werde der EU auch bei der Rettung des Euro helfen.[32] Im selben Monat schlug Soros einen Rettungsplan für die Ukraine vor: Der Paris Club solle ihre Schulden gegenüber Russland übernehmen, um einen generellen Zahlungsausfall und einen Kapitalverlust privater Gläubiger zu verhindern. Der IWF habe die dazu nötwendigen Sofortzahlungen mit 15 Milliarden Dollar viel zu niedrig beziffert.[33] Der Plan wurde etwa als „Flächenbombardement der Ukraine mit Geld“ und ein „Moral Hazard“ für verantwortungslose Politiker kritisiert.[34] Vor dem Hintergrund der drohenden Zahlungsausfälle verhandelte Soros in Kiew am 13. Januar 2015 mit Politikern und Parlamentariern unter anderem über die Gründung eines staatlichen Fonds zur Absicherung privater Investoren.

In Russland wurde ihm eine russlandfeindliche Rhetorik sowie Einmischung in die Interessen des Landes vorgeworfen. Im Dezember 2015 stufte die russische Generalstaatsanwaltschaft seine Open Society Foundations und die OSI Assistance Foundation als unerwünscht ein.[35] Russische Politiker behaupteten, seine Fonds hätten Staatsstreiche wie den Euromaidan von 2013/2014 in der Ukraine finanziert. Soros bestritt dies, räumte im Mai 2014 aber ein, seine Soros-Foundation habe eine wichtige Rolle bei den damaligen Ereignissen in der Ukraine gespielt.[36] Ukraines neuer Präsident Petro Poroschenko verlieh Soros am 12. November 2015 für sein Engagement den Orden der Freiheit.[37] Soros versprach, ab 2016 über zehn Jahre verteilt 500 Milliarden US-Dollar in der Ukraine zu investieren.[38] Er wurde Anteilseigner der größten Fondsgesellschaft der Ukraine Dragon Capital und kaufte den ukrainischen Software-Entwickler Ciklum. Laut der von Soros unterstützten Internetzeitung Ukrajinska Prawda soll mit seinen Investitionen auch der Einfluss Russlands auf die Ukraine „massiv zurückgedrängt werden“.[39]

Afrika

Die Soros-Stiftung half schwarzen südafrikanischen Studenten, die University of Cape Town zu besuchen.[28]

USA

Ab 1996, als in den USA neue Gesetze die staatliche Wohlfahrt und Rechtshilfe besonders für Immigranten beschnitten, stiftete Soros einen Fonds von 50 Millionen US-Dollar, um dieser Bevölkerungsgruppe zu helfen. Mit seiner Förderung der Idee der „offenen Gesellschaft“ nimmt Soros Bezug auf Karl Poppers Konzept. Die Time schätzte die Gesamtsumme seiner Spenden 2007 auf sechs Milliarden US-Dollar.[28]

Ab 2004 versuchte Soros auf die US-Politik Einfluss zu nehmen. Er wollte die Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush verhindern und spendete dazu insgesamt 23,5 Millionen US-Dollar an linksgerichtete Bewegungen sowie Gruppen wie MoveOn.org.[40] In der heißen Phase des Präsidentenwahlkampfs 2004 trat er mit öffentlichen Reden gegen Bush auf und erklärte, anders als der legitime Krieg in Afghanistan sei der Irakkrieg ein katastrophaler Fehler gewesen.[41] 2008 resümierte er in einem Interview, der Begriff „Krieg gegen den Terror“ sei irreführend gewesen. Dieser Krieg sei für einen beispiellosen Niedergang des politischen Einflusses und der militärischen Macht der USA verantwortlich.[42]

Andere

Soros finanziert über seine Stiftung die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen[43] und über seine Open Society Foundations das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ).[44]

Als eines seiner bevorzugten Projekte bezeichnete er 2006 die Initiative mehrerer NGOs, den Ressourcenfluch durch Offenlegung von Lizenzgebühren, Abgaben und Einkünften zu überwinden.[45] Außerdem befürwortet er die Nutzung der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds zur Entwicklungsfinanzierung.[46] Die Global Marshall Plan Initiative griff diese Idee auf.

Im April 2007 äußerte sich Soros im New York Review of Books kritisch über den tiefgreifenden Einfluss des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) auf die US-amerikanische Außenpolitik und erklärte, die engen Verbindungen der Regierung Bush mit Israel seien Hindernisse für einen Friedensvertrag zwischen Israel und den Palästinensern.[47]

Soros ist der Ansicht, dass die Deregulierung der Finanzmärkte aufgrund ihrer potenziellen Instabilität ein Fehler war, der die Finanzkrise ab 2007 ausgelöst hat. Verantwortlich dafür sei die Ideologie des Marktfundamentalismus gewesen, die seit Ronald Reagan und Margaret Thatcher zu einer beherrschenden Kraft geworden sei. Diese lasse außer Acht, dass „Finanzmärkte kein Gleichgewicht anstreben“,[48] und beruhe auf einem ähnlichen Denkfehler wie der Marxismus.[23] Es habe sich über ein Vierteljahrhundert hinweg eine „Superblase“ aufgebaut, die nun platze, erklärte er im Frühjahr 2008.[16][19]

Im Oktober 2009 kündigte Soros bei einer Konferenz in Kopenhagen an, eine Milliarde US-Dollar in erneuerbare Energien zu investieren.[49] Außerdem gründete er das Forschungsnetzwerk Climate Policy Initiative (CPI) und fördert es zehn Jahre lang mit jährlich 10 Millionen US-Dollar. Es soll die Auswirkungen der bisherigen Klimaschutzmaßnahmen untersuchen. Eine deutsche Zweigstelle ist am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin angesiedelt.[50] Ende Oktober 2009 gründete er das Institute for New Economic Thinking (INET) mit und unterstützt es mit 50 Millionen US-Dollar. Das Projekt soll neue Denkansätze für die Volkswirtschaftslehre entwickeln.[51]

Im August 2010 versprach Soros zudem, etwa sieben Milliarden US-Dollar seines Vermögens für die Kampagne The Giving Pledge von Bill Gates und Warren Buffett zu spenden. Sie will US-amerikanische „Superreiche“ dazu bewegen, mehr als die Hälfte ihres Vermögens an wohltätige Zwecke zu spenden.[52] Im Oktober 2010 spendete Soros eine Million US-Dollar für eine Kampagne zur Legalisierung von Marihuana in den USA. In Kalifornien unterstützte er damit den Volksentscheid California Proposition 19.[53]

Soros finanzierte auch die Initiative Defining American von Jose Antonio Vargas.

Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass Soros rund 18 Milliarden US-Dollar und damit den größten Teil seines Vermögens an die Open Society Foundations übertragen hat. Damit ist diese Stiftung die zweitgrößte hinter der Bill & Melinda Gates Foundation.[54]

Soros finanzierte die Kampagne der Gruppe Best for Britain gegen den Brexit 2017/2018 mit insgesamt 500.000 Pfund Sterling.[55]

Im Oktober 2018 spendete Soros zwei Millionen US-Dollar an die Wikimedia Foundation.[56] Die Soros-Foundation fördert auch den investigativen Journalismus, darunter das Recherchebüro Correctiv.[57]

Soros unterstützte den Präsidentschaftswahlkampf 2016 von Hillary Clinton mit sechs Millionen US-Dollar Spenden an Political Action Committees (PACs).[58] Kurz vor der Amtseinführung von US-präsident Donald Trump 2017 äußerte Soros, Trump sei ein „Blender und Hochstapler und Möchtegern-Diktator“. Die Verfassung der Vereinigten Staaten und deren demokratische Institutionen würden ihn letztlich aber stoppen. Er glaube, dass Trump scheitern werde.[59]

Im Januar 2018 äußerte Soros in einer Rede beim Weltwirtschaftsforum, IT-Monopolisten wie Google LLC und Facebook stünden Innovation in Gesellschaft und Wirtschaft im Weg und manipulierten das Denken der Menschen zum Schaden der Demokratie. Ihre Tage seien gezählt.[60]

Rechte Verschwörungsmythen zu Soros

2015 behauptete Ungarns Premierminister Viktor Orbán, Soros sei maßgeblich für die Flüchtlingskrise in Europa 2015 verantwortlich und steuere Migrantenströme gezielt nach Europa. Orban vertrat damit eine besonders in Osteuropa verbreitete Verschwörungstheorie.[61] Laut dem Journalisten Hannes Grassegger erfand der US-amerikanische Politikberater Arthur J. Finkelstein ab 2010 diese und andere Behauptungen, um der Öffentlichkeit im Sinne eines Negative Campaigning einen Bösewicht vorzustellen, gegen den sich Orbán positiv abheben könne.[62] Auch die FPÖ-Politiker Norbert Hofer und Johann Gudenus vertraten die Behauptung, Soros stecke hinter der europäischen Flüchtlingskrise.[63] In Osteuropa behaupteten etwa der serbische Staatspräsident Aleksandar Vučić und der ehemalige Ministerpräsident Nordmazedoniens Nikola Gruevski Ähnliches über Soros und von dessen Stiftung unterstützte NGOs,[64] in Deutschland Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) wie Jörg Meuthen, Stephan Brandner, Petr Bystron und Björn Höcke, in Italien Matteo Salvini (Lega Nord), in Großbritannien Nigel Farage (Brexit Party).[62][65][66] In Polen behauptete Krystyna Pawłowicz, seit 2015 Sejm-Abgeordnete der nationalkonservativen PiS, die Soros-Stiftungen finanzierten „anti-christliche und anti-nationale Aktivitäten“. Ihr Parteivorsitzender Jarosław Kaczyński unterstellte Soros, er versuche „traditionelle Gesellschaften zu zerstören“ durch eine „multikulturelle Ausrichtung“ und strebe eine „Gesellschaft ohne Identität“ an, die sich „äußerst leicht manipulieren“ lasse. In den USA behaupteten US-Präsident Donald Trump und andere Republikaner, Soros sei der Inbegriff einer „globalistischen Elite“ und finanziere die sogenannte Flüchtlingskarawane aus Mittelamerika in die USA.[66] Derartige Behauptungen gelten in der Antisemitismusforschung als Neuauflage der antisemitischen Verschwörungsideologie vom Weltjudentum, das angeblich das Weltgeschehen kontrolliere und negativ bestimme. Soros erscheint dabei als Hauptakteur und wird oft zur Projektionsfläche für klassische antisemitische Ressentiments gemacht.[67]

Israels Botschafter in Ungarn Yossi Amrani kritisierte 2017 eine Plakataktion der Orbán-Regierung gegen Soros. Israels Außenministerium kritisierte jedoch auch, dass Soros in Israel Organisationen unterstütze, die „den jüdischen Staat verleumdeten und dessen Recht auf Selbstverteidigung infrage stellten“.[68]

Privatleben

1960 heiratete Soros die vier Jahre jüngere deutschstämmige Annaliesa Witschak. Mit ihr hat er zwei Söhne (* 1963, * 1970) und eine Tochter (* 1965). 1983 wurde die Ehe geschieden. Im selben Jahr heiratete er die 24 Jahre jüngere deutschjüdische Amerikanerin Susan Weber. Zwei Söhne (* 1985, * 1989) entstammen der Ehe, die 2005 geschieden wurde. 2013 heiratete er die 42 Jahre jüngere Wirtschaftsberaterin Tamiko Bolton.[69]

Soros hat mehrere Wohnsitze, unter anderen in Hamptons auf Long Island und in der Kleinstadt Bedford in Westchester County.[70]

Ehrungen

Soros hat die Ehrendoktorwürden der New Yorker Universität The New School, der Universität Oxford (1980), der Wirtschaftshochschule Budapest und der Yale-Universität (1991) erhalten.

1994 wurde das neu entdeckte Mineral Sorosit nach ihm benannt.

1998 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences und 2009 in die American Philosophical Society gewählt.[71]

2012 wurde er mit dem Adam-Smith-Preis der National Association for Business Economics (NABE) ausgezeichnet.

2017 wurde er zum Ehrenmitglied der British Academy ernannt.[72]

2019 erhielt er den Schumpeter-Preis[73] und das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien[74]

Veröffentlichungen

Literatur

  • Michael T. Kaufman: Soros. 2001, ISBN 0-375-70549-X (Biografie)
  • Jeff Madrick: Age of Greed: The Triumph of Finance and the Decline of America, 1970 to the Present. Alfred A. Knopf, New York 2011, ISBN 978-1-4000-4171-8, S. 248–285 (= 15. George Soros and John Meriwether: Fabulous Wealth and Controversial Power).
  • Robert Slater: Invest first investigate later. 1996
    • Die 24 Geheimnisse des George Soros. Anlegen wie eine lebende Legende. Ueberreuter, Wien/Frankfurt 1998; Taschenbuchausgabe unter dem Titel Geldanlage mit George Soros. Die 24 geheimen Anlage- und Wertpapierstrategien des genialen Investors. Droemer Knaur, München 2000, ISBN 3-426-82313-6
  • Robert Slater: Soros – The Unauthorized Biography. The Life Times and Trading Secrets of the World’s Greatest Investor. 1996
    • George Soros. Sein Leben, seine Ideen, sein Einfluss auf die globale Wirtschaft. FinanzBuch-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-89879-473-2
  • George Soros im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks

Commons: George Soros – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hartmut Schütz: Eine der Pionierinnen des Ausdruckstanzes: Elza Brandeisz starb mit 110 Jahren. Dresdner Neueste Nachrichten, 8. Januar 2018
  2. Tivadar Soros: Maskerado ĉirkaŭ la morto: Nazimondo en Hungarujo. (1965) Universala Esperanto-Asocio, 2001, ISBN 9290170735; englisch: Masquerade: The Incredible True Story of How George Soros' Father Outsmarted the Gestapo. Arcade, New York 2011, ISBN 1611450241
  3. a b Klaus Brill: Der Milliardenzocker, dem der Kapitalismus zu kalt ist. Süddeutsche Zeitung (SZ), 17. Mai 2010.
  4. Giuseppe Franco (Hrsg.): Handbuch Karl Popper. Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-16239-9, S. 79
  5. Soros Uses Leverage To Aid New York Children. NPR, 11. August 2009
  6. Glen Arnold: The Great Investors: Lessons on Investing from Master Traders. Pearson, London 2012, ISBN 978-0-273-74325-5, Kapitel 5: George Soros, hier S. 49
  7. Rolf Morrien, Heinz Vinkelau: Alles, was Sie über Jim Rogers wissen müssen: Der Indiana Jones der Finanzwelt. FinanzBuch, 2020, ISBN 3959722613, S. 27
  8. Spekulation: Hauch der Geschichte. Spiegel, 11. Januar 1993
  9. Insiderhandel: US-Milliardär Soros in Frankreich verurteilt. Spiegel Online, 14. Juni 2006
  10. Soros appeals conviction for insider trading. International Herald Tribune, 14. Dezember 2006
  11. Insiderhandel – Urteil gegen Soros bestätigt. Manager Magazin, 6. Oktober 2011; Insiderhandel – Millionenstrafe für George Soros ist rechtens. Handelsblatt, 6. Oktober 2011
  12. Franz-Josef Buskamp: Mentale Börsenkompetenz: Investieren mit Fingerspitzengefühl. FinanzBuch, 2004, ISBN 3898790630, S. 427, Fn. 2
  13. Franz-Josef Buskamp: Mentale Börsenkompetenz, 2004, S. 88
  14. Sebastian Grebe, Sascha Grundmann, Frank Phillipps: Crashkurs Börse. S. 187
  15. Malaysian ex-premier Mahathir and billionaire Soros end feud. Australian Broadcasting Corporation, 15. Dezember 2006
  16. a b Stephan Israel: George Soros sieht kein Ende der Finanzkrise.Tages-Anzeiger, 17. April 2008
  17. Louise Story: The Face of a Prophet. The New York Times (NYT), 11. April 2008
  18. Marc Pitzke: George Soros: „Schlimmste Krise zu meinen Lebzeiten“. manager magazin, 14. April 2008
  19. a b Jenny Anderson: Wall Street Winners Get Billion-Dollar Paydays. NYT, 16. April 2008
  20. Soros, der Krisengewinner. Tages-Anzeiger, 2. September 2009; Moritz Koch: George Soros – Das freie Radikal. SZ, 3. September 2009
  21. The World’s Billionaires: George Soros. Forbes.com
  22. Sebastian Mallaby: Mehr Geld als Gott: Hedgefonds und ihre Allmachtsphantasien. FinanzBuch, 2011, ISBN 9783862486052, S. 128
  23. a b Die großen Spekulanten (4) – Der Milliardenzocker, dem der Kapitalismus zu kalt ist. SZ, 13. Februar 2008
  24. a b NS Profile – George Soros. New Statesman, 2. Juni 2003
  25. Vadim Joseph Rossman: Russian Intellectual Antisemitism in the Post-Communist Era. University of Nebraska Press, 2002, ISBN 0803239483, S. 110
  26. Alexios Schandermani: Mission in Chechnya. Nova Science, New York 2002, S. 90 ff.
  27. Richard C. Morals: Beware of billionaires bearing gifts. April 1997; zitiert im Anhang von Ivo Skoric: Uncle Soros: The First Capitalist Dissident. Nettime.org, 4. April 1997
  28. a b c Alicia Epstein Korten: Change Philanthropy: Candid Stories of Foundations Maximizing Results through Social Justice. Jossey-Bass, San Francisco 2009, ISBN 978-0-470-43516-8, S. 104f; Jeremy Caplan, Coco Masters: Power Givers: George Soros. Time, 3. Mai 2007
  29. Matthias Rude: Die gekaufte Revolution. In: Ronald Thoden, Sabine Schiffer: Ukraine im Visier. Russlands Nachbar als Zielscheibe geostrategischer Interessen. Frankfurt am Main 2014, S. 108–120.
  30. Wulf Schmiese: Milliardär warnt vor Krieg: Soros: EU muss Ukraine mit 20 Milliarden helfen. ZDF-heute, 5. November 2014
  31. George Soros: „Ukraine verteidigt EU gegen russische Aggression“. Standard.at, 30. März 2015
  32. Nina Jeglinski: Starinvestor in der Ukraine: Soros wirbt in Kiew für Geldsegen. Handelsblatt, 12. Januar 2015
  33. George Soros: A New Policy to Rescue Ukraine. The New York Review of Books, 5. Januar 2015
  34. Leonid Bershidsky: Soros' Terrible Plan to Throw Money at Ukraine. Bloomberg, 8. Januar 2015
  35. Russland erklärt US-Organisationen für unerwünscht. Spiegel Online, 30. November 2015.
  36. Soros on Russian ethnic nationalism. CNN, 25. Mai 2014
  37. Dekret des Präsidenten der Ukraine, 12. November 2015
  38. Nina Jeglinski: George Soros investiert in der Ukraine und erhält Orden. Sächsische Zeitung, 1. Dezember 2015.
  39. Nina Jeglinski: George Soros investiert groß in der Ukraine. Standard.at, 19. November 2015; Soros to invest in new equity fund under Dragon Capital's management. Interfax.com.ua, 18. November 2015.
  40. Schluss mit Bush! Wie George Soros mit Dollars den US-Wahlkampf aufmischt. 3sat, 3. Februar 2004
  41. CommonDreams.org: Why We Must Not Re-elect President Bush. CommonDreams, 28. September 2004
  42. The Financial Crisis: An Interview with George Soros. The New York Review of Books, 15. Mai 2008
  43. Reporters Without Borders: Income and expenditure. 31. Dezember 2006
  44. Bastian Obermayer, Frederik Obermaier: Die Ibiza-Affäre. Innenansichten eines Skandals. Mit einem Vorwort von Armin Wolf. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, ISBN 978-3-462-05407-1, S. 44.
  45. George Soros – Staatsmann ohne Staat. SZ, 22. Dezember 2006
  46. Jan Fleischhauer, Michaela Schießl: Weltwirtschaft: „Perfekter Feind“. Spiegel, 25. März 2002
  47. George Soros: On Israel, America and AIPAC. The New York Review of Books, 12. April 2007
  48. Finanzkrise: Soros sieht schlimmste Krise seit 60 Jahren. Die Welt, 25. Januar 2008
  49. US-Investor: Soros will eine Milliarde Dollar in Klimaschutz investieren. Manager Magazin, 11. Oktober 2009
  50. Bald in Berlin: Soros stiftet Klimainstitut. die tageszeitung (taz), 11. November 2009
  51. George Soros: Millionen-Angriff auf etablierte VWL. Handelsblatt, 3. November 2009
  52. 40 Superreiche spenden Hälfte ihres Vermögens. Spiegel Online, 4. August 2010
  53. Henrik Mortsiefer: George Soros: Multimilliardär für Legalisierung von Marihuana. Der Tagesspiegel (TS), 28. Oktober 2010
  54. US-Milliardär: George Soros gibt Großteil des Vermögens seiner Stiftung. Spiegel Online, 18. Oktober 2017; David Gelles: George Soros Transfers Billions to Open Society Foundations. NYT, 17. Oktober 2017
  55. Jessica Elgot: George Soros 'proud' of donating £400,000 to anti-Brexit campaign. The Guardian, 11. Februar 2018; Jessica Elgot:George Soros raises donation to anti-Brexit Best for Britain group. Guardian, 11. Februar 2018
  56. Kaitlin Thaney: George Soros, founder of Open Society Foundations, invests in the future of free and open knowledge. Wikimedia-Foundation, 15. Oktober 2018
  57. Matthias Holland-Letz: Wenn Stiftungen Journalismus finanzieren. Forschungsjournal Soziale Bewegungen Band 30. Heft 4. DOI: https://doi.org/10.1515/fjsb-2017-0090, 2018, S. 95.
  58. Contributors, 2016 cycle. Opensecrets.org
  59. Investor nennt Trump einen „Möchtegern-Diktator“. FAZ, 20. Januar 2017; Soros Says Markets to Slump With Trump, EU Faces Disintegration. Bloomberg, 19. Januar 2017
  60. Olivia Solon: George Soros: Facebook and Google a menace to society. 26. Januar 2018
  61. Gregor Mayer: Orbán profiliert sich als Verschwörungstheoretiker. Standard.at, 1. November 2015; William Totok: Orbáns Feindbild. taz, 14. April 2018; Michael Butter: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-07360-5, S. 109; Armin Pfahl-Traughber: Verschwörungsideologien heute. In: Helmut Reinalter: (Hrsg.): Handbuch der Verschwörungstheorien. Salier, Leipzig 2018, ISBN 978-3-96285-004-3, S. 311f.
  62. a b Hannes Grassegger: Der böse Jude. Das Magazin Nr. 1/2, 12. Januar 2019, S. 8–17
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