George Weah

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George Weah (2016)

George Tawlon Manneh Oppong Ousman Weah (* 1. Oktober 1966 in Monrovia, Liberia) ist ein liberianischer Politiker, ehemaliger Fußballspieler und der designierte Präsident Liberias.

Der 1995 als Weltfußballer des Jahres gekürte und mit dem Ballon d’Or ausgezeichnete Weah wird in Liberia wie ein Volksheld verehrt. Er gilt als einer der besten afrikanischen Fußballspieler. Seine größten Erfolge hatte er während der 1990er Jahre in Europa bei Vereinen wie AS Monaco, Paris Saint-Germain und AC Mailand.

Später nutzte er seine Popularität politisch und gründete die liberianische Partei Congress for Democratic Change (CDC). 2005 kandidierte er erstmals für das Amt des liberianischen Staatspräsidenten, scheiterte jedoch gegen seine Kontrahentin Ellen Sirleaf. Bei seinem zweiten Anlauf 2017 gewann er schließlich gegen Joseph Boakai.

Herkunft und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weah ist Angehöriger der Volksgruppe der Kru. Er wuchs bei seiner Großmutter in Clara Town auf, einem Slum nahe der Hauptstadt Monrovia. Obwohl Liberia als eines der ärmsten Länder Afrikas gilt, konnte er eine Schule besuchen und fand anschließend Arbeit als Techniker bei der nationalen Telefongesellschaft. Fußball war früh seine Leidenschaft: zunächst als Straßenfußballer in seinem Viertel, später als Amateurspieler bei Mighty Barolle und den Invincible Eleven. Seine Geschwister Moses und Wolo waren ebenfalls Fußballnationalspieler für Liberia.[1]

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

George Weah
Spielerinformationen
Name George Tawlon Manneh Oppong Ousman Weah
Geburtstag 1. Oktober 1966
Geburtsort MonroviaLiberia
Größe 184 cm
Position Stürmer
Junioren
Jahre Station
1981–1984 Young Survivors Clareton
1984–1985 Bongrange Company
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1985 Bongrange Company 2 0(1)
1986 Mighty Barolle 10 0(7)
1986–1987 Invincible Eleven 23 (24)
1987 Africa Sports National
1987–1988 Tonnerre Yaoundé 18 (14)
1988–1992 AS Monaco 103 (47)
1988–1990 AS Monaco B 6 0(3)
1992–1995 Paris Saint-Germain 96 (32)
1993–1994 Paris Saint-Germain B 1 0(0)
1995–2000 AC Mailand 114 (46)
2000 → FC Chelsea (Leihe) 11 0(3)
2000 Manchester City 7 0(1)
2000–2001 Olympique Marseille 19 0(5)
2001–2003 Al-Jazira Club 38 (28)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)2
1988–2002 Liberia 60 (22)
Stationen als Trainer
Jahre Station
2008 Valiente Koriyama Tokyo (jap. Sechstligist)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: Karriereende

2 Stand: Karriereende

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Afrika (1986 bis 1988)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von zwanzig Jahren debütierte Weah 1986 in der ersten Liga für Mighty Barolle, später schloss er sich den Invincible Eleven an und gewann mit beiden Mannschaften jeweils die Meisterschaft. 1987 wurde er mit 24 Toren in 23 Partien Torschützenkönig. Im gleichen Jahr wechselte Weah nach Kamerun zu Tonnerre Yaoundé, einer der stärksten Mannschaften des Kontinents, und weckte dort das Interesse europäischer Spitzenvereine.

Frankreich (1988 bis 1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Jahr in Kamerun wechselte der Mittelstürmer 1988 nach Europa zum AS Monaco. Sein neuer Trainer Arsène Wenger sagte über den Neuzugang: „Weah war die große Überraschung. Er war der Schokoladenhase, den der kleine Junge an Ostern im Garten findet. Ich habe nach ihm nie wieder einen Spieler so explodieren sehen.“ Sein erstes französisches Profispiel bestritt er am 17. August 1988 gegen AJ Auxerre.

Weah entwickelte sich rasch zu einem der besten Stürmer in der französischen Liga. Mit den Monegassen gewann er 1991 den französischen Fußballpokal, ein Jahr später stand er im Finale des Europapokals der Pokalsieger, welches gegen Werder Bremen verloren ging. Im Sommer 1992 wechselte er zu Paris Saint-Germain, wo er weitere Titel gewann: 1994 die Meisterschaft, 1993 und 1995 den Pokal sowie 1995 den Ligapokal. Insbesondere dank seiner Leistungen in der Champions League wurde Weah als erster Afrikaner überhaupt zu Europas Fußballer des Jahres und zum Weltfußballer gewählt.

AC Mailand (1995 bis 2000)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 wurde Weah vom italienischen Verein AC Mailand verpflichtet, wo zu seinen Mitspielern u.a. Franco Baresi, Paolo Maldini und Roberto Baggio gehörten. In der ersten Saison (1995/96) gewann der Verein die Meisterschaft (Scudetto), konnte auf internationaler Ebene aber nicht mehr an vorherige Erfolge anknüpfen. Später bildete Weah gemeinsam mit Oliver Bierhoff das Sturmduo der Meistersaison 1998/99. Als anschließend seine Leistungen nachließen, erfolgte in der Winterpause der Saison 1999/00 eine Ausleihe an den FC Chelsea nach London.

Späte Jahre (2000 bis 2003)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem FC Chelsea gewann er den FA-Cup. Da Trainer Gianluca Vialli den Kader verjüngen wollte, wechselte Weah im Sommer 2000 zu Aufsteiger Manchester City. Dort unterzeichnete er einen Zweijahres-Vertrag, der bereits im Oktober 2000 in beiderseitigem Einvernehmen wieder aufgelöst wurde, da Weah von Trainer Joe Royle nur unregelmäßig eingesetzt wurde und er unzufrieden war. Anschließend spielte er kurze Zeit bei Olympique Marseille und beendete 2003 seine Karriere in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil der „Goldenen Generation“ Liberias nahm Weah mit der Nationalmannschaft 1996 und 2002 an der Afrikameisterschaft teil. Die Qualifikation zu einer Weltmeisterschaft gelang Weah mit der Nationalmannschaft nicht.

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mighty Barolle (1985–1986)
  • Liberianischer Meister: 1986
  • Liberianischer Pokalsieger: 1986
Invincible Eleven (1986–1987)
  • Liberianischer Meister: 1987
Tonnerre Kalara Club de Yaoundé (1987–1988)
  • Kamerunischer Meister: 1988
AS Monaco (1988–1992)
Paris Saint-Germain (1992–1995)
AC Mailand (1995–2000)
FC Chelsea (Leihe 2000)

Persönliche Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine beiden Söhne George jr. (* 1987) und Timothy (* 2000) spielen ebenfalls Fußball.[2]

Während seiner Zeit bei PSG erwarb er die französische Staatsbürgerschaft; er spricht die französische Sprache fließend.[3]

Anfang des Jahres 2008 war Weah kurzzeitig Trainer des japanischen Sechstligisten Valiente Koriyama Tokyo.

Humanitäres Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mitte der 1990er Jahre engagiert er sich für humanitäre Projekte in Liberia. 1994 gründete er den Fußballverein Junior Professionals, dessen Präsident er ist. Einige dort aktive Spieler haben den Sprung in die liberianische Nationalmannschaft geschafft. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist für die Jugendlichen, dass sie regelmäßig die Schule besuchen.

Weah war UNICEF-Botschafter und erhielt 2004 den Arthur Ashe Courage Award für seinen humanitären Einsatz.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlorene Präsidentschaftswahl 2004 und gewonnener Senatorenposten 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2004 erklärte er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen am 11. Oktober 2005, bei denen ein Nachfolger für den Übergangspräsidenten Gyude Bryant bestimmt wurde. Trotz seiner Unerfahrenheit in der Politik wurden ihm gute Chancen zugebilligt, die Wahlen zu gewinnen, da er im Land sehr bekannt und populär ist. Als Präsident wollte sich Weah dafür einsetzen, dass die Friedenstruppe der Vereinten Nationen UNMIL zumindest während seiner ersten Amtszeit von sechs Jahren in Liberia stationiert bliebe, um ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges zu verhindern.

Im ersten Wahlgang erreichte er als Kandidat der Congress for Democratic Change laut vorläufigem amtlichen Endergebnis 28,3 % der Stimmen. Seine schärfste Konkurrentin, die ehemalige Mitarbeiterin der Weltbank und ehemalige Finanzministerin Ellen Johnson-Sirleaf, erreichte 19,8 %. Die Stichwahl fand am 8. November 2005 statt. Nach dem offiziellen Endergebnis lag er mit 40,6 % der Stimmen deutlich hinter Johnson-Sirleaf, die 59,4 % erreichte. Weah beklagte Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung. Die zur Wahlsiegerin erklärte Johnson-Sirleaf deutete an, Weah ein Ministeramt anzubieten. Weahs Partei sträubte sich, das Ergebnis anzuerkennen. Mitte Dezember erklärte sich Weah in öffentlichen Reden zum Präsidenten, was in Monrovia Unruhen auslöste. Unter Vermittlung des ehemaligen nigerianischen Präsidenten Abdulsalami Abubakar fand einige Tage später ein Treffen zwischen Weah und Johnson-Sirleaf statt, welches die Lage entspannte. Am 16. Januar 2006 wurde Ellen Johnson-Sirleaf als Präsidentin vereidigt.

Nach der verlorenen Wahl legte Weah als bereits 40-jähriger das Abitur ab und absolvierte ein Betriebswirtschaftsstudium, um sich besser auf seine politische Laufbahn vorzubereiten.[4]

Am 20. Dezember 2014 wurde George Weah mit großem Vorsprung für die Region Montserrado in den liberianischen Senat gewählt; sein Gegenkandidat war ein Sohn von Ellen Johnson-Sirleaf.[5]

Gewonnene Präsidentschaftswahl 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 nahm Weah erneut als Kandidat an der Präsidentschaftswahl teil, nachdem Ellen Johnson-Sirleaf verfassungsgemäß nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren durfte. Für Diskussionen sorgte die Auswahl seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Jewel Howard-Taylor. Die Senatorin ist die Ex-Ehefrau des früheren Präsidenten Charles Taylor, der 2012 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einer Haftstrafe von 50 Jahren verurteilt worden war. Weah bestritt jeglichen Kontakt zum früheren Staatschef.[6]

In der ersten Wahlrunde am 10. Oktober lag Weah mit rund 38 Prozent der Stimmen vor dem bisherigen Vizepräsidenten Joseph Boakai. Boakai legte wegen „massiver Unregelmäßigkeiten“ Widerspruch gegen den Wahlgang ein. Zwar wurde die Klagen abgewiesen, aber die juristischen Auseinandersetzungen verschoben die Stichwahl zwischen Weah und Boakai vom ursprünglich geplanten 7. November auf den 26. Dezember. Nach Angaben der Wahlkommission gewann Weah die Stichwahl. Nach Auszählung von 98,5 Prozent der Stimmzettel kam er auf 61,5 Prozent der Stimmen. Die Präsidentschaftswahl gilt als erster demokratischer Führungswechsel in Liberia seit 1944.[7] Weah wurde für sechs Jahre gewählt. Das Amt tritt er am 22. Januar 2018 an.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joel Toe Joined Under-23. In: thenewdawnliberia.com (englisch)
  2. Chelsea hand trial to George Weah's son. In: inside World Soccer. 30. März 2013, abgerufen am 6. Januar 2018.
  3. George Weah, l’enfant du ghetto devenu président du Liberia. In: Le Monde Afrique. 30. Dezember 2017, abgerufen am 6. Januar 2018.
  4. George Weah: Erst Fußballstar, jetzt Staatspräsident. In: badische-zeitung.de, 29. Dezember 2017, abgerufen am 6. Januar 2018
  5. Siehe die Meldung Weah élu sénateur. In: France Football, 28. Dezember 2014 (französisch)
  6. Weltfußballer von 1995: Ex-Fußballstar George Weah wird neuer Präsident von Liberia. In: focus.de, 28. Dezember 2017, abgerufen am 28. Dezember 2017.
  7. Ex-Fußballstar: George Weah gewinnt Präsidentschaftswahl in Liberia. In: Spiegel Online, 28. Dezember 2017, abgerufen am 28. Dezember 2017.
  8. Liberias Präsident will Armut bekämpfen. In: Luzerner Zeitung, 31. Dezember 2017.