Georgenhausen

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Georgenhausen
Stadt Reinheim
Koordinaten: 49° 50′ 43″ N, 8° 48′ 18″ O
Höhe: 177 m ü. NHN
Fläche: 2,19 km²[1]
Einwohner: 2123 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 969 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64354
Vorwahl: 06162
Karte
Stadtteile von Reinheim; Georgenhausen in Rot.
ehemaliges Rathaus
ehemaliges Rathaus

Georgenhausen (mundartlich: Schorschehause)[3] ist ein Stadtteil von Reinheim im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georgenhausen liegt am Westrand eines fruchtbaren und waldlosen Lössgebietes, das sich bis Groß-Umstadt erstreckt. Die Ortslage ist knapp drei Kilometer von der Gersprenz entfernt und liegt nördlich des Mühlbachs, einem linken westlichen Zufluss der Gersprenz, dessen Oberlauf als Zeilharder Bach und dessen Unterlauf als Hirschbach bekannt ist.

Georgenhausen ist im Westen mit dem Stadtteil Zeilhard zusammengewachsen und grenzt im Norden an das Gebiet von Groß-Zimmern sowie im Osten und Süden an die Gemarkung des nur rund 500 Meter entfernten Stadtteils Spachbrücken.

Die Gemarkung ist mit 219 Hektar Fläche relativ klein und zu großen Teilen bebaut. Nach dem Stand von 1961 galten 31 Hektar als bewaldet. Da es in der Nähe von Georgenhausen keinen Wald gibt, hatte der Ort Anteil an der Dieburger Mark. Alle Gemeinden, die ursprünglich zur Dieburger (Wald-) Mark gehörten, nutzten bis 1812 das Waldgebiet westlich von Dieburg genossenschaftlich. Gewinnung von Brennholz und Bauholz, von Gerberlohe und Holzkohle, dazu Waldweide, Rodung und Renaturierung sowie alle Streitigkeiten wurden auf einem Märkerding geregelt, das bei Dieburg im Freien tagte, zu der jede ortsansässige Familie einen Vertreter (Märker) schickte und die unter der Schirmherrschaft des Mainzer Erzbischofs stand. 1812 wurde die Genossenschaft aufgelöst und der Wald je nach der Anzahl der Märker auf die beteiligten Gemeinden aufgeteilt. Georgenhausen hatte damals 42 Wohnhäuser mit 267 Seelen, stellte 46 Märker und erhielt daher 319 Morgen (rund 40 Hektar) Gemeindewald, ähnlich Zeilhard und Klein-Zimmern. Die anderen Markgemeinden waren größer und bekamen größere Flächen.[4] Es handelte sich um die Flur 2 der Gemarkung Zeilharder Wald, eine Exklave nördlich der Gemarkung Georgenhausen, die 1977 in die Gemeinde Messel eingegliedert wurde.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georgenhausen wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Kristallisationspunkt von Georgenhausen waren das Hofgut und die Kirche. Die Vorgängerin der heutigen, 1792 erbauten Kirche, soll von den Rittern von Rodenstein gestiftet worden sein, die auch im Besitz des Hofgutes waren. Sie wurde 1250 gebaut, als sich die umliegenden Orte (Roßdorf, Spachbrücken) aus dem Verband der alten Dieburger Pfarrei herauslösten. Das dem heiligen Georg geweihte Gotteshaus hat auch dem Ort den Namen gegeben, der erstmals 1318 als Gorienhusen erwähnt wird. In den historischen Dokumenten ist Georgenhausen im Laufe der Jahrhunderte unter verschiedenen Ortsnamen wie folgt belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Jorgenhusen (1407)
  • Jorgenhusen (1429)
  • Jergenhusen (1443)
  • Gorgenhusen (1454)
  • Georgen Hausen (1580)
  • Jörgershausen (1710)
  • Georgenhausen (1730)

Der Name erschien erstmals in einem Teilungsvertrag zwischen dem Grafen Bertolf und dem Grafen Eberhard von Katzenelnbogen am 26. August 1318, in dem sich die beiden Grafen in Anwesenheit von Zeugen ihre Einkünfte aus Südhessen teilten: „… dagegen ist Graf Eberhart als sein Anteil zugefallen … der Zehnte zu Gorienhusin …“ Diese Urkunde zeigt, dass Katzenelnbogen Besitzungen in der Gegend um Groß-Gerau, im nördlichen Odenwald und bei Auerbach hatte. Georgenhausen gehörte nicht dazu; die Grafen bezogen von dort nur den Zehnten.

Georgenhausen war damals kein geschlossenes Dorf, sondern bestand aus mehreren großen Höfen: dem Rodensteinischen Hofgut, dem Großen Hof im Besitz der Pfalz und dem Beunenhof im Besitz der Familie Rabenold von Tannenberg. Diese drei herrschaftlichen Höfe haben sich wohl anlässlich des Kirchenbaues zu einer Gemeinde zusammengeschlossen und den gemeinsamen Namen „Georgenhausen – die Gemeinde der Georgskirche“ angenommen. Die ursprünglichen Namen der drei Höfe sind verloren gegangen.

Spachbrücken und Zeilhard gehörten seit mindestens 1323 den Herren von Bickenbach, seit 1360 den Schenken zu Erbach und von 1528 bis 1805 den Löwensteinern. In keiner Urkunde vor 1398 ist Georgenhausen mit diesen beiden Orten aufgeführt, es hatte also schon vorher ein anderes Schicksal. Erst 1398 war die Pfalz Besitzerin von Georgenhausen. Da die Pfalz in Georgenhausen einen Hof besaß, der noch 1503 nach fuldischem Recht verliehen wurde, wird sie den Hof und die Rechte über das Dorf 1390 zusammen mit der Konkursmasse der Zent Umstadt von der Abtei Fulda gekauft haben.

Die Pfalz verlieh 1398 Spachbrücken, Zeilhard und Georgenhausen an Erbach, was in den Urkunden bis 1482 bestätigt wurde. 1482 war Habitzheim an den Herrn von Scharfeneck (später: Löwenstein) verpfändet. Es ist fraglich, ob Georgenhausen zu diesem Amt gehörte, aber auf jeden Fall war es Pfälzer Besitz. 1611 mussten die Georgenhäuser den Grafen Löwenstein Scharfeneck Frondienste leisten. Georgenhausen unterstand also den Löwensteinern von 1482 bis 1611.

Der Bauernhof der Rabenolds wurde 1460 an die Familie Walbrunn zu Ernsthofen verkauft, die 1618 auch das Hofgut erworben hatten, das bis dahin in den Händen der Familie Fechenbach war. Um 1600 stellten die Walbrunns auch den Pfarrer, sie waren also spätestens 1618 das weltliche und geistliche Oberhaupt von Georgenhausen. 1629 unterstanden die Georgenhäuser auch in peinlichen Strafgerichtsfällen nicht mehr dem Gericht in Lichtenberg oder Groß-Umstadt, sondern der örtlichen Herrschaft.

1649, nach dem Dreißigjährigen Krieg, war Walbrunn so verschuldet, dass er Georgenhausen an den „Kriegsgewinnler“ Kamptz zu Godow verkaufen musste. Von ihm erbte 1671 Haxthausen das Hofgut und die Macht in Georgenhausen.

1732 zog die verwitwete Albertina Charlotte von Haxthausen auf das Hofgut und regierte selbstherrlich mit ihrem Sohn Christian Rudolf Anton bis 1811 nach dem Motto: „Der Staat bin ich!“ Sie rissen immer mehr Grundbesitz an sich, behaupteten ihre eigene Gerichtsbarkeit und wehrten sich gegen jede Beeinflussung von außen.

Schon 1504 bei der Bairischen Fehde gelang es dem hessischen Landgrafen, den gesamten bisher pfälzischen und erbachischen Odenwald an sich zu bringen. Die Pfalz, bisher alleinige Großmacht in diesem Bereich, musste sich mit Hessen die Umstädter Zent teilen, zu der auch Zeilhard gehörte. Der Ober-Ramstädter Teil von Dilshofen kam wohl schon damals an Hessen. Auch den Landgrafen gelang es nicht, das Niemandsland Georgenhausen unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein dicker Aktenstapel von einem Prozess 1789 berichtet von langjährigen Streitigkeiten zwischen Haxthausen und Hessen mit Dorfbesetzungen und Hausdurchsuchungen. Aber Haxthausen war nicht beizukommen. Erst mit der Bauernrevolte von 1800, also kurz nach der Französischen Revolution, begann die Eigenherrlichkeit der Haxthausens zu bröckeln.

Es war wohl ein Segen, dass nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches 1806 das Niemandsland Georgenhausen in das neu geschaffene Großherzogtum Hessen einverleibt wurde. Dem Freiherrn blieben als Ersatz für die verlorene Souveränität aber noch bis 1821 die niedere Gerichtsbarkeit und das Recht der Pfarrstellenbesetzung. Dieses ging später an den Grafen Görtz von Schlitz über, er behielt das Patronat über die Kirchengemeinde bis zum Rechtsverzicht im Jahre 1968; es wird seither von der Landeskirche selbst wahrgenommen.

Nach dem Tod Rudolfs von Haxthausen 1811 wohnten die sogenannten Patrimonialherren nicht mehr in Georgenhausen, sondern ließen ihre Geschäfte durch Gutsverwalter und Amtsleute erledigen. Die Zügel wurden erst gelockert, als das Hofgut und die Patrimonialrechte 1836 an den Grafen Görtz von Schlitz übergingen. 1858 gehörten zum Hofgut 730 neue Morgen, das sind 182,50 Hektar. Mit einem Grundvermögen diesen Ausmaßes blieb das Gut unter den Pächtern der Grafen ein Wirtschaftsfaktor, der weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus Bedeutung hatte und hielt das ganze Dorf weiter in Abhängigkeit. Diese endete erst 1946, als der Graf das Gut an die Nassauische Siedlungsgesellschaft verkaufte, welche einen Teil des Ackerlandes in Bauland umwandelte. Seit 1960 wird nur noch ein bescheidener Resthof landwirtschaftlich genutzt.[6]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Georgenhausen am 1. Januar 1977 kraft Gesetzes in die Stadt Reinheim eingegliedert.[5] Für die Stadtteile Georgenhausen und Zeilhard wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten sind wie folgt dokumentiert:[1]

  • 1429 zur Dieburger Mark gehörig
  • 1820: Patrimonialgericht Georgenhausen (v. Haxthausen)
  • ab 1821 Landratsbezirk Reinheim der Provinz Starkenburg.
  • 1832 bis 1848: Kreis Dieburg, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
  • 1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
  • 1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
  • 1938 bis 1977: Landkreis Dieburg. Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen aufgelöst.
  • ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufging.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georgenhausen: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
296
1834
  
309
1840
  
335
1846
  
345
1852
  
304
1858
  
279
1864
  
252
1871
  
292
1875
  
293
1885
  
277
1895
  
248
1905
  
284
1910
  
294
1925
  
361
1939
  
397
1946
  
552
1950
  
569
1956
  
673
1961
  
755
1967
  
991
1970
  
1.014
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1961: 575 evangelische, 175 römisch-katholische Einwohner

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Georgenhausen gibt es vier kirchliche Einrichtungen: die evangelische Georgskirche, die katholische Kapelle St. Elisabeth, Königreichssaal der Zeugen Jehovas und die Neuapostolische Kirche.[7][8][9]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 38 führt am Nordrand von Georgenhausen vorbei. Für den Anschluss an die Bundesstraße und an den Nachbarort Zeilhard sorgt die Kreisstraße K 130.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Stadtteils

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georgenhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Georgenhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Aktuelle Zahlen auf einen Blick. In: Internetauftritt der Stadt Reinheim. Abgerufen am 9. Februar 2018.
  3. Darmstädter Echo, Donnerstag, 18. September 2014, S. 23
  4. Tischner, Heinrich: Aktualisierte Neufassung meines Aufsatzes in Reinheimer Beiträge 5 (1993). Die Gemeinde Georgenhausen
  5. a b Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, §§ 10 und 14 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. Tischner, Heinrich: Aktualisierte Neufassung meines Aufsatzes in Reinheimer Beiträge 5 (1993). Geschichte Georgenhausens
  7. Evangelische Kirche Georgenhausen, abgerufen am 16. April 2012
  8. Katholische Gemeinde Georgenhausen, abgerufen am 16. April 2014
  9. Neuapostolische Kirche in Georgenhausen, abgerufen am 22. November 2016
  10. Darmstädter Echo, Montag, 3. September 2018, S. 22.