Georgenthal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Georgenthal in Thüringen, für weitere Bedeutungen siehe Georgenthal (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Georgenthal
Georgenthal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Georgenthal hervorgehoben
Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs­gemeinschaft: Apfelstädtaue
Höhe: 390 m ü. NHN
Fläche: 28,8 km2
Einwohner: 2583 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km2
Postleitzahl: 99887
Vorwahl: 036253
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 025
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Tambacher Str. 2
99887 Georgenthal
Webpräsenz: www.georgenthal.de
Bürgermeister: Bert Rommeiß
Lage der Gemeinde Georgenthal im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Bad Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild

Georgenthal ist eine Gemeinde im Süden des thüringischen Landkreises Gotha und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Tal der Apfelstädt im Thüringer Wald, unweit des Rennsteigs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche St. Elisabeth, ehemalige Laienkirche des Zisterzienserklosters

Die älteste Besiedlung Georgenthals geht wohl auf die Siedlungen Asolveroth und Rekkers (Gut Rathkersdorf) in der frühen Rodeperiode zurück. 1143 wurde dann das Kloster St. Georg, ein Zisterzienserkloster, durch die Grafen von Schwarzburg-Käfernburg gegründet. Auf dieses Kloster nehmen die Namen Vallis St. Georgii und Monte St. Georgii Bezug, unter denen der Ort im 12. Jahrhundert erwähnt wurde. 1347 ist dann von Jurginthal die Rede. Das Kloster St. Georg besaß im Jahr 1335 knapp 11.000 Hektar Land mit zwölf Dörfern und hatte eine bedeutende Pferdezucht. Das Kloster wurde im Bauernkrieg in der Osternacht 1525 von einem aufständischen Bauernheer geplündert. 1531 wurde der Klosterbesitz durch Kurfürst Johann von Sachsen eingezogen. Das ehemalige Kloster und seine zwölf Dörfer bildeten künftig das Amt Georgenthal. Ab 1600 erfolgte der Umbau eines der Klostergebäude zu einer Sommerresidenz, dem „Schloss Georgenthal“. Gestaltet und genutzt wurde sie unter anderem durch Herzog Ernst den Frommen von Gotha. 1792 bis 1794 gründete und betrieb Dr. Samuel Hahnemann hier die erste deutsche homöopathische Anstalt für psychisch Kranke. Der Ort entwickelte sich dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel.

Von 1646 bis 1711 zählen die Akten des Amtes Georgenthal 71 Hexenverfolgungen auf. Allein 1674 fanden unter Amtmann und Hexenjäger Benedikt Leo 13 Hexenprozesse statt. Bis auf ganz geringe Ausnahmen wurden die Angeklagten dem Verbrennungstod überantwortet. Einige Frauen starben an den Folgen der Tortur. Die sechzigjährige Martha Lanz wurde am 4. Juni 1674 auf dem Scheiterhaufen auf dem Hirzberg verbrannt. Die 35-jährige Witwe des Köhlers Lorenz Ortlepp aus Catterfeld gestand in der Folter nicht und wurde freigesprochen.[2]

Für viele Jahre war Georgenthal mit seinem Durchgangsbahnhof ein Eisenbahnknotenpunkt. Zunächst erreichte 1876 die Ohratalbahn Gotha–Gräfenroda den Ort. 1896 wurde die Bahnstrecke Fröttstädt–Georgenthal eröffnet, die jedoch 1947 als Reparationsleistung für die Sowjetunion ab Friedrichroda wieder stillgelegt und abgebaut wurde. 1892 wurde die Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz eröffnet. Auf dieser Verbindung wurde 1969 der Personenverkehr eingestellt, jedoch die Infrastruktur für den Güterverkehr saniert. Aufgrund des schlechten Streckenzustandes stellte DB Cargo den Güterverkehr Ende 1995 endgültig ein. Die Strecke wurde bis auf ein kurzes Reststück Georgenthal–Georgenthal Ort, das einem Museumsbetrieb dienen soll, im Jahr 2010 demontiert. Am 11. Dezember 2011 wurde wegen der sinkenden Fahrgastzahlen auch auf der Ohratalbahn der Personenverkehr eingestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten über 100 Frauen und Männer im Kurhaus, in Hotels, in Sägewerken und in der Bahnmeisterei Zwangsarbeit leisten. Im April 1945 weigerte sich der Wehrmachtsoffizier Otto Fabian, den Volkssturm zum aussichtslosen Kampf gegen die vorgerückten amerikanischen Truppen zu führen, worauf er von der SS erschossen wurde. Der Platz vor dem Bahnhof Georgenthal Ort wurde in Otto-Fabian-Platz benannt und 1979 mit einem Gedenkstein versehen.

Am 1. April 1999 wurde Nauendorf eingemeindet.[3]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2014 nicht mehr aktuell zu sein: Wahlergebnisse der Kommunalwahl bitte erneuern.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Die vergangenen Kommunalwahlen seit 1994 führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
[4]
Sitze
2014
[4]
%
2009
[5]
Sitze
2009
[5]
%
2004
[6]
Sitze
2004
[6]
%
1999
[7]
Sitze
1999
[7]
%
1994
[8]
Sitze
1994
[8]
 %
40
30
20
10
0
33,1 %
n. k.
11,1 %
12,6 %
9,0 %
15,4 %
18,7 %
BfGN
Allianzg
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
-30
+5,1 %p
-27,20 %p
-5,2 %p
-3,7 %p
-3,2 %p
+15,4 %p
+18,7 %p
BfGN
Allianzg
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
g Allianz der Bürger und Vereine
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 33,1 5 28,0 4 33,0 5 24,3 4 24,3 3
FDP Freie Demokratische Partei 0,00 0 27,2 4 35,8 5 40,5 6 27,2 4
FWG Freie Wählergemeinschaft Georgenthal e. V. 11,1 1 16,3 2 11,3 2 10,7 2 19,3 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12,6 2 16,3 2 10,0 1 16,5 3 29,1 4
LINKE (bis 2004: PDS) Die Linke (bis 2004: Partei des Demokratischen Sozialismus) 9,0 1 12,2 2 10,0 1 7,9 1
BfGN Bürger für Georgenthal und Nauendorf e.V. (BfGN e.V.) 15,4 2
Allianz Allianz der Bürger und Vereine 18,7 3
gesamt 100,0 14 100,0 14 100,0 14 100,0 16 100,0 14
Wahlbeteiligung in % 55,8 54,6 53,5 69,7 74,8

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Georgenthal

Die Blasonierung für das Georgenthaler Wappen lautet: „In Gold ein auf einen schwarzen Pferd mit silbernem Zaumzeug und Sattel sitzende Ritter in roter Rüstung; mit der Linken die Zügel haltend, mit der Rechten eine rotgestielte Lanze mit silberner Spitze auf einen grünen Drachen zu seinen Füßen stoßend, begleitet rechts oben von einer silbernen, grün bordierten sechsblättrigen Rosette.“

Wappen von Nauendorf

Blasonierung für das Wappen des Ortsteils Nauendorf: „In Rot ein breiter silberner Wappenpfahl, darin auf grünem Hügel ein stehender, nach rechts sehender schwarzer Hahn mit rotem Kamm, roten Halslappen und Füßen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georgenthal ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Altarraum St. Elisabeth
Grabungsareal der Klosterruine
Saurierfundstätte Bromacker
  • Klosterruine Georgenthal
Hauptartikel: Kloster Georgenthal
  • Kirche St. Elisabeth
Hauptartikel: St. Elisabeth (Georgenthal)
  • Klosterhof und Kornhaus mit Steinrosette aus der Klosterzeit. Das heute noch erhaltene Kornhaus mit dem großen Rosettenfenster im Nordgiebel hat ein Maßwerk in Sechspassform und ist eine architektonische Kostbarkeit. Sein innerer Durchmesser beträgt 2,64 m. Es wurde im Jahre 2011 aufwändig restauriert. Das Kornhaus stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und wurde mehrfach umgebaut. Obwohl sein ursprünglicher Zweck nicht belegbar ist, lässt der Einbau eines Kaminabzuges in der südöstlichen Ecke die Vermutung zu, dass es sich um ein Winterrefektorium handelte. Da das Kloster von vielen Pilgern besucht wurde, kommt auch eine Verwendung als Hospital oder Unterkunft in Betracht. In der nachklösterlichen Zeit diente das Gebäude als Zins- und Abgabenstelle des Amtes Georgenthal und erhielt damals seinen heutigen Namen. Bis 1960 wurde es als Kornspeicher benutzt und beinhaltet heute ein Lapidarium mit Ausgrabungsstücken, z.B. Schlusssteine mit Eichenblatt- oder Efeuornamenten aus dem zerstörten Gewölbe der Abteikirche sowie Bruchstücke von Gurtbögen, Gewölberippen und Gewölbeansätzen, die schon fast gotisch anmuten.
  • ehemalige Sommerresidenz „Schloss Georgenthal“
  • Romanische Klosterruine des Klosters Georgenthal
  • Hexenturm, Gefängnis während der Hexenprozesse zwischen 1646 und 1711. Aus dieser Zeit sind 71 Hexenverfolgungen des Amtes Georgenthal bekundet. Meist wurden die betroffenen verbrannt, einige Frauen starben auch an den Folgen der Folter. Martha Lanz, 60-jährig, wurde auf dem Scheiterhaufen auf dem nahegelegenen Hirzberg verbrannt, während die 35-jährige Witwe des Köhlers Lorenz Ortlepp aus Catterfeld die Folter ertrug, nicht gestand und freigesprochen wurde.
  • Naturnah angelegter Kurpark, früher Klostergarten
  • Lohmühle und Lohmühlenmuseum
  • Saurierfundstätte Bromacker, Saurier-Erlebnispfad (Eröffnung im September 2011)[9]
  • Standort des "größten Kaminzuggrills der Welt" (Maße der Grillfläche zirka 2 × 2 Meter; mit Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde) der Firma THÜROS

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Stiehler: Kloster und Ort Georgenthal. Ein Streifzug durch die einzelnen Zeiten. Zweiter Teil: Der Ort samt seiner Umgebung von seinem ersten Anfang bis zu seinem gegenwärtigen Ausbau. Glaeser, Gotha 1893 (Digitalisat) (Reprint Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2002, ISBN 978-3-936030-78-5)
  • Wolfgang Steguweit: Der Brakteatenfund Georgenthal von 1980. In: Alt-Thüringen 18. 1983, S. 176–181.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Quelle für den Ort Georgenthal mit dem Ortsteil Nauendorf: Hier gerieten 1554–1689 17 Frauen und drei Männer in Hexenprozesse. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  4. a b Ergebnis der Kommunalwahl 2014
  5. a b Ergebnis der Kommunalwahl 2009
  6. a b Ergebnis der Kommunalwahl 2004
  7. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1999
  8. a b Ergebnis der Kommunalwahl 1994
  9. Saurierpfad im Thüringer Wald eröffnet, MDR Thüringen, abgerufen am 21. September 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georgenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien