Georges Clemenceau

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Georges Clemenceau
Der junge Georges Clemenceau, Aufnahme Nadar

Georges Benjamin Clemenceau [ʒɔʀʒ bɛ̃ʒaˈmɛ̃ klemɑ̃ˈso] (* 28. September 1841 in Mouilleron-en-Pareds, Vendée; † 24. November 1929 in Paris) war ein französischer Journalist, Politiker und Staatsmann. Während der Dritten Republik war er einer der führenden Vertreter des bürgerlich-liberalen Parti radical.

Er trat als Fürsprecher einer Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Alfred Dreyfus sowie als Befürworter einer harten Politik gegenüber Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg hervor.

Überblick[Bearbeiten]

Georges Clemenceau studierte zunächst Medizin in Nantes und Paris. In Paris wurde er politisch aktiv und gründete mit politischen Freunden seine erste Zeitung Le Travail. Später folgten die Zeitungen La justice, L'Aurore, Le Bloc und L'Homme libre. Er gab sich entschieden antiklerikal und opponierte als entschiedener Anhänger der Republik gegen das Zweite Kaiserreich, weshalb er mehrfach für kurze Zeit verhaftet wurde.

Von 1865 bis 1869 arbeitete er als Journalist und Lehrer an einer Mädchenschule in Stamford, Connecticut, wo er seine frühere Schülerin Mary Plummer 1869 heiratete und mit ihr drei Kinder bekam. Die Ehe wurde nach sieben Jahren geschieden.

Von den demokratischen Freiheiten in den USA, insbesondere der Redefreiheit, zeigte er sich erfreut. Über die USA soll er sich später jedoch geäußert haben: Les États-Unis sont passés du stade primitif à celui de la décadence sans cette période intermédiaire que l'on nomme, ailleurs, civilisation. (deutsch: Amerika, das ist die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Kultur.)

1870 kehrte er nach Frankreich zurück und wurde im selben Jahr Bürgermeister von Montmartre. 1871 erfolgte seine Wahl in die Nationalversammlung als Abgeordneter der Radikalsozialisten. Er stimmte gegen den Frieden mit Deutschland. Als Antiklerikalist und scharfer Kritiker der Kolonialpolitik durch Jules Ferry erwarb er sich in seiner Partei einen Ruf und wurde zum profiliertesten Vertreter der politischen Linken im Frankreich seiner Zeit. 1876 wurde Clemenceau Vorsitzender der Radikalsozialisten. 1885 stürzte er das Kabinett Ferry und erhielt dadurch den Beinamen „le tigre“ (der Tiger). 1893, im Zusammenhang mit dem Panamaskandal zwar nicht wiedergewählt, setzte sich seine politische Karriere dennoch fort. Während der Dreyfus-Affäre setzte er sich als Eigentümer und Herausgeber der Zeitschrift L'Aurore mit für den verurteilten Offizier ein, gemeinsam mit dem Schriftsteller Émile Zola, dessen berühmtes J’accuse 1898 in L'Aurore erschien. Mit dieser politischen Erschütterung wurde er wieder zu einem der bedeutendsten Politiker Frankreichs und zu einem der wichtigsten Verteidiger Dreyfus'.

Clemenceau (2. von rechts) bei den Verhandlungen in Versailles mit David Lloyd George, Vittorio Emanuele Orlando und Woodrow Wilson (von links).

Clemenceau wurde 1902 Senator und 1906 Innenminister. Als Innenminister setzte er 1906 das Militär gegen streikende Bergarbeiter im Département Pas-de-Calais ein, was ihn der Sozialistischen Partei entfremdete, mit der er definitiv in seiner Antwort an Jean Jaurès im Parlament brach. Von 1906 bis 1909 war Clemenceau Premierminister. Trotz seines Antikolonialismus strebte er nach steigendem Einfluss Frankreichs im unabhängigen Marokko, was die Marokkokrisen mit dem Deutschen Reich 1905/06 und 1911 heraufbeschwor. Innenpolitisch war die Einführung der Einkommensteuer die wichtigste Entscheidung in Clemenceaus erster Amtszeit. Nach 1909 und während des Ersten Weltkrieges war Clemenceau erneut vor allem als Zeitungsherausgeber aktiv. Das Amt des Ministerpräsidenten übernahm er am 16. November 1917 erneut. Angesichts von Meutereien im Heer und Streiks unter den Arbeitern sollte er einen Weg aus der Krise finden. Clemenceau, zu dieser Zeit auch als Kriegsminister verantwortlich, regierte mit harter Hand. Durch die Veröffentlichung der Sixtus-Briefe – die der französischen Regierung durch den Prinzen Sixtus von Bourbon-Parma, Bruder der österreichischen Kaiserin Zita, mit einem geheimen Kompromissangebot von Kaiser Karl I. zugeleitet worden waren – trieb er im April 1918 einen Keil zwischen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn.

Am 19. Februar 1919 wurde Clemenceau vom Anarchisten Émile Cottin angeschossen. Er erholte sich schnell, spottete über die schlechte Treffsicherheit und begnadigte den zum Tode Verurteilten zu einer Gefängnisstrafe. Bei der Pariser Friedenskonferenz 1919 in Versailles trat Clemenceau als entschiedener Gegner Deutschlands auf. Er lehnte die idealistischen Ansichten des US-Präsidenten Woodrow Wilson ab und wollte Frankreichs Interessen durch eine größtmögliche Schwächung Deutschlands schützen. Er forderte die Abtretung von Elsass-Lothringen, des Saargebiets und des Rheinlands und verlangte außerdem umfangreiche Reparationen. Als Großbritannien sich jedoch entschieden gegen eine zu große Schwächung Deutschlands wehrte, gab Clemenceau die Forderungen nach dem Rheinland auf, um das Bündnis mit den Briten nicht zu gefährden. Nach vergeblicher Kandidatur als Nachfolger Raymond Poincarés für das Amt des Staatspräsidenten – er unterlag Paul Deschanel – zog sich Clemenceau 1920 verbittert aus der Politik zurück.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Ein ehemaliger französischer Flugzeugträger, die Clemenceau (R98), war nach dem Politiker benannt.
  • Der Stadtteil Clemenceau in Cottonwood , Arizona, USA wurde nach ihm benannt.
  • Der Berg Mount Clemenceau (3658m) in den kanadischen Rockies wurde 1919 nach Clemenceau benannt.
  • Eine Straße in Beirut, Libanon heißt Rue Clémenceau.
  • Die Rue Clémenceau in Montreal, Kanada ist nach Clemenceau benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Georges Clemenceau – Quellen und Volltexte (französisch)
 Commons: Georges Clemenceau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger

Ferdinand Sarrien
Paul Painlevé
Premierminister von Frankreich
25. Oktober 1906–24. Juli 1909
16. November 1917–20. Januar 1920

Aristide Briand
Alexandre Millerand

Fernand Dubief
Innenminister von Frankreich
14. März 1906–24. Juli 1909

Aristide Briand

Paul Painlevé
Kriegsminister von Frankreich
16. November 1917–20. Januar 1920

André Lefèvre