Georges Nagelmackers

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Georges Nagelmackers

Georges Nagelmackers (* 24. Juni 1845 in Lüttich; † 10. August 1905 in Villepreux) war ein belgischer Bahnunternehmer. Er gründete Compagnie International des Wagons-Lits sowie die Compagnie International des Grands Hôtels. Als Unternehmer wirkte er maßgeblich bei der Entwicklung des Orient-Express. Darüber hinaus wurde er bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris im Gespannfahren der erste Olympiasieger in der Sportgeschichte seines Heimatlandes.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuglauf des Orient-Express von 1883 bis 1914

Nagelmackers stammte aus einer Bankiersfamilie und arbeitete zunächst als Bergwerksingenieur. Seine Tante Valerie geb. Nagelmackers war verheiratet mit dem österreichischen Komponisten Graf Ludwig von Stainlein (1819–1867).[1] Während einer Reise in Nordamerika studierte er 1867/68 das dortige Eisenbahnwesen und interessierte sich besonders für die Entwicklungen des Unternehmers und Erfinders George Pullmann, nämlich Schlaf- und Speisewagen, die bereits damals auf den zu bewältigenden weiten Strecken der USA eingesetzt wurden. In der Folge plante Nagelmackers solche Wagen auch in Europa einzuführen und veröffentlichte 1870 die Schrift: Projet d'installation de wagons-lits sur les chemins de fer du continent. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 bis 1871 verzögerte das Projekt zunächst, doch dank der Förderung durch den belgischen König Leopold II, einen Freund seines Vaters, erhielt Nagelmackers 1872 Konzessionen für die Betreibung von Waggons auf den Strecken Ostende-Brindisi und Paris-Wien. Daraufhin gründete Nagelmackers im Oktober desselben Jahres eine Aktiengesellschaft, die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL). Diese geriet zunächst in ihrer ersten Expansionsphase in Turbulenzen und musste eine Allianz mit dem amerikanischen Spekulanten und Financier William Dalton Mann eingehen, der aber später wieder ausbezahlt wurde.

Die CIWL beschäftigte sich zunächst vor allem damit, Eisenbahnwaggons zu erwerben, diese in luxuriöse Salonwagen mit allem erdenklichen Komfort umzubauen und auf den Zügen anderer Gesellschaften mitlaufen zu lassen.

Der Plan, eigene internationale Luxuszüge über das Streckennetz verschiedener europäischer Bahngesellschaften laufen zu lassen, bedrohte deren eifersüchtig gehütete Monopolrechte und erwies sich zunächst als schwierig zu realisieren. Durch Verhandlungen mit Eisenbahngesellschaften in Frankreich (Compagnie des Chemins de fer de l'Est), Baden (Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen), Württemberg (Königlich Württembergische Staats-Eisenbahnen), Österreich- Ungarn (k.k. österreichische Staatsbahnen) sowie dem Königreich Rumänien (Königlich rumänische Eisenbahnen) konnte Nagelmackers aber, wieder dank der Unterstützung durch seinen Protektor und Großinvestor König Leopold II, am 5. Juni 1883 vom Pariser Gare de l'Est aus den ersten Luxuszug mit ausschließlich von der CIWL ausgestattetem Wagenmaterial über München, Wien, Budapest, Bukarest bis zum rumänischen Donauhafen Giurgiu fahren lassen. In Giurgiu wurden die Reisenden mittels Fähren über die Donau gebracht und bestiegen einen Sonderzug nach Warna, von wo aus die Reise per Schiff nach Konstantinopel fortgesetzt wurde. Dieser Zug, der später auch alternativ über Belgrad und Sofia nach Konstantinopel geführt wurde, wurde als „Orient-Express“ berühmt. Zur Eröffnungsfahrt hatte der geschickte Unternehmer Nagelmackers zwei bekannte Journalisten, Edmond About und Henri Opper de Blowitz eingeladen. Er empfahl den Passagieren überdies, sich vorsorglich zu bewaffnen, da (ähnlich wie damals auf den Überlandstrecken in Nordamerika) auch in Europa am „wilden“ Balkan mit Überfällen von Banditen zu rechnen sei. Abouts Buch De Pontoise à Stamboul (Paris 1884) gilt als „offizieller“ Bericht über diese Jungfernfahrt.

Aufgrund seines Erfolges mit dem Orient-Express ließ Nagelmackers in Pera, dem traditionellen Europäerviertel Konstantinopels, für die Reisenden der CIWL ein Luxushotel, das Pera Palas, errichten, das 1892 eröffnet wurde.

Nagelmackers war zwar nicht der Erfinder von Schlaf- und Speisewagen und führte diese Einrichtungen in Europa auch nicht als erster Unternehmer ein. Er verhalf ihnen jedoch zum Durchbruch und der Einführung in vielen europäischen Ländern, wo sie sich vom Luxussegment auch in die übrigen Wagenklassen verbreiteten. Bei seinem Tod war die CIWL in mehr Ländern aktiv als jeder andere Betreiber solcher Wagen.

Bis zu seinem Tod 1905 blieb Nagelmackers Chef der CIWL. Nachfolger wurde sein Vertrauter, der ursprünglich aus Deutschland stammende Leiter der CIWL-Betriebsabteilung Paris, Napoléon Schroeder.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Stöckl: Eisenbahnen in Südosteuropa. Jugoslawien, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, Türkei. (=Die Eisenbahnen der Erde) Wien (Bohmann Verlag) 1975. ISBN 3-7002-0431-X
  • Jürgen Franzke: Orient-Express – Der König der Züge. (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des DB-Museums Nürnberg) Nürnberg 1998.
  • Alexis Gregory: Bon Voyage. Die goldene Zeit des Reisens 1850 – 1950, Heyne, München 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georges Nagelmackers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogische Webseite zum Paar