Georges Wolinski

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Georges Wolinski (2011)

Georges Wolinski (* 28. Juni 1934 in Tunis[1]; † 7. Januar 2015 in Paris[2]) war ein französischer Comiczeichner. Er kombinierte teilweise erotische, oft pornografische Bilder und linke bis linksradikale Politik.[3] Er wurde bei dem Terroranschlag auf die Redaktion des Magazins Charlie Hebdo ermordet.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn von Siegfried Wolinski aus Polen[4] und Lola Bembaron aus Tunesien,[5] die beide Juden waren,[6] kam 1946 nach Frankreich. Nach einem nicht abgeschlossenen Architekturstudium in Paris begann Wolinski 1960 Comicstrips für die Satirezeitschrift Hara-Kiri zu zeichnen. Ab 1968 arbeitete er auch für das satirische Magazin L’Enragé und ab 1970 für Actuel. Er bemühte sich als Chefredakteur des Magazins Charlie Mensuel ab 1971 um die Aufnahme internationaler Comics und konnte neben Krazy Kat und Popeye unter anderem auch Comics von Guido Bruzzelli und José Antonio Muñoz veröffentlichen.[7] Ab 1977 zeichnete er zudem regelmäßig Cartoons für die Tageszeitung L’Humanité. Auch in France Soir und Charlie Hebdo, dem wöchentlichen Nachfolger von Hara-Kiri, wurden seine Werke gedruckt. Dazu zählte insbesondere Monsieur, eine Serie kurzer Comicstrips, in denen sich zwei Franzosen – ein konservativer „Alleswisser“ und sein Konterpart, ein opportunistischer Stichwortgeber –, die von Wolinski mit nur wenigen Strichen, aber viel Text skizziert wurden, über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen unterhalten.

Sein bekanntestes Werk ist die Serie Paulette, die er als Autor ab 1971 mit dem Zeichner Georges Pichard entwickelte. Die einzelnen Folgen erschienen zunächst in Charlie Mensuel und wurden später in Alben veröffentlicht. Die Titelheldin ist eine junge Erbin, die in ihren Abenteuern vergewaltigt, erniedrigt und gefoltert wird. Wolinskis Erzählungen vermengen dabei literarische Gattungen und Handlungsorte; sie verwenden Muster und Stereotype der Trivialliteratur, die übertrieben und ironisiert werden.[8]

Wolinski erhielt 2005 den Grand Prix de la Ville d’Angoulême auf dem Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême. Am 7. Januar 2015 wurde er bei dem Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris erschossen.[9] Wolinski wurde auf dem Friedhof von Montparnasse beigesetzt.[10]

Werke[Bearbeiten]

  • Les Français me font rire, 1975
  • Cactus Joe : Et autres histoires, 1977
  • Lettre ouverte à ma femme., 1978
  • N'importe quoi : Dessins inconnus, 1948-78, 1979
  • Pensées, 1982
  • J'étais un sale phallocrate, 1983
  • Les femmes sont des hommes comme les autres, 2009
  • Wolinski : 50 ans de dessins, 2012
  • Vive la France !, 2013
  • Le village des femmes, 2014
  • Mes années 70, 2015

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georges Wolinski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurzporträt von Georges Wolinksi auf comic.de, abgerufen am 7. November 2007
  2. Attentat à "Charlie Hebdo" : les dessinateurs Charb, Tignous et Wolinski sont morts
  3. Prägender Cartoonist ist tot fr-online.de vom 8. Januar 2015
  4. Charlie Hebdo. Zeichner Georges Wolinski unter den Opfern, Jüdische Allgemeine, 7. Januar 2015
  5. Charlie Hebdo Deaths, USA Today, 7. Januar 2015
  6. Jüdischer Karikaturist unter den Todesopfern, tachles, 8. Januar 2015.
  7. Thierry Groensteen (Hrsg.): Asterix, Barbarella & Co. Geschichte des Comic im französischen Sprachraum. Somogy Editions D’Art, Paris 2000, S. 170 f.
  8. Reinhold Wolff: Frauenbilder - Männerträume. In: Comixene 22, 1979 S. 26.
  9. Attentat à "Charlie Hebdo" : les dessinateurs Charb, Tignous et Wolinski sont morts - OZAP (fr) Abgerufen am 15. Januar 2015.
  10. Die Satire lebt auf seinem Sarg weiter, 15. Januar 2015, Bild.de