Georgische Rugby-Union-Nationalmannschaft

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Georgien
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Spitzname(n) Lelos
Verband Georgia Rugby Union
Trainer NeuseelandNeuseeland Milton Haig
Kapitän Merab Scharikadse
WR-Kürzel GEO
WR-Rang 14. (71,26 Punkte)
(Stand: 5. November 2019)
[1]
Heim
Auswärts
Meiste Länderspiele
Dawit Katscharawa und Merab Kwirikaschwili (115)
Meiste erzielte Punkte
Merab Kwirikaschwili (840)
Meiste erzielte Versuche
Mamuka Gorgodse (26)
Erstes Länderspiel
SimbabweSimbabwe Simbabwe 3:16 Georgien Georgien Sozialistische SowjetrepublikGeorgische SSR
(12. September 1989)
Höchster Sieg
Georgien 1990Georgien Georgien 98:3 Tschechien TschechienTschechien
(8. April 2002)
Höchste Niederlage
EnglandEngland England 84:6 Georgien Georgien 1990Georgien
(12. Oktober 2003)
Weltmeisterschaft
Teilnahmen: 4
Bestes Ergebnis: Vorrundendritter 2015

Die georgische Rugby-Union-Nationalmannschaft (georgisch საქართველოს მორაგბეთა ეროვნული ნაკრები) vertritt Georgien in der Sportart Rugby Union. Ihr Spitzname „Lelos“ stammt von einem dem Rugby ähnlichen Sport. Lelo wurde von den Georgiern als Bezeichnung für „Versuch“ übernommen.

Georgien wird vom Weltverband, dem International Rugby Board (IRB), in die dritte Stärkeklasse (third tier) eingeteilt, aufgrund der guten Leistungen in der vergangenen Zeit befindet sich die Mannschaft aber bereits auf höherem Niveau. Im Februar 2008 gelang den Georgiern der Sprung auf Platz 14 in der Weltrangliste, dem höchsten Stand in der Geschichte des Verbandes. Damit steht man über den eigentlich höher eingestuften Kanadiern, Rumänen, Japanern und US-Amerikanern.

Georgien nimmt am European Nations Cup teil und konnte diesen Wettbewerb in der Saison 2000/01 gewinnen. 2003 und 2007 gelang die Qualifikation zur Weltmeisterschaft. Bei der WM 2011 in Frankreich feierten die Georgier ihren ersten Sieg bei einer Weltmeisterschaft als sie 30:0 gegen Namibia gewannen. Bei der WM 2015 besiegten sie in der Vorrunde Rumänien mit 25:9.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rugby ist eine der populärsten Sportarten in Georgien, was auch mit der Tradition des Lelos zusammenhängt. Dieses Spiel wurde bereits vor mehreren Jahrhunderten zwischen georgischen Dörfern ausgetragen. Dabei trafen zwei Mannschaften, bestehend aus allen starken Männern des Dorfes, an einem Fluss oder Bach aufeinander. Ein überdimensionierter, schwerer Ball fungierte als Spielgerät. Ziel dieses Spiels war es, den Ball auf die andere Seite des Gewässers zu befördern und somit den Gegner zurückzudrängen.

Rugby hingegen wurde erst in den 1950er und 1960er Jahren populär, 1964 gründete sich dann die Georgia Rugby Union. Bis Ende der 1980er blieb der Verband jedoch Teil des übergeordneten sowjetischen Verbandes. Folglich spielten die Georgier auch für die Mannschaften der UdSSR.

Die ersten Länderspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1989 trat Georgien erstmals mit einer eigenen Mannschaft im Rugby an. Zusammen mit anderen Nationen reisten sie nach Simbabwe und spielten dort eine Serie von Spielen gegen die Afrikaner. Das somit erste offizielle Länderspiel gewann man mit 16:3. Das zweite Spiel ging verloren, die dritte Auseinandersetzung mit Simbabwe wurde allerdings erneut siegreich bestritten.

Mit der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik am 9. April 1991 waren die Weichen für die Zukunft des georgischen Rugbys gelegt. Zunächst war es jedoch schwer, geeignete Gegner zu finden. Die restlichen Sowjetstaaten blieben als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bestehen und so blieb Georgien nur die Ukraine als Gegner, bis die IRB Georgien 1992 in seine Reihen aufnahm.

Etablierung in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Verpflichtung des französischen Trainers Claude Saurel 1997 stieg die Qualität des georgischen Spiels rapide an. In kurzer Zeit konnte Rugby Fußball als beliebteste Mannschaftssportart ablösen. Unter der Regie von Saurel scheiterte Georgien knapp an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1999. Im entscheidenden Play-Off-Match gegen Tonga unterlag man in Nukuʻalofa mit 37:6, konnte aber in Tbilisi das Rückspiel mit 28:27 gewinnen.

Nach dem dritten Platz im European Nations Cup in der Saison 1999/2000 gelang Georgien ein Jahr später der Gewinn dieses Pokals. Im letzten Spiel gegen Rumänien gewannen die Georgier mit 31:20 und blieben so ohne Punktverlust in dieser Saison. Mittlerweile spielten einige Akteure der Mannschaft in Frankreich und machten so den Sport noch populärer. Beim prestigeträchtigen Aufeinandertreffen gegen Russland kamen 65.000 Menschen in das Nationalstadion von Tbilisi.

2002 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WM 2003 – Spiel gegen Südafrika
Spiel gegen Russland (2007)

Im Oktober 2002 trafen Russland und Georgien erneut aufeinander. Diesmal ging es um einen Platz bei der Weltmeisterschaft 2003. Über 1,5 Millionen Menschen verfolgten dieses Spiel live im Fernsehen und Georgien ging mit 17:13 als Sieger vom Platz. Die erste Weltmeisterschaftsteilnahme war damit perfekt. Die Georgier wurden in Gruppe C gelost, zusammen mit England, Südafrika, Samoa und Uruguay. Im ersten Spiel des Turniers gegen England gab es mit 6:84 die bislang höchste Niederlage für Georgien. Gegen Samoa blieb man beim 9:46 ebenfalls chancenlos. Das Team konnte sich in der Folge zwar steigern, verlor jedoch auch die beiden abschließenden Spiele mit 19:46 gegen Südafrika und 12:24 gegen Uruguay. Damit schloss man das Turnier als Letzter der Vorrundengruppe ab. Trotzdem wurde allein die Teilnahme als großer Erfolg angesehen.

Am 4. Juni 2006 trafen die Lelos in Tbilisi auf die Barbarians und verloren knapp mit 19:28. Zwischenzeitlich hatten sie das Spiel bis zum Stand von 14:14 ausgeglichen gestalten können. In diesem Spiel kam Paliko Dschimscheladse als erster georgischer Spieler auf 50 Nationalmannschaftseinsätze und wurde dafür nach der Partie geehrt. Die Barbarians spendeten im Anschluss £10.000 für den finanzschwachen georgischen Verband.

Bei der Weltmeisterschaft 2007 überraschten die Georgier. Beim Auftaktspiel gegen den späteren WM-Dritten Argentinien gelang es ihnen, zur Halbzeitpause nur mit 3:6 zurückzuliegen. Im darauf folgenden Spiel gegen Irland, einer der Anwärter auf den WM-Titel, schaffte man beinahe die Sensation. Georgien verlor zwar mit 10:14, jedoch waren die Iren am Rande einer Niederlage. In den letzten fünf Minuten der Partie drängten die Georgier den favorisierten Gegner weit in die eigene Hälfte zurück, allerdings gelang es ihnen nicht mehr, zu Punkten zu kommen. Die Mannschaft erhielt für diese Leistung internationale Anerkennung und sorgte unter anderem dafür, dass auch bei der kommenden WM 20 Mannschaften teilnehmen werden. Die Verantwortlichen des IRB hatten zuvor aufgrund der relativ großen Qualitätsunterschiede zwischen den Teams der einzelnen Stärkeklassen eine Reduzierung auf 16 Mannschaften befürwortet, das Abschneiden Georgiens zeigte jedoch Gegenteiliges. Im dritten Spiel der Vorrunde gelang Georgien der erste Sieg bei einer Weltmeisterschaft. Namibia wurde klar mit 30:0 besiegt. Das abschließende Spiel gegen Gastgeber Frankreich verlor die georgische Auswahl hingegen mit 64:7. Trotz der drei Niederlagen war das Abschneiden ein großer Erfolg für den Rugbysport in Georgien.

2008 gewann Georgien souverän den European Nations Cup. Diese Erfolgsserie brachte die Lelos auch in der Weltrangliste weiter nach vorne. Das Team überholte Kanada und Rumänien und schaffte es bis auf Platz 14.

Auch den European Nations Cup 2010 konnte Georgien gewinnen und sich somit direkt für die Weltmeisterschaft 2011 qualifizieren. Mit einem 25:9 Sieg über Rumänien wurde ein vierter Platz in der Gruppe B erreicht.

Den bisher größten Erfolg feierte Georgien bei der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015, als es in der Vorrunde Tonga und (knapp) Namibia bezwang. Durch Niederlagen gegen den späteren WM-Sieger Neuseeland und den Halbfinalisten Argentinien landete Georgien auf dem dritten Platz, was das beste WM-Ergebnis bisher war und die direkt Qualifikation für die WM 2019 bedeute.

Länderspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 24. November 2018

Land Spiele Gewonnen Verloren Unentschieden
ArgentinienArgentinien Argentinien 5 0 5 0
Barbarians 1 0 1 0
BelgienBelgien Belgien 4 4 0 0
BulgarienBulgarien Bulgarien 1 1 0 0
ChileChile Chile 2 1 1 0
DeutschlandDeutschland Deutschland 5 5 0 0
DanemarkDänemark Dänemark 2 2 0 0
EnglandEngland England 2 0 2 0
FidschiFidschi Fidschi 3 1 2 0
FrankreichFrankreich Frankreich 1 0 1 0
IrlandIrland Irland 4 0 4 0
ItalienItalien Italien 2 0 2 0
JapanJapan Japan 6 1 5 0
KanadaKanada Kanada 7 4 3 0
KasachstanKasachstan Kasachstan 1 1 0 0
KroatienKroatien Kroatien 1 1 0 0
LettlandLettland Lettland 1 1 0 0
LuxemburgLuxemburg Luxemburg 1 0 0 1
MarokkoMarokko Marokko 1 1 0 0
Moldau RepublikRepublik Moldau Moldau 1 1 0 0
NamibiaNamibia Namibia 5 4 1 0
NiederlandeNiederlande Niederlande 4 3 1 0
NeuseelandNeuseeland Neuseeland 1 0 1 0
PolenPolen Polen 2 0 2 0
PortugalPortugal Portugal 21 15 4 2
RumänienRumänien Rumänien 20 10 9 1
RusslandRussland Russland 21 19 1 1
SamoaSamoa Samoa 5 3 1 1
SchottlandSchottland Schottland 2 0 2 0
SchweizSchweiz Schweiz 1 1 0 0
SimbabweSimbabwe Simbabwe 3 2 1 0
SpanienSpanien Spanien 17 13 3 1
SudafrikaSüdafrika Südafrika 1 0 1 0
TongaTonga Tonga 7 5 2 0
TschechienTschechien Tschechien 9 9 0 0
UkraineUkraine Ukraine 7 7 0 0
UruguayUruguay Uruguay 5 3 2 0
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6 3 3 0
Wales Wales 1 0 1 0
Total 192 123 62 7

Ergebnisse bei Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Resultat Spiele Siege Unent. Ndlg. +/- Punkte
1987 Nicht teilgenommen
1991 Nicht teilgenommen
1995 Nicht qualifiziert (2. Qualifikationsrunde)
1999 Nicht qualifiziert (Barrage-Runde)
2003 Vorrunde 4 0 0 4 46:200 0
2007 Vorrunde 4 1 0 3 50:111 5
2011 Vorrunde 4 1 0 3 48:90 4
2015 Vorrunde 4 2 0 2 53:123 8
2019 Vorrunde 4 1 0 3 65:122 5

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktueller Kader[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Spieler bilden den Kader während der Weltmeisterschaft 2019:[2]

Spieler Position Verein Länderspiele
Dschaba Bregwadse Hakler vereinslos 54
Vano Karkadse Hakler CA Brive 3
Schalwa Mamukaschwili Hakler vereinslos 66
Lewan Tschilatschawa Pfeiler Montpellier Hérault RC 48
Beka Gigaschwili Pfeiler RC Toulon 7
Guram Gogitschaischwili Pfeiler Racing 92 5
Giorgi Melikidse Pfeiler Stade Français 13
Micheil Nariaschwili Pfeiler Montpellier Hérault RC 54
Mamuka Gorgodse Zweite-Reihe-Stürmer RC Toulon 71
Konstantine Mikautadse Zweite-Reihe-Stürmer Montpellier Hérault RC 57
Giorgi Nemsadse Zweite-Reihe-Stürmer RC Aia Kutaisi 90
Schalwa Sutiaschwili Zweite-Reihe-Stürmer Soyaux Angoulême XV 75
Otar Giorgadse Flügelstürmer CA Brive 20
Beka Gorgadse Flügelstürmer Union Bordeaux Bègles 17
Lascha Lomidse Flügelstürmer vereinslos 42
Beka Saghinadse Flügelstürmer Stade Aurillacois 3
Giorgi Tchilaischwili Flügelstürmer Batumi RC 50
Gela Aprasidse Gedrängehalb Montpellier Hérault RC 15
Giorgi Begadse Gedrängehalb RC Jiki Gori 65
Wasil Logschanidse Gedrängehalb CA Brive 43
Tedo Abschandadse Verbinder Batumi RC 74
Lascha Chmaladse Verbinder Doncaster Knights 35
Lascha Malaghuradse Verbinder WWA-Podmoskowje Monino 91
Dawit Katscharawa Innendreiviertel Jenissei-STM Krasnojarsk 115
Giorgi Kweseladse Innendreiviertel RC Jiki Gori 18
Tamas Mtschedlidse Innendreiviertel Rouen Normandie Rugby 51
Merab Scharikadse (C)Kapitän der Mannschaft Innendreiviertel Stade Aurillacois 63
Surab Dsneladse Außendreiviertel Lokomotive Tiflis 7
Mirian Modebadse Außendreiviertel Aia Kutaisi 8
Alexander Todua Außendreiviertel Batumi RC 78
Soso Matiaschwili Schlussmann Lelo Saracens 17

Bekannte Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. World Rugby Rankings. world.rugby, 5. November 2019, abgerufen am 5. November 2019.
  2. 31-men squad for Japan 2019. Georgia Rugby Union, 2. September 2019, abgerufen am 6. September 2019 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georgische Rugby-Union-Nationalmannschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien