Georgskirche (Weil am Rhein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Georgskirche

Die Georgskirche im südbadischen Weil am Rhein ist eine evangelische Pfarrkirche im Stadtteil Haltingen am Fuße des Tüllinger Bergs gelegen. Die ursprünglich gotische Kirche wurde 1139 zum ersten Mal schriftlich erwähnt; ihre heutige Gestalt und Bausubstanz hat sie hauptsächlich aus dem Jahr 1718. In der Kirche werden regelmäßig Konzerte abgehalten.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt („Haltinchen cum ecclesia“) wurde die Kirche 1139 in einer päpstlichen Bulle des Papstes Innozenz II.[2] Fundamente aus römischer Zeit erscheinen möglich, sind allerdings nicht nachgewiesen. Von der ursprünglichen Kirche der Gotik sind der Turm mit gewölbter Halle, die rundbogigen Klangarkanden, das Satteldach und ein kleiner Kapellraum erhalten geblieben, der heute als Sakristei dient.[3] Im Jahr 1468 wird der Sakralbau zum ersten Mal als St.-Georgs-Kirche erwähnt: „sant Georgien Kirche zu Haltingen“.[4] In der Zeit der Reformation im Markgräflerland um 1530 wurde die Kirche in unbekanntem Ausmaß umgebaut.[5] Die Pfarrei gehörte in dieser Zeit zusammen mit der Ötlingens zusammen; wurde 1585 jedoch wieder selbstständig.[6]

Während des Dreißigjährigen Kriegs erlitt die Kirche schwere Beschädigungen. Die Kirche wurde auch mit Hilfe der Spenden der Bevölkerung wieder aufgebaut. Durch die Schlacht bei Friedlingen wurde die Kirche erneut schwer ruiniert.[7]

Das heutige Aussehen von Langhaus und Chor hat die Kirche von 1718.[8] Die erste Orgel mit zwölf Register wurde 1755 angeschafft.

Bis 1934 hing die Sebastiansglocke aus dem Jahr 1570, die vermutlich in Basel gegossen wurde. Sie befindet sich heute im Dreiländermuseum in Lörrach und ist die zweitälteste Kirchenglocke des Markgräflerlands. [9] Im Jahr 1956 wurden aufgrund von Innenrenovierungsmassnahmen wurde die Orgel von der Empore im Chor entfernt und auf die Ebene des Altars gesetzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Lage und Kirchenbau[Bearbeiten]

Westfassade mit Hauptportal

Die Kirche steht heute östlich des Dorfkerns von Haltingen und damit etwas erhöht am Westhang des Tüllinger Bergs. Ursprünglich lag an der Kirche der Kern des Dorfes, die sich im Zuge der baulichen Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert westwärts verlagerte. Die Kirche wird vom Haltinger Friedhof umschlossen. Neben Epitaphen im Inneren und Äußeren der Kirche erinnert vor ihrem Haupteingang ein Denkmal an die Kriegsgefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs.

Das mit einem Satteldach bedeckte Langhaus bezieht teilweise den Glockenturm mit ein. Die Längsseiten haben je vier spitzbogige, hohe Fenster. Chor und Turm sind beide an der Ostseite des Langhauses angebaut. Der Chor hat im Vergleich zum Hauptbau ein etwas niedrigeres, abgewalmtes Dach, der Turm ein quer zum Langhaus ausgerichtetes Satteldach. Das nach Westen ausgerichtete Hauptportal ist spitzbogig gestaltet. Diese Fläche trägt ein von H. Schauffelberger gemaltes Bild. Oberhalb des Portals ist im Dachgiebel eine Fensterrosette eingebaut.

Innenraum und Ausstattung[Bearbeiten]

Im Inneren der Georgskirche haben sowohl Chor wie auch Langhaus sind die Decken flach eingelassen. Bis zum Umbau in den 1950er Jahren bestand ein Triumphbogen zwischen beiden Gebäudeteilen. Die jetzt auf der Südseite angebrachte Kanzel befand sich vor der Renovierung an der Nordseite. Die Empore, die sich an der Nord- und Westwand erstreckt hatte man aus Platzgründen zusätzlich eingebaut.

Glocken und Orgel[Bearbeiten]

Das heutige vierstimmige Geläut besteht aus einer Bronzeglocke aus dem 17. Jahrhundert und drei Glocken aus Eisenhartguss aus dem 20. Jahrhundert:

Name Schlagton Gussjahr Gießer
Vier-Evangelisten-Glocke c′′ 1688 Onofrion Roth und Hans Heinrich Weitenauer, Basel
Christusglocke f′ 1948 J. F. Weule, Bockenem
Lutherglocke as′ 1948 J. F. Weule, Bockenem
Friedensglocke b′ 1948 J. F. Weule, Bockenem

Die heutige Orgel geht auf einen Neubau der Waldshuter Werkstatt Kienle aus dem Jahr 1889 zurück. Das Instrument arbeitete mit Kegellade, verfügte über ein Manual, einem Pedal und zwölf Register mit pneumatischer Traktur. 1901 erweitere L. Voit & Söhne aus Durlach die Orgel um ein Manual und vier Register; 1937 baute Welte aus Freiburg ein weiteres Register ein.

In den Jahren 1956 bis 1958 stellte G. F. Steinmeyer & Co. das Werk auf elektrisch-pneumatische Traktur um 1980 wurden weitere Umbauten vorgenommen, so dass die Orgel eine Schleiflade erhielt und nun neben zwei Manualen, einem Pedal über 25 Register verfügt.

Epitaphe[Bearbeiten]

Epitaph an der Choraußenseite

In der Nordwand im Chor befinden sich zwei Epitaphe, die an Elisabetha Eckhartin, geb. Hürlin († 14. Februar 1694), Ehefrau des Pfarrers Emanuel Eckhart und an M. Emanuel Eccard, Pfarrer († 23. Januar 1703) erinnern.

An der Ostwand des Langhauses stehen drei Gedenktafeln für Carolus Sigismund († ??. August 1692), Johann Rubi, Vogt († 4. Juli 1684) und Isaak Fockler († 12. September 1666). Ein weiteres Epitaph an der Nordwand gedenkt an David Germann, Pfarrer († 3. September 1777).

An der Choraußenwand erinnern Tafeln an Wilhelm Glock, Pfarrer († 27. September 1924), Sophie Soder, geb. Scherer († 11. November 1887), Sophia Bruder, geb. Soder († 21. Mai 1833) und ihr Sohn Jac. Friedrich Bruder († 19. November 1835).

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, Müllheim/Baden 1989, ISBN 3-921709-16-4, S. 425–428.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Badische Zeitung: Werke von Vivaldi in der St.-Georgs-Kirche, 2. September 2009
  2. J. Trouillat: Monuments de l’historire de l’ancien évêché de Bâle, 1852–57, Band 1, S. 275.
  3. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 425
  4. Generallandesarchiv Karlsruhe: Breisgauer Archive (Wintersweiler)
  5. Bezirkskirchenrat (Hrsg.): Kirche und Heimat 1556–1956, 1956, S. 81–82
  6. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 426
  7. W. Glock: Aus Haltingens Geschichte, Festschrift zur Schulhaus-Einweihung, S. 23
  8. Annemarie Heimann-Schwarzweber: Topographie der historischen Sehenswürdigkeiten in: W. Bechtold (Hrsg.): Der Kreis Lörrach, 1971, S. 97
  9. Helm: Kirchen- und Kapellen im Markgräflerland, S. 427

47.6142604630567.6219931244444Koordinaten: 47° 36′ 51″ N, 7° 37′ 19″ O