Georgsmarienhütte (Unternehmen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Georgsmarienhütte GmbH)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Georgsmarienhütte GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 14. Juli 1856
Sitz Georgsmarienhütte

Leitung

  • Knut Schemme, Geschäftsführer Vertrieb
  • Henning Schliephake, Geschäftsführer Technik
  • Dietmar Hemsath, Geschäftsführer Finanzen
  • Felix Osterheider, Arbeitsdirektor
  • Wolfram Thomas, Aufsichtsratsvorsitzender
Mitarbeiter 1.295 (Stand: 2014)
Umsatz 610 Mio € (Stand: 2014)
Branche Stahlindustrie
Website www.gmh.de

Die Georgsmarienhütte GmbH (kurz GMH) ist ein am 14. Juli 1856 als Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein gegründetes Stahlwerk mit Sitz in der nach dem Stahlwerk benannten Stadt Georgsmarienhütte südlich von Osnabrück. Namensgeber des Werkes waren König Georg V. und Königin Marie, das letzte Herrscherpaar des Königreichs Hannover.

Die Georgsmarienhütte zählt zu den führenden europäischen Anbietern von Stabstahl, Halbzeug und Blankstahl aus Qualitätsstahl und Edelbaustahl und erzielt 80 % ihres Umsatzes mit der Automobilindustrie. Sie ist Teil der Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe (GMH Gruppe), einem Verbund aus vierzig mittelständisch ausgerichteten Unternehmen in Deutschland, Österreich, Brasilien, Australien und den USA. Stahl aus Georgsmarienhütte kommt überall dort zum Einsatz, wo Sicherheit eine Rolle spielt: Die Kunden des Elektrostahlwerks fertigen unter anderem Kurbelwellen, Pleuel, Nockenwellen, Antriebswellen, Getriebeteile und Fahrwerksteile. Die Georgsmarienhütte erzeugte im Geschäftsjahr 2014 rund 678.000 Tonnen Walzstahl und erzielte damit einen Umsatz von 610 Mio. Euro.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das Stahlwerk
Der Elektrolichtbogenofen der Georgsmarienhütte

Die Georgsmarienhütte gehörte ab 1923 zum Klöckner-Konzern, bis das defizitäre Werk 1993 von dem Klöckner-Manager Jürgen Großmann für einen symbolischen Betrag erworben wurde und seit 1997 im Alleinbesitz der Georgsmarienhütte Holding GmbH steht. Das Unternehmen nahm 1994 den ersten Gleichstrom-Elektrolichtbogenofen in Deutschland in Betrieb und stellte die Stahlproduktion vom Hochofen-Konverter-Betrieb auf das Gleichstrom-Elektrolichtbogen-Verfahren um. Damit wurde das Stahlwerk unabhängig von Eisenerz und Kohle, aber abhängig vom erheblich schwankenden Schrottpreis. Im selben Jahr wurde nach defizitären Vorjahren erstmals wieder Gewinn erwirtschaftet.

Durch die Umstellung auf das Elektrolichtbogen-Verfahren veränderte sich nach und nach das äußere Bild des Hüttenwerks: 1996 wurde der alte Hochofen gesprengt, 1999 folgte die Sprengung des 1929 erbauten Gasometers an der Klöcknerstraße, 2000 die Sprengung des zweiten Gasbehälters.

Im Jahr 2002 erfolgten eine Großinvestition in eine neue Stranggießanlage und eine Modernisierung des Walzwerkes. Sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (2005) besuchten das Werk. 2006 wurde der neue 160-Tonnen-Hubbalkenofen als Teil der Walzstraße fertiggestellt. Im Jahr 2006 feierte die GMH ihr 150-jähriges Bestehen. Bei einem Festakt, zu dem Angela Merkel, Christian Wulff, Kunden, Freunde und Angehörige der GMH eingeladen waren, wurde der Gründung durch Georg V. und Königin Marie mit vielen Festgästen gedacht. Anlässlich seines 150-jährigen Jubiläums hat das Unternehmen die gemeinnützige "Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte" gegründet.[1] Am Ende des Geschäftsjahres 2006 schied der Inhaber der Georgsmarienhütte, Jürgen Großmann, aus der Geschäftsleitung aus. Er blieb jedoch weiterhin Inhaber. Am 1. September 2007 wurde die erste Schmelze mit dem neuen Pfannenofen LF 2 gefahren. Im Jahr 2008 erfolgten abermals eine Modernisierung der Stranggießanlage sowie die Inbetriebnahme einer neuen Richt- und Prüfstrecke in der Zurichterei der Finalbetriebe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Beermann, Dieter Görbing: Die Hütte. Arbeit und Leben in der Region um das Stahlwerk Georgsmarienhütte. Eigenverlag Dieter Görbing, Georgsmarienhütte 1988, 194 S., ISBN 9783926131027
  • Beermann, Biener, Büker, Geck, Hannig, Hoffmann: 27.210.000 t Stahl: Die Geschichte der Georgsmarienhütte 1945 bis 1992. Ein Unternehmen der Klöckner-Werke AG. Georgsmarienhütte 2006, 322 S.
  • Oliver Driesen: Schwarz wie Schlacke, Rot wie Glut: Die erstaunliche Geschichte der Georgsmarienhütte und ihrer Unternehmensgruppe. Hoffmann und Campe, Hamburg 2006, 312 S., ISBN 978-3455500042
  • Martin Duram: Die Walzstraßen der Georgsmarienhütte 1908–2008. Ein Rückblick auf 100 Jahre Walzstahl aus Georgsmarienhütte. Hrsg. Georgsmarienhütte Holding GmbH Hamburg, Steinbacher Druck, Osnabrück 2008, 110 S., ISBN 978-3939318057
  • Funk, Winzer: Die Georgs-Marien-Hütte bei Osnabrück. Schmorl & von Seefeld, Hannover 1872 (Digitalisat)
  • Georgsmarienhütte GmbH: 150 Jahre Stahl aus Georgsmarienhütte. Festschrift 2006, 277 S.
  • Lothar Hülsmann: Die Georgsmarienhütter Eisenbahnen. Lokrundschau, Hamburg 2000, 128 S., ISBN 978-3931647117
  • Hülsmann, Scheidemann: Die Eisenbahnen der Georgs-Marien-Hütte. Lübbecke 1985, 559 S., ISBN 978-3922657385
  • Susanne Meyer: Schwerindustrielle Insel und ländliche Lebenswelt: Georgsmarienhütte 1856–1933. Coppenrath, Münster 1990, 431 S., ISBN 978-3885478058
  • Hermann Müller: Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. Band 1: Die Geschichte des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, Osnabrück 1896, 268 S.
  • Hermann Müller: Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. Band 2: Beschreibung der Besitzungen, der Betriebsanlagen und der Einrichtungen des Vereins, Osnabrück 1906, 176 S.
  • Renee Ott: Kohle, Stahl und Klassenkampf: Montanindustrie, Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung im Osnabrücker Land 1857-1878. Campus Verlag, Frankfurt 1982, 452 S., ISBN 978-3593331102
  • Rudolf Schulte: Geschichte des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Vereins in sieben Jahrzehnten. Köln 1928, 157 S.
  • Erich Sperling Alles um Stahl. Wirtschaftsgeschichtliche Erzählung um den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein. Meinders & Elstermann, Osnabrück 1950, 208 S.
  • Erich Sperling: Alles um Stahl. Wirtschaftsgeschichtliche Erzählung um den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein. Dorn, Bremen 1956, 275 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johanna Lügermann: Zehn Jahre Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte. In: noz.de. 10. Februar 2016, abgerufen am 4. März 2016.

Koordinaten: 52° 12′ 29,5″ N, 8° 3′ 7,4″ O