Georgsorden (Bayern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Historische Darstellung der Ordensinsignien um 1840 (oben Ordensstern, darunter das Ritterkreuz mit Vorder- und Rückseite)
Ordensinsignien
Kurfürst Carl Theodor im Ordensgewand eines Großmeisters des St. Georg-Ordens, Anonymus nach einem Gemälde von Anton Hickel, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf
Alois Konstantin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg im Ordensmantel der Bayerischen Georgsritter (2016)
Familienwappen der Grafen Joner auf Tettenweis mit Darstellung der Insigne des Hausritterordens vom Hl. Georg

Der Hausritterorden vom Heiligen Georg (kurz: Georgsorden) ist ein als Hausorden der bayerischen Kurfürsten gegründeter Ritterorden. Benannt ist er nach dem Heiligen Georg, dem Schutzpatron der Ritter. Seit 1918 ist er ein Hausorden des Hauses Wittelsbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orden wurde angeblich bereits während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert gegründet; im Jahr 1494 sei er vom römisch-deutschen König Maximilian I. in Vorbereitung eines Feldzugs gegen die Osmanen erneuert worden.[1] Damit nahm man Bezug auf den erloschenen St. Georgs-Orden. Kurfürst Karl Albrecht griff diese Tradition auf, als er die von ihm am 24. April 1729 vorgenommene Stiftung des Ordens als „Wiedererneuerung“ jenes alten Ordens bezeichnete.[1] Zu dieser Zeit war das bayerische Kurhaus das einzige ohne eigenen Hausritterorden. Die Habsburger verfügten über den Orden vom Goldenen Vlies, Kursachsen-Polen über den Weißen, Kurbrandenburg-Preußen über den Schwarzen Adlerorden, Kurpfalz über den Hubertusorden und Kurhannover (in Personalunion mit Großbritannien) über den Order of the Bath.[2] Auch die Fürsten von Salzburg (Orden des St. Ruperti), Württemberg (St.-Hubertus-Jagdorden), Durlach (Ordre de la Fidélité) und Bayreuth (Ordre de la Sincérité) hatten Anfang des 18. Jahrhunderts eigene Orden gestiftet. Der Orden wurde von Papst Benedikt XIII. durch Bulle vom 18. März 1728 bestätigt.[3] Der Papst verlieh ihm alle Privilegien des Deutschen Ordens, die Ritter mussten sich in ihrem Gelöbnis zur Verteidigung der Unbefleckten Empfängnis Mariens verpflichten. Nach dem Erlöschen der bayerischen Kurlinie im Jahr 1778 wurde der Orden von Kurfürst Karl Theodor als pfalzbayrischer Orden anerkannt. Maximilian I. Joseph erhob den Georgsorden nach dem Hubertusorden zum zweiten Orden Bayerns und König Ludwig I. versah ihn am 25. Februar 1827 mit umfassenden Statuten. Schließlich wurde der Ritterorden unter König Ludwig II. am 17. April 1871 im Geist seiner Zeit reorganisiert, indem als Zweck des Ordens an die Stelle der „Verteidigung des christkatholischen Glaubens“ die Ausübung der Werke der Barmherzigkeit gesetzt wurden.[4]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orden hatte zwei „Zungen“ oder Klassen, die deutsche und die fremde. In zweitere wurden alle Mitglieder eingeordnet, in deren Stammbaum Vorfahren aus "nicht für deutsch gehalten[e]" Familien erschienen. 1741 kam eine dritte Klasse hinzu, die der ritterbürtigen Geistlichen.[5]

An der Spitze des Ordens standen der Großmeister (Kurfürst, später König) und die Großprioren (Prinzen), die formal einem Großpriorat (Ober-, Niederbayern, Oberpfalz) vorstanden.[5]

Offiziere waren der Großkanzler, der Schatzmeister und der Zeremonienmeister sowie deren Stellvertreter. Gewählt wurden sie vom Kapitel aus Großkreuzen und Komturen, dem höchsten Organ und Ehrengericht des Ordens, das jährlich an Mariä Empfängnis und am Georgstag stattfand. Es entschied auch über Neuaufnahmen.

Die Mitglieder teilten sich auf 6 Großkreuze, 12 Komture und Ritter auf, die Zahl der jährlichen Neuaufnahmen war auf 6 beschränkt.[6] Freie Großkreuz- und Komturstellen wurden alternierend vom Großmeister (de grâce) und nach Alter (de justice) aus den Komturen bzw. Rittern nachbesetzt. Darüber hinaus konnte der Großmeister Großkreuze, Komturkreuze und Ritterkreuze ad honores vergeben, die Inhaber waren jedoch vom Kapitel ausgeschlossen. Der Ordenskandidat musste eine Ahnenprobe von acht väterlichen und acht mütterlichen adeligen Ahnen nachweisen und mindestens 25 Jahre alt sein.

Höchster Ordensgeistlicher war der Ordenspropst. Das Amt war ab 1733 verbunden mit der Stiftspropstei St. Wolfgang am Burgholz. Dieser Propst bekleidete als oberster Geistlicher der Ordensgesellschaft eine angesehene Ehrenstellung am kurfürstlichen Hof und war infuliert, das heißt, er besaß ehrenhalber das Recht, eine bischöfliche Mitra zu tragen. Von 1774 bis 1789 hatte dieses Amt Joseph Ferdinand Guidobald von Spaur inne, der 1780 Titularbischof von Abila in Palaestina wurde und 1789 zum Münchner Hofbischof avancierte. Letzter Ordenspropst vor der Säkularisation war ab 1789 Graf Damian Hugo Philipp von Lehrbach (1738–1815), der schon bei der Ordensversammlung vom 23. April 1782, eine Druck erschienene Festpredigt, in Anwesenheit von Papst Pius VI. gehalten hatte, welcher als in München weilender Gast daran teilnahm.[7][8]

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie im Königreich Bayern konnte sich der Orden durch seinen Charakter als Hausorden bis heute als karitative Vereinigung erhalten. Großmeister ist stets der Chef des Hauses Wittelsbach, männliche Mitglieder des ehemaligen königlichen Hauses werden im Rang von Großprioren aufgenommen. Derzeitiger Großmeister ist Franz Herzog von Bayern, Ordenskanzler Christoph Schenk Graf von Stauffenberg.[9]

Ordensdekoration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ordenszeichen ist ein achtspitziges Kreuz mit kleinen Kugeln auf den Kreuzspitzen. Auf der einen Seite ist auf himmelblauem Malteserkreuz im goldenen Medaillon das Bildnis der auf einem Mond stehenden Jungfrau Maria zu sehen. In den Kreuzwinkeln die Buchstaben V. I. B. I. („virgini immaculatae Bavaria immaculata“: „der unbefleckten Jungfrau das unbefleckte Bayern“). Die andere Seite zeigt im roten Kreuz den Heiligen Georg von einem Lorbeerkranz umschlossen, sowie die Buchstaben I. V. P. F. („justus ut palma florebit“: „Der Gerechte sprießt wie die Palme.“ – Ps 92,13 EU). Die blaue Seite wurde von Mariä Empfängnis bis zum Vorabend des Georgstags nach außen getragen, die übrige Zeit die rote.[10]

Das Ordensband ist himmelblau, am Rand weißes und dunkelblau eingefasst, das durch einen Löwenkopf den Orden hält. Die Großkomture tragen das Band von der rechten zur linken Körperseite und auf der Brust den himmelblauen, achtspitzigen, silbern eingefassten Stern mit bayrischen Wecken in den Winkeln, in dessen Mitte ein silberner Schild mit rotem Kreuz, die Komture das Kreuz am Hals und den Stern, die Ritter das Kreuz am Hals ohne Stern. An den Ordensfesten (24. April und 8. Dezember) tragen die Ordensmitglieder eine besondere Ordenstracht und das Kreuz an goldener Kette.

Die Zeremoniekleidung bestand aus einem hellblauen Samttalar mit weißer Seiden- und Hermelinausfütterung. Weiße atlasseidene Beinkleider, seidene weiße Strümpfe und ebensolche Schuhe mit Rosetten vervollständigten die Kleidung.

Staatswappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Georgsorden war einer der vier königlich bayerischen Orden, die im Staatswappen abgebildet waren.

Großes Wappen des Königreichs Bayern mit den Collanen der vier höchsten Orden (von oben nach unten):
1. Hubertusorden
2. Georgsorden
3. Militär-Max-Joseph-Orden
4. Verdienstorden der Bayerischen Krone

Verleihungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Kategorie:Träger des Bayerischen Georgsordens

1806 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordensklasse Verleihungen
Großprior 14
Großkomtur 92
Komtur 82
Ritter 288
St. Georgs-Medaille 75

1918 bis 1986[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordensklasse Verleihungen
Großprior 7
Großkomtur 59
Komtur 76
Ritter 145

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnhard Graf Klenau: Orden in Deutschland und Österreich, Band II, Graf Klenau Verlags GmbH, Offenbach 2008, ISBN 3-937064-13-3, S. 92–101
  • Ernst von Destouches: Geschichte des königlich bayrischen Hausritterordens vom heiligen Georg. München 1871. (Digitalansicht)
  • Georg Baumgartner, Lorenz Seelig: Der königliche-Bayerische Hausritterorden vom Heiligen Georg 1729–1979. Katalog der Ausstellung in der Residenz München vom 21. April bis 24. Juni 1979. Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1979.
  • Wappen-Kalender des Kgl. Bayerischen Haus-Ritter-Ordens vom Heiligen Georg, München, 1807; (Digitalansicht)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Georgsorden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernard Burke: The book of orders of knighthood and decorations of honour of all nations. Hurst and Blackett, 1858, ISBN 1235685942, S. 50–52 (Google Books).
  2. The British Monarchy: Order of the Bath. 2. Januar 2012, abgerufen am 28. Februar 2022.
  3. Ernst von Destouches: Geschichte des Königlich Bayerischen Haus-Ritter-Ordens vom Heiligen Georg. Kirschbaum & Schuh, 1871, S. III-IV (google.at [abgerufen am 28. Februar 2022]).
  4. Webseite Historisches Lexikon Bayerns
  5. a b Max Freiherr von Ow: Der Königlich Bayerische Haus-ritter-orden vom Heiligen Georg: nach seinen gegenwärtig bestehenden Vorschriften, Einrichtungen und Gebräuchen. Verlag nicht ermittelbar, 1884 (google.at [abgerufen am 24. Februar 2022]).
  6. Königlich Bayerischer Haus-Ritter-Orden vom Heiligen Georg: Des Churbaierischen Hohen Ritter-Ordens St. Georgii Wappen-Kalender: 1783. 1783 (google.de [abgerufen am 24. Februar 2022]).
  7. Digitalscan der Ordensfest-Predigt vor Papst Pius VI., 1782
  8. Joseph Schwind: Damian Hugo Philipp Graf von und zu Lehrbach (1738–1815) der Wohltäter der Speyerer Domkirche, Speyer, Jäger’sche Buchdruckerei, 1915, S. 33
  9. Vereinsregister beim Amtsgericht München (VR-Nr. 6274)
  10. Max Freiherr von Ow: Der Königlich Bayerische Haus-ritter-orden vom Heiligen Georg: nach seinen gegenwärtig bestehenden vorschriften, einrichtungen und gebräuchen. Verlag nicht ermittelbar, 1884 (google.at [abgerufen am 28. Februar 2022]).