Georgstag

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Der Georgstag oder Georgitag (auch Georgi) ist ein Festtag zu Ehren des heiligen Georg, eines frühchristlichen Märtyrers aus Kappadokien. Er wird meist am 23. April gefeiert, in einigen Regionen am 24. April. Für diejenigen orthodoxen Kirchen, die den julianischen Kalender verwenden, fällt der Georgstag derzeit auf den 6. Mai des gregorianischen Kalenders.

Zum Leben des ritterlichen Märtyrers existieren kaum verlässliche Daten. Der zu den 14 Nothelfern zählende Heilige ist Schutzpatron vieler Orte und Gebiete, darunter England und Georgien. Der Drachentöter ist auch insbesondere der Schutzheilige der Pferde und Reiter. Der 23. April ist der drittspäteste Ostertermin, aber auch über den Zusammenhang, den „Drachen Winter“ zu besiegen, ist der Georgstag ein wichtigerer Lostag.

Kirchliche und staatliche Georgstage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den 23. (bzw. 24.) April des gregorianischen Kalenders fällt der Georgstag für folgende Kirchen:

Für diejenigen orthodoxen Kirchen, die den julianischen Kalender verwenden, fällt der 23. April, der Georgstag, derzeit auf den 6. Mai (des gregorianischen Kalenders).

In Bulgarien ist der 6. Mai ein gesetzlicher Feiertag und zugleich der Tag der bulgarischen Armee. Die orthodoxen Kirchen beispielsweise in Griechenland und Rumänien feiern Georgs Gedächtnis am 23. April (des orthodoxen Kalenders). Wenn der Georgstag in die Woche vor dem östlichen Ostersonntag fällt, dann verschiebt sich der Gedenktag auf den Ostermontag.

In Georgien ist der St.-Georgs-Tag (გიორგობის დღე) am 23. November ein gesetzlicher Feiertag.

Landes- und Kirchenpatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heilige Georg ist unter anderem der Schutzpatron von England (seit der Synode von Oxford 1222, Richard Löwenherz erkor ihn zu seinem persönlichen Schutzherrn), Katalonien und Georgien, der Stadt Genua, der Stadt Barcelona, der Stadt Freiburg im Breisgau und dem Bistum Limburg. Überall dort wird der Georgstag feierlich begangen. Auch der US-Bundesstaat Georgia heißt nach dem Heiligen.

Georg ist auch Kirchen- bzw. Namenspatron von zahllosen Kirchen, Klöstern, Orten und Schulen. Daher ist Georgi ein beliebter Tag für Kirchweih- und andere Feste. Allein in England wurden über 160 Kirchen geweiht.

Die Georgskirchen gehen meist in sehr frühe Zeiten zurück; manche stehen vermutlich auf Plätzen, wo heidnische Kultstätten lagen. Gehört der heilige Georg doch zu den wichtigsten Seelsorge- und Bekehrungspatronen der römischen und bayrischen Missionierung. Vielerorts erinnert der Georgstag an die Überwindung des Drachen, der zum Symbol des Heidentums wurde.

Weiterhin ist er der Schutzpatron der Pfadfinder.
In Anlehnung an eine alte katalanische Tradition ist der Georgstag seit 1995 ebenfalls Welttag des Buches.

Feste und Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verehrung Georgs begann im Vorderen Orient[2] (v. a. Lydda-Diospolis) sowie im frühchristlichen Ägypten und Äthiopien. Am stärksten verbreitete sie sich auf Zypern, in Kappadokien (heute Türkei) und in Georgien. Von hier aus gelangte der Kult später nach Russland und auf den Balkan, wo er als Đurđevdan/Herdelezi einer der wichtigsten Feiertage der Roma ist. In der slowenischen Region Bela krajina lebt dieses Brauchtum noch beim Jurjevanje-Fest. Hierbei wird ein junger Bursche vollkommen mit grünen Zweigen verhüllt und von Sängern und Musikern begleitet, die alle Kräfte vertreiben sollen, die sich dem Frühling entgegenstellen. Im Westen sind Georgskirchen spätestens im 6. Jahrhundert[2] u. a. in Mainz, Paris und Neapel nachweisbar. In Deutschland erreichte der Georgskult einen Höhepunkt, als Bischof Hatto von Mainz 896 das vermutete Haupt des Märtyrers auf die Bodensee-Insel Reichenau brachte (Stiftskirche St. Georg in Oberzell). Da aber die historische Belegbarkeit mancher Erzählungen bezweifelt wird, ist die Georgsverehrung längerfristig im Abklingen.

Mancherorts werden alte Georgsriten wiederbelebt, z. B. die Wachaufzüge in Bad Mergentheim, wo man der Schützengilden von 1500-1695 und des Deutschen Ordens gedenkt.

In England wird an diesem Tag in der Georgskapelle zu Windsor das Hosenband-Kapitel gehalten.

„Der Georgstag, der ist der Pferde Ehrentag“: Zum Brauchtum um den Georgstag zählen unter anderem der Georgiritt und Reiterprozessionen (die vielerorts wiederbelebt werden). Vielerorts in Bayern und Österreich segnet man die Pferde und betet für ihre Bauern und die Reiter. Die traditionellen Pferdeumritte sind meist am folgenden Sonntag oder am Ostermontag. Nur in St. Georg bei Julbach wird der Umritt am Leonhardstag abgehalten.

Die Dienstboten konnten im Burgenland, wo der Tag besondere Bedeutung hat, am Georgstag ihren Dienstherrn wechseln, und Zinsen wurden höchstens bis zum Georgstag gestundet. Das dürfte mit dem Weinbau zusammenhängen, in den meisten anderen Gebieten des Ostalpenraums gilt das für Lichtmess (2. Februar).

Georgitag, Weißer Sonntag und 1. Mai waren am Lechrain die drei Freinächte der Ledigen, in denen allerlei Unfug getrieben wurde.

Weiteres Brauchtum sind manche Georgsglocken.

Viele Pfadfindergruppen feiern ihren „Ehrentag“ mit einem Geländespiel.

Lostag, Wetter- und andere Bauernregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit alters her hat das Wetter zu Georgi eine besondere Bedeutung und ist ein Lostag für zahlreiche Bauernregeln, insbesondere auf den Nachwinter. Im Heimatbuch zum mittelalterlichen Roßberg (Baden) steht über St. Georg geschrieben: „Die Jungfrau, die er [der Ritter] nach der Sage aus der Gewalt des Untieres befreite, lässt auf uralte mythische Vorstellungen schließen, die mit den zahlreichen Frühlingsbräuchen zusammenhingen“.[3][4]

Eine Spruchgruppe bezieht sich auf den Mittfrühling, die erste Hauptwachstumsperiode. Die andere dreht sich um einen verspäteten Wintereinbruch. Diese meteorologische Singularität (regelmäßig auftretende Wetterabweichung) ist – für Zentraleuropa – für den 25.–27. April statistisch signifikant belegt,[5] üblicherweise ein Vorstoß polarer Kaltluft,[6] wie er sich dann Mitte Mai (Eisheilige) nochmals wiederholen kann. Hierzu findet sich auch der 25. April (Markustag) als Lostag.

Mehrere Sprüche bringen den Georgstag mit den Lostagen zu anderen Singularitäten in Zusammenhang, daher wird ein Jahr angenommen, das im Normal liegt: Die Langfristprognosen verheissen bei naßkaltem Georgstag meist gute Ernte, bei anderem Wetter schlechte.

Wie üblich bei widersprechenden Regeln dürfte die unterschiedliche Herkunft eine deutliche Rolle spielen.

Wetterregeln auf des Ende des Nachwinters bezogen:

  • „Der Georgstag [Jüri] im Frühling ist der Feind eines zornigen Winters.“ (Estland)[7]
  • „Auf St. Georgs Güte stehen alle Bäum’ in Blüte.“
  • „Schnee zur Lichtmeß (2. Februar), Regen zum Georgstag“ (Estland)[7] – Zusammenhang mit dem Hochwinter
  • „Wenn die Dächer am Matthiastag (24. Februar) schneefrei sind, so ist der Erdboden zum Georgstag kahl.“ (Estland)[7] – Zusammenhang mit dem Spätwinter
  • „Wenn am Fastenmarientag (23. März) Schnee auf dem Dach, sind am Georgstag Schneewehen am Zaun“ (Estland)[7] – Zusammenhang mit dem Märzwinter
  • „Georgi bringt grüne Schuh.“ (Früher mussten die Kinder ab diesem Tag auf ihre Winterschuhe verzichten.)
  • „Schreit der [gemeine Teich-]Frosch vor Georgi, so tritt bald nach Georgi Kälte ein, die, gewöhnlich gleich nach Georgi, so viele Tage dauert, als vor Georgi der Frosch geschrien hat“ (bayerisch, um 1840)[8]

Zum Kälteeinbruch und der folgenden Wärme des Spätfrühlings:

  • „Georg kommt nach alten Sitten auf einem Schimmel angeritten.“[5] („Schimmel“ = die letzten Schneeflocken des Frühlings)
  • „Georg und Markus (25. April) ganz ohne Trost, erschrecken uns sehr oft mit Frost.“
  • Reif am Verkündigungs- (23. März) oder Georgstag soll warme Monate bringen.
  • „Kommt der Georg auf einem Schimmel, dann kommt ein gutes Frühjahr vom Himmel.“ - und umgekehrt:
  • „Ist’s am Georgi warm und schön, wird man noch rauhe Wetter seh’n.“ – oder
  • „Ist’s an Georgi hell und warm, gibt's noch ein Wetter, dass Gott erbarm.“ - aber:
  • „Georg mit Wärme, Nikolaus (9. Mai) mit Futter“. (Russland)
  • „Regnet’s auf Georgitag, dauert noch lang des Regens Plag.“ (Main-Rhein-Gebiet)[9] – oder
  • „Gab es Gewitter am Georgstach, so folgt gewiss noch Kälte nach.“ (Norddeutschland?)

Regeln zu Aussaat und Wachstum: Von allen Apriltagen ist Georgi der wichtigste für die Feld- und Viehwirtschaft. In ganz Süddeutschland gilt allgemein die Aussaat oder das Setzen von Pflanzen im April als vorzeitig. Zum Gemüsesamen sagt man: „Baust mi in April, kimm i, wann i will – Baust mi in Mai, kimm i glei.“ Dasselbe sagt man im Böhmer- und Egerland vom Erdäpfelsetzen. Aber:

  • „Des St. Georgs Pferd, das tritt den Hafer in d’ Erd.“

Allgemein dürfen in Österreich ab Georgi die Felder nicht mehr betreten werden.

Zum Wintergetreide:

  • „Am Georgstag soll sich das Korn schon so recken, dass sich die Krähe drin kann verstecken.“ oder „Es deutet eine gute Ernte an, wenn sich zu Georg schon die Krähe im Korn verstecken kann.“ - oder:
„Wenn zu Georgi die Roggensaat grünt, isst man zu Jakobi (25. Juli) frisches Brot.“

Langfristprognosen:

  • Gibt es vermehrt Gewitter, wird das als Hinweis auf einen kühlen Sommer gewertet (Main-Rhein-Gebiet)[9]
  • „Will sich Georgi mit Regen zeigen, so verderben die Feigen“ (ital.: «Aqua de San Giorgi, carestia de fich’»; Feigenernte dort um Juni/Juli)
  • „Gibt’s zu St. Georg ein Blumenmeer, so sind zu Matthäi (21. September) die Körbe leer.“ (Main-Rhein-Gebiet)[9] – und umgekehrt:
  • „Wenn am Georgstag Schneehaufen am Zaun liegen, werden die Bäume am Michaelstag (29. September) Blätter haben.“ (Estland)[7]
  • „Kommen die Schwalben vor dem Georgstag, gehen sie vor dem Michaelstag (29. September).“ (Estland)[7]
  • „Wenn an Georgi die Sonne scheint, werden viele Äpfel reif.“
  • „Was bis Georgi die Reben treiben, wird ihnen nicht bis zum Gallus (16. Oktober) bleiben.“ (Main-Rhein-Gebiet)[9] – und
  • „Zu Georgi blinde Reben – volle Trauben später geben.“
  • Ähnliches wird am Rhein und in Schlesien vom Getreide gesagt.

Medizinisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hundertjährige Kalender empfiehlt für April Aderlassen oder Purgieren (Heilfasten), was aber vor Ostern (daher spätestens 23./24. April) zu beenden ist. Zum Baden im Freien heißt es in Böhmen, dass alles Wasser bis zum 24. April (Georg) giftig sei und man bis dahin keinesfalls baden soll. Eher zum Aberglauben gehört wohl eine Regel in Litauen (Pillkall), am Georgstag nichts von Tieren, Vögeln und Fischen Stammendes zu essen. Auf der Kraft der Frühlingskräuter beruht der Ratschlag, im April gegrabene und gedörrte Baldrianwurzeln nun gegen Motten in Schränke zu legen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georgstag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg der Märtyrer im Ökumenischen Heiligenlexikon, abgerufen am 23. April 2015
  2. a b Hl. Georg. vierzehnheiligen.de.
  3. Albert Hiß: Kaltbrunn-Wittichen einst und jetzt. Chronik einer Schwarzwaldgemeinde und ihres Klosters. Gemeindeverwaltung Kaltbrunn, 1966.
  4. Die St.Georgs-Kirche auf dem Roßberg. Auf: www.hinterwaelder-rind.de, abgerufen am 23. April 2013.
  5. a b Horst Malberg: Bauernregeln. Aus meteorologischer Sicht. 4. erw. Auflage. Springer, Berlin Heidelberg 2003, ISBN 978-3-540-00673-2; zum Spruch S. 16.
  6. Axel Bojanowski: Polarluft über Deutschland: Eine Woche Winter. In: Spiegel online, 23. April 2016 – dieses Ereignis mit Schneechaos bis zum 27. April war besonders „pünktlich“ und charakteristisch.
  7. a b c d e f Wolfgang Mieder: Sprichwörterbuch. A. Natur. in diversen Abschnitten; auf folklore.ee (1. September 2009, abgerufen 24. April 2016; Inhalt) – dort noch etliche andere Sprüche zu Georgi, estnisch Jüri
  8. J.K. von Train (Bearb.): Der erfahrne und verläßige Wetterprophet. Schorner'sche Buchhandlung, Straubing 1844, Eintrag Frosch gemeiner (Rana esculenta), Punkt a., S. 44 (Google eBook, vollständige Ansicht).
  9. a b c d Das Wetter am Georgstag. main-rheiner.de: Kinderecke, 22. April 2006. (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)