Geoscoring

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geoscoring dient der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Kunden anhand des Wohnortes. Dabei geht es nicht um die individuellen Merkmale eines jeden Kunden und seiner persönlichen Zahlungsfähigkeit. Beim Geoscoring wird geprüft, ob Nachbarn ihre Kredite und Rechnungen bezahlen um Rückschlüsse auf die eigene Kreditwürdigkeit zu schließen.

Die zugrundeliegende Idee beruht auf der Annahme, dass die Bewohner einer Wohngegend eine ähnliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit besitzen.

Der mittels Geoscoring ermittelte Punktwert beurteilt das Risiko des Kreditausfall eines Verbrauchers unabhängig von seiner tatsächlichen wirtschaftlichen Situation. Anhand des früheren Zahlungsverhaltens der Nachbarn wird prognostiziert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine bestimmte Person in Zukunft ihre Rechnungen nicht begleicht.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Risiko eines Zahlungsausfalls wird beim Geoscoring oft höher eingestuft als es ist, unabhängig von der tatsächlichen Situation. Besonders Versandhändler möchten so Zahlungsausfälle vermeiden. Die Unternehmen können ihre elektronischen Bestellsysteme so einem bestimmten Kundenkreis anpassen und bspw. die Bezahlung von Waren per Rechnung nicht zur Verfügung stellen und stattdessen nur die Option der Vorkasse anbieten.

Die Methode birgt die Gefahr einer selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Anwohner schlechterer Wohnviertel erhalten schlechtere Konditionen am Markt als die Bewohner zahlungskräftigerer Stadtteile, was zu einem weiteren Absinken der Kaufkraft führt. Geoscoring wird von Daten- und Verbraucherschützern, Stadtplanern und Kommunalpolitikern gleichermaßen verurteilt, da es eine Stigmatisierung ganzer Stadtteile begünstigt.[1]

Geoscoring wird daher oft als diskriminierend bezeichnet, da man Menschen in unzulässiger Weise verallgemeinert.[2] In der Kritik steht dieses Verfahren auch deswegen, weil es stark an das in den USA im 20. Jahrhundert verbreitete, aber längst verbotene Verfahren des Redlining erinnert, bei dem ganze Wohnbezirke und Stadtviertel von Banken als „nicht investitionswürdig“ eingestuft wurden und infolgedessen starken wirtschaftlichen Niedergang erlitten.[3]

Der Landesdatenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, erklärte, niemand darf aufgrund seines Wohnortes diskriminiert werden und verweist auf die Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) ab 1. April 2010 hin, wonach ein Wahrscheinlichkeitswert für ein bestimmtes zukünftiges Verhalten nur verwendet werden darf, wenn nicht ausschließlich Anschriftendaten genutzt werden.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den in Deutschland tätigen Auskunfteien gibt lediglich die Schufa an, bei fast allen Auskünften (99,7 %) auf Geoscoring zu verzichten.[5] Geoscoring ist in Deutschland bereits etabliert und basiert derzeit hauptsächlich auf Anschriften. Denkbar ist aber auch die Auswertung von IP-Adressen, Mobilfunkzellen, GPS-Daten und Ähnlichem.

Vergleiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Geoscoring ähnelt der Einstufung von Fahrzeugen in Regionalklasse im Versicherungswesen, die allerdings nicht personenbezogen erfolgt und sehr weiträumig (Zulassungsbezirke) gefasst sind. Es ist allerdings auch hier eine Anpassung der Regionalstatistik auf den Kreisgemeindeschlüssel (KGS) geplant.

Auch die Deutsche Post AG nutzt Daten für Potenzialorientierten Sales Support und Umfeld-Promotion auf Basis von präzisen soziodemografischen Daten um bspw. für Kunden Werbung (bspw. Postwurf Spezial) an entsprechende Zielgruppen (z. B. kaufkräftige Kunden) in einzelnen Wohngebieten zuzustellen. Dabei gibt es Selektionskriterien mit Gebäudedaten oder Wohnsituation.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kerstin Dittert: Scoring: Der Blick in die Kristallkugel. In: Schriftenreihe Digitalisierung. Band 1. epubli, Berlin 2017, ISBN 978-3-7418-8484-9.
  2. Datenschützer: Geoscoring sorgt für soziale Diskriminierung. Artikel bei heise-online, abgerufen am 18. Oktober 2009
  3. „Du bist, wo du wohnst“ - Beitrag aus der Reihe Quarks & Co vom 15. September 2009 - Onlineinfos abgerufen am 19. Februar 2015
  4. Stiftung Warentest zum Thema Scoring In: test, Ausgabe 2/2010, Seite 9, ISSN 0040-3946
  5. https://www.schufa.de/de/ueber-uns/daten-scoring/scoring/scoring-schufa/ Selbstdarstellung der Schufa zum Geoscoring