Geröllgerät

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Pebble-Tool (Chopper), wenig bearbeiteter Oldowan-Fund aus Marokko

Geröllgeräte (engl.: Pebble tools; franz. galet amenagé) waren die ersten von Urmenschen (genauer: von frühen Arten der Hominini) hergestellten und genutzten Steingeräte. In der Definition von Louis Capitan (1902) handelt es sich hierbei um ein massives Geröll, meist Flussgeröll, von dem durch Hartschlag mindestens ein Abschlag abgetrennt wird, so dass eine scharfe Arbeitskante entsteht.[1] Die ältesten bekannten Geröllgeräte aus dem Early Stone Age (dem afrikanischen Altpaläolithikum) sind etwa 2,6 Millionen Jahre alt.

Zeitliche und regionale Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geröllgeräte sind kennzeichnend für die Oldowan-Kultur, die mit den ältesten Artefakten im „Olduvai Bed I“ vor etwa 1,8 Millionen Jahren beginnt.[2] Als Produzenten der einfachen Steingeräte gelten die frühen Vertreter der Gattung Homo: Homo rudolfensis, Homo habilis und Homo ergaster bzw. Homo erectus. In jüngerer Zeit werden auch Australopithecinen als Hersteller von Steinwerkzeugen in Betracht gezogen (vgl. Australopithecus garhi) und damit der Zeithorizont ältester Geröllgeräte vor das Auftreten der Gattung Homo angesetzt. Geröllgeräte, deren intentionelle Herstellung umstritten bleibt, stammen aus Gona im Afar-Dreieck (Nordost-Äthiopien) mit einem geologisch gesicherten Alter von circa 2,6 Millionen Jahren.[3][4] Des Weiteren sind Geröllgeräte von den meisten Fundplätzen des Early Stone Age in Afrika bekannt, beispielsweise von Omo Shungura, Koobi Fora (Ostafrika), Swartkrans und Sterkfontein (Südafrika) oder Ain Hanech und El- Kherba (Nordwestafrika).

Für Europa ist ein Zeithorizont der Geröllgeräte nicht belegt.[5] Hier beginnt der älteste Siedlungshorizont mit dem Acheuléen.

Aus Bolivien und Paraguay sind vereinzelte Oberflächenfunde von weitgehend unbearbeiteten Flussgeröllen aus der Zeit vor der Konquista bekannt.[6]

Morphologie der Artefakte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geröllgeräte sind einfache Geräte aus angeschlagenen Geröllen, die mindestens ein durch Schlagen erzeugtes Negativ (Abschlag) aufweisen. Durch einen Schlag oder eine Reihe von gezielten Schlägen entsteht eine schneidende Arbeitskante. Der amerikanische Archäologe Hallam L. Movius jr. unterschied im Jahr 1949 die frühen Geröllgeräte nach den technologischen Aspekten der Schneiden bzw. der Art und Weise ihrer Herstellung: Einerseits die einseitig geschlagenen Chopper, andererseits die zweiseitig bearbeiteten Chopping Tools.[7] Ein anderes, weniger weit verbreitetes Klassifikationsschema stammt von L. Ramendo aus dem Jahr 1963: Er differenziert zwischen gespaltenen, ein- und zweiseitig bearbeiteten sowie in mehrere Richtung bearbeiteten Rohmaterialien.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten: Einführung in die Artefaktmorphologie. Verlag Archaeologica Venatoria 10, Tübingen 1991, ISBN 3-921618-31-2.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Louis Capitan: Un nouveau gisement chelléen, commune de Clérieux prés Curson (Drome). A.F.A.S., 32. sess., Montauban 1902, S. 755–757
  2. McHenry et al.: Compositional and textural correlations between Olduvai Gorge Bed I tephra and volcanic sources in the Ngorongoro Volcanic Highlands, Tanzania. In: Quaternary International. Bd. 178/1, 2008, S. 306–19
  3. S. Semaw, P. Renne, J. W. K. Harris, C. S. Feibel, R. L. Bernor, N. Fesseha and K. Mowbray: "2.5-million-year-old stone tools from Gona, Ethiopia." Nature, Bd. 385, 1997, S. 333–336 doi:10.1038/385333a0
  4. Sileshi Semaw: The World’s Oldest Stone Artefacts from Gona, Ethiopia: Their Implications for Understanding Stone Technology and Patterns of Human Evolution Between 2.6–1.5 Million Years Ago. In: Journal of Archaeological Science. Bd. 27, 2000, S. 1197–1214 doi:10.1006/jasc.1999.0592
  5. Baales, M., Jöris, O., Justus, A. & Roebroeks, W. (2000), Natur oder Kultur? Zur Frage ältestpaläolithischer Artefaktensembles aus Hauptterrassenschottern in Deutschland. Germania 78, 1-20.
  6. Lutz Werding: Steinwerkzeuge aus Chiquitos. In vorkolumbianischer Zeit nutzten Ureinwohner Boliviens Flussgerölle als Werkzeug. In: Senckenberg: Natur – Forschung – Museum. Band 142, Heft 9/10, 2012, S. 306–313
  7. Hallam L. Movius jr.: The lower paleolithic cultures of Southern and Eastern Asia. In: Transactions of the american philosophical society. Band 38, S. 329–420.
  8. Joachim Hahn: Erkennen und bestimmen von Stein- und Knochenartefakten: Einführung in die Artefaktmorphologie. Verlag Archaeologica Venatoria 10, Tübingen 1991, S. 140–143