Gerd Müller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Fußballspieler. Für den deutschen Bundesminister siehe Gerd Müller (CSU), für andere Personen Gerd Müller (Begriffsklärung).
Gerd Müller

Gerd Müller (2006)

Spielerinformationen
Voller Name Gerhard Müller
Geburtstag 3. November 1945
Geburtsort NördlingenDeutschland
Größe 176 cm
Position Sturm
Vereine in der Jugend
1958–1963 TSV 1861 Nördlingen
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1963–1964
1964–1979
1979–1981
1981–1982
TSV 1861 Nördlingen
FC Bayern München
Fort Lauderdale Strikers
Smiths Brothers Lounge
31 0(51)
453 (398)
71 0(38)
42 0(33)
Nationalmannschaft
1966
1966–1974
Deutschland U-23
Deutschland
1 00(1)
62 0(68)
Stationen als Trainer
1992–2014 FC Bayern München Am./II (Co-Trainer)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Gerhard „Gerd“ Müller (* 3. November 1945 in Nördlingen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballprofi.

Mit 365 Toren ist der „Bomber der Nation“ Rekordtorschütze der Fußball-Bundesliga und gilt aufgrund seiner außergewöhnlichen Körperbeherrschung und Fähigkeit zur Antizipation[1] als einer der besten Stürmer des 20. Jahrhunderts.

Als Spieler des FC Bayern München (1964 bis 1979) gewann Müller vier deutsche Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal, dreimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den Europapokal der Pokalsieger sowie einmal den Weltpokal. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1972 Europa- und 1974 Weltmeister. Im Verlauf seiner Karriere wurde Müller bei 18 unterschiedlichen Wettbewerben Torschützenkönig (u. a. siebenmal in der Bundesliga).

Nach dem Karriereende war er von 1992 bis 2014 im Trainerstab der zweiten Mannschaft des FC Bayern tätig.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller wurde am 3. November 1945 im schwäbischen Nördlingen geboren. Er war das fünfte und jüngste Kind von Johann Heinrich Müller und dessen Ehefrau Christina Karoline geb. Jung.

1958 trat der zwölfjährige Müller in die C-Jugend des TSV 1861 Nördlingen ein[2] und zeigte bereits als Jugendspieler Torjägerqualitäten. In der A-Jugend soll er während der Saison 1962/63 von insgesamt 204 Saisontoren 180 erzielt haben[3][4][5] und wurde in die Jugendauswahl des Bayerischen Fußball-Verbands berufen.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Müller machte im Alter von 14 Jahren den Hauptschulabschluss und begann eine Weberlehre in einem Nördlinger Unternehmen.

Vereinskarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TSV 1861 Nördlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. April 1963 gab der 17-jährige Müller in der Partie gegen die TSG Augsburg 85 sein Debüt für die Herrenmannschaft des TSV (Bezirksliga Schwaben). In seiner ersten kompletten Saison (1963/64) hatte der bullige Mittelstürmer mit 47 Toren bei 28 Einsätzen erheblichen Anteil am Aufstieg des Vereins in die Landesliga.

Der Bundesligist TSV 1860 München wurde auf den Stürmer aufmerksam und wollte ihn für die kommende Saison verpflichten. Doch im Frühjahr 1964 erschien Walter Fembeck, Geschäftsführer des FC Bayern München, nur eine Stunde vor dem Kollegen der Sechziger bei den Müllers zu Hause, um ihm einen Vertrag anzubieten. Müller, der sich beim TSV 1860 kaum Chancen auf einen Stammplatz ausrechnete, gab schließlich den Bayern den Zuschlag. In der Wohnung von Vereinspräsident Wilhelm Neudecker unterschrieb er am 10. Juli 1964 einen Vierjahresvertrag und wechselte für die Ablösesumme von 4.400 DM zum FC Bayern.[6] Nebenher wurde Müller eine Anstellung als Halbtagskraft bei einem Münchener Möbelhändler vermittelt.

FC Bayern München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller (1967) beim Signieren von Fußbällen; im Hintergrund Franz Beckenbauer und Werner Olk

Bayern-Trainer Zlatko Čajkovski zeigte zunächst wenig Begeisterung für den jungen, gedrungenen Stürmer aus der schwäbischen Provinz: „Was soll isch mit dieses Junge, diese Figur, unmöglich.“[7] Daher fand Müller zunächst keine Berücksichtigung für den Kader der Mannschaft, die selbstbewusst den Aufstieg von der Regionalliga Süd in die Bundesliga anstrebte. Erst auf Druck des Präsidenten wurde die Neuverpflichtung am 18. Oktober 1964 in der Partie beim Freiburger FC aufgestellt und erzielte beim 11:2-Sieg einen Treffer. Anschließend schaffte Müller als Halbstürmer den Sprung in die Stammformation und mit Spielern wie Werner Olk, Rainer Ohlhauser, Dieter Brenninger, Franz Beckenbauer oder Sepp Maier gelang den Bayern am Saisonende souverän der Aufstieg in die Bundesliga. Gerd Müller gelangen dabei 33 Treffer und sechs Treffer in der Aufstiegsrunde.

Am 14. August 1965 bestritt Müller sein erstes Bundesligaspiel (0:1 gegen 1860 München) und erzielte 14 Tore bei 33 Einsätzen in seiner Bundesliga-Premierensaison. Die Bayern belegten am Saisonende den dritten Tabellenplatz und mit dem Sieg im DFB-Pokal (4:2-Sieg über den Meidericher SV) konnte man den ersten Titel seit neun Jahren gewinnen. In der Saison 1966/67 gelang Müller der endgültige Durchbruch: Mit 28 Treffern wurde er erstmals Bundesliga-Torschützenkönig (gemeinsam mit Lothar Emmerich) und erhielt die Auszeichnung als „Fußballer des Jahres.“ Mit Gewinn des Europapokal der Pokalsieger 1967 errangen die Bayern ihren ersten internationalen Titelgewinn. Parallel zur persönlichen Entwicklung Müllers, gelang dem FC Bayern unter Trainer Branko Zebec Ende der 1960er Jahre der Aufstieg zur Spitzenmannschaft, der mit dem Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokalsieg 1968/69 gekrönt wurde. Müller, der durch das harte Konditionstraining Zebecs sieben Kilo Körpergewicht verloren hatte, war der überragende Spieler und er wurde abermals Torschützenkönig (30 Spiele/30 Tore) sowie zum zweitenmal „Fußballer des Jahres.“ Im Pokalfinale erzielte er beide Tore zum 2:1-Sieg über den FC Schalke 04.

Die Verpflichtung von Udo Lattek als neuem Trainer läutete zu Beginn der 1970er Jahre die bisher erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte des FC Bayern ein. Nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1971 gewann die Mannschaft zwischen 1972 und 1974 drei Meisterschaften in Folge. Trotz talentierter Neuzugänge wie Uli Hoeneß, Paul Breitner und Rainer Zobel war die Achse Maier-Beckenbauer-Müller zentrales Gerüst der Erfolgsmannschaft. Gerd Müller war ein Weltklassestürmer, der in der Saison 1971/72 40 Bundesligatore erzielte, eine historische Marke, die bis heute Bestand hat. Dem nationalen Titel-Hattrick folgte der dreifache Gewinn des Europapokals der Landesmeister (1974, 1975, 1976) und des Weltpokals 1976.

Doch nach dreizehn Titelgewinnen in zehn Jahren neigte sich Ende der 1970er Jahre die große Zeit des FC Bayern ihrem Ende. Man hatte nicht mehr die Spitzenmannschaft vergangener Jahre und sie rutschten ins Mittelfeld der Bundesliga ab. Nach dem Abgang Beckenbauers in die USA wurde Müller vor Beginn der Saison 1977/78 dessen Nachfolger als Bayern-Kapitän und mit 24 Toren zwar zum siebten Mal Torschützenkönig (gemeinsam mit Dieter Müller), allerdings hatte der „Bomber der Nation“ aufgrund eines Bandscheibenvorfalls immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen.

Am 3. Februar 1979 wurde Gerd Müller während der 1:2-Auswärtsniederlage bei Eintracht Frankfurt erstmals in seiner Karriere aus sportlichen Gründen vorzeitig ausgewechselt, was zum Zerwürfnis mit Trainer Pál Csernai führte. Müller, der dem Vorstand seinen Abschied zum Saisonende bereits angekündigt hatte, forcierte daraufhin durch seine fristlose Kündigung einen vorzeitigen Vereinswechsel. Am 25. Februar wurde der Vertrag zwischen Spieler und Verein einvernehmlich aufgelöst. Somit war die Partie gegen Borussia Dortmund (4:0) am 10. Februar 1979 das letzte Bundesligaspiel Müllers. Sein letztes Tor hatte er am 18. November 1978 bei der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern erzielt.

Erst am 20. September 1983 wurde im Münchener Olympiastadion ein Abschiedsspiel zwischen dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft organisiert.

Fort Lauderdale Strikers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1979 unterzeichnete Müller einen gut dotierten Vertrag bei den Fort Lauderdale Strikers aus der nordamerikanischen Profiliga NASL, in der Ende der 1970er Jahre zahlreiche europäische Altstars spielten (u.a. Franz Beckenbauer, George Best, Giorgio Chinaglia, Teófilo Cubillas, Carlos Alberto).

Sein erstes Pflichtspiel absolvierte Müller am 28. April 1979 und erzielte in drei Saisons insgesamt 38 Tore in 71 Meisterschaftsspielen. In der NASL-Winterpause im Herbst 1979 kehrte Müller für ein halbes Jahr nach München zurück und trainierte mit der Mannschaft des TSV 1860 München. Ein geplanter Transfer zum TSV scheiterte an den finanziellen Forderungen seitens des US-amerikanischen Vereins.[8] Der Höhepunkt seiner Zeit in den USA war die 0:3-Niederlage der Strikers gegen die hoch favorisierten New York Cosmos um Franz Beckenbauer im Robert F. Kennedy Memorial Stadium von Washington D.C. im Endspiel um die US-Meisterschaft (September 1980).

Mit der Partie gegen die Jacksonville Tea Men am 11. August 1981 (1:2) beendete Gerd Müller seine Profikarriere.

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller während des WM-Endspiels 1974

Seine Karriere in der A-Nationalmannschaft begann am 12. Oktober 1966 in Ankara gegen die Türkei. In seinem zweiten A-Länderspiel am 8. April 1967 in Dortmund gegen Albanien erzielte er die ersten vier seiner 68 Tore in der Nationalelf.

Der erste Höhepunkt seiner Länderspielkarriere war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Bereits in der Vorrunde schoss er sieben Tore. Im Viertelfinale gelang ihm das Siegtor zum 3:2 gegen England. Im anschließenden „Jahrhundertspiel“, dem Halbfinale gegen Italien, erzielte er zwei Tore in der Verlängerung (Endstand 3:4). Als Müller sich bei einem scheinbar schon geklärten Eckball zwischen einen italienischen Verteidiger und den Torwart drängte und den Ball ins Tor spitzelte, kommentierte dies Fernsehreporter Ernst Huberty mit den Worten: „Wenn Sie jemals ein echtes Müller-Tor gesehen haben, dann jetzt.“[9] Müller wurde bei diesem Turnier mit zehn Treffern Torschützenkönig und wurde im selben Jahr als erster Deutscher zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

1972 wurde er mit der DFB-Auswahl Europameister. Bei diesem Turnier wurde er mit vier Treffern erneut Torschützenkönig.

Wolfgang Overath und Gerd Müller (rechts) nach dem Sieg 1974

Die Länderspielkarriere endete am 7. Juli 1974 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in seinem Heimatstadion in München, wo er im Finale gegen die Niederlande in der 43. Minute das Siegtor zum 2:1 erzielte.

Nach der WM 1974 erklärte Müller nach 62 Länderspielen im Alter von nur 28 Jahren seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Einige Quellen bringen seinen Rücktritt in Zusammenhang mit seinen Äußerungen über seine Verärgerung über den DFB. Der DFB hätte nach Ansicht Müllers den Spielerfrauen in den Stadien schlechte Plätze zugewiesen und sie nicht zum Festbankett nach dem gewonnenen WM-Titel eingeladen. Außerdem habe der DFB zu niedrige Prämien („lachhaft“) für einen WM-Erfolg ausgelobt.[3] Müller besteht aber darauf, dass er seinen Entschluss zum Rücktritt bereits drei Tage vor dem WM-Finale Trainer Helmut Schön mitgeteilt habe und private Gründe für seine Entscheidung maßgeblich gewesen seien. Er habe mehr Zeit mit seiner Frau und seiner damals dreijährigen Tochter Nicole verbringen wollen. Schön habe ihn gebeten, mit der Bekanntgabe bis nach dem Endspiel zu warten.[10]

Spielweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Müllers Beiname als „Bomber der Nation“ entsprach kaum seiner Spielweise. Vielmehr war er ein klassischer Strafraumstürmer, der nicht von einem kraftvollen Schuss, sondern von seiner unberechenbaren Raffinesse lebte. Sein Markenzeichen war die schnelle Drehung auf engstem Raum, die ihm seine relativ kurzen Beine (78 cm) und der damit verbundene "niedrige Körperschwerpunkt" ermöglichten. Hatte er sich den nötigen Freiraum verschafft, folgte der überraschende Torabschluss selbst aus ungünstigsten Positionen heraus. Bot sich Müller eine Gelegenheit, überlegte er nicht lange und suchte den direkten Weg zum Torabschluss. Typisch waren sein gutes Gespür für Spielsituationen, seine Reaktionsschnelligkeit sowie sein Vermögen, selbst aus scheinbar unmöglichen Positionen und Lagen, Tore zu schießen: aus der Drehung, mit dem Rücken zum Tor, im Laufen, im Liegen, Stehen und Fallen, mit dem Fuß, mit dem Kopf, dem Knie und manchmal sogar mit dem Hinterteil. Diese unnachahmliche Art Tore zu erzielen nannten die Journalisten "Müllern." Beispielhaft ist sein nach eigener Aussage „wichtigstes Tor“[3], das Siegtor im WM-Finale 1974 von München.[11]

Aufgrund dieser unberechenbaren Spielweise stellte Müller die gegnerischen Abwehrspieler vor ein nahezu unlösbares Problem. Gegen seine Drehungen, seine Reaktionsfähigkeit und seine Intuition halfen weder Mann- noch Raumdeckung.

„Müller was short, squat, awkward-looking and not notably fast; he never fit the conventional idea of a great footballer, but he had lethal acceleration over short distances, a remarkable aerial game, and uncanny goalscoring instincts. His short legs gave him a strangely low center of gravity, so he could turn quickly and with perfect balance in spaces and at speeds that would cause other players to fall over. He also had a knack of scoring in unlikely situations“

„Müller war kurz, gedrungen, wirkte ungelenk und war nicht erwähnenswert schnell; er passte nie in die herkömmliche Vorstellung von einem großen Fußballer. Aber er hatte eine tödliche Beschleunigung über kurze Entfernungen, ein bemerkenswertes Kopfballspiel und einen unheimlichen Torinstinkt. Seine kurzen Beine gaben ihm einen eigentümlich niedrigen Schwerpunkt. So konnte er sich schnell und mit perfektem Gleichgewicht drehen, in Räumen und mit Geschwindigkeiten, bei denen andere Spieler hinfallen würden. Darüber hinaus verfügte er über die Gabe, Tore in ungewöhnlichen Situationen zu erzielen.“

David Winner[12]

„Ob im Liegen oder im Sitzen, stehend oder laufend, mit beiden Füßen und Oberschenkeln, dem Knie, dem Po oder auch schon mal mit dem Bauch: Es gab einfach keine Lage, aus der Gerd Müller nicht doch noch ein Tor gemacht hätte.“

Frank Menke[13]

Späteres Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müllers Geburtshaus in Nördlingen

Nach Beendigung seiner Spielerkarriere blieb Müller mit seiner Familie in Fort Lauderdale, Florida. Gemeinsam mit einem befreundeten deutschen Ehepaar eröffneten sie in der Stadt ein Steakhouse, das „Gerd Mueller's Ambry.“[14] Das Restaurant lebte vornehmlich von deutschen Besuchern, während die US-Kundschaft ausblieb. Müller fühlte sich in seiner Rolle als prominenter Gastgeber unwohl und verfiel zunehmend dem Alkohol.

Im April 1984 kehrte die Familie nach München zurück, wo sich Müllers Alkoholabhängigkeit und private Probleme verstärkten. Auf Drängen alter Freunde und Mitspieler wie Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer begann Müller im November 1991 eine Entziehungskur[15][16] und erhielt nach deren erfolgreichem Abschluss im Januar 1992 eine Anstellung beim FC Bayern. Dort arbeitete er als Stürmer- und Torwarttrainer im Stab der zweiten Mannschaft unter Hermann Gerland und Mehmet Scholl.

Seit Herbst 2014 kann Müller aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Assistenztrainer arbeiten. Im Oktober 2015 gab der FC Bayern bekannt, dass man bei Gerd Müller Demenz aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert habe und er bereits seit Jahresbeginn professionell betreut werde.[17]

Müller ist verheiratet und hat eine Tochter.

Statistiken und Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller erzielte 68 Tore in 62 Länderspielen (eine Quote von 1,097, die bei einer vergleichbaren Anzahl von Spielen nur knapp von Sándor Kocsis übertroffen wurde). Nur in 24 seiner 62 Länderspiele schoss er kein Tor. Er war von 1972 bis 2014 der erfolgreichste Torschütze der deutschen Nationalmannschaft. Am 6. September 2013 zog Miroslav Klose mit Müller gleich, am 6. Juni 2014 übertraf dieser den gemeinsamen Rekord mit seinem 69. Länderspieltor, er benötigte dafür allerdings 132 Spiele.

Müller ist neben Edmund Conen der einzige Deutsche, der in einem Weltmeisterschaftsspiel einen klassischen Hattrick erzielen konnte. In zwei weiteren Länderspielen gelangen ihm Hattricks, darunter sogar vier Tore hintereinander zwischen der 49. und 65. Minute beim Spiel Deutschland gegen die Sowjetunion am 26. Mai 1972. Insgesamt erzielte er in vier Spielen je drei und in weiteren vier Spielen je vier Treffer. Damit ist er der deutsche Spieler, dem es am häufigsten gelang, mindestens drei Tore in einem Spiel zu erzielen. Dabei war Müller der erste, dem es fast 25 Jahre nach dem letzten Viererpack von Ernst Willimowski wieder gelang, vier Tore in einem Länderspiel zu erzielen; nach seinem vierten und letzten Viererpack dauerte es wiederum fast 32 Jahre, bis mit Michael Ballack erneut ein deutscher Spieler vier Tore in einem Länderspiel erzielte.

Gerd Müller mit Franz Beckenbauer und Trainer Helmut Schön nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974

Er hat bei zwei WM-Teilnahmen, in Mexiko (1970, 10 Tore) und Deutschland (1974, 4 Tore), 14 Tore erzielt und belegte in der ewigen WM-Torschützenliste 32 Jahre lang Platz 1. Bei der WM 2006 in Deutschland wurde er vom Brasilianer Ronaldo abgelöst, der bei vier Weltmeisterschaften (drei gespielten) insgesamt 15 Tore erzielte. Bei der WM 2010 wurde sein Rekord von Miroslav Klose, dem aktuellen Rekordhalter, im Viertelfinalspiel gegen Argentinien eingestellt und bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 bei dessen vierten Teilnahme übertroffen. Bessere Quoten als Gerd Müller erzielten nur Just Fontaine bei der WM 1958 mit 13 Toren und Sándor Kocsis bei der WM 1954 mit elf Toren. Nach 1970 konnte kein Spieler mehr als 8 Tore bei einem WM-Turnier erzielen, obwohl die besten vier Mannschaften ab 1974 sieben statt sechs Spiele bestreiten müssen.

Bei Europameisterschaften erzielte Müller 16 Tore (in zwölf Spielen, einschließlich Qualifikationsrunden). Zählt man nur die Tore bei Endrunden, ist Müller nicht bei den Besten zu finden, da die EM-Endrunden bis einschließlich 1976 nur aus Halbfinalspielen und Finale bestanden.

Als Vereinsspieler international[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den europäischen Vereinswettbewerben erzielte er 69 Tore in 77 Spielen und führte damit die Rangliste jahrzehntelang an. 35 Treffer gelangen ihm im Landesmeister-Wettbewerb, in dem er mit einer Quote von 1,0 die beste der Top-12-Torschützen aufweist, 20 im Pokalsieger-Wettbewerb, 7 im Messepokal, 4 im UEFA-Pokal, 3 im Supercup.[18]

Gerd Müller wurde 1970 mit 38 Toren und 1972 mit 40 Toren jeweils zum besten Torschützen aller europäischen Ligen gekürt und erhielt dafür den Soulier d'Or, den Goldenen Schuh. Im Gegensatz zur Phase von 1996/97 bis heute, in der die Torschützenkönige aus stärkeren Ligen durch Multiplikation mit dem Faktor 2 oder 1,5 bevorzugt werden, schoss Müller damals tatsächlich die meisten Tore aller Spieler in Europa.[19] Außerdem wurde er viermal Torschützenkönig des Europapokals der Landesmeister, was bis zur Einführung der Champions League einen Rekord darstellte.

Als Vereinsspieler national[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller ist der bislang erfolgreichste Stürmer der deutschen Fußballgeschichte. Er erzielte 365 Tore in 427 Bundesligaspielen (alle für den FC Bayern München) und ist mit sieben Titeln Rekordtorschützenkönig der Bundesliga. Dabei gelang es ihm als einzigem, in drei aufeinander folgenden Spielzeiten (1971/72 bis 1973/74) Torschützenkönig zu werden. Von 1966/67 bis 1977/78 befand sich Gerd Müller zwölf Saisons in Folge unter den besten drei der Bundesliga-Torschützenliste und erzielte dabei jedes Mal mindestens 20 Tore.

Er hält nicht nur den Rekord innerhalb einer Bundesliga-Saison mit 40 Treffern (1971/72), sondern auch die zweitbeste (38 Tore 1969/70) und drittbeste (36 Tore 1972/73) Marke. Müller erzielte in fünf Spielzeiten mindestens 30 Tore. Ihm gelang es in fünf Saisons (1969/70, 1971/72, 1972/73, 1975/76, 1976/77), mehr Tore zu erzielen als Spiele zu absolvieren.

Im DFB-Pokal schoss Gerd Müller in 62 Spielen 78 Tore, was ebenfalls einen Rekord darstellt. Insgesamt erzielte Gerd Müller in Pflicht- und Freundschaftsspielen 1455 dokumentierte Tore in 1204 Spielen (1,21 Tore/Spiel).

Ein weiterer, aber eher negativer Rekord Müllers sind die in seiner Karriere insgesamt zwölf verschossenen Elfmeter. Kein anderer Bundesligaspieler hat bisher mehr Elfmeter verschossen.[20] Mit seinen 51 verwandelten Elfmetern ist Müller gleichzeitig der Spieler mit den zweitmeisten Elfmetertoren in der Bundesliga.

Im Kalenderjahr 1972 erzielte Müller 85 Tore in 60 Pflichtspielen (1,42 Tore pro Spiel).[21] Erst im Jahre 2012 wurde dieser Rekord überboten. Lionel Messi erzielte 91 Tore in 69 Pflichtspielen (1,32 Tore pro Spiel).[22]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein Liga Saison Liga DFB-Pokal Europapokal Andere Gesamt
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore
TSV 1861 Nördlingen Bezirksliga 1962/63 3 4 0 0 0 0 0 0 3 4
1963/64 28 47 0 0 0 0 0 0 28 47
Gesamt 31 51 0 0 0 0 0 0 31 51
FC Bayern München Regionalliga Süd 1964/65 26 33 0 0 0 0 8 8 34 41
Bundesliga 1965/66 33 14 6 1 0 0 0 0 39 15
1966/67 32 28 4 7 9 8 0 0 45 43
1967/68 34 20 4 4 8 7 0 0 46 31
1968/69 30 30 5 7 0 0 0 0 35 37
1969/70 33 38 1 3 2 0 0 0 36 41
1970/71 32 22 9 11 8 7 0 0 49 40
1971/72 34 40 6 5 8 5 0 0 48 50
1972/73 33 36 5 7 6 12 5 12 49 67
1973/74 34 30 4 5 10 9 0 0 48 44
1974/75 33 23 3 2 7 5 0 0 43 30
1975/76 22 23 6 7 7 5 0 0 35 35
1976/77 25 28 4 11 6 8 2 1 37 48
1977/78 33 24 3 4 6 4 0 0 42 32
1978/79 19 9 2 4 0 0 0 0 21 12
Gesamt 453 398 62 78 77 69 15 21 607 567
Fort Lauderdale Strikers NASL 1979 25 19 0 0 0 0 0 0 25 19
1980 29 14 0 0 0 0 7 2 38 16
1981 17 5 0 0 0 0 0 0 17 5
Gesamt 71 38 0 0 0 0 7 2 78 40
Karriere Gesamt 555 487 62 78 77 69 22 23 716 658
Nationalmannschaft
Jahr Spiele Tore
1966 1 0
1967 4 6
1968 3 2
1969 7 9
1970 12 13
1971 8 12
1972 7 12
1973 8 7
1974 12 7
Gesamt 62 68

Titel und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerd Müller 1974 mit dem Weltmeisterpokal

Nationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Müller engagierte sich für das Team der Augsburger Benefiz-Fußballelf Datschiburger Kickers, die sich dem Fundraising für wohltätige Zwecke verschrieben hat.
  • Mit dem Lied Dann macht es bumm betätigte sich Müller 1974 als Sänger.
  • Der brasilianische Fußballspieler Luís Antônio Corrêa da Costa vom São Paulo FC, der unter anderem selbst auch Fußballweltmeister und Weltpokalsieger wurde, gab sich in Anlehnung an Gerd Müller den Künstlernamen Müller inklusive Umlaut.
  • In den 1970er Jahren kam das geflügelte Wort „müllern“ auf.[13]
  • Gerd Müller machte in den Jahren 2010 bis 2014 erneut Werbung für Müller-Milch, zusammen mit dem Nationalspieler Thomas Müller.[27] Bereits in den 1970er Jahren nutzte das Unternehmen Müller die Namensgleichheit, um für Buttermilch zu werben.[28]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Wenns denkst, is eh zu spät!“ – Gerd Müller über das Toreschießen
  • „Als Torjäger musst du wissen, wo das Tor steht. Und das habe ich gewusst.“[29]Gerd Müller
  • „Mein wichtigstes Tor war sicherlich das 2:1 im WM-Finale 1974 in München. … Der Ball kam von Rainer Bonhof in den Strafraum, ich lief mit zwei Holländern vor, dann wieder zurück, weil der Pass in meinen Rücken gespielt wurde. Der Ball sprang mir auch noch vom linken Fuß, ich drehe mich ein wenig und plötzlich war der Ball drin.“ – Gerd Müller
  • „Ohne ihn würden wir uns heute noch in der alten Holzhütte aus den 60er Jahren am Trainingsplatz an der Säbener Straße umziehen. Ohne seine Tore stünde der FC Bayern heute nicht da, wo er ist.“ – Franz Beckenbauer
  • „Gerd Müller ist der wichtigste und größte Fußballer, den Deutschland nach 1954 gehabt hat. Gerd Müller ist der FC Bayern, Gerd Müller ist die deutsche Nationalmannschaft. Oder andersrum: Der FC Bayern und die Nationalelf sind das, was sie geworden sind, durch Gerd Müller. Weil er derjenige war, der die Pokale und die Titel gebracht hat - kein anderer.“ – Paul Breitner
  • „Er wollte immer gewinnen, jedes Trainingsspiel. Und wenn wir bei einem Freundschaftsspiel 28:0 geführt haben, wollte er in der 88. Minute noch unbedingt das 29. Tor machen. Das hat ihn ausgezeichnet.“ – Uli Hoeneß
  • „Gerd Müller hat das, was man als Fußballspieler nicht lernen kann: Eine Art angeborenen Instinkt für Situationen und Torgelegenheiten.“ – Willi Schulz
  • „Wenn man gegen den Gerd Müller spielt, dann darf man sich während des Spiels nicht mal umgucken.“ – Gerhard Wörner
  • „Er wusste vorher, wo er hinzulaufen hatte und wo der Ball landet. Machte er ein Tor, hieß es dann: Er stand mal wieder richtig. So ein Unsinn! Es ist eine Kunst, dort zu stehen und den Ball über die Linie zu befördern. Diese große Gabe hatte er, und wir haben sie ganz bewusst geschult.“ – Dettmar Cramer
  • „Meine Damen und Herren, wenn Sie jemals ein Müller-Tor gesehen haben, dann jetzt.“ – Ernst Huberty nach dem Treffer zur 2:1-Führung im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien
  • „Tore, die Müller macht. Die nur Müller macht, weil er die kürzesten Reflexe hat.“ – Rudi Michel nach dem Treffer zum 2:1 gegen die Niederlande im WM-Finale 1974
  • „Was ich sollen mit solche Spieler? Sie sehen doch selbst. Haben unmögliche Figur, kann nie werden große Fußballer.“ – Zlatko Čajkovski (August 1964).
  • „Sie kleines dickes Müller, das nicht sehen kann Ball, wenn liegt unter Bauch.“ – Zlatko Čajkovski

Quelle[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerd Müller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Böller: Sanfter Bomber und stilles Genie. Nürnberger Nachrichten, 3. November 2010, abgerufen am 19. November 2010.
  2. Udo Muras, Patrick Strasser: Gerd Müller, Der Bomber der Nation; ISBN 978-3-86883-700-1, S. 35
  3. a b c Gerd Müller – „Bomber der Nation“ schrieb Rekorde für die Ewigkeit. In: fifa.com. FIFA, abgerufen am 5. Mai 2011.
  4. Mike Szymanski: 180 Saisontore – Der Kanonier aus Nördlingen. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 3. November 2005, abgerufen am 5. Mai 2011.
  5. TSV 1861 Nördlingen – Fußball. In: tsv1861-noerdlingen.de. TSV 1861 Nördlingen e.V, abgerufen am 29. September 2014.
  6. Die Verpflichtung von Gerd Müller bundesliga.de, 25. März 2014
  7. Ralf Grengel, Rafael Jockenhöfer: 100 Jahre FC Bayern München…und ein Paar Titel mehr; Berlin: powerplay-Verlag, 2001; ISBN 3-9804611-3-0; S. 120
  8. Claudius Mayer: Geschichte eines Traditionsvereins – TSV München von 1860 (erweiterte 3. Auflage). Gotteswinter Verlag, München 2007, S. 190
  9. Szene mit Originalkommentar auf Youtube.com
  10. Nationalmannschaft DFB.DE SPEZIAL – WM 1974: Titelgewinn im eigenen Land, Teil 10 . In: dfb.de; 12. März 2010; abgerufen am 7. Januar 2011
  11. Müllers Siegtor im WM-Finale 1974 in YouTube (englisch)
  12. Brilliant Orange: The Neurotic Genius of Dutch Football (Bloomsbury, 2000)
  13. a b Frank Menke: Gerd Müller – Die Torfabrik. In: sportschau.de. Abgerufen am 7. Juni 2013.
  14. "Ambry" in Florida. In Gerd Müllers Restaurant kennt ihn kaum jemand. Die Welt, 28. Mai 2013, abgerufen am 29. Mai 2013.
  15. Gerd Müller: „Allein hätte ich das nicht geschafft“. In: abendzeitung.de
  16. Gerd Müller – Die Nation leidet mit ihrem Bomber. In: Die Welt vom 20. Juli 2011 (abgerufen am 9. Juni 2013)
  17. Gerd Müller wird 70. fcbayern.de vom 6. Oktober 2015, abgerufen am 6. Oktober 2015
  18. Players' Records of Goals and Matches in European Cups
  19. Golden Boot ("Soulier d'Or") Awards
  20. Hinweis in: RevierSport 78/2012, S. 54
  21. Messi bricht Gerd Müllers Torrekord. Spiegel Online, 9. Dezember 2012, abgerufen am 23. Dezember 2012
  22. Messi beendet Jahr mit 91 Toren. ORF, 23. Dezember 2012, abgerufen am 23. Dezember 2012
  23. Liste der FIFA-Verdienstorden-Träger, abgerufen am 25. Oktober 2012 (PDF; 71 kB)
  24. a b Westdeutscher Rundfunk Köln: ARD Sportschau – Tor des Monats – Suchergebnisse für Gerd Müller. In: sportschau.de. Abgerufen am 18. Mai 2011.
  25. Sport Award 2013: Sport Bild ehrt Bayern, Matthäus und Gerd Müller. In: welt.de, 12. August 2013, abgerufen am 28. August 2014.
  26. SPORT BILD-Award 2013: Alle Preisträger, alle Stars. In: bild.de. 12. August 2013, abgerufen am 28. August 2014.
  27. Thomas und Gerd Müller: So lustig ist ihre Milch-Werbung. In: tz.de, abgerufen am 20. März 2014.
  28. Werbespot in YouTube, abgerufen am 8. Oktober 2012.
  29. http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/dfb-und-fc-bayern-legende-gerd-mueller-zum-70-geburtstag-13889933.html
  30. Udo Muras und Patrick Strasser: Gerd Müller - Der Bomber der Nation, Riva-Verlag, ISBN 978-3-86883-700-1; S. 200 ff.