Gerd de Bruyn

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Gerd de Bruyn (* 26. April 1954 in Köln) ist ein deutscher Architekturtheoretiker, Hochschullehrer und Schriftsteller.

www.kristinapopov.com
Gerd de Bruyn in Stuttgart, Literaturhaus, 2012

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft bei Ralph-Rainer Wuthenow, der Musikwissenschaft bei Ludwig Finscher an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und einem kurzen Intermezzo an der dortigen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, besuchte Gerd de Bruyn die von Günter Bock geleitete Architekturklasse der Städelschule. Im Anschluss hieran gründete er mit Robert March und Berthold Ressler das Architektenteam AAM, das in mehreren Ausstellungen mit ausgefallenen Projekten und Zeichnungen auf sich aufmerksam machte.

Ende der 1980er Jahre wurde er Chefredakteur der Zeitschrift Baukultur des DAI (Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e. V.), wenige Jahre später überredete ihn der Städtebauer Thomas Sieverts zur Lehre und Promotion. 1995 promovierte Gerd de Bruyn an der Technischen Universität Darmstadt in Soziologie bei Helmut Dahmer und übernahm 1997 die Vertretungsprofessur für Städtebautheorie an der KHB Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zuvor hatte sein sozialpolitischer Einsatz zum Aufbau der Zukunftswerkstatt Wohnen des Vereins Lobby für Wohnsitzlose und Arme in Frankfurt am Main geführt.

2001 wurde er auf den Lehrstuhl für Architekturtheorie der Universität Stuttgart berufen, wo er bis 2018 das Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA) leitete. Seit seinem Auszug aus der Römerstadt (Architekt: Ernst May) lebt Gerd de Bruyn mit seiner Frau Annette Busche und Tochter Charlotte in Tübingen. Er ist Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und gehörte von 2001 bis 2014 dem Direktorium des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT) an, das er zeitweilig kommissarisch leitete. Gerd de Bruyn ist Mitherausgeber der Reihe „Kultur und Technik“, sitzt im Beirat der Edition ArchitekturDenken und im Redaktionsbeirat der BDA-Zeitschrift Der Architekt. 2012 gründete er mit Andreas Gallo die SRMotorradmanufaktur und ein Jahr später mit Wolfgang Reif die Edition Staub.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach journalistischen, redaktionellen und kuratorischen Tätigkeiten u. a. für den DAI, den DWB und nach Projekten mit dem Architekten Johannes Peter Hölzinger wechselte Gerd de Bruyn in den 1990er Jahren in die Lehre. Am IGmA steht neben den Kultur- und architekturtheoretischen Inhalten der Vorlesungen und Seminare das konzeptionelle Entwerfen im Zentrum, das Günter Bock in die Architekturlehre der Städelschule eingeführt hatte. De Bruyn behielt den interdisziplinären Charakter des Instituts bei und erweiterte diesen durch die Auseinandersetzung mit Phänomenen wie der Mode und den Herausforderungen der neuen Medien, die in einer institutseigenen Publikationsreihe und dem halbjährlich erscheinenden englischsprachigen Magazin Junk Jet thematisiert werden. Weitere Forschungsgebiete waren die Betrachtung des Wissenschaftscharakters der Architektur sowie die Theorie und Praxis des Bauens mit lebenden Pflanzen (Baubotanik) in Zusammenarbeit mit Ferdinand Ludwig.[1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Abt Jerusalem-Preis „für herausragende wissenschaftliche Beiträge zum Dialog der Geistes-, Natur- und Technikwissenschaften“

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Bücher
  • Theorie der modernen Architektur. Programmatische Texte. Edition Staub, skript-Verlag, Neuss 2017.
  • mit Wolf Reuter: Das Wissen der Architektur. Vom geschlossenen Kreis zum offenen Netz. Edition ArchitekturDenken, transcript, Bielefeld 2011.
  • Hg. mit Ferdinand Ludwig u. Hannes Schwertfeger: Lebende Bauten. Trainierbare Tragwerke. Reihe Kultur und Technik des internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT), Universität Stuttgart 2009.
  • Die enzyklopädische Architektur. Zur Reformulierung einer Universalwissenschaft. Edition ArchitekturDenken, transcript, Bielefeld 2008.
  • mit Uwe Fischer extra virgin = satellite pro 0.2, Universität Stuttgart 2006.
  • Hg. mit Stephan Trüby u. a.: 5 Codes. Architektur, Paranoia und Risiko in Zeiten des Terrors (engl. Version: 5 Codes. Architecture, Paranoia and Risk in Times of Terror). Birkhäuser, Berlin/Basel/Boston 2006.
  • mit Uwe Fischer extra virgin = satellite pro 0.1, Universität Stuttgart 2005.
  • Johannes Peter Hölzinger. Haus in Bad Nauheim, Opus 53 (deutsch/englisch). Edition Axel Menges, Stuttgart/London 2004.
  • Hg. mit Stephan Trüby: architektur_theorie.doc. texte seit 1960. Birkhäuser, Berlin/Basel/Boston 2003.
  • Fisch und Frosch oder Die Selbstkritik der Moderne. „Bauwelt Fundamente“, Band 124. Birkhäuser, Berlin/Basel/Boston 2001.
  • Contemporary Architecture in Germany 1970–1996. 50 Buildings. Birkhäuser, Berlin/Basel/Boston 1997.
  • Die Diktatur der Philanthropen. Entwicklung der Stadtplanung aus dem utopischen Denken. „Bauwelt Fundamente“, Band 110. Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1996.
Literarische Werke
  • mit Alban Janson: Der baumelnde Storch. Geschichten und Zeichnungen. Edition Staub, skript-Verlag, Neuss 2019.
  • Das mächtige Häuflein. Erzählung (Zeichnungen von Alban Janson). Edition Staub, skript-Verlag, Neuss 2016.
  • Das artemisianische Prinzip. Romanessay über Musik und Architektur. Edition Staub, skript-Verlag, Neuss 2014.
  • Die Brandstifter von Dünkelkirchen. Ein Künstleridyll aus der hessischen Provinz. Edition Staub, skript-Verlag, Neuss 2014.
  • Der Gestus des Erhabenen oder: postkommunistisches Manifest. In: Pathos des Gestischen. Der Architekt, Heft 4/2013.
  • Der Wettstreit der Vögel. Ein Architekturkrimi aus dem Tierreich. In: Fabelhafte Architektur. Architektonische Erzählungen und sprechende Bauten. Der Architekt, Heft 3/2012.
  • denken: body, sprechen: poe, gedichte & grafische texte. igmade.edition, Universität Stuttgart 2010.
  • Semperiana. Zur Aktualität Gottfried Sempers (1803-1879). Igma, Universität Stuttgart 2003.
Radioessays
  • Maria Antonia Walpurgis, die singende Amazone. Serie: Multitalente von Goethe bis Schlingensief, DLF „Essay & Diskurs“, 14. April 2013.
  • Max Liebermann oder: Rückzug ins Refugium. Serie: Kunstbürger–Bürgerkunst, DLF „Essay & Diskurs“, 27. Juni 2010.
  • Johannes Brahms oder: Die Sehnsucht nach einem neuen, frischen Ton. Serie: Kunstbürger–Bürgerkunst, DLF „Essay & Diskurs“, 25. April 2010.
  • Schwindende Neubauten – Was ist Architektur im postindustriellen Zeitalter?. DLF „Kulturgespräch“, 23. April 2010.
  • Die Multidimensionalität des Urbanen. Serie: Die idyllische Stadt, DLF „Essay & Diskurs“, 19. April 2009.
  • Alle Menschen werden Gärtner. Architektur und Gartenbau. Serie „Die idyllische Stadt“, DLF „Essay & Diskurs“, 13. April 2009.
  • Tore des Glücks. Das Beispiel Augsburg. Serie: „Die idyllische Stadt“, DLF „Essay & Diskurs“, 10. April 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Institutsgeschichte | Institut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen | Universität Stuttgart. Abgerufen am 3. September 2019.