Gerda Wegener

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Gerda Wegener 1904

Gerda Wegener (* 15. März 1886 in Hammelev; † 28. Juli 1940 in Frederiksberg) war eine dänische Illustratorin und Malerin des Jugendstils und des Art Déco.

Leben[Bearbeiten]

Porträt Lili Elbe, um 1928

Gerda Marie Frederikke Gottlieb wuchs auf als Tochter eines Landgeistlichen hugenottischer Herkunft im damals politisch zum Deutschen Reich gehörenden Nordschleswig. Sie ging nach Kopenhagen, um sich an der Königlich Dänischen Kunstakademie ausbilden zu lassen. Dort lernte sie den Künstler Einar Wegener kennen, der sich später Lili Elbe nannte und den sie 1904 heiratete. Um ihren Wirkungskreis zu erweitern und ihre lesbische Orientierung freier ausleben zu können, zog sie 1912 mit ihrem Mann nach Paris, wo sie als Malerin und Illustratorin für Zeitschriften wie Vogue, La Vie Parisienne, Fantasio, Le Rire, La Baïonnette und viele andere tätig war. Ihr Erfolg erlaubte es ihr, auch in Kopenhagen in der Galerie Ole Haslund regelmäßig auszustellen. Ihre Karriere beruhte auf Talent und Fleiß, nicht zuletzt aber auch auf dem Aufsehen, das ihre ungewöhnliche Ehe erregte.

Frontispiz von Les Contes de La Fontaine, Band I, 1928

Einar Wegener, der zunächst durchaus als der größere von beiden Künstlern galt, stellte seine eigene Arbeit zurück, um seine Frau bei ihren Bemühungen zu unterstützen. Er posierte für Gerda Wegener in Frauenkleidern, nannte sich Lili Elbe, wurde zu ihrem bevorzugten Modell und wurde so als Transsexueller bekannt. 1930 unterzog er sich einer chirurgischen Geschlechtsumwandlung, die als eine der ersten ihrer Art ungeheures Aufsehen erregte. Gerda Wegener unterstützte ihren Partner/ihre Partnerin in der Übergangszeit nach besten Kräften. 1930 wurde ihre Ehe vom dänischen König annulliert.

Gerda Wegener heiratete 1931 den elf Jahre jüngeren italienischen Offizier, Piloten und Diplomaten Major Fernando Porta, mit dem sie nach Marrakesch, dann nach Casablanca zog. Dort in Marokko erfuhr sie, dass Lili Elbe in der Dresdener Frauenklinik nach einer Uterustransplantation durch Kurt Warnekros gestorben war. 1936 ließ Gerda Wegener sich von Fernando Porta scheiden und kehrte nach Kopenhagen zurück. 1939 hatte sie ihre letzte Ausstellung, aber ihr Stil war aus der Mode gekommen. Sie starb wenige Monate nach der Besetzung Dänemarks durch die Wehrmacht des Deutschen Reichs an einem Herzschlag.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Der Zweite Weltkrieg beendete die dem Luxus huldigende Epoche des Art déco schlagartig. Erst gesellschaftliche Strömungen wie sexuelle Befreiung, Feminismus und Gender-Debatte belebten das Interesse vor allem an Gerda Wegeners erotischen Werken. Heute erzielen ihre Arbeiten wie die von George Barbier und Erté auf Auktionen hohe Preise.

Rezeption[Bearbeiten]

David Ebershoffs Roman Das dänische Mädchen (Originaltitel The Danish Girl) aus dem Jahr 2000 behandelt die Lebensgeschichte von Lili Elbe und Gerda Wegener (die freilich zur amerikanischen Malerin Greta Waud mutiert). Das Buch war ein internationaler Bestseller und wurde in ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Der Roman wurde als Grundlage für den Film The Danish Girl verwendet, in dem Eddie Redmayne die Rolle der Lili Elbe und Alicia Vikander die der Gerda Wegener übernommen hat. Regie führte Tom Hooper. Der Film bewirbt sich bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2015 um den Goldenen Löwen. Der deutsche Filmstart für The Danish Girl ist für Januar 2016 vorgesehen.[1]

Illustrationen[Bearbeiten]

Bücher
  • Le Livre des Vikings von Charles Guyot (1920 oder 1924)
  • Une Aventure d'Amour à Venise von Giacomo Casanova. Le Livre du Bibliophile. Georges Briffaut. Collection Le Livre du Bibliophile, Paris 1927.
  • Les Contes de La Fontaine (1928–1929).
  • Contes de mon Père le Jars und Sur Talons rouges von Eric Allatini (1929)
  • Fortunio von Théophile Gautier (1934)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerda Wegener – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Danish Girl, filmstarts.de, abgerufen am 30. August 2015