Gerhard Domagk

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Gerhard Domagk (1939)

Gerhard Johannes Paul Domagk (* 30. Oktober 1895 in Lagow, Brandenburg; † 24. April 1964 in Königsfeld im Schwarzwald) war ein deutscher Pathologe, Bakteriologe und Nobelpreisträger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an einer Schule in Liegnitz, die Domagk vier Jahre lang besucht hat. Ins Deutsche übersetzt, heißt es: IN DIESEM GEBÄUDE LERNTE IN DEN JAHREN 1910-1914 GERHARD JOHANNES PAUL DOMAGK, EIN HERVORRAGENDER ARZT, NOBELPREISTRÄGER VON 1939 FÜR PHYSIOLOGIE UND MEDIZIN. ER ERHIELT DEN EHRENDOKTORTITEL DER UNIVERSITÄTEN IN BOLONIA, MÜNSTER, CORDOBA, LIMA, BUENOS AIRES UND GIESSEN. LIEGNITZ, 2003

Gerhard Domagk wurde als Sohn eines Rektors geboren. Bis zu seinem 14. Lebensjahr besuchte er die Schule in Sommerfeld. Er begann ein Medizinstudium an der Universität Kiel, welches er unterbrach, um als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teilzunehmen. Bereits im ersten Kriegsjahr 1914 wurde er verwundet, und wurde darauf bis zum Ende des Krieges als Sanitäter eingesetzt. Danach beendete er sein Studium.

Domagk begann an der Universität Greifswald, bakteriell verursachte Infektionen zu erforschen. 1923 entkam er durch einen Zufall dem schweren Eisenbahnunfall von Kreiensen – er hatte den Zug kurz verlassen.[1] 1925 folgte er seinem Professor Walter Groß (1878–1933) an die Universität Münster und habilitierte zu dem Thema „Die Vernichtung von Infektionskrankheiten durch das Retikuloendothel und die Entstehung des Amyloids“. Im selben Jahr heiratete er seine Frau Gertrud, geb. Strübe, mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte.

Ab 1929 forschte und entwickelte Domagk, vorzugsweise im Stammwerk der Bayer AG innerhalb der I.G. Farben in Wuppertal-Elberfeld. Er führte die Sulfonamide in die Chemotherapie der bakteriellen Infektionen ein und entwickelte wirkungsvolle Tuberkulostatika. Er entdeckte 1935 die antibakterielle Wirkung des Sulfonamid-Farbstoffs Prontosil.[2][3]

Für die wichtige Entdeckung erhielt er 1939 den Nobelpreis für Medizin.[4] Aufgrund einer Anordnung Adolf Hitlers war es ab 1937 verboten, den Nobelpreis anzunehmen. Vorangegangen war die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Journalisten und Regimegegner Carl von Ossietzky, was für die Nationalsozialisten eine außenpolitische Schlappe bedeutet hatte. Die Anordnung sollte einer Wiederholung vorbeugen.[5] Erst 1947 konnte Domagk den Preis aus den Händen des schwedischen Königs entgegennehmen,[6] allerdings ohne die dazugehörige Geldsumme, die nicht innerhalb eines Jahres entgegengenommen worden war, wie in den Stiftungsbestimmungen vorgesehen.

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Domagk war Mitglied der Leopoldina (1942).[7] Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Lauheide bei Münster.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur „Domagk“ von Tony Cragg (2013) in Wuppertal gegenüber dem ehemaligen Wohnhaus Domagks[8][9]

In Bad Berka, Berlin, Bocholt, Bonn, Bünde, Dormagen, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover, Homburg, Königsfeld im Schwarzwald (Ortsteil Burgberg), Köln, Leverkusen, Lindau, Ludwigshafen am Rhein, München, Münster, Neumünster, Vlotho und Wuppertal sind Straßen nach ihm benannt. In München trägt das Areal „Domagkpark“ seinen Namen.[10] Von 1967 bis zu ihrer Schließung im Jahre 1982 war die ehemalige Lungenheilstätte in Ruppertshain (Taunus) nach ihm benannt.

Stiftung und Wissenschaftspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1961 an der Universität Münster gegründete Stiftung "Krebsforschung Professor Dr. Gerhard Domagk" verleiht jährlich einen aus Stiftungsmitteln finanzierten und mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis für wissenschaftliche Leistungen, die sich um die Forschung zur Bekämpfung des Krebses verdient gemacht haben. Die beste Arbeit über den "Stoffwechsel der Tumoren und seine Beeinflussung" wird prämiert.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert L. Schrader: Gerhard Domagk. Die Erfindung der Sulfonamide als Heilmittel und die Entdeckung neuer Tuberkulosemittel. In: Hans Schwerte und Wilhelm Spengler (Hrsg.): Forscher und Wissenschaftler im heutigen Europa. 2. Mediziner, Biologen, Anthropologen (= Gestalter unserer Zeit. Band 4). Stalling, Oldenburg 1955, S. 143–150 (Die Hrsgg. waren SS-Kader.).
  • Gerhard Domagk 1895–1964. Lebenserinnerungen in Bildern und Texten. Bayer AG, Geschäftsbereich Pharma, [Leverkusen] 1995.
  • Thomas Hager: The demon under the microscope. From battlefield hospitals to Nazi labs. One doctor’s heroic search for the world’s first miracle drug. Harmony Books, New York 2006, ISBN 1-4000-8213-7.
  • Liselotte Folkerts: Gerhard Domagks Wirken reicht bis in die Gegenwart In: Westfälische Nachrichten. 16. Juli 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerhard Domagk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ekkehard Grundmann: Gerhard Domagk: der erste Sieger über die Infektionskrankheiten. Münster 2001, S. 20. Die Angaben zum Unfallort sind hier unrichtig wiedergegeben.
  2. Gerhard Domagk: Ein Beitrag zur Chemotherapie der bakteriellen Infektionen. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 61, 1935, S. 250.
  3. E. Grundmann: Gerhard Domagk. Ein Pathologe besiegt die bakteriellen Infektionskrankheiten. In: Der Pathologe. Band 22, 2001, S. 241–251. doi:10.1007/s002920100469
  4. Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1939 an Gerhard Domagk (englisch)
  5. Adventskalender-Gewinnspiel Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dezember 2009 (http://wwwuv2.uni-muenster.de/adventskalender/tuer.php?nr=1)
  6. Albert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle, Verlag Helvetica Chimica Acta, Zürich, 2006, S. 264, ISBN 978-3-906390-29-1.
  7. Mitgliedseintrag von Gerhard Domagk (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 24. Mai 2016.
  8. Gerhard Domagk: Eine bahnbrechende Erfindung, Deutsches Ärzteblatt 2013; 110(33-34), abgerufen 18. Januar 2016
  9. Ateliergespräch mit Cragg zur Skulptur, abgerufen am 18. Januar 2016
  10. http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/funkkaserne-wird-domagk-park-100.html
  11. Webseite der Universität Münster zur Stiftung