Gerhard Ehninger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Gerhard Ehninger (* 11. Juni 1952 in Simmozheim) ist ein deutscher Mediziner. Er lehrte von 1994 bis 2018 als Professor für Innere Medizin an der TU Dresden.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Hermann-Hesse-Gymnasium in Calw hat Ehninger an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Medizin studiert und promoviert. Es folgte die Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent, die Habilitation und die Facharztanerkennung als Internist. Danach arbeitete er dort als Oberarzt. Die Bereiche Hämatologie und Onkologie wurden seit 1978 seine Arbeitsschwerpunkte. Zahlreiche klinische Studien mit begleitenden pharmakologischen Untersuchungen beschrieben erstmals die Pharmakokinetik und den Metabolismus[1][2] und die Wirksamkeit von Mitoxantron in der Kombination mit Cyclophosphamid bei Patientinnen mit Mammakarzinom.[3] Weitere Arbeiten zur Anwendung bei Leukämien folgten.[4]

Ab 1986 übernahm er die Leitung des Knochenmarktransplantationsbereiches an der Medizinischen Klinik Tübingen. Besondere Schwerpunkte waren die Übertragung von Blutstammzellen von unverwandten Spendern, die Vermeidung der Reaktion der übertragenen Blutstammzellen gegen Patientengewebe, die Diagnose und Behandlung von Virusinfektionen[5] und die pharmakologischen Eigenschaften der angewandten Medikamente.[6] Unter seiner Leitung wurden die ersten erfolgreichen Übertragungen von unverwandten Blutstammzellen in Deutschland durchgeführt.[7]

Der Mangel an unverwandten Spendern in Deutschland[8] veranlasste ihn als Sekretär der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantion 1987 einen Antrag bei der Deutschen Krebshilfe zum Aufbau einer Spenderdatei aus der Reihe der Blutspender zu stellen. Danach gründete Ehninger 1991 gemeinsam mit Peter Harf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei.[9] Nach einem Jahr waren bereits 100 000 Freiwillige registriert.[10] Ein wichtiger Schritt zur raschen Spendervermittlung war die komplette Typisierung der relevanten HLA-Merkmale. [11] Heute ist die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei die weltgrößte Einzeldatei mit Töchtern in Polen, England und den USA.[12]

1994 wurde er auf den Lehrstuhl Innere Medizin an der Technischen Universität Dresden berufen. Dort gelang es mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe die Versorgung der Patienten mit Krebserkrankungen zu verbessern und ein interdisziplinäres Spitzenzentrum zur Behandlung von Tumorerkrankungen aufzubauen. [13] Das Mildred-Scheel-Gebäude ist heute eines der größten europäischen Transplantationszentren. Zahlreiche neue Behandlungsverfahren wurden dort entwickelt.

Zahlreiche Verbesserungen in der Leukämietherapie wurden in nationalen und internationalen Studiengruppen erzielt. Ehninger leitet heute die Studienallianz Leukämien mit über 50 Kliniken in Deutschland und Tschechien.[14] Seit 2005 ist er Sprecher des DFG Sonderforschungsbereiches 655 von Zellen zu Geweben.[15]

2002 gründete Ehninger die Firma Cellex und 2011 zusammen mit Prof. Dr. Michael Bachmann die Firma GEMoab Monoclonals. In diesen Firmen werden neue Medikamente aus ihren wissenschaftlichen Arbeiten zur Immuntherapie mit neuen Antikörpern [16] und gentechnologisch veränderten Immunzellen[17] entwickelt.[18]

2018 wurde Ehninger an der TU Dresden emeritiert.

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehninger hat sich in zahlreichen Gremien wie der Bundesärztekammer, Deutschen Forschungsgemeinschaft und Fachgesellschaften engagiert. Von 2004 bis 2012 war er Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. 2010 machte er darauf aufmerksam, dass die Blutbildveränderungen bei Claudia Pechstein durch eine angeborene Kugelzellanämie und nicht durch Doping bedingt sind.[19]

Ehninger positionierte sich gegen die als Pegida bekannt gewordenen Demonstrationen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ und organisierte mit dem Verein Dresden-Place to be! ein Festival mit, bei dem unter anderem Herbert Grönemeyer, Keimzeit und Silly auftraten.[20][21]

Mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen setzt er sich für ein weltoffenes und tolerantes Dresden ein.[22] Nach den Ereignissen vor der Frauenkirche am 3. Oktober 2016 formierte er unter dem Motto "Was uns eint" das Bündnis Dresden.Respekt mit breiter Beteiligung von Bürgern, Verbänden, Kirchen, Kultureinrichtungen, Parteien und Vertretern der Stadt.[23][24]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes 1971–1978

Preis für Transfusionsmedizin der Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem gesamten Gebiet der Knochenmark- und Stammzelltransplantation sowie Zelltherapie 2006 [25]

Erich-Kästner-Preis 2017 [26]

Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. PMID 4019115.
  2. PMID 2185907.
  3. PMID 6525600.
  4. PMID 3422260.
  5. PMID 1682592.
  6. PMID 1884728.
  7. PMID 2661185.
  8. PMID 2481537.
  9. PMID 7924941.
  10. Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.12.1992, Seite N2 Das nationale Register für Knochenmarkspender wächst
  11. PMID 12361095.
  12. https://www.dkms.de/de
  13. https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/universitaetscentren/ucc
  14. http://sal-aml.org/ueber-uns/einfuehrung-ueberblick
  15. https://www.sfb655.de
  16. PMID 23325142.
  17. PMID 27518241.
  18. http://www.3sat.de/mediathek/?obj=64434
  19. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.doping-kugelzellanaemie-mit-folgen.749e73e4-3eb1-49e6-9183-00000c46b1b0.html
  20. Pegida will nach Bachmann-Rücktritt weitermachen wie bisher. Zeit Online vom 22. Januar 2015. Abgerufen am 26. Januar 2015.
  21. So wird das Dresdner Konzert wirklich bezahlt! Mopo24, 26. Januar 2015, abgerufen am 27. Januar 2015. (PDF)
  22. https://www.facebook.com/dresdenoffenundtolerant/
  23. http://www.dresdenrespekt.de/
  24. Archivlink (Memento des Originals vom 23. April 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de
  25. http://www.drk-haemotherapie.de/data/ausgabe_6/beitraege/Sonderbeitrag_6_06.pdf
  26. http://www.sz-online.de/nachrichten/das-gute-gewissen-von-dresden-3664810.html