Gerhard Hess (Romanist)
Gerhard Hess (* 13. April 1907 in Lörrach; † 30. Juni 1983 in Konstanz) war ein deutsch-schweizerischer Romanist, Philologe und Wissenschaftspolitiker. Er lehrte von 1948 bis 1966 als Professor für Romanistik an der Universität Heidelberg und war von 1955 bis 1964 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Von 1966 bis 1972 war er erster Rektor der neugegründeten Universität Konstanz.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hess wuchs als Sohn eines Schweizer Fabrikdirektors im südbadischen Lörrach auf, er hatte die deutsche und die schweizerische Staatsbürgerschaft. Wegen einer schweren Bronchialdrüsenerkrankung musste er den Schulbesuch mehrere Jahre unterbrechen. Nach seinem Abschluss am Humanistischen Gymnasium in Lörrach 1926 studierte Romanistik in Basel, Heidelberg und Berlin. Mit einer Arbeit über Alain (Émile Chartier) in der Reihe der französischen Moralisten wurde er 1931 an der Berliner Universität promoviert. Sein Doktorvater war Eduard Wechssler, als prägendsten akademischen Lehrer bezeichnete Hess aber Bernhard Groethuysen.[1] Anschließend war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Eduard Wechsslers, 1935 wurde sein Vertrag nicht verlängert – laut Hess geschah dies auf Betreiben der NS-Studentenschaft.[2] Er habilitierte sich 1938 ebenfalls in Berlin für romanische Philologie, Thema seiner Qualifikationsschrift war Pierre Gassend, der französische Späthumanismus und das Problem von Wissen und Glauben.
In den Kriegsjahren 1940/1941 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Leibniz-Kommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften und lehrte als Privatdozent. In Heidelberg vertrat er ab 1941 den Lehrstuhlinhaber Walter Mönch, der von den nationalsozialistischen Machthabern für Sonderaufgaben abgestellt war. Mönch wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen seiner Aktivitäten mit Berufsverbot und Hausverbot belegt. Hess blieb auf Mönchs Posten.
1946 wurde er außerplanmäßiger Professor; 1948 erhielt er einen Ruf als Ordinarius für romanische Philologie an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er bis 1966 als einer von drei Direktoren (neben Kurt Baldinger und Erich Köhler) dem Romanischen Seminar vorstand. Wichtige Schüler seiner Heidelberger Zeit waren Hans Robert Jauß, Karl-August Ott und Karl-Heinz Bender.
1950/51 war Gerhard Hess Rektor der Heidelberger Universität, gleichzeitig Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz. Von 1955 bis 1964 war er Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Ihm zu Ehren wurde der „Gerhard-Hess-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft“ sowie das „Gerhard-Hess-Programm für Nachwuchswissenschaftler“ initiiert.
Gerhard Hess wurde 1964 Vorsitzender des Gründungsausschusses der Universität Konstanz sowie deren Rektor von 1966 bis 1972.
Er war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen, wie seit 1950 der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Auszeichnungen und Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ehrensenator der Universität Freiburg/Br. (1957)
- Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik (1958)
- Offizierskreuz der Französischen Ehrenlegion (1961)
- Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern (1964)
- Ehrenbürger der Universität Konstanz (1972)
- Dr.-Ing. E.H. der Technischen Universität Berlin (1964)
- Zwei Ehrendoktorwürden (phil. und theol.)
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Alain (Emile Chartier) in der Reihe der französischen Moralisten, 1932
- Die französische Philosophie der Gegenwart, 1933
- Pierre Gassend. Der französische Späthumanismus und das Problem von Wissen und Glauben, 1939
- Die Landschaft in Baudelaires „Fleurs du Mal“, 1953
- Zur Entstehung der Maximen La Roche Foucaulds, 1957
- Eine Freundesgabe der Wissenschaft für Ernst Hellmut Vits, 1964
- Zukunft der Universität – Zukunft der Jugend, 1973
- Die Universität Konstanz 1966–1972, 1973
Übersetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Raymonde Vincent: Stilles Land. Roman, 1938
- La Bruyère: Leibniz korrespondiert mit Paris, 1940
- Madame de la Fayette: Die Prinzessin von Clèves, 1946
- La Bruyère: Die Charaktere, 1949
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gesellschaft, Literatur, Wissenschaft. Gesammelte Schriften 1938–1966. Hrsg. v. Hans Robert Jauß und Claus Müller-Daehn. W. Fink, München 1967 (Ausgabe zum 60. Geburtstag, mit Bibliographie)
- Horst Sund: Gerhard Hess. In: Badische Biographien, Neue Folge Band 2 (1987), S. 132–135.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Gerhard Hess im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiographie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
- Hess Gerhard. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Horst Sund: Gerhard Hess. In: Badische Biographien, Neue Folge Band 2 (1987), S. 132–135.
- ↑ Daniel Wilhelm: Gerhard Hess, Archiv Universität Konstanz, 30. August 2019.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hess, Gerhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Romanist und Literaturwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 13. April 1907 |
| GEBURTSORT | Lörrach |
| STERBEDATUM | 30. Juni 1983 |
| STERBEORT | Konstanz |
- Romanist
- Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)
- Hochschullehrer (Universität Konstanz)
- Rektor (Universität Konstanz)
- Rektor (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern
- Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großoffizier)
- Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft
- Ehrenbürger der Universität Konstanz
- Ehrensenator der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- Mitglied der Ehrenlegion (Offizier)
- Absolvent der Humboldt-Universität zu Berlin
- Deutscher
- Schweizer
- Geboren 1907
- Gestorben 1983
- Mann