Gerhard Mayer-Vorfelder

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Gerhard Mayer-Vorfelder (2011)
Gerhard Mayer-Vorfelder (2009)

Gerhard Mayer-Vorfelder (* 3. März 1933 in Mannheim) ist ein ehemaliger deutscher Sportfunktionär und ehemaliger Politiker der CDU. Er war von 1980 bis 2001 Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg und von 1980 bis 1991 Kultus- sowie von 1991 bis 1998 Finanzminister des Landes Baden-Württemberg. Von 2001 bis 2006 fungierte er als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Jugend[Bearbeiten]

Gerhard Mayer-Vorfelder, Sohn eines Oberregierungsrats, besuchte Gymnasien in Waldshut und Freiburg. Er leistete seinen Wehrdienst beim Fallschirmjägerbataillon 251 in Calw ab und wurde zum Reserveoffizier ausgebildet.[1] Danach studierte er Jura in Freiburg und Heidelberg.

Politiker[Bearbeiten]

Er begann seine politische Laufbahn als persönlicher Referent des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger und wurde 1976 politischer Staatssekretär im Staatsministerium. Von 1976 bis 1978 war Mayer-Vorfelder Staatssekretär mit Kabinettsrang im Finanzministerium. 1980 wurde er unter Ministerpräsident Lothar Späth als Nachfolger des ins Innenministerium gewechselten Roman Herzog baden-württembergischer Minister für Kultus und Sport, dieses Amt hatte er bis zum Rücktritt Lothar Späths im Jahr 1991 inne. Späths Nachfolger Erwin Teufel ernannte Mayer-Vorfelder zum Finanzminister. Dieses Amt behielt er bis 1998, sein Nachfolger wurde Gerhard Stratthaus. Von 1980 bis 2001 vertrat Gerhard Mayer-Vorfelder den Wahlkreis Stuttgart II als Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

Sportfunktionär[Bearbeiten]

Von 1968 bis 1985 war er Vorstandsmitglied des Württembergischen Fußball-Verbandes. 1975 wurde Mayer-Vorfelder Präsident des VfB Stuttgart. Der Verein stieg kurz nach seiner Amtsübernahme in die 2. Liga ab, errang aber während der Präsidentschaft Mayer-Vorfelders später zwei Deutsche Meistertitel sowie einen DFB-Pokal-Sieg. Bei seinem Rücktritt am 30. Oktober 2000 hinterließ er den Verein allerdings in stark verschuldetem Zustand. Bereits ein Jahr zuvor hatte sich um Hansi Müller eine Opposition gegen Mayer-Vorfelder und seinen Geschäftsführer Ulrich Schäfer formiert.[2] Der Aufsichtsrat des VfB sprach im Juni 1999 gegenüber Gerhard Mayer-Vorfelder das Misstrauen aus und kündigte an, bei der Mitgliederversammlung ein Jahr später keine Wiederwahl des Präsidenten mitzutragen.[3] Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Bandke, der bis dahin die Entscheidungen des Vereinspräsidenten meist mittrug, setzte sich gegenüber Mayer-Vorfelder mit der Berufung von Hansi Müller in den Vereinsvorstand durch.[4] Die Transferpolitik von Mayer-Vorfelder und seinem engsten Vertrauten Schäfer wurde im Umfeld des VfB Stuttgart als Hauptgrund für den hohen Schuldenstand des Vereins betrachtet.[5][6]

Ab dem 28. April 2001 war er Präsident des DFB. Von 1992 bis 1998 und wiederum von 2002 bis 2007 war er Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Nach dem Ausscheiden der Deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal und dem Rücktritt von Rudi Völler als Teamchef kam Mayer-Vorfelder in die Kritik. Ihm wurde vorgeworfen, bei der Trainersuche einen Alleingang unternommen zu haben, außerdem wurde sein selbstherrlicher Stil kritisiert. Ab dem 23. Oktober 2004 führte er den DFB in einer Doppelspitze mit dem geschäftsführenden Präsidenten Theo Zwanziger, da eine Kampfabstimmung gegen dessen Kandidatur zwei Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 verhindert werden sollte. Mayer-Vorfelder sagte hierbei zu, 2006 bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag nicht wieder zu kandidieren. Am 8. September 2006 endete daher Mayer-Vorfelders DFB-Präsidentschaft. Bis März 2009 war Mayer-Vorfelder gewähltes Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees. Von 2007 bis März 2009 war er auch Vizepräsident der UEFA. Außerdem ist Mayer-Vorfelder Ehrenpräsident des VfB Stuttgart. Er ist Mitglied des Kuratoriums der Bundesliga-Stiftung.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Sowohl als Politiker als auch als Sportfunktionär war Mayer-Vorfelder häufig umstritten. Dies liegt zum einen an seinem polarisierenden Wesen (mehrfach wurde ihm vorgeworfen, er führe seine Ämter nach Gutsherrenart), zum anderen war der Funktionär mehrfach Gegenstand von Affären (beispielsweise die so genannte Toto-Lotto-Affäre, der Steuerskandal um Steffi und Peter Graf oder die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen seine Person wegen Steuerhinterziehung). Das Magazin der Süddeutschen Zeitung bezeichnete ihn als „Affärenprofi“. Von mehreren Seiten wurden von Mayer-Vorfelder getätigte Aussagen als rassistisch und nationalistisch interpretiert. Allerdings konnte Mayer-Vorfelder in keinem der Fälle ein ungesetzliches Verhalten nachgewiesen werden.

Mayer-Vorfelder bekleidet den militärischen Grad eines Hauptmanns der Reserve und nahm über viele Jahre hinweg auch an Truppenübungen teil.

Für seine Verdienste wurde Mayer-Vorfelder mit dem Bundesverdienstkreuz am Band und elf Mal mit dem Deutschen Sportabzeichen in Gold ausgezeichnet.

Der Politiker und Sportfunktionär verfasste im Jahr 1988 einen Artikel in der als rechtsextrem geltenden Monatszeitschrift Nation und Europa.[8]

Von 2001 bis 2006 zeigte die Wander-Ausstellung „Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ des Bündnisses Aktiver Fußballfans Zitate von DFB-Präsident Mayer-Vorfelder, die ihn als Beschleuniger von Nationalismus und Rassismus zeigten. Mayer-Vorfelder sagte z. B.: „Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und statt dessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?“, „Der südamerikanische und afrikanische Fußball haben genetisch andere Voraussetzungen“ und „Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in den Anfangsformationen stehen, kann irgendetwas nicht stimmen.“[9] Der DFB kritisierte dies als Verunglimpfung, zog sein Fördergeld für die Ausstellung zurück und Mayer-Vorfelder stand im Mittelpunkt einer medialen Debatte.[10][11][12]

2003 wurde er vom Verein Deutsche Sprache mit dem Titel Sprachpanscher des Jahres für die Verwendung von Anglizismen oder „Denglisch“ im öffentlichen Sprachgebrauch bedacht. 2004 erhielt er das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Ende 2004 untersagte das Kammergericht Berlin (OLG) auf Initiative von Mayer-Vorfelder dem Südwestrundfunk, in einer auf SWR 3 ausgestrahlten Satiresendung Mayer-Vorfelder lallend darzustellen, weil ihm dadurch Alkoholismus unterstellt werde.[13] Unter anderem deswegen wurde ihm 2005 der Negativpreis Verschlossene Auster verliehen.

Gerhard Mayer-Vorfelder ist verheiratet mit Margit Deutschle und hat vier Kinder. Sein Sohn Michael (* 19. September 1978) bestritt von 1998 bis 2000 16 Spiele (ein Tor) für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart in der Regionalliga.

Mayer-Vorfelder verteidigte die umstrittene Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger beim Staatsakt für den verstorbenen Hans Filbinger: „Es war mutig, aber richtig, was er gesagt hat“, sagte Mayer-Vorfelder. „Hans Filbinger war kein Nationalsozialist.“[14]

2008 wandte er sich gegen eine Unterstützung des Projektes Netz gegen Nazis durch den DFB, da auch Einrichtungen wie die Junge Freiheit oder das Studienzentrum Weikersheim „in einen Topf mit Neonazis“ geworfen würden.[15]

Gerhard Mayer-Vorfelder unterstützte das Sozialprojekt Wir helfen Afrika zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Er fungiert als Stadtpate für die Stadt Stuttgart. Außerdem engagiert sich Mayer-Vorfelder im Kuratorium der Deutschen Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind in Tannheim im Schwarzwald, die Familien mit chronisch kranken Kindern unterstützt.

Er trägt seit 21. Januar 2011 die Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.) der Assen-Slatarow-Universität Burgas in Bulgarien.[16]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Mayer-Vorfelder: Ein stürmisches Leben : Erinnerungen. Hohenheim, Stuttgart; Leipzig 2012, ISBN 978-3-89850-205-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gerhard Mayer-Vorfelder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Prominente über ihre Zeit beim Bund
  2. Führungskrise beim VfB Stuttgart. Die Welt, 8. Oktober 1999, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  3. Ein Verein rechnet ab. die tageszeitung, 31. Oktober 2002, abgerufen am 31. Juli 2012.
  4. Aufsichtsräte in der Bundesliga. kicker, 8. Mai 2000, abgerufen am 15. Januar 2012 (Inhalt nur mit Javascript zugänglich).
  5. VfB plant radikalen Neuaufbau. dpa, 21. März 2000, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  6. VfB Stuttgart rechnet mit Mayer-Vorfelder ab. netzeitung.de, 31. Oktober 2002, abgerufen am 30. Dezember 2011.
  7. Broschüre der Bundesliga-Stiftung; S. 48 (PDF-Datei; 6,49 MB)
  8. Fußball, Fußball über alles - Von Bauwens bis Meyer-Vorfelder: Die peinlichen Vorfälle des DFB Süddeutsche Zeitung, 1. März 2002.
  9. Website der Ausstellung Tatort Stadion 2
  10. Liga und Profis distanzieren sich von Rassismus-Austellung. In: FAZ.net. 10. Januar 2002, abgerufen am 5. März 2012.
  11. Christof Siemes: Flanken von rechts. Der DFB und die tumben Sprüche seines Chefs. In: Die Zeit 04/2002. 17. Januar 2002, abgerufen am 5. März 2012.
  12. Sven Astheimer: "Mayer-Vorfelder ist ein zu keiner Selbstkritik fähiger Erzkonservativer". Interview mit Walter Jens. Frankfurter Rundschau, 15. Februar 2001, abgerufen am 5. März 2012.
  13. Im Wortlaut: Gerhard Mayer-Vorfelders Laller-Maulkorb
  14. Empörung über Oettinger Stuttgarter Nachrichten online, 12. April 2007.
  15. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2008: Mayer-Vorfelder stellt sich abseits
  16. Bulgarische Universität ehrt Mayer-Vorfelder, T-Online News, 21. Januar 2011