Gerhard Schmidt-Gaden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gerhard Schmidt-Gaden (* 19. Juni 1937 in Karlsbad, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Dirigent, Chorleiter und Stimmpädagoge.

Schmidt-Gaden studierte Dirigieren bei Kurt Eichhorn in München, Chorleitung bei Kurt Thomas in Leipzig, sowie Gesang bei Helge Rosvaenge, Otto Iro und Mario Tonelli.

Im Jahr 1956 gründete er den Tölzer Knabenchor, den er innerhalb weniger Jahre zu einem international gefragten Knabenchor formte und bis heute leitet. Carl Orff, Hans Werner Henze, Herbert von Karajan, August Everding und Claudio Abbado zählten zu seinen wichtigen Förderern. Prägend für seine musikalische Entwicklung war insbesondere die langjährige Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt.

1978 gründete Schmidt-Gaden das „Florilegium Musicum“, ein Kammerorchester für Alte Musik mit Originalinstrumenten.

Von 1980 bis 1988 hatte er eine Professur für Chorleitung am Mozarteum in Salzburg inne, von 1984 bis 1989 wirkte er zudem als Chordirektor an der Mailänder Scala und betreute den dortigen Kinderchor.

Der Schriftsteller und Drehbuchautor Christopher Kloeble, der von 1988 bis 1994 im Tölzer Knabenchor sang, berichtete von seelischen Misshandlungen durch Schmidt-Gaden. Diese reichten von Beschimpfungen („blöde Arschlöcher“) über Auftrittsverbote, Geldstrafen für kleinste Fehler bis hin zum Verfassen und Absingen eines mehrstrophigen Spottliedes auf den damals übergewichtigen Kloeble während einer Busfahrt des Chores, wobei Schmidt-Gaden sogar noch die anderen Chorknaben zum Mitsingen anhielt. Ein anderer Chorknabe bestätigte die Atmosphäre von Angst, Demütigung und emotionaler Gewalt. Er habe von Schmidt-Gaden die schlimmste Ohrfeige seines Lebens bekommen. Dieser hat 2016 die Chorleitung abgegeben, unterrichtet aber nach wie vor Solisten.[1][2]

Schmidt-Gadens Wirken mit dem Tölzer Knabenchor, u.a. BachsWeihnachtsoratorium“ mit dem Collegium Aureum, „Kleine Geistliche Konzerte“ von Heinrich Schütz sowie geistliche Chormusik von Orlando di Lasso, ist in zahlreichen Platteneinspielungen dokumentiert.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Trebbin: Erinnerungen an den Tölzer Knabenchor: "Man versuchte, nicht zu weinen" BR-Klassik vom 15. September 2017
  2. Tölzer Knabenchor: Ex-Mitglied spricht von "emotionalem Terror" Süddeutsche Zeitung vom 29. August 2017