Gerhard Thieme

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Gerhard Thieme (* 15. März 1928 in Rüsdorf; † 27. Mai 2018 in Berlin[1]) war ein deutscher Bildhauer und Medailleur. Seine bildhauerischen, stadtgeschichtlich bedeutenden Arbeiten im öffentlichen Raum sind an zahlreichen Plätzen Berlins zu finden.

Gerhard Thieme, 2010

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Jugend erlernte Gerhard Thieme das im Erzgebirge weit verbreitete Holzschnitzen. Nach einer Lehre als Musterzeichner (Textilentwerfer) von 1942 bis 1945 war er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst Umschüler in der Landwirtschaft. 1948 begann Thieme ein Studium unter anderem bei Fritz Koelle an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, das er 1950 an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee bis 1952 fortsetzte. Von 1952 bis 1956 war er Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste in Berlin. Von da an arbeitete er freischaffend in Berlin.

Studienreisen führten Gerhard Thieme in die Tschechoslowakei, nach Polen, in die Sowjetunion und nach Ungarn.

Totenmasken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Zusammenarbeit mit Fritz Cremer nahm er 1956 dem toten Bertolt Brecht die Totenmaske ab und war maßgeblich an der Vergrößerung der Buchenwald-Gruppe Cremers beteiligt. Gerhard Thieme hat dann mehr als fünfzig Totenmasken abgenommen, so unter anderem von den Politikern Otto Grotewohl, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, von den Malern Max Lingner und Otto Nagel, vom Komponisten Hanns Eisler, vom Schriftsteller Ludwig Renn, von der Tänzerin Gret Palucca und 1993 von seinem alten Meister Fritz Cremer.

Kleinplastiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch Junge bildende Künstler der DDR beschrieb der Kunstwissenschaftler Wolfgang Hütt 1965 die Entstehung von Kleinplastiken bei Gerhard Thieme, die ihn an die Entstehung von Holzskulpturen erinnerte. Intensives Beobachten von Bewegungsabläufen und detaillierte Darstellungen machten die Kleinplastiken Thiemes einzigartig. Hütt wies darauf hin, dass jedoch gerade dies bei der Entstehung von monumentalen Plastiken hinderlich sein kann.

Großplastiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast erschien dies als Aufforderung, denn drei Jahre später entstand Gerhard Thiemes 3,40 Meter hohe und 800 Kilogramm schwere Bronzeskulptur Bauarbeiter. Der monumentale Riese verleitete Besucher in der Berliner Karl-Liebknecht-Straße immer wieder, ihm die Hand zu geben. Durch so herbeigeführte Abnutzungen erhielt die Skulptur den Beinamen Goldfinger.[2]

Der Tröpfelbrunnen Kletternde Kinder war eigentlich eine Auftragsarbeit für die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Für die Gestaltung besuchte Thieme eine Pankower Schulklasse beim Sportunterricht, um typische Kletter- und Turnhaltungen festzuhalten. Die Entwürfe gefielen der Stadtbezirksverwaltung jedoch so gut, dass der 3,10 Meter hohe Brunnen in Berlin-Pankow aufgestellt wurde. In den Jahren 1992 und 2004 wurde er restauriert.[3]

Auftragsarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Partei- und Staatsführung der DDR fertigte Gerhard Thieme zahlreiche Auszeichnungen und Gastgeschenke an, so kleine Reliefs von Karl Marx, Friedrich Engels und Ernst Thälmann.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1956: Adam-Mickiewicz-Denkmal (Weimar), Bronze
  • 1956: Mädchenakt, Berlin, Rahel-Hirsch-Weg, Bronze
  • 1963: Aufbauhelferin, Berlin, Sterndamm, Bronze
  • 1968: Bauarbeiter, Berlin, Karl-Liebknecht-Straße, Bronze[4]
  • 1969: Karl-Marx-Denkmal, Neubrandenburg, 2001 eingelagert, 2018 an neuem Standort wieder aufgestellt
  • 1970/72: Tröpfelbrunnen Kletternde Kinder, Berlin, Ecke Berliner Straße/Breite Straße, auf dem Gelände des Freibads Pankow
  • 1972: Archimedes im Treptower Park bei der Archenhold-Sternwarte in Berlin, Bronze[5]
  • 1972: Lesender Junge, Schwerin, Bertolt-Brecht-Straße, Bronze
  • 1972: Tröpfelbrunnen Berliner Typen, Berlin, Rathausstraße in den Rathauspassagen
  • 1973: Markthallenbrunnen, Berlin, Karl-Liebknecht-Straße neben der Zentralmarkthalle
  • 1973/76: Die Mutter und Reliefs für die Gedenkstätte für den Todesmarsch von Sachsenhausen bis Raben Steinfeld, Raben Steinfeld bei Schwerin, Bronze
  • 1976: Wilhelm-Pieck-Denkmal, Guben
  • 1978: Kämpfer der Roten Armee, Schwerin, Ehrenfriedhof der Opfer des Faschismus, Bronze
  • 1978: Meissener Porzellanplakette Ernst Thälmann o. J.[6]
  • 1978: Archimedes (Zweitguss), Güstrow auf dem Kirchplatz
  • 1980: Soldat in Felduniform, Pforzheim, DDR-Museum[7]
  • 1982: Stele mit vier die Arbeiterklasse symbolisierenden Figuren, Berlin, Friedhof Adlershof, Bronze
  • 1983: Clara Zetkin, zuerst aufgestellt 1986 vor dem Lehrerbildungsinstitut in Berlin-Alt-Hohenschönhausen; am 6. Oktober 1999 im Zentrum des neu geschaffenen Clara-Zetkin-Parks in Berlin-Marzahn als Dauerleihgabe des Landes Berlin neu aufgestellt[8][9]
  • 1985 (um): Waffenbrüder[10]
  • 1987: Stadtsiegel, Berlin, Nikolaikirche, Bronze
  • 1987: Leierkastenmann, Berlin, Nikolaiviertel, Bronze
  • 1987: Berliner Originale, Berlin, Nikolaiviertel, Bronze

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Junge Bildende Künstler der DDR. Skizzen zur Situation der Kunst in unserer Zeit, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1965.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gerhard Thieme – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Gerhard Thieme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bildhauer Gerhard Thieme mit 90 Jahren gestorben. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Mai 2018, abgerufen am 30. Mai 2018.
  2. Stadtmagazin in-berlin-brandenburg.com: "Goldfinger" - die Bauarbeiter-Skulptur in der Liebknechtstraße, als Memento gespeichert am 18. Januar 2021
  3. Zum Tröpfelbrunnen auf pankowerchronikdotde.wordpress.com; abgerufen am 7. Februar 2021.
  4. Claudia Fuchs: Womöglich wollte jemand das Denkmal stehlen: Der Bauarbeiter steht nicht mehr sicher. In: Berliner Zeitung. 8. August 2006;.
  5. Gerhard Thieme – Archimedes. In: Kunst am Wege. Archiviert vom Original am 11. Mai 2008;.
  6. Karl-Heinz Weigelt, Sieglinde Weigelt: Medaillen aus Meissener Porzellan. Kurzbiographien der an der Gestaltung der Medaillen beteiligten Künstler. 1. Auflage. Band 4: 1975–1979. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1983, S. 174.
  7. Die DDR im Westmuseum, Bildunterschrift zu Foto 3: Vor einem Mauerstück vom Potsdamer Platz steht der "Soldat in Felduniform" (1980) des in Rüsdorf bei Hohenstein-Ernstthal geborenen Bildhauers Gerhard Thieme (1928-2018). Foto: Ronny Schilder; abgerufen am 17. November 2019. Erneut abgerufen am 7. Februar 2021.
  8. Statue kommt in den Park: Clara Zetkin zieht nach Marzahn um. In: Berliner Zeitung. 7. Juli 1999;.
  9. Kunst in der Großsiedlung Marzahn/Hellersdorf, Dokumentation, hrsg. Bezirksamt Marzahn/Hellersdorf, 208(ohne ISBN), S. 202.
  10. Skulptur Waffenbrüder im Militärhistorisches Museum Flugplatz Berlin-Gatow. In: museum-digital.de