Gerhard Wessel

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Gerhard Wessel (* 24. Dezember 1913 in Neumünster; † 28. Juli 2002 in Pullach) war ein deutscher Berufssoldat und vom 1. Mai 1968 bis zum 31. Dezember 1978 Präsident des Bundesnachrichtendienstes und Generalleutnant a. D.[1]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Pfarrers trat nach dem Abitur am 15. Oktober 1932 im Rang eines Fahnenjunkers in das Artillerie-Regiment 5 der Reichswehr in Ulm ein. Von 1933 bis 1934 war er an der Infanterieschule in Dresden und in der Artillerieschule Jüterbog. Ab Oktober 1935 diente er für zwei Jahre im Artillerieregiment 41, um dann weitere zwei Jahre im Rang eines Oberleutnants die Stellung eines Adjutanten des Regiments in den Regimentern 41 und 697 zu übernehmen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er bis Januar 1941 in den Stab der 68. Infanterie-Division versetzt. Danach besuchte er bis März 1941 die Kriegsakademie in Berlin. Anschließend wurde er Stabsoffizier beim I. Armeekorps. Ab 1. Januar 1943 zuerst als Major, dann vom 1. Januar 1944 als Leiter der Gruppe I (Feindlage Sowjetunion) im Range eines Oberstleutnants in der von Reinhard Gehlen geleiteten Abteilung Fremde Heere Ost im Oberkommando des Heeres (OKH) tätig. Nach der Ablösung von Gehlen im März 1945 war Gerhard Wessel vom 9. April bis Mai 1945 mit der Wahrnehmung von dessen früherer Funktion mit der Führung der Abteilung „Fremde Heere Ost“ beauftragt[2]. Gehlen hatte Wessel nie zu seinem Stellvertreter ernannt, da Oberstleutnant Heinz Herre der Darstellung des CIA-Verbindungsmanns James H. Critchfield zufolge nicht nur im Dienstgrad über Wessel stand, sondern auch mehr Erfahrung mit den Angelegenheiten der Roten Armee besaß.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisation Gehlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wessel von Gehlen für den Aufbau eines von amerikanischen Besatzungsbehörden mit deutschem Personal in der Amerikanischen Besatzungszone betriebenen Geheimdienstes (der später so genannten Organisation Gehlen) angeworben. In dieser Organisation war Wessel als Leiter der Abteilung II (Auswertung) tätig und wechselte dann am 1. Oktober 1952 in das sogenannte Amt Blank, einer Vorläuferbehörde des späteren Bundesministeriums der Verteidigung.

Militärischer Abschirmdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. November 1955 erfolgte seine Übernahme in die Bundeswehr im Range eines Obersten. Von Januar 1956 bis September 1957 war er der erste Kommandeur des neu gegründeten Militärischen Abschirmdienstes (MAD). Als Unterabteilungsleiter II (Nachrichtenwesen) im Führungsstab der Streitkräfte der Bundeswehr diente er bis Dezember 1962.

Truppen- und NATO-Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Dezember 1963 übernahm er das Kommando über die Panzerbrigade 2 in Braunschweig, wobei er im August 1963 zum Generalmajor befördert wurde. Nach diesem Truppenkommando wechselte er in den Ständigen Militärausschuss der NATO als deutscher Vertreter.

Bundesnachrichtendienst (BND)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolger von Gehlen führte er ab 1. Mai 1968 als Präsident den Bundesnachrichtendienst (BND). Im Gegensatz zu Gehlen, der den BND der Öffentlichkeit gegenüber abgeschottet hatte, wollte Wessel den Dienst in ein besseres Licht rücken. Zu diesem Zweck ließ er ein Programm aufstellen, so dass sich der BND auf seine eigentlichen Aufgaben der Nachrichtenbeschaffung konzentrieren konnte.

Aus den Vorwürfen über die Affäre des Spions Günter Guillaume konnte sich Wessel heraushalten, da er dessen Stellung im Bundeskanzleramt nicht befürwortet hatte. Im Zuge der Untersuchungen wurde er allerdings damit konfrontiert, dass sich herausstellte, dass geheim angelegte Personalpapiere von Gehlen über Politiker trotz einer Anweisung nicht vollständig vernichtet worden waren.

Im November 1978 wurde Klaus Kinkel als Nachfolger von Wessel ernannt, und am 31. Dezember des gleichen Jahres ging Wessel in den Ruhestand.

Familiäres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wessels Tochter Christa war die erste Ehefrau des Publizisten und SPD-Politikers Michael Naumann.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Range, Clemens (1990): Die Generale und Admirale der Bundeswehr. Herford.
  2. Stellungnahme Wessel zur Entwicklung der dt. Organisation (PDF; 264 kB). CIA-Unterlagen, freigegeben ab 2002 (Zeitraum Mai 1942 bis Ende 1945)