Gerhard Wisnewski

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Gerhard Wisnewski (* 1959 in Krumbach) ist ein deutscher Buch- und Filmautor verschwörungstheoretischer Werke.

Leben

Schon während seiner Schulzeit in Frankfurt am Main war Wisnewski journalistisch tätig. Nach seinem Abitur 1979 arbeitete er für die Frankfurter Neue Presse und Bild Frankfurt. 1981 bis 1990 studierte er Politikwissenschaft in München. Er arbeitete gleichzeitig für verschiedene Münchener Zeitungen (AZ, tz, Münchner Stadtzeitung) und Zeitschriften (Stern München, P.M. Magazin).

Werk

Seit 1986 ist Wisnewski als Buch- und Filmautor tätig.[1] Er veröffentlicht häufig im Kopp Verlag und wirkt an der Zeitschrift Kopp exklusiv mit; Spiegel Online schreibt dazu, Wisnewski habe mit seinen Verschwörungstheorien auf der Webpräsenz des Verlags „für so ziemlich jedes Ereignis der Zeitgeschichte eine ganz besondere Erklärung“ – und trage damit zur verlagseigenen „Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde“ bei.[2] Außerdem schreibt er für Jürgen Elsässers rechtspopulistische Zeitschrift Compact.[3]

Wisnewski wurde bekannt mit verschwörungstheoretischen Büchern über die Rote Armee Fraktion, die Terroranschläge am 11. September 2001 und zur Mondlandung.[4] Er legt in diesen Büchern die Deutung nahe, die RAF-Anschläge von 1985 bis 1991 seien nicht von der RAF verübt worden,[5] die Anschläge vom 11. September 2001 seien nicht von al-Qaida geplant worden und es habe 1969 keine bemannte Mondlandung gegeben. Hinter diesen Ereignissen stecke vielmehr jeweils eine Verschwörung von Regierungen und Geheimdiensten (siehe auch Falsche Flagge), insbesondere ein geheimer Plan der US-Regierung zur Weltbeherrschung.[6] Seiner Auffassung nach machen sich die Massenmedien zumindest durch Wegsehen und unkritische Übernahme der offiziell verbreiteten Versionen mitschuldig daran, dass die – von ihm angeblich gefundenen – Lücken bzw. Falschinformationen nicht allgemein bekannt und untersucht würden. Wisnewski war Autor des Films „Aktenzeichen 11. 9. ungelöst“, der am 20. Juni 2003 im WDR ausgestrahlt wurde. Den Film, der eine „alternative Deutungsmöglichkeit“ zu den dort präsentierten „populärsten verschwörungstheoretischen Behauptungen“ zum 11. September 2001 „nicht einmal ansatzweise“ zulasse, hat Tobias Jaecker dem antiamerikanischen Diskurs zugeordnet.[7] Der Spiegel wies Wisnewski im September 2003 nach, dass er in diesem Film und dem zugrundeliegenden Buch eine Aussage des Interviewpartners Ernie Stull manipuliert hatte.[8] Der WDR kündigte Wisnewski und seinem Koautor Willy Brunner daraufhin die Zusammenarbeit auf.[9]

In seinem Buch Verschlußsache Terror. Wer die Welt mit Angst regiert vom Januar 2007 stellt Wisnewski die These auf, nach der alle großen Terroranschläge der jüngsten Zeit, einschließlich der Attentate unter den religiösen Gruppierungen im Irak, nach denselben Mustern „gestrickt” seien, hinter denen sich jenseits offizieller Erklärungen „verborgene Geschichten” (Wisnewski) verstecken. Der Medienwissenschaftler Christian de Simoni spricht in diesem Zusammenhang von „Deutungsangeboten esoterischer Paranoiker“, zu denen Wisnewski gehöre.[10]

Seit 2008 veröffentlicht Wisnewski jährliche Rückblicke, in denen er die Ereignisse des vergangenen Jahres mit „unhaltbaren“[11] Verschwörungstheorien zu erklären versucht. So führte er das Erdbeben von L’Aquila 2009 darauf zurück, dass das Teilchenforschungszentrum CERN „wahrscheinlich Neutrinostrahlen“ gen L’Aquila geschossen habe. Ebenso verbreitet er die These, die Titanic sei nicht durch den Zusammenprall mit einem Eisberg gesunken, sondern durch ein Attentat.[11] Diese Rückblicke erschienen bis 2015 im Knaur Verlag, seitdem bei Kopp.[12]

Im Fall des im Oktober 2008 bei einem Autounfall gestorbenen österreichischen Politikers Jörg Haider spekuliert Wisnewski über die Möglichkeiten eines geplanten Anschlags, „geht“ dabei laut dem Historiker Claus Oberhauser „verschwörungstheoretisch vor“ und „versteigt sich in aberwitzigen Gedanken“,[13] die Hellwig Valentin „bizarre Mutmaßungen“ nennt.[14]

Im April 2012 nahm Wisnewski an einer Gruppenreise in den Iran mit Privataudienz beim damaligen iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad teil, die vom Herausgeber des islamistischen Internetportals Muslim-Markt Yavuz Özoguz organisiert worden war.[15]

Bücher (Auswahl)

  • mit Wolfgang Landgraeber, Ekkehard Sieker: Das RAF-Phantom. Wozu Politik und Wirtschaft Terroristen brauchen. Droemer Knaur, München 1992, ISBN 978-3-426-80010-2.
  • Mythos 9/11. Der Wahrheit auf der Spur. Neue Enthüllungen. Droemer Knaur, München 2004, ISBN 978-3-426-77783-1.
  • Lügen im Weltraum. Von der Mondlandung zur Weltherrschaft. Droemer Knaur, München 2005, ISBN 978-3-426-77755-8.
  • Verschlußsache Terror. Wer die Welt mit Angst regiert. Droemer Knaur, München 2007, ISBN 978-3-426-77932-3.
  • Verheimlicht – vertuscht – vergessen. Was 2007 nicht in der Zeitung stand. Droemer Knaur, München 2008, ISBN 978-3-426-78048-0 (seitdem jährlich).
  • Jörg Haider. Unfall, Mord oder Attentat? Kopp, Rottenburg 2009, ISBN 978-3-938516-90-4.
  • Drahtzieher der Macht. Die Bilderberger – Verschwörung der Spitzen von Wirtschaft, Politik und Medien. Droemer Knaur, München 2010, ISBN 978-3-426-78206-4.
  • Das Titanic-Attentat: Die wahren Hintergründe der Schiffskatastrophe. Knaur ebook, 2012

Filme (Auswahl)

  • 1992: Die Zerstörung der RAF-Legende, ARD-Brennpunkt
  • 1994: Ein Mann zum Beschatten – Privatdetektive in Deutschland, ZDF
  • 1999: Am Himmel gibt es keine Bremsspuren – Wie Flugunfälle aufgeklärt werden, WDR
  • 2001: Mosaik des Todes – Wie Katastrophenopfer identifiziert werden, ARD
  • 2002: Die Akte Apollo – Auf den Spuren der Mondlandung, WDR
  • 2003: Aktenzeichen 11.9. ungelöst, WDR

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biografie. In: Gerhard-Wisnewski.de.
  2. Stefan Kaiser: Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst. In: Spiegel Online, 22. Mai 2014. Der Beitrag ist verändert abgedruckt in Christian Rickens (Hrsg.): Das Glühbirnenkomplott. Die spektakulärsten Verschwörungstheorien – und was an ihnen dran ist. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, Kapitel „Das Geschäft mit der Angst: Wie der Kopp-Verlag Verschwörungstheorien zum Geschäftsmodell machte“, S. 165–170.
  3. Ausgaben 7, 8 und 9/2011 sowie 1 und 5/2012.
  4. Nicole Stöckert: Taschenbuch-Bestseller: Vademecum für Verschwörungstheoretiker. In: Spiegel Online, 16. Januar 2012; Edwin Baumgartner: Weltverschwörungstheater. In: Wiener Zeitung, 6. Mai 2014.
  5. Eckhard Jesse: Demokratie in Deutschland. Diagnosen und Analysen. Hrsg. von Uwe Backes und Alexander Gallus. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2008, ISBN 978-3-412-20157-9, S. 418: „bizarre Verschwörungstheorien“, „völlig unglaubwürdige Behauptung“.
  6. Andrei S. Markovits, Lars Rensmann: Anti-Americanism in Germany. In: Brendon O’Connor (Hrsg.): Anti-Americanism. History, Causes, Themes. Bd. 3: Comparative Perspectives. Greenwood World Publishing, Oxford 2007, ISBN 978-1-84645-026-6, S. 155–182, hier S. 337, Endnote 66.
  7. Tobias Jaecker: Hass, Neid, Wahn. Antiamerikanismus in den deutschen Medien. Campus, Frankfurt, New York 2014, S. 44 f.
  8.  Panoptikum des Absurden. In: Der Spiegel. Nr. 37, 2003 (online).
  9. Katja Schmid: Ein Film über den 11. 9. und seine Folgen. In: heise online, 26. Oktober 2003.
  10. Christian de Simoni: Betroffenheitsgesten in politischen, publizistischen und literarischen Antworten auf 9/11. In: Sandra Poppe, Thorsten Schüller, Sascha Seiler (Hrsg.): 9/11 als kulturelle Zäsur: Repräsentationen des 11. September 2001 in kulturellen Diskursen, Literatur und visuellen Medien. Transcript, Bielefeld 2009, S. 81–99, hier S. 87 f.
  11. a b Edwin Baumgartner: Weltverschwörungstheater. In: Wiener Zeitung, 6. Mai 2014.
  12. Bernd Harder: Knaur trennt sich von Gerhard Wisnewksi. Kopp nimmt ihn auf, hat aber Marketing-Probleme. In: Blog.GWUP.net, 14. Januar 2016.
  13. Claus Oberhauser: Verschwörungstheorien, Macht und Gesellschaft. In: Zeitschrift für Internationale Freimaurerforschung. Bd. 25, 2011 (Preprint)
  14. Hellwig Valentin: „Wo man mit Blut die Grenze schrieb …“. Kärnten als Teil des Alpen-Adria-Raumes. In: Helmut Konrad, Stefan Benedik (Hrsg.): Exemplarische Forschungsfelder aus 25 Jahren Zeitgeschichte an der Universität Graz (= Mapping Contemporary History. Bd. 2). Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2010, S. 109–120, hier S. 114.
  15. Martin Krauss: Tee beim Diktator. Deutsche Polittouristen pilgern zum Mullah-Regime. In: Jüdische Allgemeine, 10. Mai 2012; Hübschers wundersame Reisegruppe. In: Spiegel Online, 4. Mai 2012.