Gericht Freiensteinau

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Historischer Gerichtsplatz in Freiensteinau in Hessen, im Hintergrund das Pfarrhaus.

Das Gericht Freiensteinau war ein Gerichtsbezirk im Riedeselschen Junkerland.

Das Gericht war ursprünglich ein Lehen der Abtei Fulda. Das Bemühen der Riedesels um Selbstständigkeit führten in den Jahren 1465–1471 zu Fehden zwischen der Abtei und den Riedesel. 1527 führten die Riedesels den lutherischen Glauben ein und die Konflikte mit den katholischen Fulda eskalierten. Insbesondere Fuldas Patronatsrechte wurden von den Riedeseln nicht mehr anerkannt. 1605 ließ Riedesel den von Fulda benannten Pfarrer in Freiensteinau verhaften und ausweisen. 1606 scheiterte der Versuch Fuldas, in Freiensteinau die Erbhuldigung zu erreichen.

Um die Hohe Gerichtsbarkeit im Gericht Freiensteinau wurde vor dem Reichskammergericht gestritten. Dies erkannte schlussendlich die Hoheitsrechte der Riedesels an. Am 30. August 1684 wurde der jahrhundertelange Streit mit einem Rezess zwischen Riedesel und Fulda beendet. In diesem Vergleich wurden die Orte Hauswurz, Rebsdorf und Neustädel aus dem Gericht Freiensteinau herausgelöst und Fulda zugesprochen. Im verbleibenden Teil des Gerichtes war die Hoheit Riedesels anerkannt.

Das Gericht bestand nun aus Fleschenbach, Freiensteinau, Holzmühl, Radmühl I, Reichlos und Salz.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde das Gericht Freiensteinau Teil der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt bzw. später des Großherzogtums Hessen. Dort wurde es 1821 aufgelöst und in den Landratsbezirk Herbstein eingegliedert.

Im standesherrlichen Landratsbezirk Herbstein bestanden die standesherrlichen Gerichts- und Verwaltungsrechte der Grafen von Riedesel fort. Für die Rechtsprechung bestanden das Domanialamt Herbstein und der Landgerichtsbezirk Altenschlirf[1]. Diese Standesrechte galten bis 1848.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer, Band 4, 1839, Seite 65–66, online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerichtsplatz Freiensteinau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Die Eintheilung des Landes in Landraths- und Landgerichtsbezirke betreffend vom 20. Juli 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1821 Nr. 33, S. 403–415 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 56,7 MB]).