German Offshore Spaceport Alliance
| German Offshore Spaceport Alliance | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 2017 |
| Auflösung | 2025 |
| Sitz | Bremen, |
| Leitung | Arne Gausepohl[1] (Geschäftsführer) |
| Branche | Raumfahrt |
Die German Offshore Spaceport Alliance (GOSA) war ein Joint Venture von vier Unternehmen, die einen schwimmenden Weltraumbahnhof in der Nordsee einrichten wollten. Technisch war darunter ein in Bremerhaven stationiertes RoRo-Schiff zu verstehen, das jeweils mit einer kleinen Trägerrakete etwa 460 Kilometer weit aufs Meer hinausfahren sollte; von dort aus sollte die Rakete starten und einen oder mehrere Satelliten in eine Erdumlaufbahn bringen.[2][3] 2025 wurde die GOSA durch die European Spaceport Company ersetzt, welche ähnliche Ziele verfolgt.
Unternehmen und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Betreiber des Projekts war die German Offshore Spaceport Alliance GmbH, an der vier Unternehmen zu je 25 % beteiligt waren: Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB, der hessische Ingenieurdienstleister Tractebel Engineering über seine Bremer Niederlassung Tractebel DOC Offshore, der Bremer Satellitenkommunikationstechnikhersteller MediaMobil Communication und die Bremer Reederei Harren & Partner. OHB war auch federführend an der Entwicklung der Kleinrakete RFA One beteiligt, sah den Nordsee-Weltraumbahnhof aber als offenes System, das auch andere Raketenbetreiber – auch solche aus dem Ausland – nutzen könnten.[2][4]
Die German Offshore Spaceport Alliance GmbH wurde im Jahr 2017 als OHB Digital Maritime Services GmbH gegründet. Sie war im selben Haus im Bremer Stadtteil Horn-Lehe ansässig wie Tractebel DOC Offshore und die OHB-IT-Dienstleistungstochter OHB Digital Services.[1]
Ende 2019 gingen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und OHB mit dem Vorschlag für einen deutschen Offshore-Weltraumbahnhof an die Öffentlichkeit.[5][2] Ein Jahr darauf machte auch das Bremer Joint Venture – fortan als German Offshore Spaceport Alliance firmierend – seine Pläne publik. Im Dezember 2020 begannen GOSA und BDI eine Reihe von Gesprächsrunden mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums; dabei sollten projektspezifische Fragen zu Bereichen wie Umwelt- und Gewässerschutz, Luft- und Seeschifffahrt und Versicherungen geklärt werden. Der damalige Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), begrüßte das Vorhaben, sprach aber von einer „komplexen Genehmigungslage“. Zudem gebe es Vorbehalte gegen das Projekt bei einigen hinzuzuziehenden Ministerien.[2] Nach dem Regierungswechsel Ende 2021 äußerte die neue Raumfahrtbeauftragte Anna Christmann (Bündnis 90/Die Grünen) Zweifel an der Umweltverträglichkeit des Projekts.[6]
Im September 2021 gab die GOSA Vertragsabschlüsse mit vier Raumfahrtunternehmen bekannt, die den schwimmenden Weltraumbahnhof nutzen möchten. Dabei handele es sich um die deutschen Raketenentwickler Rocket Factory Augsburg und HyImpulse, die britisch-ukrainische Skyrora Limited und den niederländischen Höhenforschungsraketenhersteller T-Minus.[7]
Im September 2023 entschied der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestags auf Initiative der FDP-Fraktion, die Entwicklung und den Bau von Infrastruktur für den Start einer Trägerrakete von einem Schiff im deutschen Hoheitsgebiet mit zwei Millionen Euro zu fördern.[8] Eine Genehmigung des GOSA-Projekts stand jedoch noch aus. Während die AfD-Fraktion den Erlass eines Raumfahrtgesetzes als rechtlichen Rahmen forderte,[9][10] traf das Kabinett Scholz keine Entscheidung in dieser Sache.[11]
Ein erster Probestart einer T-Minus-Rakete wurde für April 2024 angekündigt.[12] Zudem war der Start von vier Amateurraketen im Juni 2024 geplant.[13] Mangels einer Genehmigung aus dem Vereinigten Königreich fand jedoch kein Start statt.[14]
2025 gründet OHB die European Spaceport Company GmbH, die sowohl einen maritimen Weltraumbahnhof als auch einen Startplatz am Raumfahrtzentrum Guayana einrichten möchte.[15][16] Die German Offshore Spaceport Alliance GmbH wurde im Dezember 2025 aufgelöst.[17]
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den 2010er Jahren setzte ein weltweiter Boom bei der Entwicklung von Kleinsatelliten und kleinen Trägerraketen ein. Allein in Deutschland sind drei Raketen in Arbeit – die RFA One der Rocket Factory Augsburg, die Spectrum von ISAR Aerospace und die SL1 von HyImpulse. Wegen der Binnenlage können in Deutschland keine Raketenstartplätze gebaut werden; die Gefahr bei Fehlstarts oder durch planmäßig herabfallende Raketenstufen wäre zu groß. So sollen die ersten Starts dieser Raketen von neuen Weltraumbahnhöfen in Nordeuropa erfolgen. Es entsteht ein erheblicher bürokratischer und logistischer Aufwand für den Export und den Transport der Raketen, der sich mit einem deutschen Startplatz vermeiden ließe.[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website der German Offshore Spaceport Alliance, archiviert am 7. August 2025
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b HRB 32649 HB, Amtsgericht Bremen, Eintragungen vom 14. August 2017 und vom 14. Januar 2021; Websites von Tractebel DOC Offshore und von OHB Digital Services.
- ↑ a b c d e Von der Nordsee in den Weltraum. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Dezember 2020, abgerufen am 6. Februar 2021.
- ↑ Aus der Nordsee in den Weltraum: Vier Unternehmen planen schwimmende Raketen-Startrampe. In: Handelsblatt. 16. Dezember 2020, abgerufen am 6. Februar 2021.
- ↑ Ein Spaceport für Deutschland. German Offshore Spaceport Alliance, abgerufen am 6. Februar 2021.
- ↑ Weltraumbahnhof in Deutschland: Von einer Offshore-Plattform ins All? Redaktionsnetzwerk Deutschland, 27. Dezember 2019, abgerufen am 7. Februar 2021.
- ↑ Bundesregierung stellt Pläne für deutschen Weltraumbahnhof in Frage. In: Augsburger Allgemeine. 7. März 2022, abgerufen am 14. Juli 2022.
- ↑ „Viele haben das damals belächelt“ – Weltraumbahnhof in Nordsee gewinnt erste Kunden. In: Handelsblatt. 6. September 2021, abgerufen am 14. Juli 2022.
- ↑ Ein Raketenstartplatz wird gefördert. In: Süddeutsche Zeitung. 28. September 2023, abgerufen am 8. Februar 2026.
- ↑ Drucksache 20/6074. Deutscher Bundestag, 16. März 2023.
- ↑ Drucksache 20/4060. Deutscher Bundestag, 18. Oktober 2022.
- ↑ Ein Raketenstartplatz wird gefördert. Süddeutsche Zeitung, 28. September 2023.
- ↑ Von der deutschen Nordsee ins All: Erste Rakete soll 2024 starten. Tagesspiegel, 18. Oktober 2023.
- ↑ European Offshore Spaceport – Test launches in the North Sea (PDF; 0,3 MB). German Offshore Spaceport Alliance, 2024.
- ↑ Ulrike Ebner: Starten künftig doch Raketen von der Nordsee aus? In: FlugRevue. 13. November 2025, abgerufen am 26. Januar 2026.
- ↑ Bremer Raumfahrtkonzern OHB will mobile Raketen-Startrampen bauen. Buten und Binnen, 11. November 2025.
- ↑ OHB establishes new company to develop launch site infrastructure. OHB-Pressemeldung vom 11. November 2025.
- ↑ Bundesanzeiger, 16. Dezember 2025.
Koordinaten: 53° 6′ 10″ N, 8° 51′ 20″ O
- Raumfahrtunternehmen
- Unternehmensverbund
- Verkehrsunternehmen (Freie Hansestadt Bremen)
- Unternehmen (Bremen)
- Dienstleistungsunternehmen (Deutschland)
- Maritime Raumfahrttechnik
- Deutsche Raumfahrt
- Verkehrsprojekt in Deutschland
- Verkehrsprojekt
- Verkehrspolitik (Deutschland)
- Horn-Lehe
- Unternehmensgründung 2017
- Aufgelöst 2025