Germanische Seherin

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Seherinnen als Prophetinnen und Wahrsagerinnen sind bei den germanischen Völkern und Kulturen in der Zeit von der Antike bis zum Hochmittelalter bezeugt.

Von den Kimbern und Teutonen berichtet Strabon (7,2), dass ihr Kriegszug (Kimbernkriege) 120 v. Chr. von bestimmten alten Frauen begleitet worden sei, die aus dem Blut von Gefangenen die Zukunft voraussagten.

Cassius Dio (Historia Romana 55, 1) berichtet vom Feldzug des Drusus in die niederdeutsche Tiefebene (9 v. Chr.), dass diesem der Durchzug bis zur Elbe durch eine körperlich große, oder vom Wesen her übermenschlich wirkende Frau warnend verwehrt wurde, so dass Drusus den Feldzug abbrach.

Tacitus berichtet etwa um 100 n. Chr. in seiner Germania (Cap. 8), dass die Germanen glaubten, den Frauen liege an sich Heiliges und Seherisches inne.[1]

Liste bekannter Seherinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albruna, aus dem handschriftlichen (Tacitus, Germ. 8,2) „Aurinia(m)“ so verbessert (Konjektur), ist „die mit dem Geheimwissen der Alben versehene“. Augenscheinlich hatte sie während der Feldzüge des Drusus und Tiberius einiges Ansehen und erscheint deshalb in den Berichten des Tacitus.[2][3]
  • Veleda, aus dem Stamme der Brukterer stammend, taucht in der Quellen mehrfach auf, und erlangt Berühmtheit, als sie in der Zeit des Bataveraufstandes (69/70 n. Chr.) den Untergang der römischen Truppen vorhersagt. Ihr Name könnte auch nur eine Standesbezeichnung (Seher, weise Frau) sein, entsprechend urkeltisch velet „Seher, Dichter“.[4]
  • Waluburg, eine vermutlich suebische Seherin, die in Ägypten in Dienst der Militärverwaltung stand.[5]

Andere Seherinnen sind die in der Ursprungssage der Langobarden genannte Gambara und die in den fuldischen Annalen (MG.1 365) für das Jahr 847 bezeugte Thiota aus Alamannien.[6]

Eine literarisch-fiktionale Rezeption einer paganen Seherin findet sich in der Figur der Þórbjörg lítilvölva aus der altwestnordischen Sagaliteratur in der Eiríks saga rauða. In der Darstellung werden alte überkommene heidnische Inhalte reflektiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Baetke: Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen. 3. Auflage. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1944.
  • Dagmar Beate Baltrusch: Und was sagt Thusnelda? Zu Macht und Einfluß germanischer Frauen. In: Ernst Baltrusch, Morten Hegewisch, Michael Meyer, Uwe Puschner, Christian Wendt (Hrsg.): 2000 Jahre Varusschlacht. Geschichte – Archäologie – Legenden. de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-028251-1, S. 71–94. (Topoi. Berlin Studies of the Ancient World, 7)
  • Reinhold Bruder: Die germanische Frau im Lichte der Runeninschriften und der antiken Historiographie. In: Stefan Sonderegger (Hrsg.): Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, Neue Folge Bd. 57 (181), Verlag De Gruyter, Berlin – New York 1974, ISBN 3-11-004152-9.
  • Ånders Hultgard: Seherinnen. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Bd. 28. Verlag De Gruyter, Berlin – New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 113–121.
  • Rudolf Much: Die Germania des Tacius. 3. Auflage. (Hrsg.) Wolfgang Lange unter Mitarbeit durch Herbert Jankuhn und Hans Fromm. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1967.
  • Franz Rolf Schröder: Quellenbuch zur Germanischen Religionsgeschichte. Verlag De Gruyter, Berlin und Leipzig 1933.
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 367–369.
  • Jiří Starý: Induktive, intuitive und inspirierte Mantik in klassischen und altnordischen Quellen der germanischen Religion. In: Wilhelm Heizmann, Klaus Böldl, Heinrich Beck (Hrsg.) Analecta Septentrionalia – Beiträge zur nordgermanischen Kultur- und Literaturgeschichte (Festschrift für Kurt Schier), de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-021870-1, S. 607–645. (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände 65)
  • Sabine Tausend: Germanische Seherinnen In: Klaus Tausend: Im Inneren Germaniens – Beziehungen zwischen den germanischen Stämmen vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. In: Geographica Historica, Bd. 25. Verlag Franz Steiner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-515-09416-0, S. 155–174.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simek: S. 367 f.
  2. Much: S. 169 f.
  3. Simek: S. 11.
  4. Simek: S. 463.
  5. Simek: S. 485.
  6. Much: S. 170.