Germany’s Next Topmodel

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Fernsehsendung
Titel Germany’s Next Topmodel
Produktionsland Deutschland
Genre Reality-Show, Castingshow
Erscheinungsjahre seit 2006
Länge 60–150 Minuten
Episoden 252+ in 17 Staffeln
Produktions-
unternehmen
Staffel 1–7: Tresor TV
seit Staffel 8: RedSeven[1]
Idee Tyra Banks
(America’s Next Top Model)
Premiere 25. Jan. 2006 auf ProSieben
Moderation Heidi Klum

Germany’s Next Topmodel (kurz GNTM) ist eine deutsche Castingshow im Reality-TV-Format des Senders ProSieben. Die seit 2006 jährlich ausgestrahlte Sendung wird von Heidi Klum moderiert und ist eine glokalisierte Adaption des amerikanischen Formats Next Topmodel.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Castingshow ist es, Deutschlands „nächstes Topmodel“ zu finden; im Unterschied zu bloßen Schönheitswettbewerben, bei denen die schönste Frau gekürt wird.[2] In den sogenannten Challenges, die in jeder Staffelepisode stattfinden, werden die Teilnehmerinnen mit unterschiedlichen Aufgaben konfrontiert.[3] Diese dienen in erster Linie dazu, eine interessante Fernsehshow zu inszenieren.[4]

In einer frühen Folge einer Staffel findet das sogenannte Umstyling statt, bei dem in der Regel der Haarschnitt und teilweise auch die Haarfarbe der Kandidatinnen geändert wird. Bei starken Veränderungen, wenn beispielsweise aus einem Langhaar- ein Kurzhaarschnitt werden soll, werden die emotionalen Reaktionen der Kandidatinnen und mögliche Konflikte mit der Jury thematisiert.[5] Bestandteil beinahe jeder Sendung sind zudem Fotoaufnahmen unter einem ungewöhnlichen Motto. In der Sendung werden nur die Vornamen der Teilnehmerinnen sowie zur Unterscheidung gegebenenfalls der erste Buchstabe des Nachnamens genannt. Bis zur 7. Staffel betrug die Mindestgröße 1,72 m und ab der 8. Staffel im Jahr 2013 1,76 m.[6] Seit der 16. Staffel (2021) legt die Sendung verstärkt Wert auf Diversität. Von herkömmlichen Model-Standards bezogen auf Alter, Größe, Körperform etc. wird bewusst abgewichen. Es ist keine Mindestgröße mehr erforderlich.[7]

Jury[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs bestand die Jury aus Heidi Klum und drei (später zwei) weiteren männlichen Angehörigen der Modebranche. Die Jurymitglieder sind gleichzeitig die Coaches der Kandidatinnen. In den Staffeln 11–13 coachte jeder Juror (außer Klum) ein festes Team.

Wirkten bereits bisher in jeder Staffel neben der festen Jury auch Personen aus der Mode-, Musik- oder Schauspielbranche als Gastjuroren mit,[8] so setzt sich seit Staffel 14 die Jury nur noch aus Heidi Klum und einem oder mehreren Gastjuroren zusammen.[9] Alle Gastjuroren werden in der jeweiligen Folge vorgestellt. Sie sprechen in der Sendung oft nur Englisch, dies wird für den Zuschauer mit eingeblendeten Untertiteln übersetzt.

Zumeist am Ende jeder Folge legt die Jury fest, welche Kandidatinnen an der nächsten Folge teilnehmen dürfen.

Staffel Juroren
1 Heidi Klum Peyman Amin Bruce Darnell Armin Morbach
2 Boris Entrup
3 Rolf Scheider
4
5 Kristian Schuller Qualid „Q“ Ladraa
6 Thomas Hayo Thomas Rath
7
8 Enrique Badulescu
9 Wolfgang Joop
10
11 Michael Michalsky
12
13
14 Gastjuroren
15
16
17

Titelmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klum machte es bei Vertragsunterzeichnung zur Bedingung, dass vorwiegend in der Nähe ihres Wohnsitzes bei Los Angeles gedreht wird, um in Kontakt mit ihren Kindern bleiben zu können. So folgten z. B. in der siebten Staffel auf zwei Wochen Anfangsdrehzeit in Deutschland und Thailand dreieinhalb Monate Drehzeit am Ausgangsdrehort Los Angeles.[10]

Neues Produktionsunternehmen ab der achten Staffel wurde RedSeven Entertainment, das bereits Austria’s Next Topmodel produzierte. Als Grund für den Wechsel wurde neben rückläufiger Quoten vermutet, dass die bisherige Produktionsfirma Tresor TV auch für die Produktion der Konkurrenzsendung Das perfekte Model auf VOX verantwortlich zeichnete.[1]

Die Episodenanzahl nahm zunächst mit der Anzahl der Endrundenteilnehmerinnen von 10 (Staffel 1) über 13 (Staffel 2) auf 16 (Staffeln 3–7) zu und pendelte sich dann auf 14 (Staffel 8) bzw. 15 (Staffeln 9–11) ein.

Die Vermarktung der Siegerinnen erfolgte zunächst gemeinsam durch die von Klums Vater geführte Heidi Klum GmbH und die ProSieben-Tochter Redseven Artists. Von 2010 bis 2020 lag sie ausschließlich bei ONEeins, einer 100-prozentigen Tochter der Heidi Klum GmbH.[11] 2021 übernahm mit SAM Artists die Nachfolgerin von RedSeven Artists das Management der Teilnehmerinnen.[12]

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staffel 1 (2006)

In der zehnten Folge wurde Lena Gercke zur Siegerin gekürt.

Finalistinnen der 1. Staffel *
Teilnehmerin[13] Platz Alter Wohnort
Lena Gercke 1 17 Cloppenburg
Yvonne Schröder 2 17 Frankfurt am Main
Jennifer Wanderer 3 17 Wirsberg
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn


Staffel 2 (2007)

Die Show verlängerte sich um drei Folgen, die Anzahl der Bewerberinnen nahm um fast 50 % zu. Die Siegerin war Barbara Meier.

Finalistinnen der 2. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Barbara Meier 1 20 Amberg Studentin (Mathematik)
Anni Wendler 2 21 Schwerin Verkäuferin
Hana Nitsche 3 21 Oftersheim Abiturientin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 3 (2008)

Die Siegerin Jennifer Hof startete keine Model-Karriere. Dagegen nutzten Endrundenteilnehmerinnen wie Sarah Knappik und Gina-Lisa Lohfink ihre TV-Bekanntheit für eine weitergehende Präsenz im Medienbereich.

Finalistinnen der 3. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Jennifer Hof 1 17 Rodgau Schülerin
Janina Delia Schmidt 2 24 Hamburg Friseurin
Christina Leibold 3 21 Volkach-Fahr Studentin (Medienmanagement)
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 4 (2009)

Nach wie im Vorjahr 16 Episoden gab es mit Sara Nuru die erste Siegerin mit einem Migrationshintergrund.

Finalistinnen der 4. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Sara Nuru 1 19 München Schülerin
Mandy Bork 2 17 Witten Schülerin
Marie Nasemann 3 19 Gauting Abiturientin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 5 (2010)

Bei einem Rekord von über 21.000 Bewerbungen gewann mit Alisar Ailabouni zum ersten Mal eine nicht in Deutschland wohnhafte Kandidatin.

Finalistinnen der 5. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Alisar Ailabouni 1 20 OsterreichÖsterreich Mattighofen Kellnerin
Hanna Bohnekamp 2 18 Hünxe-Drevenack Schülerin
Laura Weyel 3 23 Düsseldorf Studentin (Modemanagement)
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 6 (2011)

Die Staffelsiegerin Jana Beller stieg nach zwei Monaten aus dem Vertrag mit ONEeins, der Model-Agentur von Heidi Klums Vater Günther, aus. Die Zweitplatzierte der Sendung, Rebecca Mir, wurde Fernsehmoderatorin.

Finalistinnen der 6. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Jana Beller 1 20 Haltern am See-Lippramsdorf Schülerin
Rebecca Mir 2 19 Monschau-Imgenbroich Abiturientin
Amelie Klever 3 16 Hilden Schülerin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 7 (2012)

Erstmals wurden mehr als drei Kandidatinnen ins Finale geschickt. Auch die Vergabe einer Wildcard war ein Novum.

Finalistinnen der 7. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Luisa Hartema 1 17 Moormerland-Jheringsfehn Schülerin
Sarah-Anessa Hitzschke 2 18 Wennigsen Schülerin
Dominique Miller 3 21 Mannheim Freiwilliges Soziales Jahr in Kindertagesstätte
Katarzyna „Kasia“ Lenhardt 4 16 Berlin Schülerin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn


Staffel 8 (2013)

Zum ersten Mal wurde die Anzahl der Episoden verringert, um zwei Folgen. Das Produktionsunternehmen wechselte.

Finalistinnen der 8. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Lovelyn Enebechi 1 16 Hamburg Schülerin
Maike van Grieken 2 19 Emden Auszubildende (Krankenschwester)
Luise Will 3 18 Rostock Auszubildende (Krankenschwester)
Sabrina Elsner 4 21 Gägelow-Sternkrug Krankenschwester
Linda Niewerth 21 17 Reken
Lisa Quack 21 17 Schüttorf
Nancy Limota 21 22 Dresden
Merle Lambert ** 22 16 Goch
Katharina Oltzow 23 16 Bad Arolsen
Clara Zaveta ** 24 16 Hamburg
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 9 (2014)

Nach Jana Beller gewann mit Stefanie Giesinger zum zweiten Mal eine Kandidatin, deren russlanddeutsche Eltern aus Sibirien stammen.

Finalistinnen der 9. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Stefanie Giesinger 1 17 Kaiserslautern Schülerin
Jolina Fust 2 17 Hamburg Schülerin
Ivana Teklic 3 18 Bad Homburg vor der Höhe Schülerin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 10 (2015)

Das Finale wurde wegen einer Bombendrohung abgebrochen und zwei Wochen später fortgesetzt.

Finalistinnen der 10. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Vanessa Fuchs 1 18 Bergisch Gladbach Schülerin
Anuthida Ploypetch 2 17 Lübeck Schülerin
Ajsa Selimovic 3 18 Burladingen Au-Pair
Katharina Wandrowsky 4 18 Winsen (Luhe) Schülerin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 11 (2016)

Als Novum wurden die Kandidatinnen in zwei den beiden männlichen Juroren zugeordneten Teams aufgeteilt (Team Weiß und Team Schwarz). Zum ersten Mal bestritten fünf Topmodel-Aspirantinnen das Finale.

Finalistinnen der 11. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf Team
Kim Hnizdo 1 19 Bad Homburg vor der Höhe Studentin (Jura) Michalsky
Elena Carrière 2 19 Hamburg Abiturientin Hayo
Fata Hasanovic 3 20 Berlin Studentin (Lehramt) Hayo
Jasmin Lekudere 4 20 OsterreichÖsterreich Dornbirn Schülerin Hayo
Taynara Joy Silva Wolf 5 19 Stadtlohn Studentin (Media Acting) Hayo
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 12 (2017)

„Shoot Outs“ (Ausscheidungsduelle) wurden neu eingeführt.

Finalistinnen der 12. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf Team
Céline Bethmann 1 18 Koblenz Schülerin Hayo
Serlina Hohmann 2 22 Koblenz Studentin Hayo
Romina Brennecke 3 20 Hambrücken Verkäuferin (Mode), Model Michalsky
Leticia Wala-Ntumba 4 18 Ingolstadt Schülerin Michalsky
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 13 (2018)

Finalistinnen der 13. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf Team
Toni Dreher-Adenuga 1 17 Stuttgart Schülerin Michael
Julianna Townsend 2 19 Klein-Winternheim Sängerin Michael
Pia Riegel 3 22 München Studentin (Marketing- und Kommunikationsmanagement) Michael
Christina Peno 4 21 Dudenhofen Einzelhandelskauffrau Thomas
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn

Staffel 14 (2019)

Die Teamaufteilung entfiel wieder, nachdem statt einer festen Jury ein pro Folge wechselnder Gastjuror die Auftritte der Models im Verein mit Heidi Klum beurteilte.

Finalistinnen der 14. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Simone Kowalski 1 21 Stade Studentin (Internationales Grundschullehramt)
Sayana Ranjan 2 20 Grevenbroich Studentin (International Business)
Cäcilia Zimmer 3 18 Freiburg Bundesfreiwillige
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn[14]

Staffel 15 (2020)

Finalistinnen der 15. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Jacqueline „Jacky“ Wruck 1 21 Rheingau-Taunus Tiermedizinische Fachangestellte
Sarah Posch 2 20 OsterreichÖsterreich Vorau Zahnarztassistentin
Maureen Ugodi 3 20 OsterreichÖsterreich Wien Studentin (Marketing)
Lijana Kaggwa*** 4 23 Kassel Studentin (Grundschullehramt)
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn[15]
*** Freiwillig ausgestiegen


Staffel 16 (2021)

Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde auf Fernreisen und den obligatorischen Umzug in eine Modelvilla in den USA verzichtet. Stattdessen wurde die Staffel hauptsächlich in Berlin produziert.

Finalistinnen der 16. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Alex Mariah Peter 1 23 Düsseldorf Studentin (Journalismus und Unternehmenskommunikation)
Dascha Carriero 2 20 Solingen Abiturientin
Soulin Omar 3 20 Hamburg Abiturientin
Romina Palm 4 21 Köln Influencerin
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn[16][17]


Staffel 17 (2022)

Finalistinnen der 17. Staffel *
Teilnehmerin Platz Alter Wohnort Beruf
Lou-Anne Gleißenebner-Teskey 1 18 OsterreichÖsterreich Klosterneuburg Stylistin
Luca Lorenz 2 19 München Studentin (Medienpsychologie)
Martina Gleißenebner-Teskey 3 50 OsterreichÖsterreich Klosterneuburg Trainerin, Coach, Videografin
Noëlla Mbomba 4 24 Berlin Altenpflegerin
Anita Schaller 5 20 Neustadt an der Donau Hotelfachfrau
* Stand der Angaben zu den Teilnehmerinnen: Staffelbeginn[18]

Siegerinnen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfolg der Kandidatinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 berichtete die taz, dass bis dahin keiner der bisherigen Gewinnerinnen eine internationale Model-Karriere gelungen sei.[19] Louisa von Minckwitz, die Geschäftsführerin von Louisa Models, einer der größten deutschen Modellagenturen, sagte in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, dass die Sendung ein falsches Bild der gesamten Branche zeichne. Insbesondere kritisierte sie vollkommen abwegige „Prüfungssituationen“, denen sich die Teilnehmerinnen aussetzen müssen, und das unrealistische Verhalten des Model-Bookers Peyman Amin.[20]

Frauenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sendung steht in der Öffentlichkeit unter Kritik, die Kandidatinnen würden wie „Ware“ behandelt. Zwar können die Models die gestellten Aufgaben aus persönlichen Gründen, etwa aus Schamgefühl bei freizügigen Fotos oder Phobien, verweigern, doch könnte sich dies negativ auf Entscheidungen der Jury auswirken. Die Kandidatinnen wurden bis Staffel 16 fast ausschließlich als Mädchen bezeichnet. In der 17. Staffel spricht Heidi Klum die (teils deutlich älteren) Teilnehmerinnen als „Models“ an.

Spiegel Online bezeichnete im Januar 2010 die Kandidatinnen der Sendung als typische Beispiele für einen dauernd gestylten, ständig plappernden Frauentyp, der stellvertretend für die Frauenklischees des Senders ProSieben stehe[21].

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung konstatierte im Februar 2010 anhand des Beispiels der Produktion eine Rückkehr des Sexismus, dem sich junge Frauen, anders als in der Vergangenheit, freiwillig unterwerfen. Hierbei würden die Protagonistinnen der Sendung unter dem Vorwand, sie aufs harte Business vorzubereiten, dauerhaft gedemütigt. Den überwiegend weiblichen Zuschauern werde es so ermöglicht, über Möchtegernmodels zu lachen, die zum Beispiel über die eigenen Beine oder über die deutsche Sprache stolpern.[22]

In einer repräsentativen Umfrage des mingle-Trends, die im Juni 2010 veröffentlicht wurde, gaben 78 % der Befragten an, in Heidi Klums Modelshow eine Gefahr für junge Mädchen zu sehen. Insbesondere ältere Personen und Eltern sähen die Auswirkungen der Sendung auf Jugendliche kritisch.[23]

Im Mai 2022 veröffentlichte die Ex-Teilnehmerin Lijana Kaggwa auf ihrem YouTube-Kanal ein Video, in dem sie – unter Verstoß gegen vertragliche Schweigeverpflichtungen – dem Format Manipulation vorwirft. ProSieben wies die Vorwürfe zurück.[24] Das Produktionsunternehmen Seven.One Entertainment Group stellte daraufhin einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Kaggwa, der im Juli 2022 vor dem Landgericht Hamburg in 3 von 5 Punkten stattgeben wurde.[25]

Sexualisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2022 kritisierte der Youtuber Rezo in einem dreißigminütigen Video die Manipulation und Sexualisierung unter anderem minderjähriger Mädchen.[26][27] Der Jury wurde wiederholt vorgeworfen, einerseits die Kandidatinnen wie Kinder zu behandeln, gleichzeitig aber zu erwarten, dass die zum Teil Minderjährigen spontan, lasziv und sexy wirken können.[28]

Eigenwerbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidi Klum wurde 2009 vom stern vorgeworfen, die Sendung vorrangig zur Eigenwerbung zu nutzen bzw. ihren Werbepartnern, befreundeten Designern oder ihrem damaligen Ehemann Seal eine Plattform zu bieten[29]. Ebenfalls 2009 wurde Klum von der feministischen Zeitschrift Emma aufgrund ihres Umgangs mit den Kandidatinnen in Germany’s Next Topmodel zum „Pascha des Monats“ gekürt[30]. Das NDR-Medienmagazin Zapp warf Anfang 2010 Heidi Klum vor, sich in ihrer inszenierten Show als Scharfrichter aufzuspielen und bezeichnete sie als fragwürdiges Vorbild. Der Vorwurf lautete, es gehe nicht um die Förderung von Talenten, sondern lediglich um eine gute Quote.[31]

Tierschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten äußerte Kritik an der am 13. Mai 2010 ausgestrahlten GNTM-Folge, in der zum wiederholten Male Tiere zum Einsatz kamen. Elefanten wurden in der Episode zusammen mit den Kandidatinnen bei einem Foto-Shooting abgelichtet und Totenkopfäffchen angeleint über den Laufsteg getragen. Diese Situationen seien schädigend und stressig für die Tiere. Vier Pfoten forderte ProSieben und Tresor TV gleichzeitig dazu auf, „in Zukunft nur noch auf menschliche Akteure zu setzen“.[32] Auch in der Folge vom 31. März 2011 wurde erneut ein Tier in der Sendung zur Schau gestellt, diesmal ein Schimpanse, der mit einem Anzug eingekleidet war. Vier Pfoten kritisierte diese Präsentation des Affen und sagte, ein Affe habe „in einer Fernsehkulisse nichts verloren“. Das Tier zeige in der Folge keine Freude, sondern vielmehr „das typische so genannte »Angstgrinsen«“.[33] Allerdings sind die in den beiden Folgen gezeigten Handlungen gesetzlich nicht verboten. 2013 kritisierte das Wal- und Delfinschutz-Forum die Haltungsbedingungen für Delfine im Dolphin Bay-Delfinarium im Atlantis Dubai, in dem Dreharbeiten durchgeführt worden waren.[34] Der Einsatz von exotischen Tieren wurde sukzessive reduziert, in der 17. Staffel kamen keine Tiere mehr vor.

Verträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen weiteren Kritikpunkt stellen die Verträge dar, welche die Teilnehmerinnen schließen müssen. Die Modelverträge werden von Fachleuten als „Knebelverträge“ bezeichnet, welche sogar aufgrund der Sittenwidrigkeit als unwirksam anzusehen seien. Die Verträge, welche festlegen, dass die Teilnehmerinnen bis zu 40 % ihrer Gagen abgeben müssen, können weiterhin ohne deren Zustimmung einseitig verändert werden. Auch der Verband lizenzierter Modellagenturen kritisierte die Verträge als „völlig unangemessene Benachteiligung der Teilnehmerinnen“.[35][36] 2011 beendeten zwei Kandidatinnen der fünften Staffel ihre Verträge mit anwaltlicher Hilfe,[37][38] nachdem sich bereits seit 2009 Teilnehmerinnen aus den Verträgen befreit hatten.[39][40] Besonders rasch klagte sich die Siegerin der sechsten Staffel, Jana Beller, nach nur zwei Monaten aus dem Vertrag.[41] Vor Beginn der siebten Staffel wurden in Reaktion Vertragsänderungen bekanntgegeben, nach denen die drei Finalistinnen über zwei Jahre ein festes Monatseinkommen erhalten sollen.[42]

Resonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskurse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Prokop konstatiert als Herausgeberin der Reihe Kulturanalysen in Kritiken zu Germany’s Next Topmodel: „Studierende der Erziehungswissenschaften haben sich für eine berufliche Zukunft entschieden, die zu dem Frauenbild, dem glamourösen Lebensentwurf und zu den Einkommensträumen, die in Germany’s next Topmodel bestimmend sind, in scharfem Gegensatz steht.“

2011 konzipierten und gestalteten zwei Studenten im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin die transkribierten Texte des Finales 2011 als Drama mit dem Titel Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet in der Aufmachung eines Reclam-Buches. Über das Projekt wurde in den Medien und Blogs als Satire an der Sprachqualität der Sendung berichtet.[43][44][45]

Die Philosophin Rebekka Reinhard stellte fest: „Die so genannten Topmodels sind ein Symptom unserer narzisstischen Kultur, in der der Schein das Sein, die Geste den Geist, die Form den Inhalt immer mehr verdrängt.“ Die Teilnehmerinnen der Show wären „keine moralischen Vorbilder, sondern Zicken“ und die Sendung würde das Bild vermitteln, dass der Sinn des Lebens darin bestünde „das eigene Ich permanent und penetrant in den Mittelpunkt zu rücken, es erst zur Marke und dann zum Bestseller zu machen.“[46]

Proteste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Finalshow der achten Staffel stürmten 2013 zwei Aktivistinnen von Femen Deutschland auf den Laufsteg. Auf ihre bloßen Oberkörper hatten sie die Mottos „Sadistic Show“ und „Heidi Horror Picture Show“ geschrieben. Sie protestierten dagegen, dass die Sendung „vermittle, dass Schönheit mehr wert ist als Bildung“.[47][48]

2014 kam es am Kölner Dom zu einer Protestveranstaltung mit rund 200 Teilnehmerinnen gegen das transportierte Frauenbild der Sendung, deren Finale wenige Kilometer entfernt stattfand.[49]

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dem Bayerischen Rundfunk unterstehende Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) veröffentlichte 2015 zwei Studien. Eine auf einer repräsentativen Befragung unter 1462 Kindern und Jugendlichen beruhende Studie ergab zunächst, dass der Anteil jener jugendlichen Mädchen, die nie GNTM sahen, in der Minderheit sei. Bei den GNTM-Seherinnen war der Gedanke, zu dick zu sein „hoch signifikant“ häufiger.[50]

Die andere Studie stützt sich auf eine Befragung von 241 Patienten, die sich wegen Essstörungen gerade in therapeutischer Behandlung befanden. Dabei benannten 83 % der Befragten GNTM als jene Sendung, die das Schönheitsideal der Gesellschaft widerspiegeln würde. 70 Patienten gaben an, dass GNTM einen „sehr starken“ Einfluss auf ihre eigene Krankheit gehabt hätte, weitere 72 befanden hierzu „etwas Einfluss“ auf ihre Krankheit.[51] Die mediale Berichterstattung zu dieser Studie[52] wurde in einem Artikel in der Zeitschrift tv diskurs der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (fsf) als Panik in den Medien abgetan. Lothar Mikos, Professor für Fernsehwissenschaft an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, resümierte: „Studien, auch die des IZI, sind komplexer, als es die mediale Berichterstattung wahrhaben will.“[53]

Aufgrund einer Petition, die sich auf die IZI-Studie berief,[54] setzte sich die Kommission für Jugendmedienschutz mit der Sendung GNTM erneut auseinander; es wurde kein Jugendschutz-Verstoß festgestellt.[55] Seit 2018[56] nahmen an den Staffeln auch sogenannte Plus-Size-Models, also Frauen mit größeren Konfektionsgrößen, an der Show teil. 2021 belegte eine „Plus-Size“-Teilnehmerin Platz 2 des Wettbewerbs.[57]

Ausstrahlungszeiträume und Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staffel Folgen Zeitraum Sendeplatz Zuschauer Marktanteil Quelle
Durchschnittlich 14 – 49 Jahre Durchschnittlich 14 – 49 Jahre
1 10 25. Januar – 29. März 2006 Mittwoch, 20:15 Uhr 3,02 Mio. 2,29 Mio. 8,9 % 16,2 % [58][59]
2 14 1. März – 24. Mai 2007 Donnerstag, 20:15 Uhr 3,45 Mio. 2,58 Mio. 11,9 % 21,4 % [58]
3 17 28. Februar – 8. Juni 2008 3,67 Mio. 2,77 Mio. 12,9 % 23,2 % [58]
4 17 12. Februar – 21. Mai 2009 3,83 Mio. 2,89 Mio. 13,2 % 24,2 % [58]
5 17 4. März – 10. Juni 2010 3,01 Mio. 2,23 Mio. 10,2 % 18,1 % [58]
6 17 3. März – 9. Juni 2011 3,08 Mio. 2,27 Mio. 10,3 % 18,9 % [60]
7 17 23. Februar – 10. Juni 2012 2,68 Mio. 1,89 Mio. 9,0 % 15,9 % [61]
8 15 28. Februar – 2. Juni 2013 2,65 Mio. 1,85 Mio. 8,9 % 16,2 % [58]
9 15 6. Februar – 8. Mai 2014 2,66 Mio. 1,80 Mio. 8,7 % 15,6 % [62]
10 16 12. Februar – 28. Mai 2015 2,42 Mio. 1,64 Mio. 7,9 % 14,7 % [63]
11 15 4. Februar – 12. Mai 2016 2,73 Mio. 1,89 Mio. 8,9 % 17,2 % [64]
12 16 9. Februar – 25. Mai 2017 2,64 Mio. 1,82 Mio. 8,7 % 16,6 % [65]
13 16 8. Februar – 24. Mai 2018 2,38 Mio. 1,62 Mio. 8,1 % 16,9 % [66]
14 16 7. Februar – 23. Mai 2019 2,34 Mio. 1,64 Mio. 8,1 % 18,2 % [67]
15 17 30. Januar – 21. Mai 2020 2,38 Mio. 1,62 Mio. 7,8 % 18,1 % [68]
16 17 4. Februar – 27. Mai 2021 2,46 Mio. 1,62 Mio. 8,2 % 19,7 % [69]
17 17 3. Februar – 26. Mai 2022 2,06 Mio. 1,25 Mio. 19,8 % [70][71][72]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Germany’s Next Topmodel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Topmodel“: ProSieben wechselt Produktionsfirma DWDL.de vom 6. Juni 2012
  2. Sasa Antic: "Du musst dich mehr verbiegen!": postmodern-neoliberale Inhalte der Fernsehsendung "Germany's Next Topmodel" und Identitätsentwicklung von Jugendlichen University of Vienna 2012. S. 26
  3. Jan Beeking: Inszenierung von Castingshows – eine Analyse am Beispiel von „Germany`s Next Topmodel“ Hochschule der Medien 2012, S. 19
  4. Franziska Bork Petersen: Authenticity and its Contemporary Challenges: On Techniques of Staging Bodies Stockholm University 2013. S. 118
  5. Alina Rosca: Die Reality TV Show „Germany’s Next Topmodel“: Eine Analyse mit dem Fokus auf die fernsehästhetische Gestaltungsstruktur, der genrecharakteristischen Mitteln und den vermittelten sozialen Aspekten University of Vienna 2011. S. 85–89
  6. GNTM: Zahlen und Fakten: 15 280 Bewerberinnen gab es für die achte Staffel. In: rhein-zeitung.de. 1. Juni 2013, abgerufen am 15. Juli 2022.
  7. Größe, Gewicht und Alter egal: Alles neu bei “Germany’s next Topmodel”. In: rnd.de. 5. August 2020, abgerufen am 15. Juli 2022.
  8. Alina Rosca: Die Reality TV Show „Germany’s Next Topmodel“ : Eine Analyse mit dem Fokus auf die fernsehästhetische Gestaltungsstruktur, der genrecharakteristischen Mitteln und den vermittelten sozialen Aspekten University of Vienna 2011. S. 57
  9. Manuel Weis: 14. Staffel #GNTM: 15 Folgen, 15 Juroren - das ändert sich bei Heidi. In: quotenmeter.de. 4. November 2018, abgerufen am 15. Juli 2022.
  10. ProSieben red! vom 10. Mai 2012
  11. vgl. z. B. Klum feuert „Topmodel“-Gewinnerin: „Kein professionelles Arbeiten mehr“, taz.de, 2. August 2011
  12. https://www.focus.de/kultur/vermischtes/erstmals-seit-2008-heidi-klum-vergibt-bei-gntm-keinen-modelvertrag-fuer-siegerin-sogar-von-vorteil_id_13337572.html
  13. Steckbrief: Daten der Teilnehmerinnen der ersten Staffel (Memento vom 9. November 2007 im Internet Archive), ProSieben.de (in der Wayback Machine, Stand November 2007)
  14. Das sind die Models von Germany’s Next Topmodel 2019. ProSieben, abgerufen am 22. Januar 2019.
  15. GNTM Kandidatinnen: Das sind die Models 2020. ProSieben, abgerufen am 16. Januar 2020.
  16. Die GNTM-Kandidatinnen 2021. ProSieben, abgerufen am 21. Januar 2021.
  17. Germany's next Topmodel - GNTM 2021: Das sind die Kandidatinnen der 16. Staffel. 21. Januar 2021, abgerufen am 21. Januar 2021.
  18. GNTM 2022: Alle Kandidatinnen im Überblick. 28. Januar 2022, abgerufen am 30. Januar 2022.
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