Gerold Gruber

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Gerold Gruber

Gerold W. Gruber (* 6. September 1958 in Wien) ist ein österreichischer Musikwissenschaftler, Vorsitzender von exil.arte, Universitätsprofessor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und Leiter des Wissenschaftszentrums M.A.E.D. (Music Analysis and Exile Documentation Research Center).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruber maturierte 1976 in Wien und absolvierte in Folge das Studium Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Zudem studierte er Stimmbildung an der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie Pantomime bei Samy Molcho. Im Jahr 1982 wurde Gruber an der Universität Wien mit dem Dissertations-Thema „Der Niedergang des Kastratentums. Eine Untersuchung zur bürgerlichen Kritik an der höfischen Musikkultur im 18. Jahrhundert, aufgezeigt am Beispiel der Kritik am Kastratentum – mit einem Versuch einer objektiven Klassifikation der Kastratenstimme“ promoviert. In dieser Arbeit konnte er mittels Sonagramm nachweisen, dass nicht Alessandro Moreschi, sondern vermutlich dessen Schüler Domenico Mancini der "letzte Kastrat" an der Sixtinischen Kapelle war.

Akademische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Mitwirkung an zahlreichen Projekten am Anton Bruckner Institut Linz (ABIL), der Kommission für Musikforschung (Österreichische Akademie der Wissenschaften) sowie der Herbert von Karajan-Stiftung (über perzeptive Vorgänge im Gehirn bei Musikhören und Musikausübung) war Gruber seit 1983 zunächst Assistent und ab 1994 Assistenzprofessor am Institut für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik (ehemals Institut für Musikanalytik) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien[1]. Seit 1991 unterrichtet er auch Music Theory am Institute for European Studies (IES abroad).

Seine Habilitation verfasste er 2003 über das Thema „Eine überwältigende Vielheit dissonanter Klänge“ – Evaluation und Relevanz musikanalytischer Methoden in Relation zu Arnold Schönbergs Forderungen an eine zukünftige Musiktheorie, am Beispiel der Drei Klavierstücke op. 11. Zudem initiierte er die Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs, welche am Arnold Schönberg Center in Arbeit ist.

Gruber ist Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft sowie Mitglied des Advisory Board der International Association for Word and Music Studies. Er ist international als Vortragender gefragt (D, GB, F, I, SK, SL, PL sowie in den USA) und auch Veranstalter internationaler Symposien und Kongresse.

Gruber ist Mitglied mehrerer universitärer Gremien, u. a. Mittelbau-Vertreter im akademischen Senat und im Betriebsrat. Von 2011 bis 2013 war er auch stellvertretender Studiendirektor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ebenso wirkt er als Stellvertretender Vorsitzender der Studienkommission für Doktoratsstudien und war dort maßgeblich für die Entwicklung des neuen PhD-Curriculums tätig (insbesondere hat er das DissertantInnenkolleg als gemeinsame Veranstaltung der DissertantInnen aller Fachrichtungen der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien initiiert).

Exil und Holocaust Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 gründete er das Wissenschaftszentrum M.A.E.D. (Music Analysis and Exile Documentation Research Center) an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien [2] sowie den Verein exil.arte, für dessen Arbeit er 2009 den "Golden Stars Award" der Europäischen Union erhielt und 2010 den Bank Austria Kunstpreis International. 2010 bis 2013 leitete er das grenzüberschreitende EU-Projekt "Accentus Musicalis" in Zusammenarbeit mit der VSMU Bratislava und dem Verein Musical aeterna. Seit 2012 ist er an dem internationalen Projekt ESTHER (Europäische Strategien zur Holocaust Erinnerung) beteiligt und veranstaltet zu diesem Thema ein internationales Symposium in Wien.

Ausgewählte Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerold W. Gruber. Accentus non solus musicalis sed etiam oratorius, in: Ders. (Hrsg.), Zur Geschichte und Aufführungspraxis der Musik des 16. – 18. Jahrhunderts in Mittel- und Osteuropa. Bratislava 2013, S. 21-29
  • Gerold W. Gruber. Versuch einer Interpretationsanalyse der Sinfonia Nr. 6 (Hob. I:6) von Joseph Haydn, in: Eva Ferková (Hrsg.), Prezentácie – Konfrontácie 2012, Hudba v rakúsko-slovenskom regióne v 15. – 18. storocí / Musik des 15. – 18. Jahrhunderts in der Region Österreich-Slowakei. Bratislava 2013, S. 119-130
  • Gerold W. Gruber. Hans Keller – Functional Analysis, in: Gernot Gruber (Hrsg.), Mozartanalyse heute. Laaber 2013, S. 197-206.
  • Gerold W. Gruber (Hrsg.), Arnold Schönberg – Interpretationen seiner Werke, 2 Bde., Laaber 2002, 1064 Seiten.
  • Gerold W. Gruber. Kastratensänger und Countertenors in: Österreichische Musikzeitschrift 37 (1982), S.390ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Offizielle Visitenkarte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Abgerufen am 18. Mai 2013
  2. Wissenschaftszentrum M.A.E.D. (Music Analysis and Exile Documentation Research Center)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]