Gerson-Therapie

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Die Gerson-Therapie ist eine von dem deutschen Arzt Max Gerson (1881–1959) ursprünglich zur Behandlung von Tuberkulose entwickelte Therapie. Nachdem Gerson 1936 in die USA emigriert war, richtete er sein Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs.[1]

Die Gerson-Therapie hat nach Angaben ihrer Befürworter ein breites Anwendungsspektrum bis hin zur Krebstherapie. Die klinischen Studien bestehen hauptsächlich aus Fallbeschreibungen und Qualitativen Interviews (=Patientenbefragungen).[2]

Diäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gerson-Diät basiert einerseits auf der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel bei gleichzeitigem Verbot anderer Nahrungsmittel und bestimmter Zubereitungsmethoden. Laut seiner Ernährungsempfehlung sollte die Nahrung fettfrei, salzfrei und vegetarisch sein. Nicht erlaubt sind: Avocados, Beeren, nicht selbst zubereitete Getränke, Gurken, Nüsse, Pilze, Ananas, Pfeffer, und Sojabohnen. Gerson verbietet einerseits ausdrücklich Kaffee und Tee, empfiehlt aber Einläufe mit Kaffeezusatz. Empfohlen werden frisch gepresste Frucht- und Gemüsesäfte. Dazu empfahl Gerson täglich 56 mg Iod (als Lugolsche Lösung), getrocknete Schilddrüsenextrakte und Vitamin-B12-Gaben. Die pflanzliche Nahrung sollte aus biologischem Anbau stammen. Seine Diät sollte die Leber in ihrer Entgiftungsfunktion unterstützen. Dazu sah er die Einläufe mit Kaffee als geeignet an. Verbote beziehen sich zusätzlich auf Fluorid in Zahncreme und Gurgelwasser, das Haarefärben (und die Dauerwelle), Dampfkochtöpfe, Saftpressen, Zentrifugen oder Mixer. Profitieren sollten angeblich Patienten mit Migräne, Tuberkulose, Krebs, Fibromyalgie, Arthritiden und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Neben der Gerson-Diät beinhalten manche auf ihn bezogene Therapiekonzepte auch Injektionen mit Kalbsleberextrakten, die teilweise zu Komplikationen führten.

Gerson hatte viele prominente Patienten, zu diesen gehörte auch die befreundete Familie von Albert Schweitzer. Nach dem Tode von Max Gerson gründete seine Tochter Charlotte Gerson 1978 in Mexiko ein Gerson Institute, um das Werk ihres Vaters fortzusetzen.

Migräne-Diät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerson litt bereits früh an Migräne und versuchte, dagegen eine wirksame Therapie zu finden. Er war der Meinung, dass die Nahrung einen Einfluss auf diese Krankheit habe und beobachtete bei Einhaltung einer bestimmten von ihm entwickelten Diät ein Verschwinden seiner Kopfschmerzen. Seine Migränediät basierte vor allem auf dem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel.

Tuberkulose-Diät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer seiner Patienten berichtete ihm über das Verschwinden seiner Hauttuberkulose nach Befolgen seiner Diätempfehlung gegen die Migräne. Gerson schloss daraus auf eine Wirksamkeit seiner Diät gegen die Tuberkulose und berichtete über Therapieerfolge bei weiteren Patienten.

Der Chirurg Ferdinand Sauerbruch hörte von Gersons Behandlungserfolgen und war bereit, in seiner Münchener Klinik diese Diät an seinen Patienten auszuprobieren. Nach Bekanntwerden von Behandlungserfolgen bei Sauerbruch verbreitete sich Gersons Diät schnell über Ländergrenzen hinweg.

Gerson kümmerte sich in der Folgezeit um mehrere europäische Kliniken, die seine Diät zur Therapie der Tuberkulose anwandten. Gerson veröffentlichte dazu Artikel in verschiedenen medizinischen Fachzeitschriften.

Krebsdiät[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Patientin, die an Magenkrebs erkrankt war, bat ihn 1928, sie mit seiner Tuberkulose- und Migränediät zu behandeln. Nach seinen Berichten konnte er so die Krebserkrankung der Patienten erfolgreich heilen. Seine Versuche, Krebs durch seine Diät zu heilen, setzte er nach seiner Emigration fort.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Gersons Diätempfehlungen wurde häufig Kritik geübt. So wurde ihm vorgeworfen, keine exakten statistischen Angaben über seine Behandlungen gemacht zu haben. Des Weiteren wurde der Vorwurf geäußert, er habe lediglich seine Behandlungserfolge publiziert und Misserfolge dabei nicht erwähnt.

Der Gerson clinic in Mexiko wurden hohe Behandlungskosten und ein rein kommerzielles Vorgehen vorgeworfen.

1947 untersuchte eine Kommission der New York County Medical Society Krankenakten von 86 seiner Patienten, untersuchte zehn von ihnen und kam zum Ergebnis, dass es keine Belege für eine Wirksamkeit der Gerson-Diät gegen Krebs gebe.

Eine wissenschaftliche Studie[3] berichtet, dass zwischen 1980 und 1986 mindestens 13 Patienten, die vorher eine Gerson-Therapie bekommen hatten, in Krankenhäusern der Gegend um San Diego wegen einer Sepsis behandelt werden mussten. Die Sepsisfälle wurden auf Injektionen in die Leber zurückgeführt. Keiner der Patienten war frei von Krebs, und einer von ihnen starb an Krebs eine Woche nach Aufnahme. Des Weiteren waren fünf der Patienten komatös aufgrund zu niedriger Natriumwerte, die auf die Empfehlung, auf Kochsalz zu verzichten, zurückgeführt wurden. Weitere Studien zur Gerson-Therapie kamen zum Ergebnis, dass eine Behandlung bei Krebs nicht empfehlenswert ist.[4][5][6][7]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Howard Strauss: Dr. Max Gerson: Healing the Hopeless. Quarry Health Books, Kingston, Ontario (Kanada) 2002, ISBN 1-55082-290-X (englisch).
  2. Q&A National Cancer Institute USA
  3. Ginsberg MM. Campylobacter sepsis associated with "nutritional therapy". MMWR 30:294-295, 1981
  4. Questionable cancer practices in tijuana and other mexican border clinics. In: CA: A Cancer Journal for Clinicians, Volume 41, Issue 5 (1991), S. 310–319. (Abstract und Downloadmöglichkeit)
  5. Questionable methods of cancer management: ‘Nutritional’ therapies. In: CA: A Cancer Journal for Clinicians, Volume 43, Issue 5 (1993), S. 309–319. (Abstract und Downloadmöglichkeit)
  6. Green S.A critique of the rationale for cancer treatment with coffee enemas and diet. JAMA 268:3224-3227,1992
  7. American Cancer Society. Unproven methods of cancer management: Gerson method. A Cancer Journal for Clinicians 40:252-256, 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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