Gert Scobel

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Gert Scobel bei der Verleihung des Grimme-Preises (2018)

Gert Scobel (* 12. Mai 1959 in Aachen) ist ein deutscher Journalist, Fernsehmoderator, Autor und Philosoph.

Leben

Ausbildung

Gert Scobel studierte ab 1977 Philosophie und katholische Theologie zunächst an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, wo er 1983 das Diplom in katholischer Theologie ablegte, sowie an der University of California, Berkeley, wo er ebenfalls einen Abschluss als Master of Arts im Jahre 1981 machte.[1] Zurück in Frankfurt am Main, vertiefte er an der Johann Wolfgang Goethe-Universität seine Kenntnisse in Wissenschaftstheorie und Sprachphilosophie und lehrte drei Monate an der University of San Francisco.

Berufslaufbahn

Ab 1985 arbeitete Scobel als freier Mitarbeiter für ein Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie beim Hessischen und Westdeutschen Rundfunk. 1988 absolvierte er ein Volontariat beim Hessischen Rundfunk.[1] Ab 1989 arbeitete Scobel als freier Kulturjournalist für Hörfunk, Fernsehen und Printmedien und war Autor von TV-Dokumentationen und -features, u. a. über Ethik in Wirtschaft und Industrie, Gehirnforschung und Künstliche Intelligenz.[1]

Seit 1995, also von Anfang an, war Scobel einer der Moderatoren der täglichen 3sat-Sendung Kulturzeit, aus der er im Dezember 2007 ausstieg. Im Jahre 1997 absolvierte er ein EICOS-Wissenschaftsstipendium am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München. 1998 war er Mitbegründer des 3sat-Wissenschaftsmagazins "nano".[1] Von 1999 bis 2000 moderierte er das Literaturmagazin "Leselust" im WDR-Fernsehen.[1]

Zusätzlich moderierte er von 2001 bis 2003 als Anchorman das ARD-Morgenmagazin, von 2002 bis 2003 als Moderator das Literaturmagazin "Bücher Bücher" im HR-Fernsehen und von 2004 bis Januar 2008 an jedem zweiten Donnerstagabend die Sendung delta bei 3sat, die er auch leitete und konzeptionell verantwortete.[1] Von 2003 bis 2014 übernahm er zunächst allein und ab 2008 und bis 2014 im Wechsel die Moderation der Sendung sonntags – TV fürs Leben im ZDF.

2006 absolvierte er ein zweites EICOS-Wissenschaftsstipendium am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen sowie am Weizmann-Institute of Science in Rehovot, Israel.[1]

Von 2006 bis 2013 führte er am Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie der Universität Zürich bei Ingolf Dalferth ein Promotionsprojekt zum Thema Pluralismus – Überlegungen zu einer Theorie komplexer Systeme durch, das er aber nicht abschloss.[2][3] Daneben beschäftigt sich Scobel mit den Themen Weisheit und Meditation an der Schnittfläche von Theologie und Wissenschaft sowie mit ethischen und politischen Aspekten der Digitalisierung.[3][4]

Im Jahre 2007 konzipierte und moderierte er die Philosophie- und Kultursendung „nächster Halt“ auf Kika.[1] Seit April 2008 präsentiert er als Redaktionsleiter und Moderator bei 3sat die einmal wöchentlich ausgestrahlte Sendung mit dem Namen scobel.[5] Seit 2015 ist er Moderator dieser Sendung.

2013 übernahm er die Programmleitung der Phil.Cologne (Internationales Festival der Philosophie in Köln) und war Chair des Interdisciplinary Campus.[1]

Aufgaben in den Wissenschaften

Scobel hatte mehrere Gastdozenturen inne, unter anderem bei der Universität Duisburg-Essen und der Universität Witten/Herdecke. Seit 2016 ist er Honorarprofessor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.[6][3][1] Seit 2018 ist Scobel Direktoriumsmitglied des "Zentrum für Ethik und Verantwortung" als wissenschaftlicher Einrichtung der Hochschule Bonn-Sieg. Ebenfalls 2018 übernahm er eine Gastprofessur für Politikmanagement der Stiftung Mercator an der NRW School of Governance.[1]

Mitgliedschaften

Er ist seit 2016 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.[1]

Privatleben

Scobel lebte bis 2008 mit Susanne Fröhlich zusammen, die er während seines Volontariates beim Hessischen Rundfunk kennengelernt hatte.[7][8] Sie lebten in der Nähe von Frankfurt am Main und haben zwei gemeinsame Kinder.[9]

Auszeichnungen und Nominierungen

Gerd Scobel beim Grimme-Preis 2018

Literatur

Bücher (Auswahl)

  • Die Plühms bekommen ein Baby, Coautor mit Tochter Charlotte Fröhlich, Bloomsbury 2007, ISBN 978-3827052681.
  • Weisheit: Über das, was uns fehlt. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-8016-4.
  • Wie Niklas ins Herz der Welt geriet, Berlin Verlag, 2008, ISBN 978-3827053190.
  • Der Ausweg aus dem Fliegenglas: Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können. Fischer, Frankfurt 2010, ISBN 978-3-10-070214-2.
  • Warum wir philosophieren müssen. Die Erfahrung des Denkens. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-070215-9.
  • Der fliegende Teppich. Eine Diagnose der Moderne. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-596-03689-9.
  • NichtDenken. Achtsamkeit und die Transformation von Körper, Geist und Gesellschaft. Nicolaische Buchhandlung, NP&I, Berlin 2018. ISBN 978-3-96476-012-8.

Filme

  • Dokumentarfilm "Ich, Reich-Ranicki" (zusammen mit Lutz Hachmeister) (2007)

Weblinks

Commons: Gert Scobel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Biografie: Gert Scobel: ZDF Presseportal. Abgerufen am 20. März 2020.
  2. Pluralisms – towards a theory of complex systems In: Forschungsdatenbank Universität Zürich. Archiv-Link vom 28. März 2017.
  3. a b c Prof. Gert Scobel. Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, abgerufen am 31. Oktober 2019.
  4. Gert Scobel: Politik als komplexes System: Bemerkungen zum Prozess der Digitalisierung, zur Anwendung von Heuristiken und zur Frage des Gemeinwohls. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft. 4. September 2019, ISSN 1430-6387, doi:10.1007/s41358-019-00190-7 (springer.com [abgerufen am 31. Oktober 2019]).
  5. Gert Scobel Biographie bei 3sat.online. Abgerufen am 8. Dezember 2011.
  6. Gert Scobel wird Honorarprofessor an der H-BRS. In: Pressemitteilung. Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, 21. Juni 2016, abgerufen am 14. April 2018.
  7. Jacqueline Vogt: Susanne Fröhlich im Porträt. Als wäre sie eine Freundin, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Januar 2013. Abgerufen am 27. Januar 2013.
  8. Susanne Fröhlich im Interview (Memento vom 12. Februar 2015 im Internet Archive), Frankfurter Neue Presse vom 21. Juni 2014, abgerufen am 30. Januar 2015
  9. Susanne Fröhlich & Gert Scobel. Trennung schon vor drei Jahren. In: BUNTE. 9. November 2011. Abgerufen am 4. Dezember 2011.