Geruchlose Kamille

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Geruchlose Kamille
Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum)

Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae
Gattung: Strandkamillen (Tripleurospermum)
Art: Geruchlose Kamille
Wissenschaftlicher Name
Tripleurospermum inodorum
(L.) Sch. Bip.

Die Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum), auch Falsche Strandkamille genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Strandkamillen (Tripleurospermum) innerhalb der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae).[1][2][3] Sie ist aufgrund ihrer sehr ähnlichen Blütenkörbchen leicht mit der Echten Kamille zu verwechseln. Sie enthält aber nur wenige ätherische Öle und hat daher keinen Kamilleduft. Eine Heilwirkung, wie für die Echte Kamille typisch, hat sie nicht.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen, 178

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geruchlose Kamille ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 80 Zentimetern. Sie besitzt aufsteigende bis aufrechte, erst im oberen Bereich verzweigte, nur im jungen Zustand spärlich behaarte Stängel. Die zwei- bis dreifach gefiederten Laubblätter sind nicht fleischig und 2 bis 8 Zentimeter lang. Die Fiedern weisen Längen von 4 bis 20 Millimetern auf.

Schnitt durch den Blütenkorb

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem doldigen Gesamtblütenstand stehen endständig die körbchenförmigen Blütenstände (Pseudanthien). Der halbkugelige Körbchenboden ist markig und nicht hohl. Die ovalen Hüllblätter sind in der Mitte dunkelgrün bis dunkelbraun; ihre Ränder und Spitzen sind blass bis hellbraun und mehr oder weniger trockenhäutig. Die Blütenkörbchen weisen einen Durchmesser von etwa 3 bis 4,5 Zentimeter auf. Die Blütenkörbe enthalten innen gelbe, radiärsymmetrische Röhrenblüten (= Scheibenblüten) und außen 10 bis 25 weiße, zygomorphe Zungenblüten. Die Zungenblüten stehen waagerecht ab oder sind aufgerichtet, aber nicht herabgeschlagen.

Die Frucht ist eine Achäne mit einem Pappus, der als häutiger Saum ausgebildet ist. An der Scheitelspitze der dreifach gerippten, blassbraunen Frucht befinden sich mehr oder weniger kreisrunde Öldrüsen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18 oder 36.[4][5]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geruchlose Kamille ist ein überwinternd grüner Therophyt. Die Geruchlose Kamille ist ein Kulturbegleiter. Sie wurzelt bis 120 Zentimeter tief.[4]

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.[4]

Geruchlose Kamille (Tripleurospermum maritimum inodorum)

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geruchlose Kamille in weiten Gebieten Eurasiens verbreitet. In vielen Gebieten beispielsweise die Azoren, Primorye, Neuseeland und Nord- und Südamerika ist Tripleurospermum inodorum ein Neophyt.[2]

In Deutschland wächst die Geruchlose Kamille häufig auf nährstoffreichen Äckern, in Ruderalfluren und auf Ödland. Sie gedeiht in Mitteleuropa auf frischen bis mäßig trockenen, nährstoffreichen, meist kalkarmen, mehr oder weniger humosen, neutralen, sandigen oder reinen Ton- oder Lehmböden. Sie kommt in Mitteleuropa vor allem in Pflanzengesellschaften des Verbands Sisymbrion oder der Klasse Secalietea vor.[4] In den Allgäuer Alpen steigt sie in Bayern oberhalb der Mittelstation der Fellhornbahn bis zu einer Höhenlage von 1850 Metern auf.[6]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1755 unter dem Namen (Basionym) Matricaria inodora durch Carl von Linné in Flora Suecica, Editio Secunda Aucta et Emendata, Seite 297. Die Neukombination zu Tripleurospermum inodorum (L.) Sch. Bip. wurde 1844 durch Carl Heinrich Schultz in Ueber die Tanaceteen: mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Arten, Seite 32 veröffentlicht.[7] Synonyme für Tripleurospermum inodorum (L.) Sch. Bip. sind: Tripleurospermum maritimum subsp. inodorum (L.) Appleq., Matricaria maritima subsp. inodora (L.) Soó, Matricaria perforata Mérat, Tripleurospermum perforatum (Mérat) M. Laínz, Chamaemelum inodorum (L.) Vis., Dibothrospermum agreste Knaf nom. illeg., Pyrethrum elegans Pollini.[3][2]

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Geruchlose Kamille bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Küdill, Kühaug, Rindsaug und Rödendil (Göttingen).[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Luc Brouillet: Tripleurospermum Schultz Bipontinus - Mayweed.: Tripleurospermum inodorum (Linnaeus) Schultz-Bipontinus, S. 549 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (Mutisieae–Anthemideae). Oxford University Press, New York und Oxford, 2006, ISBN 0-19-530563-9.
  2. a b c Tripleurospermum inodorum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen im 17. Februar 2018.
  3. a b Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae.: Datenblatt Tripleurospermum inodorum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 937.
  5. Tripleurospermum inodorum bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW-Verlag, Eching bei München, 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 604.
  7. Tripleurospermum inodorum bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 17. Februar 2018.
  8. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 94 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geruchlose Kamille (Tripleurospermum inodorum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Geruchlose Kamille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen