Geschichte Simbabwes

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Karte von Simbabwe
Spuren der Steinzeit: Felszeichnungen der San
Besucher in Groß-Simbabwe
Shona-Gehöfte

Die Geschichte Simbabwes beschreibt die Geschichte auf dem Gebiet des heutigen Staates Simbabwe von den Anfängen bis heute.

Steinzeit[Bearbeiten]

Bis um die Zeitenwende war das heutige Hochland von Simbabwe von steinzeitlichen Jägern und Sammlern bewohnt, die zu den Khoisan-Völkern gehörten. Ihre späte Steinzeitkultur unterschied sich von der Jungsteinzeit anderer Regionen durch das völlige Fehlen von Töpferei, Ackerbau und Viehzucht. Diese übernahmen die Khoikhoi erst von den eisenzeitlichen Einwanderern, den San.

Eisenzeit[Bearbeiten]

Probleme der Forschung[Bearbeiten]

Schriftliche Aufzeichnungen sind erst seit dem Eintreffen der Portugiesen um 1500 n. Chr. verfügbar. Ältere arabische Aufzeichnungen aus der Region existieren, allerdings hat der wichtigste Autor, Al Masudi, im 10. Jahrhundert wohl nur notiert, was ihm an der Küste über das Hinterland berichtet wurde. Daher wurde das Geschehen davor vor allem aus archäologischen Funden rekonstruiert, die verlässlicher sind als mündliche Überlieferungen.

Gesamtafrikanischer Kontext[Bearbeiten]

Nach den archäologischen Funden wurde die Eisenverhüttung in Afrika in der Sahelzone erfunden und dann von den Bantu im heutigen Kamerun übernommen und mit ihrer Expansion ins östliche und südliche Afrika getragen. Am Sambesi und am Okavango kam sie in den Jahrhunderten um die Zeitenwende an. Neben diesem anschließend ausführlicher dargestellten Bild gibt es auch die Ansicht, die Bantu hätten erst um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend den Sambesi erreicht. Nach beiden Theorien war das Hochland von Simbabwe von Bantu besiedelt, als zwischen 1200 und 1450 Groß-Simbabwe seine Blütezeit hatte.

Früheisenzeitliche Kultur[Bearbeiten]

Um die Zeitenwende begannen Bantuvölker aus Ostafrika, sich über den Sambesi nach Süden auszubreiten. Sie brachten eine früh-eisenzeitliche Kultur mit sich, zu der auch Töpferei, Landwirtschaft und Viehzucht gehörten, allerdings im Wesentlichen Schafe und Ziegen, kaum Rinder. Mabveni, die erste eisenzeitliche Siedlung aus dem späten 2. Jahrhundert, wurde im Hochland von Simbabwe gefunden. Um 1000 nach Chr. hatten sie sich auf das gesamte Hochland ausgedehnt. Während der Einwanderung der Bantu scheinen in der Gegend ansässige Khoikhoi die Viehzucht von ihnen übernommen zu haben.

Eisenzeitliche Kultur[Bearbeiten]

Eine zweite Bantueinwanderung mit fortgeschrittenerer Eisenzeitkultur hinterließ Mitte des ersten Jahrtausends Spuren am oberen Sambesi. Diese Menschen scheinen westlich am Hochland von Simbabwe vorbei an den Limpopo gezogen zu sein. Dort entstand im 9. und 10. Jahrhundert eine Kultur mit großen Siedlungen von mehreren Tausend Einwohnern (unter anderem Musina). Kurz vor der Jahrtausendwende erfuhr diese Kultur einen Niedergang, möglicherweise durch ökologische Erschöpfung der Region. Anscheinend verließ ein großer Teil der Bewohner das Limpopogebiet und breitete sich im 10. bis 15. Jahrhundert von Südwesten her über das Hochland von Simbabwe aus.

Sie werden von mehreren, aber nicht allen Historikern als Vorfahren der heutigen Shona angesehen, die ungefähr 80 % der heutigen Bevölkerung ausmachen. Sie brachten eine Kultur der späteren Eisenzeit mit sich und betrieben außer Ackerbau in großem Maße Rinderzucht. An den Rändern des Hochlandes führte die Rinderzucht zu Transhumanz. Die Stadt Simbabwe und andere Dauersiedlungen lagen auf dem weniger malariaverseuchten Hochland, wo in der sommerlichen Regenzeit Ackerbau betrieben wurde. In der Trockenzeit wurden die Rinder nach Möglichkeit in das kaum besiedelte Tiefland getrieben, in dem reichlich trockenes Gras zur Verfügung stand.

Africae tabula nova 1570:
Hafenstadt Cefala = Sofala,
Manich = Manica,
Simbaoe = Groß-Simbabwe,
Zuama = Sambesi; fast alle großen Flüsse Afrikas entfließen in dieser Karte demselben zentralen See.

Es entstanden teils nacheinander, teils parallel mehrere Staaten. Groß-Simbabwe bei Masvingo, der größte Komplex alter Steinbauten in Afrika südlich des Äquators, wird als erstes Zentrum des Mutapa-Reiches angesehen, dessen Macht damals bis an die Küste reichte und auch nördlich und südlich über das heutige Simbabwe hinausging. Khami, ein ähnlich großer Komplex von Gemäuern sieben Kilometer westlich von Bulawayo entstand zunächst parallel und war später Zentrum des Torwa-Reiches.

Um 1450 wurde die Groß-Simbabwe verlassen, wahrscheinlich weil die Bevölkerungskonzentration das Land ausgelaugt hatte. Der Mutapa-Staat verlagerte sein Zentrum nach Norden und verlor seine Vormachtstellung an den Torwa-Staat. Neues Zentrum wurde für etwa 200 Jahre dessen Hauptstadt Khami. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Torwa-Staat von der Changamire-Dynastie übernommen. Kurz davor oder danach wurde Danangombe (Dhlodhlo) zur Hauptstadt.

Die Shona-Staaten hatten rege Handelsbeziehungen mit Swahili sprechenden Händlern entlang der Küste des Indischen Ozeans. Man tauschte Gold, Elfenbein und Kupfer gegen Tuch und Glas, der Fernhandel reichte bis China (Bodenfunde). Es existierte eine örtliche Textilproduktion und ihre Erzeugnisse hatten hohen Prestigewert. Diese konnte sich aber wegen der Verwendung von Webstühlen, die gegenüber anderen zeitgenössischen Modellen technisch veraltet waren, nicht dauerhaft gegen die Konkurrenz von importierten Tuchen behaupten.

Neuzeit[Bearbeiten]

Das Matabele-Reich 1887, am Vorabend der Kolonisation

Im Laufe des 15. Jahrhunderts konkurrierten islamische und portugiesische Händler um Einfluss an den Königshöfen. Als Portugal die mosambikanische Küste zu seiner Kolonie machte und den swahilischen Küstenhandel unterband, verlor das Shona-Reich seine führende Bedeutung. Im 17. Jahrhundert wanderten die aus dem Kongo-Gebiet stammenden militärisch straff organisierten Nguni-Völker in das Gebiet südlich des Sambesi ein, am bekanntesten die Zulu in Südafrika. Im heutigen Simbabwe war es das Nguni-Volk der Ndebele (Matabele) die 1835 unter ihrem König Mzilikazi das Land eroberten und die Shona unterwarfen. Der letzte Shona-Staat der Changamire-Dynastie war durch Bürgerkriege geschwächt und wurde von den neuen Akteuren der Politik, afrikanischen wie europäischen, einfach übergangen. Das Gebiet des Matabelereichs war fast deckungsgleich mit dem der heutigen Republik Simbabwe. Hauptstadt war Bulawayo.

Weiße Herrschaft[Bearbeiten]

Landklassifikation bis 1979:
weiß = Farmland in weißer Hand
rosa = Farmland in afrikanischer Hand
blau = traditionelle afrikanische Landwirtschaft

Seit Gründung ihrer Niederlassungen an den Küsten Angolas und Mosambiks hatten die Portugiesen das Binnenland des südlichen Afrikas von der West- bis zur Ostküste beansprucht, ohne diesen Herrschaftsanspruch ernsthaft durchzusetzen. Im 19. Jahrhundert stellten Händler, Jäger und Missionare der Briten (vgl. David Livingstone) und Kapholländer (Buren) die portugiesische Herrschaft im Binnenland unter Verweis auf das Fortbestehen des arabischen Sklavenhandels infrage und begannen, auch in das Gebiet nördlich des Limpopo einzugreifen.

1888 erwarb der britische Kolonialpolitiker Cecil Rhodes vom Ndebele-König Lobengula Schürfrechte. 1889 erhielt Rhodes eine Lizenz für die British South Africa Company, mit der er sich 1893 – durch Abteilungen der Kappolizei und angeheuerte Abenteurer unterstützt – das Matabele-Königreich und Gebiete nördlich des Sambesi zu Eigen machte (siehe auch unten). Er trieb die Besiedlung sowie die Edelmetall- und Mineralverarbeitung voran. Sowohl die Ndebele als auch die Shona unternahmen 1896–1897 erbitterte, aber erfolglose Aufstände gegen die europäische Kolonisierung.

1911 wurde Rhodes’ Territorium geteilt: in Nordrhodesien (jetzt Sambia) und in Südrhodesien, das 1922 eine selbstverwaltete britische Siedlungskolonie wurde. 1930 wurde das Land in weiße und schwarze Siedlungsgebiete aufgeteilt und so die afrikanische Landwirtschaft in ertragsarme Gebiete verdrängt. 1950 gründete Joshua Nkomo die National Democratic Party, die für eine völlige Unabhängigkeit des Landes kämpfte. 1953 wurden die beiden Teile Rhodesiens wieder vereinigt und mit Njassaland, heute Malawi, zur Föderation von Rhodesien und Njassaland unter Führung von Roy Welenski verbunden. Nach der Auflösung der Föderation 1963 verlangten die in Südrhodesien ansässigen Weißen, unterstützt von der Apartheid-Regierung Südafrikas, ihre Unabhängigkeit (Rhodesien 1964).

Die einseitige Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens

Während im benachbarten Nordrhodesien und Njassaland schwarzafrikanische Mehrheitsregierungen die Macht ergriffen, erklärte eine weiße Minderheitsregierung unter Ian Smith am 11. November 1965 einseitig die Unabhängigkeit. Großbritannien bezeichnete die Erklärung zwar als illegal, setzte aber keine gewaltsame Wiederherstellung der alten Zustände durch. Die Mehrzahl der afrikanischen politischen Führer ging daraufhin ins sambische Exil oder wurde von der weißen Regierung inhaftiert. Als Verhandlungen 1966 und 1968 scheiterten, verlangte Großbritannien von den Vereinten Nationen Wirtschaftssanktionen gegen Rhodesien. Die weiße Minderheitsregierung rief 1970 die Republik aus. Diese wurde von keinem Staat der Welt außer der Republik Südafrika anerkannt.

Das Zensuswahlrecht Rhodesiens orientierte sich im Gegensatz zu Südafrika nicht direkt an der Hautfarbe, sondern an Einkommen und Bildung. Unabhängig von der Hautfarbe war jeder wahlberechtigt, der das Registrierungsformular ausfüllen konnte und ein bestimmtes Einkommensniveau erreichte. In der Praxis schloss dieses Wahlsystem die afrikanische Bevölkerung von politischer Beteiligung weitgehend aus; es ließen sich stets nur einige tausend Afrikaner registrieren, obwohl theoretisch einige zehntausend wahlberechtigt gewesen wären. 1970 wurde für die Afrikaner ein eigenes Wählerregister geschaffen und ihnen 16 Abgeordnete zugesprochen; deren Zahl sollte mit wachsendem Steueranteil der schwarzen Mehrheitsbevölkerung ansteigen. Die Anforderungen waren aber so hoch angesetzt, dass eine Machtübernahme der schwarzen Mehrheit „auf tausend Jahre“[1] ausgeschlossen werden sollte (realistische Prognosen gingen davon aus, das dieser Fall etwa zwischen 2030 und 2070 hätte zustande kommen können).[2]

In Rhodesien herrschte zwar Rassentrennung, aber keine Apartheid im südafrikanischen Stil; die afrikanische Bevölkerung war in Wirtschaft und Verwaltung eingebunden und stellte die Mehrheit der Berufssoldaten (Offiziere erst ab 1977) und der paramilitärischen Polizei, Wehrpflicht bestand aber nur für Weiße.[3]

Der Rhodesienkonflikt und wachsender afrikanischer Nationalismus (1970–1980)[Bearbeiten]

Unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens im Jahre 1965 ging Großbritannien zu einer Politik der wirtschaftlichen Sanktionen über. Es wurde dabei zum Wortführer in den UN-Gremien. Der UN-Sicherheitsrat übernahm sukzessive die von der britischen Außenpolitik geprägten Positionen und beschloss im Mai 1968 voll verbindliche Sanktionsmaßnahmen. Die USA verhinderten gemeinsam mit Großbritannien 1970 in den Vereinten Nationen die Ausweitung der Sanktionen auf Südafrika und Portugal. Beide Staaten gehörten zu den wichtigsten Unterstützern des Regierungssystems von Ian Smith. Dieses über Jahre sich verfestigende Vorgehen trug ganz wesentlich zur wachsenden Spannung in der innenpolitischen Lage bei. Die Smith-Regierung setzte dabei auf eine Verschärfung ihrer rassistisch begründeten Vormachtstellung, einer Einwanderungspolitik zur Stärkung der europäischstämmigen Bevölkerungsgruppe und die Anwerbung gut ausgebildeter Söldner in den westlichen Staaten für Aufgaben in den rhodesischen Streitkräften bzw. paramilitärischen Organisationen (beispielsweise Rhodesian Special Air Service). Als hilfreich erwiesen sich dabei vielgestaltige und über Jahre gefestigte Verbindungen zwischen Militär- und Geheimdienstkreisen von Südafrika und Rhodesien.[4] Südafrika versuchte anfänglich im Rahmen seiner Detente-Politik mit Mitteln der Entspannung ein ihm genehmes Regierungssystem im Nachbarstaat zu schaffen.

1966 erklärten die Rebellen von ZANU und ZAPU einen Guerillakampf gegen die „weißen“ Machtstrukturen. Die militärischen Aktivitäten der wenigen und unerfahrenen Kämpfer blieben zunächst gering und sporadisch. Erst zwischen 1973 und 1974 erlangten die von der mosambikanbischen Provinz Tete ausgehenden Angriffe eine spürbare außenpolitische Wirksamkeit, wodurch sich beispielsweise in Südafrikas Regierung die Überzeugung durchsetzte, das anfällige Smith-Regime besser durch ein alternatives, stabileres und aus Pretoria gesteuertes Machtsystem in den Einflussbereich seiner Afrikapolitik einzubinden.[5] Indessen wuchs auch in der weißen Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik. Als Reaktion auf die Verhandlungsergebnisse der Rhodesien-Konferenz in Genf traten am 3. Juli 1977 einige Mitglieder der Regierungspartei aus der Rhodesian Front aus. Sie gründeten kurz darauf eine ultrarechte Partei, die Rhodesian Action Party mit ablehnender Haltung zur bisherigen Regierungspolitik. Smith reagierte mit der Auflösung des Parlaments und mit Neuwahlen für 85.000 Weiße und einen sehr kleinen Kreis „schwarzer“ Wähler. Unklarheiten in den Wahlvorbereitungen und bezüglich künftiger politischer Ziele förderten die instabile innenpolitische Lage. Erschwerend hierfür zeigten sich 1977 in der Öffentlichkeit deutliche politische Divergenzen unter den beteiligten afrikanischen Nationalistenführern, wie Abel Muzorewa, Joshua Nkomo, Robert Mugabe und Josiah Tongogara. Letzterer führte eine Guerillagruppe an und hatte ein militärisches Training in der Volksrepublik China erhalten. In dieser Phase bemühte sich der tansanische Präsident Julius Nyerere um Einigung unter den Nationalisten und schien im August 1978 nach einem Gespräch mit US-Präsidenten Jimmy Carter auf Unterstützung für seine Bemühungen rechnen zu können. Nyerere betonte aber auch, dass die Lösung für Rhodesien wohl nur in einer Absetzung Ian Smiths mit Mitteln der Gewalt zu erlangen sei. Muzorewa versuchte gemeinsam mit Smith die Befreiungsbewegungen in Rhodesien abzuschwächen. Das festigte in Südafrika die politische Basis dafür, die Verhältnisse in seinem Nachbarland nach eigenen Vorstellungen zu beeinflussen. Mit umfassenden Waffen- und Treibstofflieferungen erhielt es die Funktionsfähigkeit der Militärstrukturen Rhodesiens. Bei Bedarf griffen SADF-Einheiten direkt oder indirekt in die militärischen Konflikte des Nachbarstaates ein.[6][7] Über die Kooperation mit den rhodesischen Sicherheitskräften versuchte Südafrika die Verhältnisse in Mosambik zu destabilisieren, da dort MK-Gruppen des ANC wichtige Rückzugsräume bezogen hatten.[8]

Mugabe wandte sich in dieser Situation nach Peking und kommentierte während seines Aufenthaltes die rhodesische Situation öffentlich. Dadurch brüskierte er andere Nationalistenführer, die hingegen Unterstützung im sowjetisch kontrollierten Ostblock suchten.[7]

Verhandlungsbemühungen, die zu einer friedlichen Lösung des Rhodesienkonflikts und zu einer Machtbeteiligung der afrikanischen Bevölkerung führen sollten, scheiterten durch die Spaltungs- und Informationspolitik der Regierung von Ian Smith.[9]

Ab Mitte der 1970er Jahre begann sich die ökonomische Situation für die weiße Regierung zu verschlechtern: Die Unabhängigkeit Mosambiks bot den Rebellen einen zusätzlichen Rückzugraum, die Beziehungen zu Südafrika kühlten sich merklich ab, und der sich stetig ausweitende Guerillakrieg stellte die weiße rhodesische Gesellschaft vor immer größere Belastungen. Immer mehr Männer wurden immer länger in die Sicherheitskräfte einberufen, Überfälle auf abgelegene Farmen und auf die Verkehrswege nahmen zu. Arbeitskräftemangel, Sabotageakte, ein steigender Militärhaushalt, Treibstoffknappheit und Aufwendungen für die Sicherung von Siedlungen und Farmen beeinträchtigten die Wirtschaft des Landes. Die politische und militärische Führung kam schließlich zu der Erkenntnis, dass der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen und eine Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit an der Regierung unausweichlich war. Smith nahm daher Verhandlungen mit moderaten, konservativ orientierten afrikanischen Führern auf, die nicht am Guerillakrieg beteiligt waren, um den Krieg im Rahmen einer Internal Settlement (dt. etwa „interne Einigung“) ohne Einbeziehung der Guerillas, der afrikanischen Nachbarstaaten und des westlichen Auslandes (insbesondere der ehemaligen Kolonialmacht) zu beenden.

Nach mehreren Geheimtreffen zwischen Smith, Muzorewa, Sithole und Chirau zu Verfassungsfragen (Dezember 1977 bis März 1978[10]) unterzeichnete Smith am 3. März 1978 eine Vereinbarung mit drei schwarzen Führern unter Führung Bischof Abel Muzorewa zur Bildung einer Übergangsregierung. Diese sollte auf eine baldige Konfliktlösung zugunsten der Europäer hinarbeiten, wozu es in Anbetracht des weiterhin eskalierenden Guerillakriegs zu spät war. Im Rahmen der Vereinbarung fanden im April 1979 erstmals Parlamentswahlen mit allgemeinem Wahlrecht statt, aus der Muzorewa bei hoher Wahlbeteiligung als klarer Sieger hervorging. Am 1. Juni 1979 Punkt Mitternacht trat die neue Verfassung in Kraft, das Land wurde in Simbabwe-Rhodesien umbenannt, und die neue Regierung mit Muzorewa als Regierungschef nahm die Arbeit auf. Ian Smith, der als Minister ohne Geschäftsbereich weiter im Kabinett vertreten war, erklärte gegenüber der Presse, er habe zu diesem Zeitpunkt geschlafen.[11]

Die Übergangsregierung konnte die auf sie gesetzten hohen Erwartungen – Ende des Bürgerkrieg, Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, internationale Anerkennung – jedoch nicht erfüllen, eben weil die dazu nötigen Akteure nicht an ihr beteiligt waren. Dennoch stellte die „interne Lösung“ eine ersten Schritt zu einer international anerkannten Unabhängigkeit dar. Im Rahmen der Konferenz der Staatsoberhäupter des Commonwealth of Nations in Lusaka lud die britische Regierung alle Beteiligten des Konflikts zu einer Friedenskonferenz nach London ein, die am 12. September 1979 in Lancaster House begann. Unter Vermittlung von Lord Carrington einigten sich Vertreter der Patriotic Front und der simbabwisch-rhodesischen Übergangsregierung nach wochenlangen Verhandlungen auf einen Waffenstillstand und Wahlen unter Einbeziehung der Patriotic Front. Um eine reibungslose Durchführung der Wahlen zu ermöglichen, sollte Südrhodesien kurzzeitig erneut zur britischen Kolonie erklärt werden, und eine internationale Polizeitruppe sollte den Waffenstillstand überwachen und die Wahlen beobachten.

Im Dezember wurde das Lancaster-House-Abkommen unterzeichnet, der Waffenstillstand in Kraft gesetzt und das simbabwisch-rhodesische Parlament nahm die einseitige Unabhängigkeitserklärung von 1965 zurück. Regierung und Parlament lösten sich auf, und Lord Christopher Soames wurde letzter Gouverneur Südrhodesiens.

Die Neuwahlen von Ende Februar 1980 führten zu einem für die westlichen Beobachter überraschenden Wahlsieg Robert Mugabes, dessen ZANU-PF ihren Rückhalt vor allem unter den zahlenmäßig dominierenden Shona hatte. Mugabe begründete damit seine andauernde Karriere als maßgeblicher Lenker Simbabwes. Muzorewa erlitt eine verheerende Niederlage, und seine Partei UANC erhielt nur 3 von insgesamt 100 möglichen Sitzen im neu gewählten Parlament. Für die Regierung in Südafrika war dieses Ergebnis ein politischer Schock. Der The Citizen in Johannesburg schrieb am 5. März 1980 „Mr. Mugabe hat einen Erdrutschsieg errungen, der selbst über unsere schlimmsten Erwartungen hinausgeht“. Die so veränderten Machtverhältnisse in Südrhodesien beendeten faktisch die politische Strategie Pretorias von einer Staatengemeinschaft im südlichen Afrika. Aber auch innenpolitisch bedeutete dieses Wahlergebnis für Südafrika eine neue Erkenntnis. Es wurde dabei deutlich, dass die Zusammenarbeit von schwarzen Marionettenpolitikern mit einer weißen Regierung bei den schwarzen Wählern keine Unterstützung fand.[12] Am 18. April 1980 fand die Unabängigkeitsfeier statt, der weißen Minderheit wurden aber noch für sieben Jahre 20 der 100 Sitze im Parlament reserviert - neben der Garantie, dass Landbesitz und Rentenanprüche unangetastet bleiben sollten.

Der Unabhängigkeitskrieg forderte nach rhodesischen Angaben 20.350 Menschenleben (468 weiße Zivilisten, 1361 Angehörige der Sicherheitskräfte (etwa die Hälfte Weiße), 10.450 Aufständische sowie 7790 schwarze Zivilisten). Die Rebellengruppierungen sprachen von über 30.000 Toten.[13]

Aufbau und Neuorientierung 1980–1990[Bearbeiten]

Im Oktober 1981 kam es zu landesweiten Streiks von über 1.000 Krankenpflegerinnen und Lehrern; 200 von ihnen wurden verhaftet oder erhielten Bewährungsstrafen.

Am 18. Dezember 1981 explodierte in der Parteizentrale der ZANU eine Bombe, tötete sechs Menschen und verletzte mehr als 100.

Anfang Februar 1982 wurden von den Sicherheitskräften der ZANU mehrere Waffenlager entdeckt, die nach Angaben des Staatsministers Muangagwa, von der ZAPU angelegt worden waren. Aus diesem Grund wurden am 17. Februar 1982 der zum Präsidenten ernannte Joshua Mqabuko Nyongolo Nkomo und zwei weitere Minister wegen des Plans einer Verschwörung aus dem Kabinett entlassen. Infolge der Regierungskrise brachen heftige Kämpfe (sogenannte Gukurahundi) zwischen ZAPU-Unterstützern (sogenannten Dissidents) im Ndebele-sprachigen Landesteil und der herrschenden ZANU aus. Die Regierung ging von einer heimlichen Beteiligung Südafrikas an den Unruhen aus und handelte entsprechend streng.

Am 4. März 1982 verließen neun weiße Abgeordnete der Republikanischen Front (RF) ihre Fraktion, um als Unabhängige im Parlament mit der Regierung zu kooperieren. Nach einer Kabinettsumbildung wurden zwei Abgeordnete der RF am 16. April 1982 zu Ministern ernannt.

Am 18. April 1982 wurde die Hauptstadt Salisbury in Harare umbenannt.

1987 erfolgten „Strafexpeditionen“ der Regierung Mugabe (ZANU) nach Nord- und Süd-Matabeleland gegen die konkurrierende ZAPU-Bewegung mit zahlreichen zivilen Opfern. Verhandlungen über einen Friedensvertrag erbrachten dann 1987 die Vereinigung mit der ZAPU zur ZANU-PF (1988).

Auf diese Art gestärkt, beschloss die Regierungspartei, die Wahlen von 1990 zu einer Abstimmung über die Einführung einer Einparteienregierung und die Verankerung des Sozialismus in der Verfassung zu machen. Trotz des für sie günstigen Ergebnisses wurde das Projekt aus Angst vor einer internationalen Kapitalflucht wieder abgesetzt und stattdessen vom IWF unterstützte ökonomische Maßnahmen und Sparprogramme beschlossen. Nicht zuletzt wurde dieser Umschwung begründet durch die 1992 eingetretene, wahrscheinlich schlimmste Dürre des Jahrhunderts im südlichen Afrika, die Simbabwe so massiv traf, dass der nationale Notstand ausgerufen wurde.

Außenpolitik 1980–1989[Bearbeiten]

Die USA versuchten ab 1980, die Beziehungen zu Simbabwe zu verbessern, das enge Beziehungen zur Sowjetunion unterhielt, und gaben zwischen 1981 und 1986 Hilfszahlungen von insgesamt 350 Millionen US-Dollar. Als Führer der Blockfreien-Bewegung übte Robert Mugabe stetig Kritik an den USA und unterstützte auch eine Resolution im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die die US-Invasion in Grenada verurteilte, enthielt sich aber der Stimme bei der Verurteilung des sowjetischen Abschusses eines südkoreanischen Passagierflugzeugs. US-Präsident Ronald Reagan suspendierte im Juli 1986 ein US-Hilfsprogramm über 20 Millionen US-Dollar.

Am 8. August 1981 trafen mehr als 100 Militärberater aus Nordkorea ein, um eine Elitetruppe der Streitkräfte aufzubauen und auszubilden.[14]

Die ZAPU unterstützte Widerstandsgruppen des südafrikanischen African National Congress (ANC) beziehungsweise den Umkhonto we Sizwe. Südafrika reagierte am 25. Juli 1982 mit einem Bombenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Thornhill in Harare, zerstörte zehn Flugzeuge und beschädigte fünf schwer.[15][16]

Diktatur und Wirtschaftskrise 1990 – Gegenwart[Bearbeiten]

Die gegenwärtige simbabwische Politik ist umstritten: Protest vor der Botschaft Simbabwes in London, 2005

Trotz der Mehrheitsregierung, die aber immer mehr die Züge einer persönlichen Diktatur annahm, hatten die Weißen – weniger als 1 % der Bevölkerung – aber 70 % des urbaren Landes zu kommerzieller Nutzung in den Händen. 1999 begann man, die Wiederverteilung zurück geführten Landes als ein lebenswichtiges Programm zu proklamieren. Auch um andere interne Schwierigkeiten zu überspielen (vor allem die starke Korruption von Verwaltung und Partei bei gleichzeitigen Entlassungen im öffentlichen Sektor), jedoch auch wegen der Agrarkrise, wurden die Weißen, die den größten Teil des Bruttosozialproduktes sowie der Nahrungsmittel, erzeugten, von Robert Mugabe immer schärfer unter psychischen und physischen Druck gesetzt. Simbabwe wurde in diesem Zusammenhang wegen Verletzungen von Menschenrechten und der Verschiebung der Wahlen 2002 vom Commonwealth suspendiert. Die unabhängige Tageszeitung Daily News wurde verboten. Im Dezember 2003 trat das Land aus dem Commonwealth aus, nachdem es im Vorjahr wegen Wahlfälschung zeitweise ausgeschlossen worden war. Die wichtigste Oppositionspartei ist seit Mitte der 1990er Jahre die MDC (Movement for Democratic Change), die vor allem aufgrund der zunehmenden Unzufriedenheit ihre Basis stetig verbreitern konnte.

Infolge der Enteignungen, von korrupter Devisenbewirtschaftung und der aufrechterhaltenen hohen Rate der Agrarexporte verschlechterte sich die soziale Lage, besonders auf dem Lande. Die Wirtschaft litt nicht zuletzt darunter, dass in Simbabwe eine HIV/AIDS-Pandemie wütet; nach Schätzungen der UN leidet ein Drittel der Bevölkerung daran.

Mitte der 1990er Jahre begann Präsident Mugabe eine Kampagne gegen Homosexualität, die er als unnatürlich und „unafrikanisch“ darstellt. Homosexuelle – die für Mugabe „minderwertiger als Schweine“ sind – können mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Laut einer Dokumentation des britischen Senders BBC eröffnete Mugabe im November 2001 sogenannte „Jugendbildungsstätten,“ die in Wirklichkeit moderne Folterlager sein sollen. In diesen Lagern sollen nach Mugabes Vorstellungen alle Jugendlichen Simbabwes umerzogen werden, um gegen sämtliche politische Gegner vorgehen zu können. Der Sender behauptete, dass die Jugendlichen die Methoden der Folter lernen und sogar das Töten von Menschen anhand von Puppen. Einige wenige sollen dabei als Versuchspersonen dienen, die dauerhaft geschädigt aus den Lagern zurückkehren. Mugabe wolle durch diese Methoden die Jugend des Landes psychisch brechen und gefügig machen. Die Opposition solle dadurch noch schärfer bekämpft werden.

Die „beschleunigte Landreform“ (fast-track land reform) seit 2000 entwickelte sich von einem Programm zur Landumverteilung von weißen Farmern zu landlosen schwarzen Bauern zu einer gewalttätigen Kampagne gegen die Opposition mit teils rassistischen Elementen. Nach Berichten der ARD werden die besetzten Farmen von Verwandten und Freunden Mugabes in Besitz genommen. Zusammen mit Dürreperioden trug sie zur anhaltenden Wirtschaftskrise und Nahrungsmittelknappheit im Land bei. Die Inflationsrate des Landes betrug 2007 fast 100.000 %; daraufhin verbot Mugabe Preissteigerungen.

Die „Operation Murambatsvina“, in deren Rahmen Slumsiedlungen niedergewalzt wurden, wurde international kritisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Peter Godwin, Ian Hancock: ‚Rhodesians Never Die‘. The Impact of War and Political Change on White Rhodesia, c.1970-1980 Baobab Books, Harare 1995, ISBN 978-0-908311-82-8, S. 152.
  2. vereinfachte Darstellung zum rhodesischen Wahlrecht bei: Dolf Sternberger, Bernhard Vogel, Dieter Nohlen, Klaus Landfried (Hrsg.): Die Wahl der Parlamente und anderer Staatsorgane. Band II: Afrika: Politische Organisation und Repräsentation in Afrika. De Gruyter, 1978, ISBN 3-11-004518-4, S. 1627–1690.
  3. Martin Pabst: Simbabwe. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-39878-2, S. 63.
  4. Ruth Weiss, William Minter, Hans Detlef Laß: Rhodesiens Zukunft heißt Zimbabwe. Zwischen Kolonialismus und Selbständigkeit. ISSA - Bonn, Frankfurt a.M. 1977, S. 15, 28, 67, ISBN 3-921614-35-X
  5. Weiss, Minter, Laß, 1977, S. 18-19, 20
  6. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. ISSA, Bonn 1981, S. 139
  7. a b Weiss, Minter, Laß, 1977, S. 69, 84-85
  8. Meinardus, 1981, S. 430
  9. Weiss, Minter, Laß, 1977, S. 29
  10. Meinardus, 1981, S. 121
  11. BBC On this day report :1. Juni 1979.
  12. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. Bonn 1981, ISBN 3-92164-50-3 (formal falsche ISBN), S. 145–148.
  13. Peter Godwin, Ian Hancock: ‚Rhodesians Never Die‘. The Impact of War and Political Change on White Rhodesia, c. 1970-1980 Baobab Books, Harare 1995, ISBN 0-908311-82-6, S. 208 f, 374.
  14. Fischer Weltalmanach. 1983, ISSN 0430-5973
  15. Dan Smith: Der Fischer-Atlas Kriege und Konflikte. Fischer, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3-596-13637-7.
  16. K. O'Brien: Special Forces for Counter Revolutionary Warfare: the South African Case. ISSN 0959-2318.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]