Geschichte der Landwirtschaft in der Schweiz

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Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich die Schweiz vom Agrarstaat zu einem Industriestaat entwickelt.[1] 4071 km² oder 27,5 % der Landwirtschaftsflächen werden heute (Stand 2018) als Ackerland genutzt. Zwischen 1979/85 und 2004/09 gingen 295 km² (6,8 %) dieser intensiv genutzten Flächen verloren, Davon wurden 43,9 % für neue Siedlungen aufgewendet. Auch die Umwandlung von Äckern in Heimweiden spielt eine wichtige Rolle. So wurden viermal so viele Äcker in Heimweiden umgenutzt als umgekehrt.[2] 32,8 % der Fläche der Schweiz sind für die Landwirtschaft unproduktive Flächen. Inklusive Alpwirtschaft sind 35,8 % der Fläche landwirtschaftlich nutzbar, 31,3 % sind Wald und Gehölz.[3]

Der Selbstversorgungsgrad (Verhältnis von Inlandproduktion zu Verbrauch) liegt in den letzten Jahren bei 60 Prozent, rund 40 Prozent der Lebensmittel werden importiert. Aufgrund der guten Produktionsbedingungen in der Schweiz (hochwertige Böden, ausreichend Niederschläge, Verfügbarkeit von Produktionsmitteln) ist das Ertragsniveau und die Produktionsintensität hoch im internationalen Vergleich. Eine hohe Bevölkerungsdichte (die ackerfähige Fläche beträgt in der Schweiz 500 Quadratmeter pro Einwohner, was ein Viertel des internationalen Durchschnitts darstellt). Rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche können aus topografischen oder klimatischen Gründen nur als Grünland genutzt werden. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz beim globalen Ernährungssicherheitsindex auf Rang 6.[4] Agroscope ist das 2014 gegründete Kompetenzzentrum der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung und soll einen Beitrag für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft sowie eine intakte Umwelt leisten und zur Verbesserung der Lebensqualität in der Schweiz beitragen.

Vorgeschichte (bis 1850)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung in vielen Regionen des schweizerischen Mittellandes war über Jahrhunderte geprägt durch die Dreizelgenwirtschaft. Diese dreifeldrige Fruchtwechsel gliederte sich wie folgt:

  1. Jahr: Winterung; Wintergetreide
  2. Jahr: Sommerung; Sommergetreide (meist Hafer oder Gerste)
  3. Jahr: Brache

In jeder Zelge besass der einzelne Bauer seinen Acker. Es handelte sich nicht um einen Arbeitsverband von Bauern, sondern um eine Dorfgemeinschaft. Die Dreizelgenwirtschaft liess eine intensive Viehhaltung nicht zu. Die gemeinsame Weide auf der Brache, der ungedüngten Allmend und den Stoppelfeldern sowie die mangelhafte Winterfütterung boten nur ein karges Futter. Jahrhundertelang wurden Waldbäume entastet, Lebhäge "auf den Stock gesetzt" und die blattreichen Zweige auf den Lauben als Winterfutter aufgehängt und getrocknet. Nicht zu Unrecht sprach man später von Waldvernichtung, Waldmisshandlung oder Waldschinderei. Hochwald, wie wir ihn heute kennen, war selten vorhanden; buschförmige Vegetation herrschte vor. Die Landwirtschaft erstarrte in der Dreizelgenwirtschaft.

Für die Landwirtschaft bedeutet das 18. Jahrhundert die Morgenröte einer neuen, besseren Zeit. Junge Landedelleute nahmen die Bewirtschaftung ihrer Landgüter selbst in die Hand und suchten die Landwirtschaft, insbesondere die Viehhaltung, zu heben und zu fördern. Die Fesseln der Dreizelgenwirtschaft wurden gesprengt. Man begann mit der Stallfütterung, der sorgfältigen Lagerung von Mist und Gülle und baute auf der früheren Brachzelg Kartoffeln und Klee an. Die Allmende wurde parzelliert und unter den Bauern aufgeteilt. Ein neues Ziel trat in den Vordergrund, nämlich genug Vieh zu halten, um das eigene Land mit ausreichend Hofdünger zu versorgen. Mitten in dieser Entwicklung brach die Französische Revolution aus. Man war aufgeschlossen für Neuerungen.[5]

Gründung erster Bildungs- und Kontrollstationen (zwischen 1850 und 1880)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mussten die Menschen lernen, sich den Erfordernissen einer Industriegesellschaft anzupassen. Völlig neue Technologien veränderten ihren Alltag und die Naturwissenschaften boten ganz andere als die bisher geltenden Erklärungen für die Lebensvorgänge und die landwirtschaftliche Produktion an.

Mit dem 19. Jahrhundert beginnen in der Schweiz daher auch die Versuche kantonale landwirtschaftliche Lehranstalten ins Leben zu rufen. Mit der neuen Bundesverfassung des Jahres 1848 beginnt sich auch in der Schweiz der moderne Wohlfahrtsstaat zu entwickeln. Die Staatsrechnung der Fünfzigerjahre weist die ersten, allerdings noch sehr bescheidenen landwirtschaftlichen Subventionen aus.[6]

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts musste die Schweiz ihr Brotgetreide selbst anbauen. Die Hauptaufgabe der Landwirtschaft sah die Obrigkeit in der Selbstversorgung der Feudal und Stadtstaaten mit Getreide. Erst um 1860 fing man an, grössere Mengen von Getreide aus den Donauländern und aus Übersee zu importieren.[7]

Die Geburtsstunde der Forschungsanstalten (1874–1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Schritt des schweizerischen Bundes hin zu landwirtschaftlichen Forschungsanstalten war der Ausbau der ETH Zürich, wo 1878 die beiden ersten Eidg. landwirtschaftlichen Versuchsanstalten entstanden: die Schweiz. Samenkontrollstation und die Schweiz. Agrikulturchemische Untersuchungsstation. Beide Stationen wuchsen sehr rasch. Vor allem die Samenkontrollstation entwickelte sich zu einem Institut von Weltruf. Ihr Gründer, Friedrich Gottlieb Stebler, leitete sie 42 Jahre lang geschickt und erfolgreich. Untersucht wurden Dünge- und Futtermittel, Böden, Milch, Weine, Hofdünger usw. Einen Schwerpunkt bildete die Weiterentwicklung von Analysemethoden.[8] Dies war der Ausgangspunkt zur späteren Gründung des Standorts Reckenholz der heutigen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART. Allerdings wurde der zweite Standort, Tänikon TG, erst 1970 eröffnet, damals als Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik.[9]

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Westschweizer Reben von Krankheiten heimgesucht. Dies war die Geburtsstunde der Waadtländer Rebenforschungsstation im Jahr 1886 und schliesslich auch der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Changins, die durch die Fusion der Eidg. Forschungsstation für landwirtschaftliche Chemie (1886 gegründet), des Eidgenössischen Saatgut-Kontrolllabors (1898 gegründet) und der Eidgenössische Rebenforschungsstation (1915 gegründet) entstand. Die Versuchsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil existierte bereits seit 1890. 1902 übernahm der Bund diese Anstalt.[9] Diese beiden Standorte, Changins und Wädenswil, fusionierten etwas mehr als hundert Jahre später zur Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW.

In Liebefeld, Bern, liess der Bund am Ende des 19. Jahrhunderts einen Versuchsanstalts-Neubau mit Vegetationshalle und Versuchskäserei errichten. Die Gebäude wurden 1901 bezogen. Liebefeld wurde damit Standort für die folgenden drei Anstalten: die „Versuchsanstalt für Agrikulturchemie“, die „Schweiz. milchwirtschaftliche Versuchsanstalt“ und der Gutsbetrieb für Bewilligungen zum Vertrieb landwirtschaftlicher Hilfsstoffe mit Zentralverwaltung.[9] Aus dieser Zentralverwaltung der schweizerischen landwirtschaftlichen Versuchs- und Untersuchungsanstalten ging die Forschungsanstalt für Nutztiere hervor. Sie verlegte 1974 ihren Standort nach Posieux FR.[10] Die Standorte Liebefeld und Posieux fusionierten genau hundert Jahre nach der Gründung zur Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP.

1874 fällt der Bundesbeschluss zur Errichtung des eidgenössischen Fohlenhofes in Thun für die Aufzucht von Zuchthengsten der Freiberger-Rasse. 1927 kommen zehn Stuten dazu und der Fohlenhof wird zum Eidgenössischen Gestüt. Ab 1998 heisst es Schweizerisches Nationalgestüt. Seit 2009 gehört es zusammen mit Agroscope Liebefeld-Posieux ALP zur Einheit ALP-Haras.[11]

Damit war der Grundstein für die heutigen drei landwirtschaftlichen Forschungsanstalten von Agroscope gelegt.

Erster Weltkrieg (1914–1918)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war die Schweiz völlig unvorbereitet: unzureichende Lebensmittelproduktion im eigenen Land, die Zufuhren aus dem Land unterbrochen, die einheimische Ernte wohl vor der Türe, aber Mann und Ross für die Grenzwache mobilisiert. Die Schweiz importierte zu diesem Zeitpunkt rund 85 % des Getreidebedarfes.

Diese Engpässe besonders in der Lebensmittelversorgung während des Ersten Weltkrieges lösten auch in der landwirtschaftlichen Forschung grosse Veränderungen aus. Die Prioritäten der Forschung wurden mehr und mehr auf den Ackerbau gelegt und Fragen des Futterbaus und der Tierhaltung traten in den Hintergrund.[12]

Zwischen den Weltkriegen (1919–1938)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man wollte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges möglichst rasch von den kriegswirtschaftlichen Massnahmen Abschied nehmen und zur freien Marktwirtschaft zurückkehren. Dies hatte für die Landwirtschaft fatale Folgen. Während des Ersten Weltkrieges waren die Preise für landwirtschaftliche Güter stark angestiegen, um nachher umso brutaler zusammenzubrechen.

Die Bedeutung des Getreideanbaus zur Ernährungssicherung hatte man erkannt und die schlimmen Erfahrungen zu Beginn des Ersten Weltkrieges nicht vergessen. So versuchte der Bundesrat schon kurz nach Kriegsende den inländischen Getreideanbau durch ein Einfuhrmonopol, verbunden mit der Übernahme des Inlandsgetreides zu einem Garantiepreis zu stützen und vor den Schwankungen des Weltmarktes zu schützen.[13]

Am 1. Januar 1920 wurden die beiden Anstalten "Schweizerische Samenuntersuchungs- und Versuchsanstalt" und "Schweizerische agrikulturchemische Untersuchungsanstalt" vereinigt. Ab diesem Termin galt auch der neue Name: Eidgenössische landwirtschaftliche Versuchsanstalt Zürich - Oerlikon (ELVA).[14]

Zweiter Weltkrieg (1939–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bestreben, aus früheren Fehlern zu lernen und sie nach Möglichkeit nicht zu wiederholen, reagierte man ziemlich rasch, als die politischen Ereignisse die Lage in Europa immer mehr verschärften. Rechtzeitig wurden die richtigen kriegsvorsorglichen Massnahmen in die Wege geleitet. Während zu Beginn des Ersten Weltkrieges alle kriegswirtschaftlichen Massnahmen von Fall zu Fall getroffen wurden und quasi aus dem Nichts heraus umgesetzt werden mussten, war man bei Kriegsbeginn 1939 in verschiedenen Beziehungen bedeutend besser vorbereitet.[15]

Mit dem Kriegsausbruch stand die Anpassung und Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion im Zentrum.

Ende September 1943 erwarb der Bund an der Nordgrenze von Zürich-Affoltern das Gut Reckenholz.[16]

Nachkriegsjahre und die Auswirkungen der Anbauschlacht (1946–1960)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank dem amerikanischen Marshallplan flossen enorme Geldsummen ins kriegsgeschädigte Westeuropa. Dies ermöglichte das so genannte "Nachkriegs-Wirtschaftswunder". Die zwei bis drei Jahrzehnte nach dem Krieg gelten als Zeit zunehmender Modernisierungseuphorie und verstärkter Technokratisierungstendenzen. Kaum ein Entscheidungsträger dachte daran, die Perfektion und Effizienz technischer Errungenschaften zu bezweifeln. Auch die Landwirtschaft wurde von einem Strukturwandel ohnegleichen erfasst, ihr Gesicht veränderte sich grundlegend.

Im Jahre 1947 wurde die während des Krieges geltende Preiskontrolle wieder aufgehoben und die freie Konkurrenz löste die amtliche Preislenkung wieder ab.[17]

Zeit ab 1960[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Landwirtschaftsgesetz von 1951 zugrunde liegende Vorstellung, dass man durch eine grosszügige Förderung des Ackerbaus die Überproduktion bei Fleisch und Milch vermeiden könne, erwies sich als trügerisch. Die Situation, vor allem in der Milchwirtschaft, prägte die Debatten und das Handeln der Agrarpolitik in diesen Jahren. Auch in der Europäischen Gemeinschaft (EG) war die Überproduktion ein grosses Problem.

Während dieser Periode setzte man den Schwerpunkt der Forschung besonders auf die Entwicklung schonender Produktionsmethoden und die Verbesserung der Qualität des Erntegutes.[18]

1970 wurde die Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik in Tänikon TG eröffnet.

Neue Konzepte in der Agrarpolitik (ab 1996)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die grossen Probleme mit der bisherigen Agrarpolitik und die veränderten Wertvorstellungen der Gesellschaft in Bezug auf Umweltbewusstsein und Lebensqualität riefen dringend nach neuen Konzepten auch in der Agrarpolitik. Am 1. Januar 1999 trat das neue Landwirtschaftsgesetz mit den Hauptzielen «mehr Markt, mehr Ökologie» in Kraft. Es war klar geworden, dass die Gesellschaft längerfristig nur eine umweltschonende, tiergerechte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Produktionsweise tolerieren wird. Die Zielvorgabe war klar: eine flächendeckende, umweltgerechte und ressourcenschonende Landbewirtschaftung, die auch die Pflege und den Erhalt unserer Kulturlandschaft beachtet.[19]

Ein Meilenstein dazu ist die Integrierte Produktion. Ausgehend von verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW in den sechziger und siebziger Jahren wurde basierend auf der integrierten Schädlingsbekämpfung, der integrierte Pflanzenschutz und daraus später die Integrierte Produktion für die Schweiz abgeleitet. Heute wird IP in der Schweiz sehr oft mit der Produktion nach ÖLN (Ökologischer Leistungsnachweis) oder SUISSE GARANTIE gleichgesetzt.

Im Hinblick auf eine stetig wachsende Weltbevölkerung und einen drohenden Klimawandel steht die landwirtschaftliche Forschung vor grossen Herausforderungen. Die Agroscope-Forschung für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt wird als Investition in die Nahrungssicherung der Zukunft angesehen.

In den 2010er Jahren wurde und wird das Schweizer Stimmvolk zu mehreren landwirtschaftlichen Vorlagen an die Urnen gerufen (Stand März 2019):

Persönlichkeiten der schweizerischen Agrarforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst August Grete (1848–1919)

Ernst August Grete wurde am 29. September 1848 in Celle (Hannover) geboren. Er widmete sich an der Universität Göttingen dem Studium der klassischen Philologie und wechselte später ins pädagogische Seminar. Nach seinem philologischen Studium wechselte er zu dem wissenschaftlichen Gebiet. 1878 wurde er Leiter der chemischen Untersuchungsstation an der landwirtschaftlichen Abteilung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, der ersten Schweizerischen agrikulturchemischen Untersuchungsstation. Dort arbeitete er mehr als 40 Jahre.[21]

Jacob Gujer (1716–1785)

Jacob Gujer war ein einfacher Bauer, der als Kleinjogg ab dem Kazereutihoff, alias "Chlyjogg", wohl der berühmteste Schweizer Bauer wurde. Dies verdankte er dem zürcherischen Stadtarzt Hans Caspar Hirzel, der 1761 ein kleines Buch mit dem Titel die "Wirtschaft eines philosophischen Bauers" herausgab. Chlyjogg wurde 1718 in Wermatswil geboren und bewirtschaftete dort einen ererbten Hof mit neuen, von ihm selbst ausgedachten Methoden.[22] 1769 übernahm er als Pächter die Staatsdomäne Katzenrütti, ganz in der Nähe der damaligen Reckenholz-Höfe. Der Hof umfasste rund 68 Hecktaren Acker- und Wiesland, dazu ein Stück Reben und etwas Laubwald. Chlyjogg setzte die in Wermatswil erprobten Methoden fort. Er erprobte die Anwendung von Gips und begann mit der Stallfütterung, um mehr Hofdünger zu erhalten. Viele berühmte Persönlichkeiten, wie Goethe oder Herzog Karl August von Weimar besuchten den Katzenrüttihof. Auch andere berühmte Zeitgenossen wie Rousseau oder Pestalozzi haben das erfolgreiche Arbeiten Kleinjoggs gewürdigt.[23]

Rudolf Koblet (1904–1983)

Am 13. Februar 1904 wurde Rudolf Koblet in der Mühle Heiterthal, unweit von Kollbrunn im Zürcher Tösstal, geboren. Er besuchte die Industrieschule in Winterthur und begann im Jahre 1923 mit dem Studium an der Abteilung für Landwirtschaft der ETH. 1926 schloss er sein Studium mit dem Diplom als Ingenieur-Agronom ab. Nach einem Aufenthalt in Frankreich begab er sich nach Kanada, wo er sich auch Spezialkenntnisse als Volontär in der Seed Branch in Ottawa auf dem Gebiete der Samenkontrolle erwarb. 1929 trat er in die Leitung für Samenkontrolle in Oerlikon ein. Mit seiner Arbeit "Über die Keimung von Pinus Strobus unter besonderer Berücksichtigung der Herkunft der Samen" promovierte er 1932 zum Dr.sc.techn. der ETH. 1943 wurde ihm die Leitung der ganzen Versuchsanstalt übertragen. 1949 übernahm er die Leitung des Institutes für Pflanzenbau an der ETH.[24]

Hermann Müller-Thurgau (1850–1927)

Geboren wurde Hermann Müller-Thurgau in Tägerwilen am Bodensee. Er studierte Naturwissenschaften an der ETH Zürich und promovierte 1874 in Würzburg. Er wurde Leiter des Instituts für Pflanzenphysiologie an der Forschungsanstalt Geisenheim. Ab 1890 war er erster Direktor der Interkantonalen Versuchsanstalt und Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau in Wädenswil[25], der heutigen Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW. In Wädenswil wurde er Pionier auf dem Gebiet der Rebenzüchtung. Er gilt als Vater der Müller-Thurgau-Rebe, die 1882 gekreuzt worden war und die weltweit älteste wissenschaftlich durchgeführte Reben-Neuzüchtung ist. Sie verdrängte alte Sorten wie Elbling und Räuschling und ist die erfolgreichste Rebsorte, die durch Menschen gezielt gezüchtet wurde: Weltweit werden über 41'000 ha angebaut, was fast drei Mal der gesamten Rebfläche der Schweiz entspricht. Die grösste Verbreitung hat sie in Deutschland; in der deutschsprachigen Schweiz ist sie noch heute die wichtigste Weissweinsorte. Lange galt diese Rebsorte als Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner. Ein österreichisches Forscherteam hat 1998 aufgrund von molekulargenetischen Untersuchungen herausgefunden, dass es sich bei den Kreuzungspartnern der Sorte nicht um Riesling x Silvaner, sondern um Riesling x Madeleine Royal handelt. Wie diese «Verwechslung» geschehen konnte, hat man nie herausgefunden. Diese Erkenntnis gab dem zweiten Namen der Rebsorte, Müller-Thurgau, neuen Auftrieb.

Rudolf Salzmann (1912–1992)

Rudolf Salzmann wurde am 2. Januar 1912 in Bern geboren. In den Jahren 1930 bis 1933 absolvierte er sein Landwirtschaftsstudium an der ETH. Er betreute die Saatgutbeschaffung im Kriegsernährungsamt unter Friedrich Traugott Wahlen und übernahm dann etwas später eine Stelle in der Eidgenössischen Agrikulturchemischen Anstalt Liebefeld, wo er die pflanzenbaulichen Belange und Probleme der Anstalt bearbeitete. Im Jahre 1944 wurde ihm an der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Oerlikon die Leitung der Sektion «Kartoffelbau» übertragen. Seine Wahl zum Nachfolger von Direktor Koblet erfolgte am 1. November 1951. Damit übernahm er die Verantwortung sowohl für die wissenschaftliche Tätigkeit als auch für die organisatorischen und administrativen Belange. In den folgenden Jahren bis zur Realisierung 1969 war er Planer und Erbauer der Forschungsanstalt Reckenholz.[26]

Friedrich Gottlieb Stebler (1842–1935)

Friedrich Gottlieb Stebler wurde am 11. August in Safneren, im bernischen Seeland, als Sohn eines Landwirtes geboren. 1870 trat er in die landwirtschaftliche Schule Rütti ein. 1875 schloss er sein Studium als Doktor der Philosophie an die Universität Leipzig ab. Später gründete er eine private Samenkontrollstation im Mattenhof in Bern. 1876 siedelte er nach Zürich, um sich an der landwirtschaftlichen Abteilung des Polytechnikums zu habilitieren. Unter Steblers Leitung entwickelte sich die Samenkontrollstation auch für den internationalen Samenhandel zu einer anerkannt führenden Anstalt. Stebler leitete als Erster zahlreiche Futterbaukurse in allen Landesteilen. 1889 bis 1916 leitete er die Redaktion der schweizerischen landwirtschaftlichen Zeitung "Die Grüne". Am 3. Juni 1903 wurde er zum Ehrenmitglied der "Highland Agricultural Society of Scotland" in Edinburgh ernannt. In seinen späteren Jahren befasste er sich mit Volkskunde.[27]

Albert Volkart (1873–1951)

Albert Volkart wurde im Jahr 1873 in Zürich geboren. 1891 begann er sein Studium an der landwirtschaftlichen Abteilung des Polytechnikums. Nach der Diplomprüfung im Jahr 1894 trat er als Assistent von Friedrich Gottlieb Stebler in diese Anstalt ein, wo er, später als Adjunkt und Vorstand, während 35 Jahren wirken sollte. Volkart befasste sich intensiv mit Fragen des Pflanzenschutzes. Im Jahre 1917 wurde Volkart an Stelle des zurückgetretenen Friedrich Gottlieb Stebler Vorstand der Samenuntersuchungs- und Versuchsanstalt, und drei Jahre später wurde er der erste Leiter der Schweizerischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Zürich-Oerlikon. 1925 übernahm er den Lehrstuhl für Pflanzenbau an der ETH und gilt seit diesen Jahren als Pionier des schweizerischen Ackerbaues.[28]

Friedrich Traugott Wahlen (1899–1985)

Der Name Friedrich Traugott Wahlen wird in der Schweiz eng verbunden mit der "Anbauschlacht" im Zweiten Weltkrieg. Wahlen wurde im Jahr 1899 in Gmeis bei Mirchel im Emmental geboren. Als Kleinkind wollte er unbedingt Bauer werden. 1917 begann er sein Landwirtschaftsstudium am Polytechnikum in Zürich. Im Folgenden war er 1929–1943 Vorstand der Eidgenössischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Zürich-Oerlikon, danach bis 1949 Professor für Pflanzenbau an der landwirtschaftlichen Abteilung der ETH. Während dieser Zeit war er 1938–1945 im Eidgenössischen Kriegsernährungsamt tätig. 1942–1949 war er zudem als Ständerat des Kantons Zürich gewählt.

1949 folgte er einem Ruf der FAO (Food and Agricultural Organization), zuerst nach Washington und dann, 1951, nach Rom, wo er als Direktor der Abteilung für Landwirtschaft vorstand und 1950 bis 1952 Chef des Technischen Hilfsprogramms war. 1958 wurde er zum stellvertretenden Generaldirektor der FAO ernannt. Am 11. Dezember 1958 wählte ihn die Bundesversammlung in den Bundesrat, wo er zuerst das Justiz- und Polizeidepartement, später das Volkswirtschaftsdepartement und zuletzt als Aussenminister das Politische Departement führte. Bis 1965 war Wahlen Bundesrat.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

mehrere Autoren: Landwirtschaft. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 13. November 2008, abgerufen am 26. Juli 2018.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dienstleistungssektor auf swissinfo.ch.
  2. Ackerland auf bfs.admin.ch
  3. Landwirtschaftliche Nutzfläche auf umwelt.swissmilk.ch
  4. Schweiz auf der Seite des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW
  5. [vgl. Lehmann, Josef 2003:13–15]
  6. [vgl. Lehmann, Josef 2003:19–23]
  7. [vgl. Lehmann, Josef 2003:27]
  8. [vgl. Lehmann, Josef 2003:29]
  9. a b c [vgl. Popp, Hans 2001:4–5]
  10. [vgl. Sieber, Robert; Rüegg, Max 2002:5]
  11. [vgl. Website Agroscope: Gestüt]
  12. [vgl. Lehmann, Josef 2003:37–38]
  13. [vgl. Lehmann, Josef 2003:51–52]
  14. [vgl. Lehmann, Josef 2003:53]
  15. [vgl. Lehmann, Josef 2003:65–66]
  16. [vgl. Lehmann, Josef 2003:70–71]
  17. [vgl. Lehmann, Josef 2003:83–85]
  18. [vgl. Lehmann, Josef 2003:101–102]
  19. [vgl. Lehmann, Josef 2003:137–138]
  20. Schweizerische Eidgenossenschaft: Bundesbeschluss über die Ernährungssicherheit
  21. [vgl. Lehmann, Josef 2003:35]
  22. Das überlieferte falsche Geburtsjahr 1716 wurde korrigiert zu 1718 (Taufe am 30. Januar 1718) von Max Furrer: Der falsche und der richtige Kleinjogg: Nachforschungen in Taufbüchern zeigen Überraschendes zur Identität des Musterbauern Jacob Gujer; in: Neue Zürcher Zeitung, Jg. 238 Nr. 34, 10. Februar 2017, S. 19.
  23. [vgl. Lehmann, Josef 2003:16–17]
  24. [vgl. Lehmann, Josef 2003:80–81]
  25. Wädenswil, Gemeinde, im Historischen Lexikon der Schweiz
  26. [vgl. Lehmann, Josef 2003:98–99]
  27. [vgl. Lehmann, Josef 2003:24–25]
  28. [vgl. Lehmann, Josef 2003:48–49]
  29. [vgl. Lehmann, Josef 2003:62–63]