Geschlechtsidentität

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Unter Geschlechtsidentität (selten auch: Identitätsgeschlecht) versteht man in der Psychologie die individuell empfundene Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, die meistens mit den körperlichen Geschlechtsmerkmalen übereinstimmt. Menschen, bei denen dieses gar nicht, nicht immer, nicht ganz oder nicht ausschließlich der Fall ist, bezeichnet man als Transgender. Menschen, die vollständig in eine andere Geschlechterrolle wechseln und sich ggf. einer Hormonersatztherapie oder auch einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen, werden auch als transsexuell bezeichnet.

Die vollständige und ausschließliche Identifikation mit einem der zwei Geschlechter „weiblich“ oder „männlich“ wird als binäre Geschlechtsidentität bezeichnet. Darüber hinaus gibt es Geschlechtsidentitäten, die nicht in das binäre („zweiteilige“) Geschlechtssystem passen; hierfür gibt es die Bezeichnung nichtbinär (engl.: nonbinary), manchmal auch genderqueer (diese Bezeichnung wird oft mit einem politischen Hintergrund und einer Gegenkultur assoziiert, z. B. Anarchismus oder auch radikaler Feminismus, insbesondere Postfeminismus, vgl. Queer-Theorie, und teilweise der radikalen, offenen Ablehnung und Subversion binärer Geschlechter und herkömmlicher Geschlechterrollen, etwa durch Genderfuck). Beispiele sind „weder weiblich noch männlich“, „sowohl weiblich als auch männlich“ (Bigender), „manchmal weiblich, manchmal männlich (oder manchmal ggf. auch anders)“, „drittes Geschlecht“, Fehlen (oder Ablehnung) jeglicher Geschlechtsidentität etc. Manche Menschen mit einer empfundenen nichtbinären Identität streben geschlechtliche Neutralität an. Dies wird gelegentlich auch als neutrois bezeichnet.

Abzugrenzen vom Begriff Transgender und von der Transsexualität sind intersexuelle Menschen; diese können biologisch-medizinisch nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden.

Aspekte der Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungen richten nach der Geburt ihre Aufmerksamkeit (zu 52 %) eher auf ein Mobile; Mädchen dagegen nur zu 41 %. Der Unterschied ist zwar gering, aber von Erziehungseinflüssen unabhängig.[1]

Burkhard Strassmann[2] meint, dass schon drei Monate alte Kinder Männer- und Frauenstimmen voneinander unterscheiden können. Kinder im Alter von einem Jahr können männliche und weibliche Gesichter voneinander unterscheiden; sie achten dabei auf Haarlänge und Kleider. Diejenigen Kinder, die diese Unterscheidung klar schaffen, können später lockerer mit diesen Kategorien umgehen.

Susan Gilbert sagt,[3] dass Zwei- und Dreijährige rosa und lavendel als Mädchenfarben, braun und blau als Jungenfarben bezeichnen. Das bedeutet auch, dass Kinder in diesem Alter klar sehen, zu welchem Geschlecht sie gehören.

Kinder im Alter von ca. sechs Jahren begreifen, dass die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht etwas Stabiles (Unveränderliches) ist.[4]

Nach Birkenbihl[5] baue männliche Identität auf „Kooperation & Rivalität“ auf. „Gleichzeitig stellen alle Männer in der Horde auch Rivalen dar.“ Aber die Mitgliedschaft in einer Gang schaffe auch Sicherheit. Wichtiger als gute Noten seien Jungen z. B. die Zugehörigkeit in der Gruppe.

Frauen dagegen seien Gruppenwesen. Sie bildeten Netzwerke mit Personen, mit denen sie sich identifizieren könnten. Frauen definierten sich vor allem als Leistungswesen; sie beziehen ihr Selbstverständnis über Leistung. Sie freuten sich ausgeprägt über Erfolge – und litten auch bei Misserfolgen. Frauen gingen zielsicherer durch das Leben als Männer.[6]

Ein weit verbreitetes Klischee ist, dass Männer eher das rationale Denken verkörpern, Frauen das emotionale. Für Männer sei es wesentlich, leistungsfähig und kompetent zu sein; für Frauen dagegen gefühlsbetont.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Herden: Erbe und Erziehung, in: DIE ZEIT Nr. 27, 28. Juni 2007, S. 30–31
  2. Woher haben sie das?, in: DIE ZEIT Nr. 27; 28. Juni 2007, S. 29–30
  3. Susan Gilbert, s. Literatur, S. 118
  4. Susan Gilbert, S. 119
  5. Vera F. Birkenbihl: Jungen und Mädchen: wie sie lernen; Knaur Ratgeber, München 2005, S. 50 f
  6. So Birkenbihl; S. 50
  7. Gisela Steins: Identitätsentwicklung – Die Entwicklung von Mädchen zu Frauen und Jungen zu Männern, Lengerich: Pabst Science Publishers, 2003