Geschlechtsorgan

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Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane in der Embryonalphase

Ein Geschlechtsorgan (lateinisch Organum genitale; synonym Fortpflanzungsorgan, Geschlechtsteil, Genitale, Geschlecht) ist ein Organ von Lebewesen-Arten mit zwei oder mehreren Paarungstypen (Geschlechtern), das unmittelbar der geschlechtlichen Befriedigung und Fortpflanzung dient. Die Geschlechtsorgane werden auch als primäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet.

In diesem Artikel werden ausschließlich die Geschlechtsorgane von Säugetieren einschließlich des Menschen behandelt. Zu den Geschlechtsorganen von Pflanzen siehe Fruchtblatt und Staubblatt.

Allgemeine Unterscheidungen

Funktional unterscheidet man zwischen den Sexualorganen – Organe, die zur Ausübung des Geschlechtsverkehrs dienen – und den Reproduktionsorganen, welche die Fortpflanzung gewährleisten. Damit die Geschlechtsorgane ihre physiologischen Funktionen aufnehmen können, ist sexuelle Erregung erforderlich. Diese stellt eine multiple Reaktion des limbischen Systems im Gehirn dar und baut das Paarungsverlangen auf (siehe auch sexueller Reaktionszyklus, Human sexual response cycle).

Weiterhin werden äußere von inneren Geschlechtsorganen unterschieden. Bei männlichen Individuen kommt hinzu, dass der Penis eine dritte Funktion hat, denn er ist durch die Harnröhre ein Teil der ableitenden Harnwege.

Unterschieden wird ferner zwischen den eigentlichen (primären) Geschlechtsdrüsen wie Hoden und Eierstöcke und (zusätzlichen) akzessorischen Geschlechtsdrüsen.

Ontogenetische Entwicklung der Geschlechtsorgane

Unterschiedliche Entwicklung der Geschlechtsorgane bei männlichem und weiblichem Embryo

In der typischen pränatalen Entwicklung stammen die Geschlechtsorgane aus einem gemeinsamen Anlage während der frühen Schwangerschaft und unterscheiden sich in männliche und weibliche Geschlechter. Das SRY-Gen, das sich normalerweise auf dem Y-Chromosom befindet und für den Hodenbestimmungsfaktor kodiert, bestimmt die Richtung dieser Differenzierung. Das Fehlen von ihm erlaubt es den Keimdrüsen, sich zu Eierstöcken weiterzuentwickeln.

Danach wird die Entwicklung der inneren und äußeren Fortpflanzungsorgane durch Hormone bestimmt, die von bestimmten fetalen Gonaden (Eierstöcke oder Hoden) produziert werden, und die Reaktion der Zellen darauf. Das anfängliche Erscheinungsbild der fetalen Genitalien sieht grundsätzlich weiblich aus: ein Paar Urogenitalfalten mit einer kleinen Auswölbung in der Mitte und die Harnröhre hinter dieser Auswölbung. Wenn der Fötus Hoden hat, und wenn die Hoden Testosteron produzieren, und wenn die Zellen der Genitalien auf das Testosteron reagieren, schwellen die äußeren urogenitalen Falten an und verschmelzen in der Mittellinie, um den Hodensack zu produzieren; die Protuberanz wird größer und gerader, um den Penis zu formen; die inneren urogenitalen Schwellungen wachsen, wickeln sich um den Penis und verschmelzen in der Mittellinie, um die penile Harnröhre zu bilden.

Jedes Geschlechtsorgan in einem Geschlecht hat ein homologes Gegenstück in dem anderen Geschlecht. In einer größeren Perspektive umfasst der gesamte Prozess der sexuellen Differenzierung auch die Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale wie Muster von Scham- und Gesichtsbehaarung und weiblichen Brüsten, die in der Pubertät entstehen. Darüber hinaus entstehen Unterschiede in der Hirnstruktur, die das Verhalten beeinflussen, aber nicht unbedingt bestimmen.[1]

Intersexualität entsteht durch Entwicklung von Genitalien zwischen typischen männlichen und weiblichen Phänotypen. Sobald das Kind geboren ist, werden die Eltern mit Entscheidungen konfrontiert, die oft schwierig zu treffen sind, wie z. B. ob sie die Genitalien verändern, das Kind als männlich oder weiblich zuweisen oder die Genitalien unverändert lassen. Manche Eltern lassen ihren Ärzten die Wahl. Wenn sie sich entscheiden, die Genitalien zu modifizieren, haben sie eine Chance von ungefähr 50%, Genitalien zu bekommen, die der Geschlechtsidentität des Kindes entsprechen. Wenn sie den falschen auswählen, kann ihr Kind beginnen, Symptome des Transsexualismus zu zeigen, was sie zu einem Leben voller Unbehagen führen kann, bis sie in der Lage sind, das Problem zu lösen.[2]

Wegen der starken sexuellen Selektion, die die Struktur und Funktion der Genitalien beeinflusst, bilden sie ein Organsystem, das sich schneller als jedes andere entwickelt. Eine große Vielfalt an genitalen Formen und Funktionen ist daher bei Tieren zu finden.[3]

Differenzierung in weibliche und männliche Genitalien

Männliche und weibliche Organe des menschlichen Fortpflanzungssystems sind miteinander verwandt und teilen einen gemeinsamen Entwicklungspfad. Das macht sie zu biologischen Homologen: bei beiden Geschlechter gibt es Strukturen, die eine Entsprechung beim jeweils anderen Geschlecht haben. Männliche und weibliche Geschlechtsorgane unterscheiden sich sowohl in den äußerlich sichtbaren, als auch in den inneren Strukturen.

Weibliche Geschlechtsorgane der Säugetiere

Die weiblichen Geschlechtsorgane (Organa genitalia feminina) werden wie folgt eingeteilt:

Äußere Geschlechtsorgane

Äußere Geschlechtsorgane einer Frau: (1) Venushügel, (2) Klitorisvorhaut, (3) Klitoris, (4) innere Schamlippen, (5) äußere Schamlippen, (6) Perineum, (7) Anus, (8) Vagina

Vulva oder Scham bildet die Gesamtheit der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Sie verläuft vom Venushügel bis zum Perineum.

Die äußeren Schamlippen schließen mit der Schamspalte die kleinen Schamlippen, den Scheidenvorhof, den Ausgang der Harnröhre sowie die Klitoris samt Klitorisvorhaut ein. Der Scheidenvorhof stellt die Verbindung zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen dar.

Innere Geschlechtsorgane

Schematische Darstellung der inneren Geschlechtsorgane einer Frau

Die Vagina, auch Scheide genannt, ist die Verbindung zwischen den äußeren und inneren weiblichen Geschlechtsorganen. Sie mündet unten in den Scheidenvorhof und wird oberhalb durch den äußeren Muttermund abgeschlossen, der in den Gebärmutterhals führt. Der Gebärmutterhals ist der untere Teil der Gebärmutter, in welcher sich befruchtete Eizellen bzw. Blastozysten einnisten können (Nidation).

Die Bildung und Reifung der Eier erfolgt in den Eierstöcken, von wo aus sie über die Eileiter, in denen sie befruchtet werden können, in die Gebärmutter gelangen. Die Eierstöcke sind gleichzeitig Hormondrüsen.

In Studien an Mausmodellen zeigten, dass vor allem die Hox-Gene, hierbei speziell HOXA9, A10, A11 und A13, eine essentielle Rolle bei der Entwicklung des Urogenitaltraks spielen. Im Tiermodell konnte gezeigt werden, dass HOXA10 für die Uterusentwicklung, HOXA11 für den kaudalen Uterus- und Zervix-Anteil, HOXA13 für die obere Vagina und HOXA9 für die Eileiterentwicklung als Transkriptionsfaktoren verantwortlich sind.[4]

Akzessorische Geschlechtsdrüsen

Männliche Geschlechtsorgane der Säugetiere

Die folgende Einteilung der männlichen Geschlechtsorgane (Organa genitalia masculina) mag auf den ersten Blick erstaunen: Die Hoden liegen zwar außen, zählen aber dennoch zu den inneren Geschlechtsorganen. Diese Einteilung ist darin begründet, dass die Hoden sich zunächst im Bauchraum entwickeln und bei den meisten Säugetieren erst bei oder nach der Geburt in den Hodensack wandern (Hodenabstieg, Descensus testis).

Äußere Geschlechtsorgane

Äußere Geschlechtsorgane eines Mannes: (1) Penis, (2) Hodensack, (3) Vorhaut, (4) Eichel, (5) Eichelkranz, (6) Mündung der Harnröhre

Der Penis ist das Begattungsorgan des Mannes bzw. männlichen Tieres. Darüber hinaus ist er gleichzeitig ein Teil der ableitenden Harnwege, indem er die Harnröhre umschließt.

Der Hodensack (Skrotum) ist ein Hautsack unterhalb des Penis. Er umhüllt die inneren Geschlechtsorgane, die Hoden, die Nebenhoden und den an den Nebenhoden beginnenden unteren Teil der Samenleiter.

Innere Geschlechtsorgane

Schematische Darstellung der inneren Geschlechtsorgane eines Mannes

Die Hoden sind die männlichen Keimdrüsen. Sie sind das Bildungsgewebe der männlichen Keimzellen, der Spermien, und sind gleichzeitig Hormondrüsen. Zu den inneren Geschlechtsorganen gehören hier des Weiteren die Nebenhoden, Samenleiter sowie die Vorsteherdrüse und einige weitere Drüsen.[5]

Akzessorische Geschlechtsdrüsen

Entlang des Samenweges sind bei den Säugetieren bis zu vier paarige akzessorische (zusätzliche) Geschlechtsdrüsen ausgebildet. Dies sind die Samenleiterampulle, die Samenblasendrüse, die Prostata und die Bulbourethraldrüse. Sie produzieren einen Großteil der Samenflüssigkeit (Ejakulat).

Geschlechtsorgane des Menschen

Siehe auch

Literatur

  • Uwe Gille: Harn- und Geschlechtsapparat, Apparatus urogenitalis. In: Franz-Viktor Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-1007-7, S. 368–403.

Weblinks

 Commons: Geschlechtsorgan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Geschlechtsorgan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Geschlechtsteil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Duden: Geschlechtsorgan

Einzelnachweise

  1. S. J. Robboy, T. Kurita, L. Baskin, G. R. Cunha New insights into human female reproductive tract development. In: Differentiation. September - Oktober 2017, Band 97, S. 9–22, doi:10.1016/j.diff.2017.08.002.
  2. Anne Fausto Sterling: Sexing The Body: gender politics and the construction of sexuality. 1. edition, Basic Books, New York 2000, ISBN 0-465-07714-5.
  3. Menno Schilthuize: Nature's Nether Regions: What the Sex Lives of Bugs, Birds, and Beasts Tell Us About Evolution, Biodivers ity, and Ourselves. Viking, New York NY 2014, ISBN 978-0-670-78591-9 (bei Google-books).
  4. Weibliche genitale Fehlbildungen. AWMF-Register Nr. 015/052 Klasse: S1 + IDA, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), herausgebende Fachgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie, der Deutschen Gesellschaft für Urologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin und der Deutsche nGesellschaft für Humangenetik. [In Überarbeitung], S. 4 [1]
  5. Deutscher Ethikrat: Intersexualität – Stellungnahme. Berlin, 23. Februar 2012, ISBN 978-3-941957-27-5, S. 30–31 (Volltext als PDF-Datei).