Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb

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BwConsulting GmbH ehemals Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH (g.e.b.b.)
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Rechtsform GmbH
Gründung 22. August 2000; Neufimierung Januar 2017
Sitz Köln, Deutschland
Leitung Geschäftsführer: Philip von Haehling, Michael Rogasch
Mitarbeiter 94 (Ende 2013, ohne Auszubildende)[1]
Umsatz 11,3 Mio. EUR (Dezember 2011)[1]
Branche Hausinterne Beratung
Website www.bwconsulting.de

Die BwConsulting GmbH wurde aus der Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbh (g. e. b. b.) neufirmiert.

Die Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbh (g. e. b. b.) nahm am 22. August 2000 in Bonn ihre Tätigkeit als unternehmerischer Arm des Bundesministeriums der Verteidigung auf. Sie beschäftigt knapp 100 eigene Mitarbeiter. Sie vergibt Beraterverträge an externe Beratungsunternehmen. Aus dem Haushalt des Bundesministeriums der Verteidigung erhielt sie im Jahr 2013 11,3 Mio. Euro als Kostenerstattung für die Leistungen des am 12. Dezember 2000 geschlossenen Geschäftsbesorgungsvertrages für das Bundesministerium der Verteidigung.[2]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der g.e.b.b. ist es, die Bundeswehr von Aufgaben, die nicht militärische Kernaufgaben sind, zu entlasten und Impulse für Modernisierungs- und Einsparbemühungen in der Bundeswehr zu geben. Dabei ist die g.e.b.b. als Denkfabrik aktiv und soll als sogenannter „Motor der Modernisierung“ wirken. Gemeinsam mit dem Bundesministerium der Verteidigung soll sie Modelle für wirtschaftliche Lösungen für die Service-Bereiche erarbeiten und Unterstützung bei der Umsetzung leisten. Die dabei erarbeiteten Lösungsoptionen reichen generell von Empfehlungen zur Optimierung innerhalb der Streitkräfte über öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) bis hin zur Vollprivatisierung. Zu den Servicebereichen, die nicht-militärische Aufgaben enthalten, gehören z. B. das Fuhrparkmanagement, das Bekleidungswesen und der Verpflegungsbereich.

Ziele bei der Unternehmensgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmenvertrag zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und der Wirtschaft, „Innovation, Investition und Wirtschaftlichkeit in der Bundeswehr“ vom 15. Dezember 1999, wurde die Gründung einer Agentur beschlossen. Ihre Aufgabe sollte gemäß diesem Vertrag darin bestehen, gesellschaftsrechtliche Lösungen für Servicefunktionen der Bundeswehr unter Beteiligung der Wirtschaft zu initiieren und umzusetzen.

Ihre Grundidee ist unter dem damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping entwickelt worden. Mit der Privatisierung wurde das Ziel verfolgt, eine Einsparung von einer Milliarde DM im ersten Jahr des Bestehens der g.e.b.b. Zu den Aufgaben sollten das Immobilienmanagement, der Fuhrpark und die Beschaffung zählen, Aufgaben die zu jener Zeit von der Territoriale Wehrverwaltung wahrgenommen wurden. Die Planung für das Projekt lieferte die Unternehmensberatung Roland Berger. Später sollte 14 Geschäftsfelder, darunter auch Dienstreisen und Krankenhäuser, besitzen mit ein Einsparpotential von 1,9 Milliarden Euro jährlich. Ursprünglich war ein Börsengang der g.e.b.b. als Holdinggesellschaft der privatisieren Servicebereiche geplant. Diese Ideen passten in die Zeit der großen Privatisierungen wie zum Beispiel die Deutsche Bundespost.[3]

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde nach Plänen der g.e.b.b. die BwFuhrparkService GmbH (BwFPS) gegründet, dieser verwaltet den gesamten zivilen und militärischen Fuhrpark für die Bundeswehr. Die Anteile des Bundes werden zu 24,9 % mittelbar über die Deutsche Bahn und zu 75,1 % direkt von der Bundesrepublik Deutschland gehalten.[4]

Ebenfalls 2002 wurde auf Empfehlung der g.e.b.b. die LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft mbH (LHBw) gegründet, an der der Bund mit einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 % beteiligt ist. Die private LH Bekleidungsgesellschaft mbH (LHB) hält die restlichen Anteile. Die Gesellschaft betreibt die Bekleidungswirtschaft der Bundeswehr.[5]

Das an mehreren Bundeswehrstandorten in Bayern betriebene Pilotprojekt zum kostengünstigeren Betrieb von Truppenküchen wurde im Jahr 2007 einseitig vom zivilen Vertragspartner, der Dussmann-Gruppe, gekündigt.

Das Unternehmen bemüht sich weiterhin um die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen für die Bundeswehr, wie sie sich z.B. aus der Vermietung von Masten in Kasernen an Mobilfunkunternehmen oder auch aus der Verpachtung von Parzellen auf Übungsplätzen an Windkraftanlagenbetreiber ergeben.

Die zunächst für das Ministerium wahrgenommene Holdingfunktion besteht nicht mehr. Das Ministerium verwaltet die Gesellschaftsanteile der anderen Beteiligungsgesellschaften (Eigentümer ist die Bundesrepublik Deutschland) über die im Jahr 2006 im Ministerium neu geschaffene Abteilung Modernisierung mittlerweile wieder vollständig selbst. Damit ist man von den Zielen bei der Unternehmensgründung abgerückt.

Seit dem 1. Juni 2008 ist die Gesellschaft nicht mehr für die Entwicklung und Vermarktung von Liegenschaften im Geschäftsbereich des Ministeriums verantwortlich. Diese Aufgabe ist auf die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergegangen.

Unternehmensbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immobilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundeswehr ist Deutschlands größter Immobiliennutzer, jährlich kostet dieser Aufgabenbereich das Verteidigungsministerium 5 Mrd. Euro. Eigentümer der Immobilien ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, deswegen ist jedes Jahr eine Miete von 2 Mrd. Euro fällig. Bei einem so großen Budget ist notwendig und sinnvoll, wenn mit modernen betriebswirtschaftlichen Konzepten gearbeitet wird. Die g.e.b.b. unterstützt die Wehrverwaltung mit Erarbeitung von Beschaffungsvarianten (Verpflegung, Inneneinrichtung), der optimale Liegenschaftsbetrieb im Inland sowie im Einsatz, die Einführung und Entwürfen für (Teil-)Privatisierungen von Dienstleistungen im Gebäudebereich. Neben der kaufmännischen Beratung findet auch eine technische Beratung statt: Optimale Sanierung von Gebäuden mit Hilfe von Energieeffizienzmodellen, Ausbau erneuerbare Energien, Abfallwirtschaft und die technische Ausstattung für Überwachungs- und Sicherheitstechnik von Kasernen.[6]

Logistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Materiallogistik wird die Truppe beraten, um Know-how aus dem Logistikmanagement für die logistischen Prozesse der Bundeswehr zu nutzen. Ziel ist es, dass die Bundeswehr befähigt wird, Prozess- und Organisationsanalysen eigenständig durchzuführen. Das „Zentrales Bundeseigenes Lager (ZEBEL)“ ist ein von den privatwirtschaftlichen Unternehmen ESG geführtes Zentrallager für alle Ersatzteile alle Landfahrzeuge des deutschen Heeres (Kettenfahrzeuge, Radfahrzeuge) bevorratet. Dieses und ähnliche Konzepte für andere Teilstreitkräfte wurden von der g.e.b.b. konzipiert. Gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München wurde eine Transferstelle Defence Supply Chain Management eingerichtet, die in München beheimatet ist. Ziel ist es Erkenntnisse der Wissenschaft für die Bundeswehr in praxistaugliche Anwendungen umzuwandeln.[7]

Dem Logistikbereich ist die Fuhrparkverwaltung zugeordnet, die operativ von der BwFuhrparkService GmbH (BwFPS) durchgeführt wird. Die Bekleidungswirtschaft gehört auch diesen Bereich, das Unternehmen LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft mbH ist verantwortlich. In Zukunft soll zu der Bekleidungswirtschaft auch die persönliche ABC Schutzausrichtung gehören. Bei der Beschaffung soll mehr auf Lösungen zurückgegriffen werden, die bereits auf dem Markt erhältlich sind.

Für das Waffensystem A400M wird gerade ein Plan entwickelt, was die Luftwaffe in Zukunft eigenverantwortlich in Stand setzt und was an die Industrie ausgelagert werden kann, ohne dass die militärische Einsatzfähigkeit leidet. Für alle Landfahrzeuge des Heeres gibt es ein noch umfangreicheres Programm mit den Namen Instandhaltungsmodell 2013+, dass prüft, wie man Beschaffung, Lagerwirtschaft und Instandsetzung effizient und gleichzeitig einsatzkonform modernisieren kann.[8]

Organisationsmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Controlling soll weiter ausgebaut werden. Dafür wurde ein auf die Anforderungen des Verteidigungsministeriums gerichtetes Zielsystem entwickelt, indem alle Prozesse wiedergegeben werden. Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr werden auch alle Prozesse neu dargestellt. Da es immer wieder zu Verspätungen und Verteuerungen bei Rüstungsprojekten kommt, wurde 2010 eine Abteilung für Rüstungscontrolling geschaffen, das die bekannten Probleme angehen soll. 2012 kam eine weitere Abteilung für das Informationsmanagement hinzu.

Ab 2015 soll das Kompetenzzentrum Travel Management Bundeswehr(KompZ TM Bw) alle Dienstreisen organisatorisch begleiten. Diese neue Einrichtung soll sich von ihrem Vorgänger dadurch abheben, dass sie eine privatwirtschaftlich geprägte Dienstleistungsorganisation mit ausgeprägtem Servicecharakter ist.

Zur Unterstützung der Organisation der Bundeswehr wird die zivile IT der Bundeswehr seit 2006 unter dem Namen Herkules modernisiert. Die g.e.b.b. begleitet die Modernisierung bis zum planmäßigen Auslaufen des Projektes 2016. Zurzeit wird über ein Nachfolgeunternehmen beraten.[9]

Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen berät die Bundeswehr bei der Nachwuchsgewinnung. Man verbessert die Qualität der (zivilen) Ausbildung der Bundeswehr, um neuen Nachwuchs zu gewinnen und im aktiven Dienst davon zu profitieren. Dies soll durch einen Transfer von Wissen und Methoden aus der Privatwirtschaft möglich werden. Man prüft bei verschiedenen hochspezialisierten Ausbildungen (Flugsicherung, „Überleben auf See“) die Auslagerung in die Privatwirtschaft oder zu verbündeten Streitkräften, da die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung und der aufgrund der Verringerung des Personalumfangs nunmehr geringere Teilnehmerumfang von Seiten der Bundeswehr eine wirtschaftliche und moderne Ausbildung in Frage stellt. Um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, steht zudem der Ausbau der Kinderbetreuung von Soldaten im Vordergrund.[10]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Privatisierungserlöse konnten im ersten Jahr nicht erreicht werden und wurden auch in den Folgejahren nicht erreicht. Im Zusammenhang mit den Kosten, die durch die Errichtung des Unternehmens entstanden, kam es zu harscher Kritik seitens der damaligen Opposition. Das Unternehmen benötigte knapp zwei Jahre, bis die Einspareffekte die Kosten überstiegen. Fortan konnte der positive Saldo stets verbessert werden. Im Jahr 2003 standen den 89 Millionen Euro Privatisierungskosten schon etwa 403 Millionen Euro an Aufwandssenkungen gegenüber.

In der Politik wird darum gerungen, wie sich die Bemessungsgrundlagen für Aufwandssenkungen herleiten lassen. Hier trifft die Kameralistik der staatlichen Verwaltung auf die Doppik der Privatwirtschaft. Die hiermit einhergehenden Verständnisprobleme will die g.e.b.b. als Vermittler zwischen der Wirtschaft und der Bundeswehr lösen helfen.

Es entsteht eine Konkurrenzsituation zwischen den bundeswehreigenen Service-Bereichen und privaten Anbietern, insbesondere für die Territoriale Wehrverwaltung. Vor der Gründung der g.e.b.b. besaß die Bundeswehr bei vielen Leistungen ein Monopol. Die Territoriale Wehrverwaltung reagierte auf die Konkurrenzsituation mit sogenannten „eigenoptimierten Betriebsmodellen“, um sich damit dem drohenden Outsourcing entgegenzustellen. Der Pilotbetrieb von Truppenküchen, in dem die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu externen Anbietern nachgewiesen werden soll, ist hierfür ein Beispiel.

In den von Privatisierungsüberlegungen betroffenen Bereichen der Wehrverwaltung gibt es regelmäßig auch Verunsicherung und Zukunftsängste.

Korruptionsvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Antikorruptions-Abteilung „Ermittlung Sondersachen“ des Bundesministeriums der Verteidigung ermittelte im Mai 2012 wegen des Verdachts der Korruption gegen die g.e.b.b. Der Vorwurf lautete, dass überteuerte Beratungsverträge mit der Geschäftsführung nahestehenden Personen abgeschlossen wurden. In der Kritik steht auch die Personalpolitik des Unternehmens: Ehemalige Mitarbeiter von privaten Beratungsgesellschaften sind zur g.e.b.b. gewechselt und haben dort in ihrer neuen Funktion Aufträge an ihre alten Unternehmen vergeben.[11] Infolge der Ermittlungen gegen drei Spitzenvertreter der g.e.b.b. wurden diese freigestellt.[12]

Als Folge verlangt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, die Abwicklung der g.e.b.b. Für die verbliebenen Mitarbeiter soll eine sozial verträgliche Lösung gefunden werden.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lagebericht für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 im Bundesanzeiger, darin: Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH.
  2. Auszug aus den Unternehmensregister: Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb mbH
  3. Handelsblatt: Rüstungsflops der Bundeswehr
  4. http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/bY5LD4JADIT_0S4ciI-bBEz06EXhQgrUpXEfpFvx4o93MfFmm0wm-TqZ6lan9bCQAaHgweqbbgba9y_Vu8WoSMOEPCFJnIMloYcCb7APgooRRuTuz0nROUoOkCkm2E3gR_v0Jt7RpogKbMBT_Fbq6_rCiGoIHmVVQS-U1DBIYDUHFruSJ3MiikbdZHlVZnn2m_y9q9v6fCw22-pUXvTs3OEDkHNNBg!!/
  5. http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/bY5LD4JADIT_0S4ciI-bBEz06EXhQgrUpXEfpFvx4o93MfFmm0wm-TqZ6lan9bCQAaHgweqbbgba9y_Vu8WoSMOEPCFJnIMloYcCb7APgooRRuTuz0nROUoOkCkm2E3gR_v0Jt7RpogKbMBT_Fbq6_rCiGoIHmVVQS-U1DBIYDUHFruSJ3MiikbdZHlVZnn2m_y9q9v6fCw22-pUXvTs3OEDkHNNBg!!/
  6. Webseite der g.e.b.b.
  7. Webseite der Transferstelle Defence Supply Chain Management
  8. Webseite der g.e.b.b.
  9. Webseite der g.e.b.b.
  10. Webseite der g.e.b.b.
  11. Leipziger Volkszeitung vom 9. Mai 2012
  12. Leipziger Volkszeitung vom 26. April 2013
  13. Leipziger Volkszeitung vom 26. April 2013