Gesellschaft für Internationale Burgenkunde

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der GIB
Der Donjon von Coucy (vorne) mit dem Krak des Chevaliers im Landesmuseum Bonn, 2009

Die Gesellschaft für Internationale Burgenkunde e.V. (GIB) befasst sich mit der mittelalterlichen Burgenkultur von der Karolingerzeit bis zum ausgehenden Mittelalter. Die GIB erforscht den europäischen und mediterranen Wehrbau und wendet sich mit ihren Architektur-, Schiffs- und Figurenmodellen über Ausstellungen an die Öffentlichkeit.

Geschichte der GIB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GIB wurde am 26. April 1996 als gemeinnütziger Verein in Aachen gegründet unter Mitwirkung des Bundestagsabgeordneten Hans Stercken und des Hauptgeschäftsführers der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer in Paris, Konsul Cornel Renfert und auf Initiative des Architekten Bernhard Siepen, der ihr seit 2000 vorsteht. 1997 begann sie mit dem Bau des ersten Modells, des Donjons von Coucy, dem weitere Modelle folgten, zuletzt das Castel del Monte. Waren es zunächst Ausstellungen über Französische Donjons (wehrhafte Wohntürme), Burgen und Basare aus der Kreuzfahrerzeit und über mittelalterlichen Schiffbau und Schifffahrt, befasst sich die GIB aktuell mit dem Pfalzenbau der Karolinger- bis zur Stauferzeit. Geplant ist ein Modell der Aachener Kaiserpfalz.

Modelle 1 : 25[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt der mehrsprachigen Ausstellungen stehen die Architektur-Modelle im Maßstab 1 : 25. Jeweils tausende, nach historischen Vorlagen angefertigte Figuren beleben die Szenen. Die Modelle entstanden nach eigenen Forschungen im Dialog mit Fachleuten für die entsprechende Epoche. Viele dargestellte Objekte gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Modelle stellen eine dreidimensionale Reise ins Mittelalter in Orient und Okzident dar.

Donjon von Coucy 1339[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Donjon von Coucy, Maße: 6×6 m, Höhe 2,40 m, ca. 2500 Figuren

Mit 54 m Höhe, 31 m Durchmesser und bis zu 7,5 m starken Wänden war der Hauptturm der Burg von Coucy der mächtigste Wohnturm des Abendlandes. In der Nähe der berühmten frühgotischen Kathedrale von Laon ließ Enguerrand III. in den Jahren 1223 bis 1225 den gewaltigen Turm als eindrucksvolle Manifestation seiner Macht auf den Burghügel seiner Stadt Coucy (Picardie) stellen. Unter Mazarin wurden die Turmgewölbe gesprengt und die beeindruckende Ruine 1917 durch deutsche Truppen vollständig zerstört. Das Modell zeigt die Burg im Zustand der Belagerung im Jahre 1339, als sie zu Beginn des hundertjährigen Krieges englischen Truppen widerstand, die mit Belagerungstürmen und Steinschleudern die Mantelmauer zu stürmen versuchten. Ein Schnitt durch Turm und Pallas öffnet den Blick in die Säle und auf die von Hurden umgebene Wehrplattform. Der Modell-Ausschnitt umfasst den ganzen Donjon, den halben Pallas, einen Teil der Kernburg und der Vorburg.

Entwurfsgrundlage: eigene Zeichnungen, Pläne von Viollet-le-Duc und Archivfotos aus dem 19. Jh.

Französisches Ritterturnier 14. Jh.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Französisches Ritterturnier, Maße: 2 m × 2 m, ca. 700 Figuren

Das durch die Wappenfarben des französischen Hochadels geprägte Modell veranschaulicht höfische Freizeitgestaltung im Frankreich des 14. Jahrhunderts. Die zentrale Figur ist auch hier der Herr von Coucy mit seinem Hofstaat, der Fürsten und Ritter zu seinem festlichen Turnier geladen hat.

Basar von Aleppo 16. Jh.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basar von Aleppo, Maße: 4 m × 4 m, ca. 750 Figuren

Aleppo in Syrien, eine der ältesten Städte der Welt, besitzt unterhalb der berühmten Zitadelle und in unmittelbarer Nähe der Freitagsmoschee den weltgrößten, heute noch genutzten Basar. In Aleppo trafen sich die Weihrauchstraße aus Arabien und die Seidenstraße aus China.

Das Modell gibt einen Ausschnitt von 80 m × 80 m des Basars zur Zeit der osmanischen Herrschaft wieder. Es zeigt, umgeben von engen Souk-Gassen, in denen reges Basartreiben stattfindet, eine Karawanserei und ein kuppelgekröntes Doppelbad (Hammam) aus frühosmanischer Zeit.

Entwurfsgrundlage: Katasterpläne aus der französischen Mandatszeit und Aufmaße vor Ort durch ein syrisches Architekturbüro.

Krak des Chevaliers 1271[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krak des Chevaliers, Maße: 6 m × 6 m, Höhe ca. 2,30 m, ca. 2000 Figuren

In den Ausläufern des Gebel el-Ansarieh im südlichen Syrien thront in 650 m Höhe die eindrucksvollste noch erhaltene Kreuzfahrerburg. Der Krak des Chevaliers, von dem im Süden auslaufenden Felsband durch einen Graben getrennt, beherrscht mit seinen zwei konzentrischen Mauerringen noch heute das Tal. 1142 erwarben die Johanniter den Ort und bauten die vorhandene kleine Burg in den folgenden Jahrzehnten zu der bestehenden großen Festung aus. Erdbeben unterbrachen in den Jahren zwischen 1156 und 1202 die Bauarbeiten und hinterließen Zerstörungen. Sultan Saladin und seine Nachfolger belagerten die Burg mehrmals vergeblich. Nach einem ersten gescheiterten Versuch 1267 griff der Mamlukensultan Baibars den Krak 1271 erneut an. Mit gewaltigen Belagerungsgeräten und Mineuren konnte er einen Turm zerstören und überzeugte die Besatzung, ihm die Festung gegen freies Geleit zu übergeben.

Das Modell zeigt die letzte Phase dieser Belagerung, kurz bevor der Südwestturm der Vorburg nach Unterminierung zusammenstürzte. Während muslimische Angreifer und Kreuzritter ihre Posten besetzen, flüchten Pilger und Landbevölkerung in die Oberburg. Der Besucher schaut auf der Rückseite des Modells in die aufgeschnitten dargestellte Kernburg und das bis zu 2000 Menschen fassende Dormitorium, das Vestibül, den Rittersaal und die Küche.

Entwurfsgrundlage: tachymetrisches Bauaufmaß

Muslimische Gewichtsteinschleudern 13. Jh.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muslimische Gewichtsteinschleuder, Maße: 1 m × 0,6 m, ca. 50 Figuren

Dieser Typ großer Blide scheint in der islamischen Welt während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert entwickelt worden zu sein. Neue Elemente waren der lange Hebelarm, das Tretrad und die Verwendung eines Flaschenzuges und eines Winkelmessers. Das eine Modell zeigt die Schleuder im Aufbau, das andere in Aktion.

Entwurfsgrundlage: Beschreibung und Skizze von Al-Zardkas um 1375 (Top-Kapi Sarayi, Istanbul) 

Kreuzfahrerschiffe im Hafen von Akkon 1270[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafen von Akkon, Maße: 3 m× 2 m, ca. 600 Figuren

1104 wird das auf einer Halbinsel gelegene, zur Landseite von einem doppelten Mauerring gesicherte Akkon als wichtigster und größter Hafen im Heiligen Land Hauptstadt des Königreiches Jerusalem und zugleich Hauptsitz aller Kreuzritterorden. 1291 erobert der Sultan von Aegypten diese letzte große christliche Bastion in der Levante.

Das Modell zeigt eine Hafenszene vor dem Hof der Kette am inneren Hafen um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Eine nave aus der Flotte des heiligen Ludwig verlässt gerade mit 350 Pilgern den Hafen. Unterdessen entlädt der Pferdetransporter seines Bruders Karl von Anjou, eine wie eine Galeere gebaute tarida für 108 Ruderer, gerade seine Fracht am Kai. Entwurfsgrundlage: Stadtgrundriss nach Petrus Vesconte und Marino Sanudo. Schiffe nach den Bau-Aufträgen Ludwigs IX. und Karls von Anjou und den überlieferten Bauverfahren (partisoni).

Castel del Monte 1240[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castel del Monte Maße: 3 m × 3 m (Oktogon), ca. 400 Figuren

In 540 m Höhe erhebt sich das berühmte achteckige Castel Kaiser Friedrichs II. Jede Ecke markiert ein ebenfalls achteckiger Turm. Anscheinend wurde der Bau nie vollendet. Über seine Funktion rätselt man bis heute: Wehrbau, Jagdschloss oder Sakralbau?

Das Modell setzt eine dieser Hypothesen um: Mit wehrhaften Zinnen auf erhöhten Türmen erscheint das Schloss schon aus der Ferne wie eine Krone auf seinem Hügel. Durch einen Stufenschnitt an der Rückseite blickt man in Hof und Innenräume. Die Figurenszenen zeigen Kaiser Friedrich II. mehrmals: beim Empfang von Gesandten, zusammen mit seinen Falknern und mit Gelehrten.

Entwurfsgrundlage: Planvorlagen nach Bauaufnahme von Wulf Schirmer, Karlsruhe

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 1 Million Besucher haben seit 1998 die Ausstellungen der GIB in verschiedenen Museen in Europa und Amerika gesehen.[1] Darunter waren:

Ort Museum Jahr Ausstellungsname
Bonn LVR-LandesMuseum Bonn 2009 Burgen 1 : 25 – Mittelalter im Modell
Washington, D.C. (USA) The National Geographic Museum 2006 Castles of the Crusades, a view in miniature
Omaha/Nebraska (USA) Joslyn Art Museum 2006 French Donjons: Castle of Coucy - Medieval Life in Miniature
Frankfurt am Main Archäologisches Museum 2005/06 Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit
Sully-sur-Loire (F) Schloss Sully-sur-Loire 2005 Au temps des Donjons
Solingen/ Wuppertal Schloss Burg 2005 Der Donjon von Coucy
Düsseldorf Haus der Architekten 2004/05 Von Aleppo nach Coucy – vom Orient zum Okzident
Kulmbach Plassenburg 2004 Französische Donjons
Frankfurt am Main Archäologisches Museum 2003 Wolkenkratzer des Mittelalters
Mönchengladbach Schloss Rheydt 2002 Coucy 1225
Erfurt Runneburg 2001 Französische Burgen
Washington D.C. The National Geographic Museum 2001 French Donjon: Castle of Coucy
Dresden Burg Kriebstein 2000 Französische Donjons- Französische Wohn- und Wehrtürme des 11.- 15.Jh.
Coburg Veste Coburg 2000 Stolze Burgen, fest gefügt, Französische Donjons
Meissen Albrechtsburg 2000 Französische Donjons, Französische Wohn- und Wehrtürme des 11.- 15.Jh.
Soissons (F) Musée de Soissons: Abteikirche St. Léger 1999 Château de Coucy, Image er mémoire
Strasbourg (F) Hôtel du Département 1999 Les donjons français
Loches (F) Schloss Loches 1998 Les Donjons de l’ouest de la France
Aachen Kundenhalle Münsterplatz der Sparkasse Aachen 1998 Französische Donjons

Aktivitäten der GIB in Stichworten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fertigung von Burgenmodellen nach Bauaufmaß am Objekt im Maßstab 1:25.
  • Modellieren und Bemalen von Figuren im Maßstab 1:25 zur Veranschaulichung eines authentischen Burgenumfeldes nach historischen Vorgaben, z.B. Miniaturen.
  • Veranstaltung von Multimedia-Schauen und Lichtbildvorträgen, Seminaren, Tagungen.[2]
  • Präsentation bedeutender Burganlagen in Modellen, Zeichnungen und auf Schautafeln.
  • Ausflüge und Studienreisen zu repräsentativen Burganlagen und Ausstellungen.
  • Förderung von Forschungen und handwerklichen Arbeiten.
  • Lehrveranstaltungen zu historischen Profanbauten in Zusammenarbeit mit Ausbildungsstädten (Museum, Schule, Universität)
  • Begleitung der Ausstellungsvorbereitung durch Wissenschaftliche Beiräte.[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Französische Donjons, Herausgeber Bernhard Siepen, Aachen 2002, ISBN 3-00-007776-6
  • Wohntürme, Herausgeber Heinz Müller, Langenweißbach 2002, ISBN 3-930036-76-2[4]
  • Ile de France gothique – 2 – Les demeures seigneuriales, Herausgeber Jean Mesqui, Paris 1988, ISBN 2-7084-0374-5
  • Châteaux et enceintes de la France Médiévale, Herausgeber Jean Mesqui, Paris 1991, ISBN 2-7084-0419-9
  • Les programmes résidentiels du château de Coucy du XIIIe au XVIe siècle, Herausgeber Jean Mesqui, Paris 1994 [5]
  • Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit, Herausgeber Hans Altmann und Bernhard Siepen, Fulda 2005, ISBN 3-86568-046-1 (Ausstellungsbegleitbuch)
  • Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit, Herausgeber Bernhard Siepen, Karina Kisza und Nina Radermacher (Malbuch), Fulda 2005, ISBN 3-86568-059-3
  • Spuren der Kreuzfahrer – Modelle, Herausgeber Bernhard Siepen und Ulrich Alertz, Aachen 2009, ISBN 978-3-927535213
  • Damaskus – Aleppo – 5000 Jahre Stadtentwicklung in Syrien, Herausgeber Mammoun Fansa, Heinz Gaube, Jens Windelberg, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2694-7
  • Castel del Monte – Forschungsergebnisse der Jahre 1990 bis 1996, Herausgeber Wulf Schirmer, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2657-2
  • Wissenschaft und Technik im Islam, Einführung in die Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften, Herausgeber Fuat Sezgin, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-8298-0072-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mehrsprachige Webseite der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde mit Kurzfilmen zu den Modellen und Presseberichten unter http://burgenkunde.de
  • Mehrsprachige Webseite zur Ausstellungsakquisition an Museen mit Kurzfilmen unter http://burgenkunde.de/museum

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Washington Post vom 18. August 2006: Crusades: Storming the Castle
    Washington Times vom 16. Juli 2006: Secrets of medieval Castles
    Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Januar 2003: Die Geburt der Wissenschaft aus der Anschaulichkeit
    EL INFORMADOR, Sección Artes, 19. März 2001: Coucy, Un castillo que cruzó los mares
    L'aisne nouvelle de 2. September 1999: Le château de Coucy dans tous ses états
    weitere Berichte http://burgenkunde.de/public/index_publik_ger.htm (Presse), http://burgenkunde.de/main/main_fernseh.htm (TV)
  2. Im Rahmen der Ausstellung Les donjons francais im Musée de Soissons fand in Soissons und Coucy die Journée de la Fédération des Sociétés d’Histoire et d’Archéolgie de L’Aisne unter Leitung von Jean Mesqui als Président der Société francaise d’ Archéologie und Bernhard Siepen als Referent statt. Im Rahmen der Ausstellung Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit in Frankfurt/Main vom 27. bis 29. Januar 2006 fand auf der Marksburg zwischen der Deutschen Burgenvereinigung e.V., dem Europäischen Burgeninstitut und der GIB ein Symposium: Castles and Towns of the Eastern Mediterranean / Burgen und Städte der Kreuzfahrerzeit im Vorderen Orient statt.
  3. Die Ausstellung Französische Donjons basierte auf den 10-jährigen Recherchen über 130 Donjons durch die Architekten Dip.-Ing. Bernhard Siepen und Sibert von Lovenberg. Die Ausstellung Burgen und Basare der Kreuzfahrerzeit begleitete ein 17-köpfiger Beirat, bestehend aus Burgenforschern, Historikern, Bauhistorikern und Architekten.
  4. Kolloquium 28.-30. September 2001 seitens der Deutschen Burgenvereinigung zum Thema Wohntürme mit Beitrag von Bernhard Siepen zu Grundrissvielfalt französischer Donjons S. 149 – 158 bzw. 171 – 174.
  5. Extrait du Congrès de l’Aisne méridionale (Société française d'archéologie)