Gesprächsanalyse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Gesprächsanalyse wurde in den 1970er Jahren durch Arbeiten der Konversationsanalyse angeregt und befasst sich mit der Analyse gesprochener, meist dialogischer Sprache. Die Gesprächsanalyse ist eine eigenständige Forschungsdisziplin der Linguistik, hat aber enge Verbindungen zur Textlinguistik und zur Sprechakttheorie. Das Ziel der Gesprächsanalyse ist die Erforschung verschiedener Gesprächspraktiken, die Mitglieder einer Gesellschaft verwenden, um miteinander zu kommunizieren.

Untersuchungsgegenstand der Gesprächsanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesprächsanalyse will herausarbeiten, wie „Menschen Gespräche führen“. Sie arbeitet die Prinzipien heraus und versucht hermeneutisch zu beschreiben, wie die Interaktanten mithilfe von Gesprächspraktiken Sinn in Gesprächen herstellen und selbiges organisieren. Es geht nur um „natürliche“ Gespräche, nicht um künstlich geschaffene Situationen, die für Analysezwecke (bei Gesprächsanalytikern meist mit GAT) transkribiert werden, um sie analysierfähig zu machen. Stillschweigend gibt es innerhalb der Gesprächsanalyse eine Übereinkunft über die Charakteristika von Gesprächen (vgl. Deppermann 2008):

  • Konstitutivität: Es wird aktiv von den Teilnehmern hergestellt.
  • Prozessualität: Es sind zeitliche Gebilde
  • Interaktivität: Es besteht aus aufeinanderbezogenen Beiträgen
  • Methodizität: Es werden immer kulturell etablierte Methoden genutzt.
  • Pragmatizität: Die Teilnehmer verfolgen Ziele im Gespräch

Ein Gespräch kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden, es hat (nach Kallmeyer) folgende Wirklichkeitsbezüge, mit denen sich die Interaktanten befassen müssen:

  • Gesprächsorganisation
  • Sachebene
  • Handlungsebene
  • Soziale Ebene
  • Appellebene
  • Modalität des Gesprächs
  • Herstellung von Reziprozität

Diese Ebenen sind häufig verwoben und nicht isoliert zu betrachten. Dieses Grundgerüst bildet quasi die Grundvorstellung eines Gesprächs mit seinen Charakteristika ab. Forscher, die diskursanalytisch arbeiten, haben häufig ein anderes Verständnis des Untersuchungsgegenstands. Auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es völlig unterschiedliche Annahmen über den Untersuchungsgegenstand (vgl. Deppermann 2008).

Zur Gesprächsgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesprächsanalyse beschäftigt sich u. a. mit gesprächsorganisatorischen Fragen wie zum Beispiel dem Sprecherwechsel, der Eröffnung und Beendigung von Gesprächen, der Rolle der Redepartikel, der Reparaturmechanismen und der Gesprächsklassifikation.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Brinker, Sven Sager: Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. 3. Auflage. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-503-04987-8.
  • Gisela Brünner: Wirtschaftskommunikation. Linguistische Analyse ihrer mündlichen Formen. Niemeyer Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-484-31213-0.
  • Arnulf Deppermann: Gespräche analysieren. (= Qualitative Sozialforschung. 3). 4. Auflage. VS Verlag, Wiesbaden 2008.
  • Theo Diegritz, Carl Fürst: Empirische Sprechhandlungsforschung. Ansätze zur Analyse und Typisierung authentischer Äußerungen. Universitätsbund Erlangen-Nürnberg, Erlangen 1999.
  • Theo Diegritz, Carl Fürst: Sprachliches Handeln in natürlichen Gesprächssituationen. Ein methodisches Instrumentarium zur Analyse und Typisierung von authentischen Äußerungen. In: Wirkendes Wort. 2/1999, S. 281–302.
  • Claus Ehrhardt, Hans Jürgen Heringer: Pragmatik. (= UTB. 3480). Fink, Paderborn 2011, S. 94–109.
  • Helmut Henne, Helmut Rehbock: Einführung in die Gesprächsanalyse. 4. Auflage. de Gruyter, Berlin/ New York 2001, ISBN 3-11-017217-8.
  • Deborah Schiffrin: Approaches to discourse. 2. Auflage. Blackwell, Oxford u. a. 2003, ISBN 0-631-22690-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Gesprächsanalyse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen