Getränkekarton

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Getränkekarton von SIG Combibloc
Spanischer Massenwein im Getränkekarton
In Karton verpackte Fruchtsäfte

Ein Getränkekarton ist eine Einwegverpackung aus Verbundstoffen für Getränke und flüssige Nahrungsmittel. Er besteht aus kunststofflaminiertem Karton, der je nach Einsatzzweck auf der Innenseite beschichtet wird. Dabei kommt Polyethylen, Aluminium oder EVOH zum Einsatz. Der Karton verleiht dem Verbundstoff Form und Stabilität. Die innere Beschichtung und – falls vorhanden – die Aluminiumzwischenschicht sorgen für den Schutz des Füllgutes. Die äußere Beschichtung schützt den Karton vor Durchnässung und erhöht die Barriereeigenschaften des Verbundes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1915 patentierte John van Wormer in den USA einen Getränkekarton, 1930 wurde schon Milch in Kartons abgefüllt.[1] Ebenfalls 1930 ließ sich Günter Meyer-Jagenberg seine Perga-Packung als „Wasserdichtes Papiergefäß mit Faltverschluss und Vorrichtung zu seiner Herstellung“ patentieren und dürfte damit nicht das erste Patent auf einen Giebelkarton sein.[2]

Später wurden das Öffnungskonzept der Getränkekartons von abzuschneidenden "Giebeln" zu Plastik-Drehverschlüssen verbessert. Bis dahin war die Öffnung der Giebel umständlich und erzeugte potentiell unhygienische und tropfende Ausgüsse. Eine verbesserte Verbraucherakzeptanz dadurch für den Getränkekarton wird angenommen.

Vergleich mit anderen Getränkeverpackungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Getränkekarton besitzt in Konkurrenz mit anderen Verpackungen die folgenden Vor- und Nachteile:

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Getränkekarton ist für Licht und Sauerstoff (wenn mit Alufolie) undurchlässig. Dadurch wird die Zerstörung bestimmter Vitamine verlangsamt.
  • Er ist leichter als Glasflaschen.
  • Getränkekartons beanspruchen weniger Volumen im Vergleich zu Flaschen, die in Kästen gestapelt werden.
  • Gegenüber der Schlauchverpackung (etwa für Milch) und dem Folienbeutel (Beispiel: Capri-Sun) ist er auf Paletten ohne weitere Umverpackung stapelbar.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ökologischen Auswirkungen von Getränkekartons werden kontrovers diskutiert und wurden über die vergangenen Jahre unterschiedlich bewertet.

Einerseits können Getränkekartons mit verschiedenen Verfahren recycelt bzw. verwertet werden und stellen eine Alternative zu den herkömmlichen Pfandflaschen aus Glas oder Einweggebinden aus PET dar. Im Gegensatz zu diesen nimmt ein leerer Getränkekarton zusammengefaltet weniger Platz ein und wiegt deutlich weniger, was die für den Transport benötigte Energie verringert. Das Umweltbundesamt hat 2015 in einem Forschungsprojekt, das von einem Begleitkreis unterstützt wurde, in dem nahezu alle relevanten Akteure aus dem wirtschaftlichen Umfeld der Getränke und Getränkeverpackungen (Packmittel- und Materialproduzenten, Abfüller und Handel sowie Entsorgung) sowie verschiedener NGOs und Vertreter der Wissenschaft vertreten waren, eine umfangreiche Anzahl von Ökobilanzen über Getränkeverpackungen aufstellen lassen, aus der unter anderem hervorgeht, dass zwischen der Verwendung von Mehrweg-Glasflaschen und Einweg-Getränkekartons kein umfassender ökologischer Vor- oder Nachteil erkennbar ist.[4]

Aufbau einer Verpackung der Marke Tetra Pak Aseptic

Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2013 von den Sammlungen des Dualen Systems Deutschland 137.300 t gebrauchte Getränkekartons stofflich verwertet, was einer Quote von 77,5 % entspricht.[5] Der überwiegende Teil wurde in zwei deutschen Papierfabriken verwertet: In Kreuzau bei Düren steht eine Anlage der Papierfabrik Niederauer Mühle, eine weitere Recyclinganlage hat ihren Standort in Raubling bei Rosenheim. Bei der Wiederverwertung werden die Papieranteile bzw. die Zellstofffasern (ca. 75 %) nach einem Waschprozess extrahiert. Das mit der Polyethylenschicht verbundene Aluminium (ca. 25 %) wird in Müllverbrennungsanlagen und Zementwerken verwertet.[6][7][8] Im Chemiepark Knapsack soll 2020 eine Recyclinganlage zur Aufarbeitung von Verbundstoffen entstehen.[9] Die Verpackungsverordnung (Deutschland) sieht vor, dass Verbundverpackungen, und somit auch Getränkekartons, wiederverwertet werden. Aufgrund der von Umweltverbänden als schwierig angesehenen Wiederverwertung[10] wird jedoch teils auch dazu aufgerufen, beim Einkauf Verbundverpackungen zu meiden.[11]

Die Deutsche Umwelthilfe forderte im Frühjahr 2010 eine Neubewertung der vertriebenen Getränkekartons. Durch einen geringeren Zellstoffanteil sowie eine niedrige Recyclingquote (35 % nach Berechnungen der Umwelthilfe) sei die frühere Einstufung als „ökologisch vorteilhaft“ sehr fraglich.[12] Der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e. V. widersprach diesen Berechnungen.[13]

Es gibt verschiedene Verfahren, um Getränkekartonagen in ihre Bestandteile zu zerlegen. Das einfachste Verfahren ist hierbei ein Waschverfahren, bei dem neben dem Papier auch die Folie und gegebenenfalls das Aluminium abgetrennt werden können. Die in Brasilien beworbene Plasmatrennung spielt in Europa keine Rolle. Die Polyethylen-Deckel können ebenfalls recycelt werden.[14]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Strukturen für ein effizientes Recycling der Getränkekartons in der Schweiz zu schaffen, gründeten die Hersteller Tetra Pak, SIG Combibloc und ELOPAK den Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz.[15] Der Discounter Aldi Suisse hat seit Sommer 2016 schrittweise eine Sammlung für Getränkekartons eingeführt. Die Model Holding betreibt in der Papierfabrik Weinfelden eine Recycling-Anlage und könnte mehr als die gesamte in der Schweiz anfallende Menge an Getränkekartons verarbeiten. Jedoch haben sich die Schweizer Großverteiler (mit Ausnahme von Aldi Suisse) noch nicht vom System überzeugen lassen und stellen noch keine Recyclingboxen für Getränkekartons auf.[16][17] Deshalb hat Aldi Suisse die Sammlung per Ende Juni 2019 wieder eingestellt.[18][19]

Verwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Studie der GVM, Gesellschaft für Verpackungsforschung, im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) von 2018[20] wurden folgende Mengen beim Recycling von Getränkekartons umgesetzt:

in 1000 t 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Angefallene Verpackungsabfälle 191,9 185,3 177,1 178,9 174,4 180,7
Stoffliche Verwertung insgesamt 135,3 131,6 137,3 135,6 130,4 138,8
davon im Inland 135,3 131,6 137,0 135,5 130,2 128,9
davon im Ausland 0,0 0,0 0,3 0,1 0,1 9,9
Energetische Verwertung insgesamt[21][22] 53,3 51,5 39,2 42,3 43,0 40,8
Gesamtmenge Verwertung 188,7 183,1 176,5 177,9 173,4 179,7
davon im Inland 188,7 183,1 176,2 177,8 173,2 169,8
davon im Ausland 0,0 0,0 0,3 0,1 0,1 9,9
Abfallmitverbrennung[21][23] 2,1 1,4 0,4 0,6 0,6 0,7
Verwertung u. Mitverbrennung 190,7 184,5 176,9 178,6 174,0 180,3
davon im Inland 190,7 184,5 176,6 178,5 173,9 170,4
davon im Ausland 0,0 0,0 0,3 0,1 0,1 9,9
Rest (auch Deponie)[21] 1,2 0,8 0,2 0,3 0,4 0,4
in % 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Angefallene Verpackungsabfälle 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0
Stoffliche Verwertung insgesamt 70,5 71,0 77,5 75,8 74,8 76,8
davon im Inland 70,5 71,0 77,4 75,7 74,7 71,4
davon im Ausland 0,0 0,0 0,2 0,1 0,1 5,5
Energetische Verwertung insgesamt[21][22] 27,8 27,8 22,1 23,7 24,7 22,6
Gesamtmenge Verwertung 98,3 98,8 99,6 99,5 99,4 99,4
davon im Inland 98,3 98,8 99,5 99,4 99,3 93,9
davon im Ausland 0,0 0,0 0,2 0,1 0,1 5,5
Abfallmitverbrennung[21][23] 1,1 0,8 0,2 0,4 0,4 0,4
Verwertung u. Mitverbrennung 99,4 99,6 99,9 99,8 99,8 99,8
davon im Inland 99,4 99,6 99,7 99,8 99,7 94,3
davon im Ausland 0,0 0,0 0,2 0,1 0,1 5,5
Rest (auch Deponie)[21] 0,6 0,4 0,1 0,2 0,2 0,2

Daraus können zum Beispiel folgende Produkte hergestellt werden: Wellpappe, Tectan.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Hersteller für Getränkekartons sind

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wax Milk Containers
  2. Unternehmensgeschichte der SIG
  3. Darena Schymanski, Christophe Goldbeck, Hans-Ulrich Humpf, Peter Fürst: Analysis of microplastics in water by micro-Raman spectroscopy: Release of plastic particles from different packaging into mineral water. In: Water Research. Band 129, 2018, S. 154–162, doi:10.1016/j.watres.2017.11.011.
  4. Andreas Detzel, Benedikt Kauertz, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg; Prof. Dr. Birgit Grahl, INTEGRAHL Industrielle Ökologie, Heidekamp; Jürgen Heinisch, Gesellschaft für Verpackungsmarktfoschung, Mainz: Prüfung und Aktualisierung der Ökobilanzen für Getränkeverpackungen. (PDF; 9,27 MB) Umweltbundesamt, 2015, S. 83, abgerufen am 18. Juni 2019.
  5. TEXTE 101/2015. Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2013, S. 119 (PDF; 4,57 MB).
  6. Niederauer Mühle
  7. WGV Recycling GmbH
  8. www.getraenkekarton.de
  9. Rejekt-Recycling: Spatenstich für Palurec In: euwid-recycling.de, 15. Juli 2019, abgerufen am 31. Dezember 2019.
  10. Verbundverpackungen, Umweltlexikon, Katalyse-Institut.
  11. Verbundverpackungen, Abfalllexikon, AWM München.
  12. Deutsche Umwelthilfe: Ökologisch vorteilhaft? – Pfandprivileg für Getränkekartons muss überprüft werden.
  13. Getränkekartonhersteller weisen Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe zurück.
  14. Recyclingwerk für Aluminiumkartonverpackungen von Alcoa in Piracicaba (Brasilien).
  15. Getränkekarton-Recycling Schweiz.
  16. Neue Anlage macht Getränkekarton-Recycling möglich. SRF am 24. Oktober 2017, abgerufen am 25. Oktober 2017.
  17. Recycling-Pionier. St. Galler Tagblatt am 2. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  18. Michael Bolzli: Darum wollen Coop und Migros Getränkekartons nicht zurücknehmen. In: nau.ch. 29. März 2019, abgerufen am 15. April 2019.
  19. Oliver Fueter: Kaum Sammelstellen - Düstere Zukunft für Getränkekarton-Recycling. In: srf.ch. 24. April 2019, abgerufen am 28. April 2019.
  20. Kurt Schüler, GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH: Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2016. (PDF) Umweltbundesamt, 2018, S. 129–130, abgerufen am 18. Juni 2019.
  21. a b c d e f Ausschließlich im Inland erfolgt.
  22. a b Soweit nicht als Stoffliche Verwertung berücksichtigt.
  23. a b Soweit nicht bereits unter Energetische Verwertung berücksichtigt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]