Geusenwort

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Als Geusenwort (aus dem Niederländischen: geuzennaam[1]) oder Trotzwort wird in der Linguistik ein Wort bezeichnet, das ursprünglich eine Personengruppe beschimpfen sollte, von dieser aber positiv umgemünzt wurde (siehe auch den Begriff Stigma-Management von Erving Goffman und die Beispiele Ortsneckname, Die Sieben Schwaben).

Geusen, niederländisch geuzen, ist der Name, den sich die niederländischen Freiheitskämpfer während des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) nach dem französischen Wort gueux für Bettler gaben, mit dem sie von Seiten des spanischen Adels herablassend bezeichnet wurden.

Beispiele für solche als Selbstbezeichnung positiv umgedeuteten Schimpfwörter sind Ausdrücke wie Nerd, das u.a. fürs Musikgenre Nerdcore benutzt wird, oder Kanake, das die Bewegung Kanak Attak inspirierte, sowie das oft in Bezug auf Softwarepiraterie verwendete Wort „Pirat“, nach dem sich diverse Piratenparteien benannten. Die Bezeichnung schwul, ebenfalls zunächst eine Beschimpfung und in der Schwulenbewegung der 1970er Jahre selbstbezeichnend adaptiert, wird inzwischen häufig ohne abwertende Konnotation gebraucht; sie hat aber u.a. in der Jugendsprache noch immer eine pejorative Bedeutung, die sich häufig von der Ursprungsbedeutung abgelöst hat.[2]

Historisch ältere Beispiele für Geusenwörter bei religiös motivierten Bewegungen sind u.a. Quäker, Jesuit und auch Christ, das zunächst ein von Außenstehenden herabsetzend verwendetes Wort war (Apg 11,26 GNB), bevor es zur gängigen Selbstbezeichnung wurde. Auch die Benennung einer politischen Gruppierung als Tories („die Gesetzlosen“) oder Whigs („die Viehtreiber“) war Ende des 17. Jahrhunderts im noch unvereinigten Königreich kein selbstgewählter Name. Ebenso waren die Bezeichnungen Fauvismus sowie Impressionismus für Richtungen in der Kunst einst als Schmähungen gemeint.

Weitere Beispiele für Geusenwörter aus anderen Sprachen sind das aus England stammende Wort Punk, das aus der Türkei stammende Çapuling sowie das neuenglische Yankee. Unter Afroamerikanern ist heute (besonders in der Musik des Hip Hop) die Selbstbezeichnung Nigger nicht unüblich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Van Dale Groot woordenboek van de Nederlandse taal, 13e herziene uitgave 1999
  2. Jody Daniel Skinner: Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen – Band II, Ein Wörterbuch, Die Blaue Eule, Essen 1999, ISBN 3-89206-903-4; Dissertation an der Universität Koblenz-Landau 1998