Geversdorf

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Geversdorf
Gemeinde Cadenberge
Wappen von Geversdorf
Koordinaten: 53° 47′ 43″ N, 9° 4′ 41″ O
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 21,62 km²[1]
Einwohner: 726 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. November 2016
Postleitzahl: 21781
Vorwahlen: 04752, 04753, 04772
Geversdorf (Niedersachsen)
Geversdorf

Lage von Geversdorf in Niedersachsen

Geversdorf mit Hafen und Zugbrücke
Geversdorf mit Hafen und Zugbrücke

Geversdorf (niederdeutsch Geversdörp) ist ein Ortsteil von Cadenberge in der Samtgemeinde Land Hadeln im Nordosten des Landkreises Cuxhaven in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Geversdorf liegt links der Oste, die Gemarkung reicht aber auch auf rechtsseitig gelegenes Gebiet hinüber.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dingwörden
  • Geversdorf (Hauptort)
  • Itzwörden
  • Laak
  • Neuendeich

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1146 erstmals urkundlich als Geverstorpe erwähnt. Aufgrund der Endung „dorf“ in Geverstorpe, stammt der Ort vermutlich schon aus der Zeit um 850. Der erste Ansiedler, ein Fischer namens Gevers oder Gevert, soll der Namensgeber gewesen sein. Der Name Gevers stammt von Gevetke ab, dem altgermanischen Begriff für Handwerker im Dorf.

Ein Schulmeister und eine Privatschule wurden in Geversdorf erstmals 1580 erwähnt. Als erstes Schulhaus diente ab 1619 bis zum Kauf des zweiten Gebäudes An der Kirche 93 im Jahr 1625 ein Bau an der Deichstraße 119. Ein größeres Schulhaus wurde 1680 gekauft und nachdem es 1720 abbrannte 1726 neu errichtet. Der Bau des letzten Geversdorfer Schulgebäudes erfolgte 1858 in Nr. 103. Es diente bis zu seiner Auflösung im Jahr 1969 in Geversdorf als Schule.

Weitere Schulen im Gemeindegebiet waren ab 1700 die „Nebenschule“ Laak, ab 1837 in Itzwörden sowie ab 1877 das Schulhaus „Wiese“, welches als zentrale Schule für das Gemeindegebiet rechts der Oste bis 1958 diente.

Eine „nyge vere“, also neue Fähre zwischen Geversdorf und Itzwörden, wurde erstmals 1423 urkundlich erwähnt. Sie wurde um 1400 vom Erzbischof von Bremen gegründet. Mit dem Bau des Fährhauses in Geversdorf im Jahr 1870 übernahm der preußische Staat den Fährbetrieb bis nach dem Ersten Weltkrieg. Ab 1920 folgte die Verpachtung der Fähre an private Betreiber, die den Fährbetrieb mit einer Unterbrechung im Jahr 1945 bis zum 13. September 1988 sicherstellten. Nach 565 Jahren wurde der Fährbetrieb mit der Bereitstellung der Geversdorfer Klappbrücke eingestellt.[2]

Geversdorfer Walfänger starteten ihre Unternehmungen zum Walfang nach Grönland ohne großen wirtschaftlichen Erfolg in der Zeit von 1766 bis etwa 1821 von der Oste aus.[3]

Die erste Feuerspritze in Geversdorf wurde 1821 für 200 „Reichsthaler“ erworben. Sie wurde 1839 und 1902 durch jeweils neuere Feuerspritzen ersetzt. Ab 1939 kam es zur Verwendung von motorisierten Motorspritzen. Ein erstes Spritzenhaus stand in der Kurve der heutigen Deichstraße und wurde 1937/38 durch den Bau des neuen Spritzenhauses auf dem Sportplatz ersetzt. Bis 1934 erledigte eine Pflichtfeuerwehr ihre Aufgaben, danach übernahm die Freiwillige Feuerwehr deren Pflichten.[4][5]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. November 2016 schloss sich Geversdorf mit Cadenberge zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Cadenberge zusammen.[6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 1975 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011 2015
Einwohner 1126 980 957 878 1573 1176 731 739 755 784 785 750 729 717 709 726

(Quelle: 1910,[8] 1925–1939,[9] 1950,[10] 1975–2011 jeweils zum 31. Dezember),[1] 2015[11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Geversdorf wird seit dem 1. November 2016 vom Rat der Gemeinde Cadenberge vertreten.

Letzter Bürgermeister

Der letzte Bürgermeister von Geversdorf war Walter Peterson (SPD).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Geversdorf
Blasonierung: „Unter rotem, mit einem silbernen Pflug belegten Schildhaupt in Silber auf blauen Wellen ein linksgewendeter roter Einmaster mit schwarzen Segeln und rotem Wimpel am Mast.“[12]
Wappenbegründung: Pflug und Schiff symbolisieren die traditionellen Berufsbereiche der Geversdorfer Einwohner, Landwirtschaft und Schifffahrt nebst Fischfang.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das alte Rathaus von Geversdorf wurde 1883 errichtet. In diesem ist auf etwa 250 m² auch das Heimatmuseum von Geversdorf mit dem „Heimatkundlichen Archiv“ beheimatet. Dieses Museum und die Klappbrücke über die Oste sind Teil der Deutschen Fährstraße.
  • Im Zentrum des Ortsteils erhebt sich auf einer Wurt die St.-Andreas-Kirche. Sie wurde 1233 erstmals urkundlich erwähnt. Zum Kirchspiel gehörten damals auch Neuhaus, Belum und Kehdingbruch.
Das klassizistische Innere der Kirche beinhaltet ein dreibeiniges, 1505 gegossenes Taufbecken von Hinrich Kock sowie eine Furtwängler-Orgel. Der heutige Bau mit Dachreiter wurde 1843 errichtet, der Turmhelm 1906 fertiggestellt.
  • Die bereits 1670 erwähnte Geversdorfer Bockmühle hieß „Unrechte Mühle“, weil sich ihre Flügel und der Mühlenaufbau links herum drehten und damit anders (unrecht), als es üblich war. Vier verschiedene Geschichten beschreiben diesen Umstand.[13][14]
  • Herrenhaus im Ortsteil Laak (Mannhausen 1), ehemaliges Wohnhaus der Gutsbesitzerfamilie Bremer[15]

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Baudenkmale in Geversdorf

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TSV Geversdorf e. V. ist der Sportverein des Ortsteils und wurde 1949 gegründet. Die Mitgliederzahl betrug Stand Dezember 2007 453.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich am ersten Wochenende im August findet das dreitägige Geversdorfer Schützenfest statt, das seit 1632 begangen wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geversdorf ist Heimathafen für einen der letzten Fischkutter, mit dem im Bereich der Tideelbe noch der umweltschonenden Hamenfischerei nachgegangen wird.

Der Werftbetrieb der Ostewerft wurde nach 300-jähriger Geschichte eingestellt. Das Betriebsgebäude wurde teilweise neu errichtet und Teile des Betriebes wurden in Ferienwohnungen umgebaut. Der Dachgarten auf der großen Werfthalle bietet einen einzigartigen Blick auf die Oste. Der große Turmdrehkran der Werft ist das weithin sichtbare Erkennungszeichen für die Werft und Geversdorf in der flachen Landschaft an der unteren Oste.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geversdorf liegt an der Landstraße 111, die hier seit 1988 über eine Klappbrücke doppelspurig die Oste überquert. Die Brücke hat eine Durchfahrtshöhe von 3,80 Metern, ist 206 Meter lang und 11 Meter breit. Vor dem Bau der Brücke wurde der Verkehr über die Oste durch die Ostefähre Geversdorf bewältigt.

Die schmalspurige Kehdinger Kreisbahn, die den Ortsteil Itzwörden mit Freiburg/Elbe und Stade verband, wurde bereits 1933 stillgelegt und bis 1935 restlos demontiert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jost Fitschen (1869–1947), Botaniker und Autor, war Volksschullehrer in Geversdorf
  • Johann Geffken (1876–1956), Organist, Lehrer in Geversdorf (1906–1956),[17] Vater des oben erwähnten Karl Geffken[16]
  • Alfred Führer (1905–1974), Orgelbauer, er restaurierte von 1973 bis 1975 die Orgel in der St.-Andreas-Kirche
  • Bartelt Immer (* 1956), Orgelbaumeister, er rerestaurierte 2006 die Orgel in der St.-Andreas-Kirche
  • Reinhard Gramm (* 1961), Musiker und Komponist, seit 2003 Landesposaunenwart für den Bezirk Stade[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Geffken: Ein Norddeutsches Jahrhundert. Arbeit und Leben des Bremerhavener Schulleiters Karl Geffken aus Geversdorf an der Oste. 2. Auflage. VAR-Verlag, 2008, DNB 137225113.

Publikationen im Niederdeutschen Heimatblatt

  • Rolf Geffken: Das Lehrer- und Organistenhaus in Geversdorf. Zeugnis eines Schulmeisterlebens auf dem Land am Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 774. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Juni 2014, S. 3 (Digitalisat [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 12. Juni 2019]).
  • Heiko Völker: Folgen einer Schwangerschaft und unfreiwilligen Ehe. Die Suspendierung des Cadenberger Predigers Alardo Butienter im Jahr 1679. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 814. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Oktober 2017, S. 3 (Digitalisat [PDF; 5,4 MB; abgerufen am 12. Juli 2019]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geversdorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys.Siehe unter: Archiv – Regionaleinheiten – Jahresausgaben. In: Internetseite Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 12. Juni 2019.
  2. Infotafel der Gemeinde vor der ehemaligen Fährstelle.
  3. Holger Kuhne: Grönlandfahrer von der Oste. In: www.niederelbe.de. Archiviert vom Original am 9. Oktober 2016; abgerufen am 12. Juni 2019.
  4. Geschichte der Feuerwehr Geversdorf. In: www.freiwillige-feuerwehr-geversdorf.de. Archiviert vom Original am 21. Juni 2015; abgerufen am 12. Juni 2019.
  5. Frauke Heidtmann: Freiwillige Feuerwehr Geversdorf besteht 75 Jahre. In: Internetseite Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung. 6. September 2009, abgerufen am 12. Juni 2019.
  6. Niederschrift über die 13. öffentliche Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag, 17. Juli 2014, 20.00 Uhr im „Ostekrug“ (Ostehalle), Ostehallenstraße, 21784 Geversdorf.
  7. Niedersächsische Staatskanzlei (Hrsg.): Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Cadenberge, Landkreis Cuxhaven. Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt (Nds. GVBl.). Nr. 19/2015. Hannover 12. November 2015, S. 303 (Digitalisat [PDF; 464 kB; abgerufen am 12. Juni 2019] S. 5).
  8. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Neuhaus an der Oste. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: www.gemeindeverzeichnis.de. 3. Februar 2019, abgerufen am 12. Juni 2019.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Land Hadeln (→ Siehe unter: Nr. 13). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13. September 1950. Band 33. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart/Köln 1950, S. 49, Sp. 1 (Digitalisat [PDF; 26,4 MB; abgerufen am 12. Juni 2019] Landkreis Land Hadeln, S. 58).
  11. Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Bevölkerung und Postleitzahl. (XLS; 4,4 MB) → Siehe unter: Nr. 1983. In: Internetseite Destatis. Statistisches Bundesamt, 31. Dezember 2015, abgerufen am 12. Juni 2019.
  12. Rudolf Lembcke: Kreis Land Hadeln. Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Kreis Land Hadeln. Buchdruckerei Günter Hottendorff, Otterndorf 1976, S. 24 (Wappenteil).
  13. Männer vom Morgenstern (Hrsg.): „Hake Betken siene Duven“ – Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung. 3. Auflage. Bremerhaven 1999, ISBN 3-931771-16-4.
  14. Die Geversdorfer Bockmühle. In: www.zummuellerhaus.de. Archiviert vom Original am 5. Mai 2015; abgerufen am 12. Juni 2019.
  15. Heiko Völker: Folgen einer Schwangerschaft und unfreiwilligen Ehe. Die Suspendierung des Cadenberger Predigers Alardo Butienter im Jahr 1679. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 814. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Oktober 2017, S. 3 (Digitalisat [PDF; 5,4 MB; abgerufen am 12. Juli 2019]).
  16. a b Rolf Geffken: Ein Norddeutsches Jahrhundert. Arbeit und Leben des Bremerhavener Schulleiters Karl Geffken aus Geversdorf an der Oste. 2. Auflage. VAR-Verlag, 2008, DNB 137225113.
  17. Rolf Geffken: Das Lehrer- und Organistenhaus in Geversdorf. Zeugnis eines Schulmeisterlebens auf dem Land am Anfang des 20. Jahrhunderts. In: Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e. V. (Hrsg.): Niederdeutsches Heimatblatt. Nr. 774. Nordsee-Zeitung GmbH, Bremerhaven Juni 2014, S. 3 (Digitalisat [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 12. Juni 2019]).
  18. Reinhard Gramm. Das kann tatsächlich eine Lebensstellung werden. In: Internetseite Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung. 5. Januar 2006, abgerufen am 12. Juni 2019.