Gewöhnliche Fischernetzspinne
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Gewöhnliche Fischernetzspinne (Segestria senoculata), Weibchen | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Segestria senoculata | ||||||||||||
| (Linnaeus, 1758) |
Die Gewöhnliche Fischernetzspinne (Segestria senoculata), manchmal wie die Familie nur als Fischernetzspinne bezeichnet, ist eine Webspinne aus der Familie der Fischernetzspinnen (Segestriidae). Sie ist paläarktisch verbreitet und bewohnt vorzugsweise Wälder. Wie alle Fischernetzspinnen zeichnet sie sich durch das langgestreckte Erscheinungsbild, die charakteristische Beinstellung der drei nach vorne gerichteten Beinpaare und die sechs (anstelle der bei Spinnen üblichen acht) Augen aus. Die Art ist eine mittelgroße Spinne mit mehrheitlich brauner Färbung.
Auch das Verhalten der Gewöhnlichen Fischernetzspinne entspricht grundsätzlich dem anderer Fischernetzspinnen. Sie legt demnach ein Trichternetz an, das sich weiter hinten zu einer Wohnröhre verjüngt, die der Spinne als Aufenthaltsort dient. Von dort aus gehen trichterförmig mehrere wie Stolperdrähte funktionierende Spinnfäden aus. Sie dienen der der Spinne dazu, Beutetiere zu immobilisieren und deren Lokalisierung seitens der Spinne zu ermöglichen. Geortete Beute wird dann schnell gepackt und in die Wohnröhre zum Verzehr transportiert. Vor der Paarung findet eine Balz statt. Ein begattetes Weibchen legt daraufhin einen Eikokon an und bewacht ihn in seiner Wohnröhre. Die geschlüpften Jungtiere wachsen anschließend selbstständig über mehrere Häutungsstadien heran.
Die Arachnologische Gesellschaft (AraGes) wählte die Gewöhnliche Fischernetzspinne zur Spinne des Jahres 2025. Gründe dafür sind unter anderem die für Spinnen recht atypischen Merkmale und eine erhoffte Aufklärung des genauen Vorkommens der Spinne.
Merkmale
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Das Weibchen der Gewöhnlichen Fischernetzspinne hat laut Sven Almquist (2005) eine Körperlänge von 7 bis 11 und durchschnittlich 8,6 ± 1,2 Millimetern und das Männchen eine von 6,1 bis 8 und im Durchschnitt 6,9 ± 0,6. Damit handelt es sich um einen mittelgroßen Vertreter der Echten Webspinnen (Araneomorphae). Der grundsätzliche Körperbau der Art gleicht dem anderer Echter Fischernetzspinnen (Segestria), womit auch diese Art einen zylindrischen Habitus (Erscheinungsbild) hat und die drei vorderen Beinpaare nach vorne gerichtet sind.[1]
| Geschlecht | Länge in mm | Durchschnittliche Länge in mm | Breite in mm | Durchschnittliche Breite in mm | Längen-Breiten-Verhältnis | Durchschnittliches Längen-Breiten-Verhältnis | Anzahl untersuchter Tiere |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Weibchen | 2,85 bis 4,43 | 3,56 ± 0,36 | 1,79 bis 2,83 | 2,34 ± 0,23 | 1,35 bis 1,46 | 1,53 ± 0,09 | 22 |
| Männchen | 2,83 bis 4,21 | 3,21 ± 0,34 | 1,90 bis 2,44 | 2,17 ± 0,18 | 1,37 bis 1,62 | 1,49 ± 0,09 | 16 |
Der Carapax hat eine braune Grundfärbung, wobei er anterior (vorne) dunkler erscheint. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind fast schwarz und dicht mit feinen Setae (Haaren) bedeckt. Das Sternum (Brustschild des Prosoma) hat eine bräunliche Färbung, die Beine sind gelblich braun und braun geringelt. Auch die Pedipalpen (umgewandelte Extremitäten im Kopfbereich) sind braun gefärbt. Das Opisthosoma (Hinterleib) weist dorsal (oben) eine gelblich graue bis bräunliche Grundfarbe und zusätzlich dunkelbraune Punkte sowie ein wellig begrenztes braunes medianes (mittleres) Band. Ventral (unten) ist das Opisthosoma blasser und trägt dort ebenfalls braune Punkte.[1]
- Ansichten von Weibchen
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Dorsalansicht
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Frontalansicht
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Lateralansicht
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Rückansicht
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Ventralansicht
Sexualdimorphismus
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Wie einige Spinnen weist auch die Gewöhnliche Fischernetzspinne einen stark ausgeprägten Sexualdimorphismus (Unterschied der Geschlechter) auf. So hat das Männchen an den Metatarsen (Fersengliedern) drei Paare ventrolateraler (unten seitlicher) Stacheln und dazu jeweils zwei einzelne ventromediale (unten mittlere). Seine Beinformel (absteigende Längenformel der Beinpaare) lautet 1-2-3-4. Das beim Weibchen deutlich länger ovale Sternum (Brustschild des Prosoma) erstreckt sich, anders als beim Männchen, posterior (hinten) nicht bis zu den Coxae (Hüftgliedern) des vierten Beinpaars. Außerdem haben die Metatarsen des Weibchens je 4 lange ventrale Stacheln und daneben einen basal (an der Basis gelegen) angeordneten. Die Beinformel des Weibchens lautet 1-2-4-3, seine Pedipalpen tragen jeweils eine kleine Klaue. Die Buchlungen sind beim Weibchen im Gegensatz zum Männchen gelblich weiß abgesetzt und seine Spinnwarzen sind blasser.[1]
- Ansichten von Männchen
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Dorsalansicht
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Frontalansicht
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Lateralansicht
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Ventralansicht
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Beinbestachelung im Detail
Genitalmorphologische Merkmale
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Die Geschlechtsorgane der Gewöhnlichen Fischernetzspinne sind vergleichsweise einfach aufgebaut. Die Bulbi (männliche Geschlechtsorgane) sind birnenförmig und besitzen je einen spiral verlaufenden Samenschlauch. Die abgestumpft erscheinende Spitze der Bulbi ist stark gebogen. Dem Weibchen der Art fehlt wie bei allen Vertretern der Haplogynae eine Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan). Stattdessen hat es eine transversale (quer verlaufende) Genitalöffnung.[1]
Unterschiede zur Bayerischen Fischernetzspinne
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Weibchen | Männchen |
Eine der Gewöhnlichen Fischernetzspinne sehr ähnliche Art ist die ebenfalls zu den Echten Fischernetzspinnen (Segestria) zählende Bayerische Fischernetzspinne (S. bavarica), die teilweise mit der Gewöhnlichen Fischernetzspinne gemeinsam vorkommt. Die Bayerische Fischernetzspinne kann jedoch länger sein.[2] Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Bestachelung an den Metatarsen des ersten Beinpaares, die bei der Bayerischen Fischernetzspinne aus nur zwei Stacheln je Bein besteht. Außerdem besitzt die Bayerische Fischernetzspinne im Gegensatz zur Gewöhnlichen ein überwiegend unbehaartes Prosoma (Vorderkörper). Ebenso ist die Zeichnung auf dem Opisthosoma der Bayerischen Fischernetzspinne nicht durchgehend.[3] Überdies sind die Bulbi der Bayerischen Fischernetzspinne nur leicht gebogen und außerdem zweigeteilt, während die weibliche Geschlechtsöffnung eine langgezogene Gestalt besitzt.[4]
Verbreitung und Lebensräume
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Das Verbreitungsgebiets der Gewöhnlichen Fischernetzspinne umfasst Europa, die Türkei, Georgien, den südöstlichen europäischen Teil Russlands und den Iran, außerdem erfolgte 2023 ein Nachweis der Art aus Algerien. Bevorzugtes Habitat (Lebensraum) der Art ist unter der Rinde von Baumstämmen in Wäldern und Gehölzen, daneben auch unter Steinen, in Ritzen und Löchern von Holz- und Steinbauten.[5] Die Spinne kommt in Höhen von bis zu 2.020 Metern über dem Meeresspiegel vor.[5]
Häufigkeit und Gefährdung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gewöhnliche Fischernetzspinne ist im Allgemeinen ziemlich häufig.[3] Auch ihre Bestände werden in nahezu allen Ländern, wo die Art erfasst wird, als ungefährdet gewertet. In der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands von 2016 wird die Art als „ungefährdet“ gewertet, da sie dort allgemein als häufig gilt und ihre Bestände sowohl kurz- als auch langfristig gleichbleibend sind. Die Bewertung in der vorherigen Version dieser Roten Liste aus 1996 fiel gleich aus.[6] Auch in der Roten Liste der Spinnen Kärntens (1999) wird die Spinne nach IUCN-Maßstab in der Kategorie LC („Least Concern“, bzw. nicht gefährdet) erfasst.[7]
In der Roten Liste Großbritanniens (2017) wird die Gewöhnliche Fischernetzspinne nach gleichem Maßstab in der Kategorie LC („Least Concern“, bzw. nicht gefährdet) erfasst.[8] Gleiches gilt für die Rote Liste der Spinnentiere (Arachnida) Norwegens (2015).[7] In der Roten Liste der Spinnen Tschechiens (2015) ist sie in der Kategorie ES („Ecologically Substainable“) gelistet. Diese Kategorie wird dort für häufige, synanthrope Arten verwendet, die in geläufigen Habitaten vorkommen und stabile Populationen haben. Daneben wird diese Kategorie für Pionierarten verwendet.[9]
Lebensweise
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Die Gewöhnliche Fischernetzspinne ist wie Fischernetzspinnen (Segestriidae) generell nachtaktiv und netzbauend. Sie lebt – von ausgewachsenen Männchen auf der Suche nach Geschlechtspartnern ausgenommen – allgemein in den Wohnröhren ihrer Fangnetze unter Baumrinde, in Mauerlöchern, unter Steinen und in Gebälk.[5]
Jagdverhalten und Beutespektrum
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Die wie alle Spinnen räuberisch lebende Gewöhnliche Fischernetzspinne legt ein für die Familie typisches Spinnennetz für den Beutefang an, das von der Gestalt her an ein Fischernetz erinnert, wodurch die Fischernetzspinnen (Segestriidae) ihren Trivialnamen erhielten. Dieses auf Basis eines Trichternetzes angelegtes Gespinst setzt sich aus einem verjüngten Gespinstschlauch zusammen, von dem radiär aus mehrere einzelne Spinnfäden ausgehen. Der Gespinstschlauch dient dabei als Wohnröhre und somit als Aufenthaltsort der Spinne, in dem sie sich am Tag versteckt. In der nächtlichen Aktivitätszeit kommt sie dann hervor und lauert am Röhreneingang und nimmt die für Fischernetzspinnen charakteristische Lauerhaltung ein, bei der die drei vorderen Beinppare nach vorne und außen und das vierte hinten positioniert werden. Diese besondere Lauerposition wird durch den Körperbau der Spinne, bzw. ihre zylindrische Körperform und die drei ersten nach vorne gerichteten Beinpaare ermöglicht.[10] Die Wohnröhre ist nach hinten hin geöffnet und ermöglicht es den Spinnen somit, bei Gefahr durch die hintere Öffnung zu fliehen.[3]
Zum Beutefang dienen die radiär ausgehenden Signalfäden, die Beutetiere aber nur anzeigen, nicht festkleben. Das Gespinst der Gewöhnlichen Fischernetzspinne stellt vermutlich, wie das anderer Fischernetzspinnen auch, eine frühere Form des Netzbaus von Spinnen dar, aus dem später Spinnennetze mit Klebefäden hervorgingen. Berührt ein Beutetier einen der Fäden, eilt die Spinne herbei und versetzt ihm mittels der Cheliceren einen Giftbiss, der das Beutetier flucht- und wehrunfähig macht. Die Beute wird anschließend schnell in die Wohnröhre gezogen und dort verzehrt. Der Grund für das hastige Beutefangverhalten liegt in der ausbleibenden Klebefunktion der Fäden, sodass die Spinne schnell agieren muss, um das nicht immobilisierte Beutetier zu ergreifen. Es ist möglich, die Spinne durch Berührung der Signalfäden recht einfach aus ihrem Wohngespinst zu locken.[11] Die Gewöhnliche Fischernetzspinne ist somit ein Lauerjäger. Sie ist dabei euryphag (nicht auf bestimmte Nahrung angewiesen) und ihr Nahrungsspektrum setzt sich aus anderen Gliederfüßern wie Insekten und Asseln zusammen.[3] Auch wehrhafte Beutetiere wie Wespen werden von der Art erlegt. Diese werden vorne am Abdomen (Hinterleib) gepackt, sodass die Spinne außerhalb der Reichweite von Giftstachel wie auch Mandibeln (Mundwerkzeuge) einer ergriffenen Wespe bleibt.[11]
Lebenszyklus und Phänologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Lebenszyklus der Gewöhnlichen Fischernetzspinne entspricht vom Grundsatz her dem anderer Fischernetzspinnen (Segestriidae). Die Phänologie (Aktivitätszeit) ausgewachsener Individuen beider Geschlechter ist ganzjährig, mit Höhepunkt im Sommer. Ein ausgewachsenes Männchen der Art verlässt sein Netz und begibt sich auf die Suche nach einem Weibchen. Hat es eines gefunden, rüttelt es zur Balz an den Signalfäden des Netzes des Weibchens. Sofern das Weibchen nicht aggressiv reagiert, kommt es zur Paarung, bei der das Männchen mit gespreizten Cheliceren das Opisthosoma des Weibchens umklammert.[10]
Das begattete Weibchen legt einige Zeit nach der Paarung in der Wohnröre einen ovalen Eikokon ab, der 60 bis 180 Eier enthält.[10] Die Jungtiere wachsen dann selbstständig über mehrere Häutungsstadien heran und legen danach wie die ausgewachsenen Tiere Fangnetze an, die kleiner ausfallen.[11] Bis zum Erlangen der Geschlechtsreife benötigt die Gewöhnliche Fischernetzspinne genau wie die beiden anderen in Mitteleuropa vorkommenden Echten Fischernetzspinnen (Segestria), die Bayerische (S. bavarica) und die Mächtige Fischernetzspinnee (S. florentina), zwei Jahre.[10]
- Lebenszyklus
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Weibchen mit Eikokons
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Weibchen mit Nachkommen
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Jungtier
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Exuvie eines Weibchens
Natürliche Feinde
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Als Antagonisten der Gewöhnlichen Fischernetzspinne spielen vor allem Hautflügler (Hymenoptera) wie die Wespenart Dipogon subintermedia aus der Familie der Wegwespen (Pompilidae) eine bedeutende Rolle.[12] Deren Larven entwickeln sich wie bei Wegwespen üblich als Parasitoide an Individuen der Spinne, die zuvor von der Wespe überwältigt und durch einen von dieser verabreichten Stich gelähmt wurden. Daneben wird sie von der Schlupfwespe (Ichneumonidae) Clistopyga incitator parasitiert, deren Larven sich von den Eiern der Spinne ernähren.[13]
Systematik
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Der Artname senoculata ist ein lateinisches Adjektiv und bedeutet übersetzt „sechsäugig“ und deutet somit auf die Eigenschaft der Art, sechs (anstelle von acht) Augen zu verfügen.[11] Anders, als es ihr Trivialname vermuten ließe, ist die Gewöhnliche Fischernetzspinne nicht die Typusart der Echten Fischernetzspinnen (Segestria), dies ist die Mächtige Fischernetzspinne (S. florentina).[14]
Beschreibungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gewöhnliche Fischernetzspinne wurde 1758 von Carl von Linné erstbeschrieben, der die Art unter der Bezeichnung Aranea senoculata wie damals alle Spinnen der Gattung Aranea zuordnete, aus der später die Gattung der Kreuzspinnen hervorging. Anschließend wurde sie von verschiedenen Autoren unterschiedlichen Gattungen zugeordnet. Charles Athanase Walckenaer ordnete die Gewöhnliche Fischernetzspinne bereits 1805 der von Pierre André Latreille ein Jahr zuvor erstbeschriebenen Gattung der Echten Fischernetzspinnen (Segestria) unter der noch heute gängigen Bezeichnung Segestria senoculata zu.[15]
Synonymisierte Arten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Feliks Paweł Jarocki beschrieb 1825 die von ihm zu den Echten Fischernetzspinnen (Segestria) gerechnete Art Segestria corvulus und Rudolf Braun 1963 die Art Segestria krausi, die beide heute Synonyme der Gewöhnlichen Fischernetzspinne sind. S. corvulus wurde 1971 von Jerzy Prószyński und Wojciech Krzysztof Staręga mit der Gewöhnlichen Fischernetzspinne synonymisiert, eine Begründung gaben die Autoren jedoch nicht an.[16] Konrad Thaler und Barbara Knoflach synonymisierten S. krausi 2002 mit der Gewöhnlichen Fischernetzspinne. Begründet wurde dies damit, dass bei dem von Braun beschriebenen weiblichen Holotyp (für die Erstbeschreibung verwendetes Exemplar) von S. krausi das vordere Ende der Vulva vermutlich bei Präparationen abgebrochen ist und die übrigen Eigenschaften des Exemplars dem Weibchen der Gewöhnlichen Fischernetzspinne entsprechen. Die Vulva von S. krausi wurde zuvor von Victor von Engelhardt und auch von Hermann Wiehle als „kaum gestielt, gekrümmt-säckchenförmig“ beschrieben, wodurch sie sich durch die „kugelförmig, gekrümmt-gestielte“ der Gewöhnlichen Fischernetzspinne unterscheide.[17]
Segestria senoculata castrodunensis
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]André Gétaz beschrieb 1889 die Unterart S. s. castrodunensis der Gewöhnlichen Fischernetzspinne, von der jedoch nur das Weibchen dokumentiert ist. Die Unterart unterscheidet sich von der Nominatform dadurch, dass die anteriore Augenreihe weniger gebogen und die Augen deutlich weiter auseinander stehen. Gétaz beschrieb die Unterart anhand von zwei Weibchen mit einer Länge von gut 11 Millimetern, die auf verrotteten Tannenstämmen auf einer Weide gefunden worden.[18]
Äußere Systematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei einer 2021 von Rainer Breitling getätigten phylogenetischen (die Abstammung betreffende) Untersuchung der auf den Britischen Inseln vorkommenden Spinnenarten einschließlich der Gewöhnlichen Fischernetzspinne war es möglich, das verwandtschaftliche Verhältnis von diesem und den beiden anderen dort und darüber hinaus auch in Mitteleuropa vorkommenden Echten Fischernetzspinnen (Segestria), der Bayerischen (S. bavarica) und der Mächtigen Fischernetzspinne (S. florentina) zu ermitteln. Das Verhältnis der Gewöhnlichen Fischernetzspinne innerhalb der von Breitling aufgestellten Artengruppen wird in folgendem Kladogramm verdeutlicht:[19]
| Echte Fischernetzspinnen (Segestria) |
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Auszeichnung als Spinne des Jahres 2025
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gewöhnliche Fischernetzspinne wurde von der Arachnologischen Gesellschaft (AraGes) zur Spinne des Jahres 2025 gekürt. Damit soll ein Vertreter der Fischernetzspinnen (Segestriidae) in den Fokus gerückt werden, die, einschließlich der Gewöhnliche Fischernetzspinne selbst, unter Spinnen durch die Anzahl von sechs anstelle der üblichen acht Augen, die charakteristische Beinstellung wie auch durch die besondere Netzbauweise hervorstechen. Wie bei anderen Wahlen zur Spinne des Jahres strebt die AraGes jedoch nicht nur eine oftmals unbeliebte Tiergruppe oder auf bedrohte Habitate – im Falle dieser Art Ritzen und Löcher an Baumrinde und Felsen – hinweisen, sondern erhofft sich auch eine Aufklärung zur tatsächlichen Verbreitung der Gewöhnlichen Fischernetzspinne.[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sven Almquist: Swedish Araneae, part 1 – families Atypidae to Hahniidae (Linyphiidae excluded). In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 62, Nr. 1. Interpress, 2005, S. 32 (284 S.).
- Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15521-9, S. 50 (432 S.).
- Rainer Breitling: A completely resolved phylogenetic tree of British spiders. In: Zoology. University of Manchester, Manchester 14. März 2021, S. 1–29, doi:10.1101/2021.03.12.434792 (biorxiv.org [PDF]).
- André Gétaz: Notes aranéologiques sur le Pays-d'Enhaut. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. Band 25, Nr. 3, 1889, S. 60–64.
- Jerzy Prószyński, Wojciech Krzysztof Staręga: Pająki-Aranei. In: Polnische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Katalog Fauny Polski. Band 33, Nr. 1. Warschau 1971, S. 21 (382 S.).
- Konrad Thaler, Barbara Knoflach: Zur Faunistik der Spinnen (Araneae) von Österreich: Atypidae, Haplogynae, Eresidae, Zodariidae, Mimetidae. In: Linzer Biologische Beiträge. Band 34, Nr. 1, 30. August 2002, S. 413–444.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Segestria senoculata im World Spider Catalog
- Segestria senoculata bei Global Biodiversity Information Facility
- Segestria senoculata beim Rote-Liste-Zentrum
- Segestria senoculata bei der British Arachnological Society
- Segestria senoculata bei araneae - Spiders of Europe
- Segestria senoculata beim Wiki der Arachnologischen Gesellschaft e. V.
- Segestria senoculata bei Natur in NRW
- „SPINNE DES JAHRES 2025“ von Christoph Hörweg & Norbert Milasowszky
- „The tube spiders“ bei der British Arachnological Society
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e Sven Almquist: Swedish Araneae, part 1 – families Atypidae to Hahniidae (Linyphiidae excluded). In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 62, Nr. 1. Interpress, 2005, S. 32.
- ↑ Heiko Bellmann: Der Kosmos Spinnenführer. Kosmos, 2016, ISBN 978-3-440-15521-9, S. 50.
- ↑ a b c d Nicolaj Klapkarek: Fischernetzspinne - Segestria senoculata (LINNAEUS, 1758). In: Natur in NRW. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Sven Almquist: Swedish Araneae, part 1 – families Atypidae to Hahniidae (Linyphiidae excluded). In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 62, Nr. 1. Interpress, 2005, S. 31.
- ↑ a b c Wolfgang Nentwig, Robert Bosmans, Daniel Gloor, Ambros Hänggi, Christian Kropf: Segestria senoculata (Linnaeus, 1758). In: araneae – Spiders of Europe. Naturhistorisches Museum Bern, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Detailseite. (HTPPS) Rote-Liste-Zentrum, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ a b Segestria senoculata. In: Spinnen Forum Wiki. Arachnologische Gesellschaft, abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Summary for Segestria senoculata (Araneae). (PHP) In: Spider Recording Scheme. British Arachnological Society, abgerufen am 27. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Milan Řezák, Antonín Kůrka, Vlastimil Růžička, Petr Heneberg (2015): Red List of Czech spiders: 3rd edition, adjusted according to evidence-based national conservation priorities. Biologia (Bratislava) 70 (5): 645—666. doi:10.1515/biolog-2015-0079
- ↑ a b c d e Christoph Hörweg & Norbert Milasowszky: SPINNE DES JAHRES 2025. Arachnologische Gesellschaft e. V., abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ a b c d The Tube spiders. (PDF) British Arachnological Society, abgerufen am 27. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Michael C. Day: Spider wasps. Hymenoptera: Pompilidae. In: Royal Entomological Society of London (Hrsg.): Handbooks for the Identification of British Insects. Band 6, Nr. 4, 1988, ISSN 0962-5852, S. 21 (royensoc.co.uk [PDF; abgerufen am 27. Oktober 2025]).
- ↑ Lucy Broad, Gavin R Broad: The genome sequence of an ichneumon wasp, Clistopyga incitator (Fabricius, 1793). In: Wellcome Open Research. Band 8, Nr. 215, 12. Mai 2023, ISSN 2398-502X, S. 3, doi:10.12688/wellcomeopenres.19302.1 (researchgate.net [PDF; abgerufen am 27. Oktober 2025]).
- ↑ Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog – Segestria. Abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog – Segestria senoculata. Abgerufen am 27. Oktober 2025.
- ↑ Jerzy Prószyński, Wojciech Krzysztof Staręga: Pająki-Aranei. In: Polnische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Katalog Fauny Polski. Band 33, Nr. 1. Warschau 1971, S. 21.
- ↑ Konrad Thaler, Barbara Knoflach: Zur Faunistik der Spinnen (Araneae) von Österreich: Atypidae, Haplogynae, Eresidae, Zodariidae, Mimetidae. In: Linzer Biologische Beiträge. Band 34, Nr. 1, 30. August 2002, S. 430.
- ↑ André Gétaz: Notes aranéologiques sur le Pays-d'Enhaut. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. Band 25, Nr. 3, 1889, S. 64.
- ↑ Rainer Breitling: A completely resolved phylogenetic tree of British spiders. In: Zoology. University of Manchester, Manchester 14. März 2021, S. Grafik im Anhang, doi:10.1101/2021.03.12.434792 (biorxiv.org [PDF; abgerufen am 28. Oktober 2025]).