Gewöhnliche Sternhyazinthe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gewöhnliche Sternhyazinthe
Scilla luciliae (1).jpg

Gewöhnliche Sternhyazinthe (Chionodoxa luciliae)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Spargelgewächse (Asparagaceae)
Unterfamilie: Scilloideae
Gattung: Sternhyazinthen (Chionodoxa)
Art: Gewöhnliche Sternhyazinthe
Wissenschaftlicher Name
Chionodoxa luciliae
Boiss.

Die Gewöhnliche Sternhyazinthe (Chionodoxa luciliae), auch Schneeglanz oder Gewöhnlicher Schneestolz genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Ursprünglich kommt sie aus dem Boz Dağ-Gebirge der westlichen Türkei.[1] Sie wird in den gemäßigten Zonen als Zierpflanze verwendet. In Deutschland gilt sie als ein in Einbürgerung befindlicher Neophyt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Laubblätter und Blütenstände mit hellblauen Blüten
Durchbruch durch leichte Schneedecke

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Die Gewöhnliche Sternhyazinthe wächst als eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 3 bis 10, selten bis zu 32 cm[1] Zentimeter. Sie ist ein Geophyt. Ihr unterirdisches Überdauerungsorgan ist eine eiförmige, von einer dunkelbraunen Tunika umhüllte[1] Zwiebel von 12 bis 25 Millimeter Länge und 10 bis 18 Millimeter Breite.[1] Die Pflanze hat zwei bis vier grundständige Laubblätter. Die breit linealische, häufig etwas zurückgebogene Blattspreite ist etwa 7 bis 20 Zentimeter lang und zwischen 4 und 16 Millimeter[1] breit.[2]

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die Gewöhnliche Sternhyazinthe blüht im Frühjahr, von März bis April. Auf einem Blütenstandsschaft befinden sich meist eine, seltener bis vier[1] Blüten. Sie stehen an einem aufrecht gerichteten Blütenstiel, der kürzer oder genauso lang wie die Blütenhülle ist. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die sechs Blütenhüllblätter sind am Grund zu einer 2 bis 6 Millimeter langen[1] Perigonröhre verwachsen, ihr freier Teil misst 12 bis 22 Millimeter.[1] Die drei inneren Blütenhüllblätter sind breiter als die äußeren, besitzen eine unregelmäßige Form und ein zerknittertes Aussehen.[1] Die Grenze zwischen der verwaschenen Weißfärbung des das „Auge“ der Blüte bildenden Grundes der Blütenhüllblätter und der hellblauvioletten Färbung ihres oberen Teiles verläuft unscharf.[1] Die Gewöhnliche Sternhyazinthe besitzt zwei Kreise mit je drei Staubblättern mit weißen Staubfäden und gelben Staubbeuteln. Der Griffel ist 0,7 bis 1,5 mm lang.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die mit einem Durchmesser von 4 bis 6 Millimeter kugelförmigen Kapselfrüchte enthalten rundliche bis elliptische Samen mit weißem Elaiosom.[2]

Die Gewöhnliche Sternhyazinthe ist diploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 18.[1][2]

Blütenökologie[Bearbeiten]

Die Gewöhnlichen Sternhyazinthe entspricht dem Blumentyp der Scheibenblume. Die Nektarien befinden sich verborgen an der Basis der Staubblätter. Als typische Bestäuber fungieren Bienen, Hummeln, Wespen, Wollschweber und Schwebfliegen.[3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Gewöhnlichen Sternhyazinthe ist wild nur aus dem Boz Dağ (Tmolos-Gebirge) in der westanatolischen Provinz Manisa bekannt. Sie wächst in Höhenlagen zwischen 1600 und 2000 Metern und blüht unmittelbar nach der Schneeschmelze.[4][1][5]

In den gemäßigten Breiten wird sie oft als Zierpflanze verwendet und verwildert, zum Beispiel in Mitteleuropa oder in Nordamerika[2] in Parks und waldähnlichen Anlagen. In Deutschland ist sie als in Einbürgerung begriffener Neophyt eingestuft.[3]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Chionodoxa luciliae erfolgte 1844 durch Pierre Edmond Boissier[4]. Mit dem Artepitheton ehrte Boissier seine Gattin Lucile. Synonyme sind Scilla luciliae (Boiss.) Speta und Chionodoxa gigantea Whittall.[6]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Franz Speta: Über Chionodoxa Boiss., ihre Gliederung und Zugehörigkeit zu Scilla L. In: Naturkundliches Jahrbuch der Stadt Linz. 21, 1976, S. 9–79 (PDF-Datei; 12,1 MB).
  2. a b c d John McNeill: Chionodoxa. In  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2002, ISBN 0-19-515208-5, S. 315. (Chionodoxa luciliae online)
  3. a b Info bei Biolflor.
  4. a b Pierre Edmond Boissier: Diagnoses plantarum orientalium novarum. Ser. 1 (5), 1844, Leipzig, S. 61–62. Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. R. D. Meikle: Chionodoxa. In:  Peter Hadland Davis (Hrsg.): Flora of Turkey and the East Aegean Islands. Vol. 8 (Butomaceae to Typhaceae). Edinburgh University Press, Edinburgh 1984, ISBN 0-85224-494-0, S. 224–226.
  6. Chionodoxa luciliae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scilla luciliae – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien