Gewöhnlicher Tannenwedel

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Gewöhnlicher Tannenwedel
Tannenwedel (Hippuris vulgaris)

Tannenwedel (Hippuris vulgaris)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Callitricheae
Gattung: Tannenwedel (Hippuris)
Art: Gewöhnlicher Tannenwedel
Wissenschaftlicher Name
Hippuris vulgaris
L.

Der Gewöhnliche Tannenwedel (Hippuris vulgaris), auch Gemeiner Tannenwedel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Tannenwedel (Hippuris) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Ihren deutschsprachigen Trivialnamen Tannenwedel trägt sie wegen der Ähnlichkeit mit einer kleinen Tanne. Obwohl die Pflanze wie ein Schachtelhalm aussieht, gehört sie zu den Samenpflanzen und ist mit den Schachtelhalmgewächsen nicht verwandt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration
Nahaufnahme mit Blüten

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Erscheinungsbild ist der Gewöhnliche Tannenwedel sehr variabel, da er neben völlig untergetaucht lebenden Tiefwasserformen auch auf dem Trockenen lebende Landformen sowie Übergangsformen zwischen diesen beiden Extremen entwickelt. Das Rhizom wächst kriechend,[1] waagerecht im Schlamm. Aus diesem wachsen zahlreiche, hohle und unverzweigte Stängel empor, die teilweise über das Wasser herausragen.

Der Gewöhnliche Tannenwedel hat dunkelgrüne, nadelartige Blätter, von denen die obersten bis zu 40 Zentimeter aus dem Wasser ragen. Unter Wasser hängen die Laubblätter schlaff herab, sind dünn, weich und bandartig. Laubblätter oberhalb der Wasseroberfläche sind dagegen waagrecht steif abstehend. Die Pflanze ist auch im Winter grün.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüten werden nur oberhalb der Wasseroberfläche entwickelt. Die kleinen, einzeln in den Achsen der Blätter angeordneten Blüten sind meist zwittrig, durch Verkümmerung können sie aber auch eingeschlechtig sein. Die Blüten sind rötlich-braun, unscheinbar und reduziert; sie haben Kelchblätter, aber keine Kronblätter. Das einzelne Staubblatt besitzt einen rötlichen Staubbeutel. Das einzige Fruchtblatt ist unterständig.[1]

Die Steinfrucht enthält nur einen Samen. Die längliche, einsamige Schließfrucht besitzt eine starke Steinschale und dünnes „Fleisch“.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewöhnliche Tannenwedel ist eine z.  T. flutende, dann bis über 1 m lange Wasserpflanze, oder eine 10 bis 15 Zentimeter hohe, amphibisch lebende Sumpfpflanze mit einem am Grunde des Gewässers, bzw. im feuchten Boden wurzelnden, sympodial verzweigten Rhizom. Der Stängel besitzt ein Aerenchym. Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer und durch Turionen.

Die Blüten stehen an aus dem Wasser ragenden Sprossteilen, sind windblütig vom „unbeweglichen Typ“. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Sie unterliegen der Verdauungsausbreitung z. B. durch Vögel, sowie der Schwimmausbreitung.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hippuris vulgaris ist in Europa, Westasien, Nordamerika, Grönland sowie dem südlichen Südamerika (Chile) zu finden. Da er als Zierpflanze für Gartenteiche verwendet wird, muss bei manchen Vorkommen im Freiland von künstlichen Ansiedlungen ausgegangen werden.

Der Tannenwedel gedeiht am besten an sonnigen bis halbschattigen Standorten in 20 bis 50 Zentimeter tiefen, stehenden oder langsam fließenden, nährstoff- und kalkreichen Gewässern. Die Gewässer sollten sommerwarm sein und über Schlammboden verfügen. Er kommt in Mitteleuropa in den Pflanzengesellschaften Potamogetonetalia und Phragmition vor.[2]

Systematik und verwandte Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Hippuris vulgaris erfolgte 1753 durch Carl von Linné.

Die Gattung Hippuris L. wurde in eine eigene Familie Tannenwedelgewächse (Hippuridaceae) gestellt. Nach APG gehört diese Gattung in die Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Außer Hippuris vulgaris kann noch eine weitere Art in der Gattung Hippuris unterschieden werden:[1]

  • Hippuris tetraphylla L. f.: Sie kommt in Europa, Nordamerika, Japan und in der nordöstlichen Inneren Mongolei vor.[1] Sie unterscheidet sich von Hippuris vulgaris durch die kürzeren Blätter, die in Quirlen zu viert und nicht zu acht bis zwölft stehen.[1] In Europa kommt Hippuris tetraphylla in Island, Norwegen, Schweden, Finnland und Russland vor.[3]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tannenwedel wird als Zierpflanze für Teichränder und Wildpflanzengärten verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Jiarui Chen, Michele Funston: Hippuridaceae. Hippuris Linnaeus. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 13: Clusiaceae through Araliaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2007, ISBN 978-1-930723-59-7.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 692.
  3. Pertti Johannes Uotila, 2009+: Hippuris.: Datenblatt Hippuris In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Tannenwedel (Hippuris vulgaris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien