Gewöhnlicher Wasserschlauch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gewöhnlicher Wasserschlauch
UtriculariaVulgaris.JPG

Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae)
Gattung: Wasserschläuche (Utricularia)
Art: Gewöhnlicher Wasserschlauch
Wissenschaftlicher Name
Utricularia vulgaris
L.
Blütenstand

Die Pflanze Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) ist eine aquatische Art aus der Gattung der Wasserschläuche in der Sektion Utricularia.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frei flottierende Pflanze kann über 1 m lange Sprossachsen haben. Die segmentierten Blätter sind fein verzweigt. Die Wasserblätter sind ein bis acht Zentimeter lang, in feine Zipfel zerteilt und mit zahlreichen blasenförmigen Anhängseln versehen.

An aufrechten Blütenstielen ragen die gelben Blüten aus dem Wasser heraus. Sie bilden dabei lockere, vier- bis fünfzehnblütige Trauben. Die einzelnen Blüten sind zweilippig, goldgelb und rührig-glockig und enden in einem gekrümmten Sporn. Die Blüten erscheinen von April bis August. Sie werden vor allem von Schwebfliegen bestäubt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44.[1]

Gewöhnlicher Wasser schlauch (Utricularia vulgaris), Blätter und ihre Blasen

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewöhnliche Wasserschlauch ist eine untergetauchte Wasserpflanze. Nur zur Blütezeit schwimmt sie nach oben. Sie überdauert durch kugelige haselnussgroße Turionen. Es ist eine fleischfressende Pflanze, eine sogenannte Karnivore. Der Tierfang dient als zusätzliche Quelle für Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Die Blätter sind in haarfeine Berge zerteilt, von denen je ca. 20, maximal 200, zu 4-5 mm langen Fangblasen umgebildet sind. An einer großen Pflanze wurden über 26.000 Fangblasen gezählt. Durch eine mit Borsten versehene Klappe sind sie von innen fest verschlossen. Ihre Wand ist mit verschiedenen Drüsen besetzt, z. B. Keulendrüsen, die zuckerhaltigen Schleim absondern, der der Anlockung potentieller Beute dient.

Vierstrahlige Drüsen auf der Innenwand haben 3 verschiedene Funktionen:

1. Sie pumpen nach dem Fang das Wasser aus der Blase, indem sie als Ionenpumpen Alkali-Ionen nach außen befördern und damit den osmotischen Wert im Inneren absenken so dass wieder ein Unterdruck von 0,1 bar entsteht.

2. Sie geben Verdauungsenzyme (eine Protease, Esterase, Phosphatase) und Benzoesäure ab.

3. Sie nehmen die entstandenen Abbauprodukte zur Weiterleitung auf.

Berühren Kleintiere die als Hebel dienenden Klappborsten, z. B. beim Fressen der auf diesen haftenden Bakterienfäden, so schnappt die Klappe nach innen, und die Tiere werden mit dem umgebenden Wasser in den Fangschlauch gesogen bzw. geschluckt. Der Vorgang dauert nur 2 Millisekunden und stellt somit eine der schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich dar. Anschließend erfolgt die Verdauung und erneutes Auspumpen der Fangdrüse. Nach etwa 0,2-2 Stunden ist die Falle wieder fangbereit. In 600 untersuchten Schläuchen waren insgesamt 2000 Tierchen gefangen (bis zu 14 Tierchen je Schlauch), davon über die Hälfte Kleinkrebse (z. B. Daphnien), aber auch Insektenlarven, z. B. von Mücken. In der Vergangenheit sind wiederholt Versuche unternommen worden, die Pflanze zur biologischen Bekämpfung von Stechmückenplagen einzusetzen. Dies funktioniert allerdings nur gegen Stechmücken der Gattung Culex. Gegen die vom Menschen als unangenehmer empfundenen Stechmücken der Gattung Aedes, die in flachen Gewässern wie etwa überfluteten Wiesen und Wasserpfützen brütet, hilft die Ansiedelung des Gemeinen Wasserschlauches nicht. Auch kleine Algen werden mit eingefangen.

Die Blüten sind große goldgelbe „Maskenblumen“. Der Blütenstängel ist im oberen Teil als Aufkriechschutz gegen „unerwünschte“ Blütenbesucher klebrig. Die Blütenkrone hat einen 6–7 mm langen Sporn als Safthalter für den Nektar. Die zweilippige Narbe liegt der Oberlippe der Blüte an und ist reizbar: Bei Berührung krümmt sich der untere Nachbarlappen sofort nach oben. Der Staubbeutel ist einfächerig. Da die Maske weich ist, sind meist Schwebfliegen die Bestäuber, selten Bienen; auch Selbstbestäubung ist nicht selten, zum Teil findet man auch kleistogame Blüten. Blütezeit ist zwischen April und August.

Die Früchte sind unregelmäßig aufreißende Kapseln. Der Samenansatz ist nur gering. Die Samen besitzen zwei „Luftrillen“ und sind dadurch wochenlang schwimmfähig und unterliegen der Schwimmausbreitung und der Wasserausbreitung durch Wasservögel; sie sind Lichtkeimer. Fruchtreife tritt ab September ein.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch abgebrochene- auch kleinste- Stängelteile und durch Turionen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gewöhnliche Wasserschlauch findet sich in Europa, Nordafrika und im temperierten Asien. Die Pflanze findet sich gleichermaßen in nährstoffarmen wie nährstoffreichen, stillen bzw. schwach fließenden Gewässern und bevorzugt vollsonnige Standorte. Sie ist vorwiegend im Tiefland zu finden, kann vereinzelt jedoch auch in Höhen von 1000 Metern vorkommen. Sie ist eine Charakterart des Lemno-Utricularietum vulgaris aus dem Hydrocharition-Verband.[1] In Deutschland steht der Gewöhnliche Wasserschlauch auf der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen. [2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Aufl. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 869.
  2. Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta ; Kategorie „V“, ergänzt aus Korneck et al. 1998), PDF-Datei; 767 kB

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien