S-Bahn Brüssel

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S-Bahn Brüssel

Train S (frz.)
S-Trein (ndl.)

12-05-2016 - NMBS 945 - S5 3583 - Beersel.jpg
Staat Belgien
Linien 12
Streckenlänge 350 km
Stationen 142
Passagiere 25.000.000 (erwartet)
Bewohner im Einzugsbereich 1.138.876 (Region Brüssel-Hauptstadt)
Fahrzeuge Siemens Desiro ML
Betreiber Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen
Netzplan der S-Bahn Brüssel

Die S-Bahn Brüssel ist ein S-Bahnnetz der Nationalen Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen (SNCB/NMBS) in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Die ursprünglich geplanten zweisprachigen Bezeichnungen Réseau Express Régional (RER) (frz.) bzw. Gewestelijk ExpresNet (GEN) (ndl.) wurden nach deutschem Vorbild durch ein einheitliches S ersetzt.

Gründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Raum Brüssel verkehren täglich 365.000 Pendler, für die außerhalb des engeren Stadtzentrums vorher nur ein unzureichendes ÖPNV-Angebot mit Vorortszügen, vergleichbar den deutschen Regionalbahnen, existierte. Da viele dieser potenziellen Kunden heute mit dem eigenen PKW fahren, sind regelmäßige Staus und Parkplatzprobleme sowie Luftverschmutzung die Folge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee zur Erstellung des Projektes stammt aus den 1990er Jahren. Ein erstes Projekt wurde 1995 veröffentlicht. Die Inbetriebnahme der ersten Linien wurde damals für 2002 geplant.

Die institutionelle Umständlichkeit, die in Belgien herrscht, hat dazu geführt, dass das Projekt verschoben und verspätet wurde, da man Genehmigungen sowohl von den drei Regionen des Landes als auch von den vier Verkehrsbetrieben, SNCB/NMBS, TEC, STIB und De Lijn benötigte.

Die ersten Bauarbeiten begannen schließlich 2005; man plante die Inbetriebnahme damals für 2012. Am 13. Dezember 2015 wurde das Netz als französisch train S bzw. niederländisch S-Trein mit zwölf Linien in Betrieb genommen, auch wenn einige Infrastrukturmaßnahmen bis 2025 verspätet sind.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die S-Bahn soll auf weitgehend eigenem Gleis und mit eng vertaktetem Fahrplan nicht nur die Region Brüssel-Hauptstadt erschließen, sondern auch bis in die benachbarten Provinzen Wallonisch-Brabant und Flämisch-Brabant in den Regionen Wallonien und Flandern reichen. Außerdem soll der internationale Flughafen Brüssel-Zaventem besser angeschlossen werden. In der Brüsseler Gemeinde Anderlecht wird ein Umsteigebahnhof mit direkter Anbindung an die U-Bahn Brüssel errichtet. Die erforderliche Verzahnung mit der Brüsseler Metro steckt noch in den Kinderschuhen, ein gemeinsamer Liniennetzplan ist zwar bereits erschienen, ein gemeinsamer Verkehrsverbund ist jedoch noch wenig Realität.

Ursprünglich bis 2012 waren neun Bahnlinien mit ergänzenden Buslinien geplant, die zur Hauptverkehrszeit im 15-Minuten- oder im 30-Minuten-Takt verkehren sollten. Ferner sind ein vereinfachtes und einheitliches Tarifsystem, der Ausbau des Park-and-ride-Angebotes geplant sowie bereits 305 Elektrotriebwagen des Typs Siemens Desiro ML bestellt.[1]

Diese neun Bahnlinien werden auf verschiedenen Streckenführungen strahlenförmig das Stadtzentrum umschließen. Dazu müssen fünf so genannte „Schlüsselstrecken“ viergleisig ausgebaut werden:

sowie das als „Diabolo-Projekt“ bezeichnete Projekt

  • Brüssel – Mechelen (mit zusätzlicher Anbindung des Brüsseler Flughafens)

Vorlaufnetz CityRail[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die belgische Bahn hatte ein vorläufiges S-Bahn-Netz eingeführt, welches mit modernisierten Zügen der NMBS/SNCB-Reihe AM 62-79 durchgeführt wurde. Dieses Netz wurde CityRail genannt. Das Netz bestand unter diesem Namen bis zum Fahrplanwechsel in 2013, danach wurden diese Linien wieder normale L-Züge. Es gab insgesamt sechs CityRail-Linien.

Folgende Linien bestanden:

  • CR 1: Aalst – Denderleeuw – Brussel – Etterbeek – Eigenbrakel
  • CR 2: Dendermonde – Brussel – Halle – Geraardsbergen
  • CR 3: Brussel – Etterbeek – Louvain-la-Neuve-Université
  • CR 4: Zottegem – Denderleeuw – Brussel
  • CR 5: Aalst – Denderleeuw – Brussel
  • CR 6: Leuven –Zaventem – Brussel – ’s-Gravenbrakel

Aktuelles Liniennetz[2][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der offiziell erste „symbolische Spatenstich“ erfolgte am 23. August 2006. Einige Ausbaumaßnahmen wurden bereits 2004 begonnen und sind ebenfalls Bestandteil dieses ehrgeizigen Projektes. Im Zuge des Ausbaus der internationalen Verbindungsstrecke für Hochgeschwindigkeitsverkehr (HGV) von Frankreich über Brüssel nach Deutschland und in die Niederlande – auch vor dem Hintergrund der Entwicklung Brüssels zur Hauptstadt der Europäischen Union – konnten bereits erste Verbesserungen erreicht werden.

Am 23. März 2015 haben der Geschäftsführer der Belgischen Eisenbahnen Jo Cornu und Bundesminister für Mobilität und Verkehr Jacqueline Galant das Konzept der S-Bahn Brüssel vorgestellt. Der Starttermin ist der 13. Dezember 2015 und bis 2025 sollen alle S-Bahnstrecken in Betrieb genommen werden.

Am 4. April 2016 ging der Schuman-Josaphat-Tunnel in Betrieb, somit fahren die Linien S5 und S9 nun auf der vorgesehenen Strecke.

Linie Linienweg Anzahl Stationen Takt
Mo–Fr Sa, So
S1 Nivelles – Brüssel – Mechelen 22 60′ Nijvel – Antwerpen
60′ Nijvel – Antwerpen (in der Schwachverkehrszeit nur Brüssel-Süd – Antwerpen)
60′ in zwei überlappenden Segmenten Nivelles – Brüssel-Nord und Brüssel-Süd – Antwerpen-Centraal
S2 Braine-le-Comte – Brüssel – Zaventem – Löwen 22 30′ 60′
S3 Zottegem – Brüssel – Dendermonde 23 60′ kein Betrieb
S4 Aalst – Brüssel-Schuman – Brüssel-Merode – Vilvoorde 21 60′ (in der Schwachverkehrszeit nur Aalst – Brüssel-Luxemburg) kein Betrieb
S5 Geraardsbergen – Halle – Brüssel-Schuman – Schuman-Josaphat Tunnel – Mechelen 25 60′ Halle – Mechelen
60′ Geraardsbergen – Mechelen (in der Schwachverkehrszeit nur Edingen – Mechelen)
kein Betrieb
S6 Aalst – Denderleeuw – Geraardsbergen – Brüssel – Schaerbeek/Schaarbeek 21 60′ 60′, nur Denderleeuw – Schaerbeek/Schaarbeek
S7 Halle – Merode – Muizen – Mechelen 18 60′ kein Betrieb
S8 Brüssel-Süd – Nord-Südverbindung – Ottignies – Louvain-la-Neuve 16 60′ 60′, nur Brüssel-Süd – Ottignies
S81 Schaerbeek/Schaarbeek – Ottignies 10 60′ kein Betrieb
S9 Löwen – Zaventem – Schuman-Josaphat Tunnel – Brüssel-Schuman – Braine-l’Alleud 19 60′ (nur in der Hauptverkehrszeit) kein Betrieb
S10 Dendermonde – Brüssel – Aalst 28 60′ 60′, nur Dendermonde – Brüssel-Süd
S20 Ottignies – Löwen 13 30′ 60′

Finanzierungsprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Februar 2016 musste Verkehrsministerin Jaqueline Galant zugeben, dass es bei der Fertigstellung der S-Bahn große Finanzierungsprobleme gibt. Der Ausbau der Eisenbahnstrecken 124 (Brüssel–Nivelles) und 161 (Brüssel–Ottignies) auf Zweigleisigkeit hat für sie somit keine Priorität mehr.[3]

Vorher wurde bereits geplant, ein S-Bahnnetz für die Städte Antwerpen und Gent zu errichten, was aber aufgrund nicht vorhandener finanzieller Mittel „on hold“ gesetzt wurde, da die Mittel zuerst ins Brüsseler Netz fließen.

Das S-Bahnnetz Antwerpen, hatte hier bereits eine Vollendungsphase erreicht, da es hier kaum neue Neubaustrecken gab und man die Kapazität auf vorhandenen Strecken erhöhen wollte.

Die wallonisch-brabantischen Gemeinden, die an dieser Bahnlinie liegen, reagieren empört, dass diese nicht mehr durch die S-Bahn bedient werden sollten.[4]

Aber auch Gent und Antwerpen, sind mit der Entscheidung der Verkehrsministerin nicht einverstanden.

Tage später, sagte Frau Galant, dass alles nicht so gemeint wäre und das man Sie falsch verstanden hätte.

Durch diese Aussage ist ihre Position innerhalb der Regierung ins Wanken geraten.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siemens Pressemitteilung v. 15. Mai 2008
  2. Officiële website van NMBS – Home. In: www.nmbs.be. Abgerufen am 13. April 2016.
  3. Galant beperkt ook voorstadsnet rond Brussel. In: De Standaard. Abgerufen am 13. April 2016.
  4. Galant maakt bocht na Waalse kritiek. In: De Standaard. Abgerufen am 13. April 2016.
  5. Laatste waarschuwing voor Galant. In: De Standaard. Abgerufen am 13. April 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]