Gewiliobus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gewiliobus (* unbekannt; † 758 in Spanesheum, dem heutigen Sponsheim; auch Gewiliob, Gewilib, Wieliebus) war der Sohn des Geroldus und sein Nachfolger als Bischof von Mainz. Er wurde 745 durch Bonifatius abgesetzt, der ihm im Amt des Bischofs von Mainz nachfolgte.

Herkunft[Bearbeiten]

Gewiliobus war ein Sohn des Mainzer Bischofs Geroldus, sehr wahrscheinlich ein fränkischer Adeliger aus dem Umfeld Karl Martells.[1] Über seine Mutter gibt es keine weiteren Informationen, wahrscheinlich war Gewiliobus aber der Sohn einer Konkubine Geroldus. Über sein Geburtsjahr und sein Leben bis zu seiner Ernennung als Bischof ist nichts bekannt.

Gewiliobus als Bischof[Bearbeiten]

Geroldus, Gewiliobus Vater und Vorgänger als Bischof des Bistums Mainz, fiel 743 auf einem Feldzug der Franken gegen die Sachsen. Sein Sohn wurde als Nachfolger für das vakante Bischofsamt vorgeschlagen. Hinweise in der Mainzer Bonifatiusvita[2] lassen den Schluss zu, das Gewiliobus sein Amt in reiferem Alter antrat.

Blutrache für den Vater und Absetzung durch Bonifatius[Bearbeiten]

Hinweise auf die Vorgänge, die zur Absetzung Gewiliobus und der scharfen Kritik durch Papst Zacharias führten, lassen sich den im Kern glaubwürdigen Bonifatiusviten entnehmen.[3] Nicht lange nach dem Tod Geroldus und dem Amtsantritts Gewiliobus, wahrscheinlich 743 oder 744, unternahm Karlmann einen Kriegszug gegen die Sachsen. Gewiliobus, der den Kriegszug begleitete, soll im Vorfeld bereits den Mörder seines Vaters ausfindig gemacht haben. Er lockte ihn an der Weser in einen Hinterhalt und tötete ihn eigenhändig mit den Worten accipe quo patrem vindico ferrum[4] um damit gemäß alten germanischen Kriegertraditionen Blutrache für seinen Vater zu nehmen.

Nach dem Concilium Germanicum war es Geistlichen allerdings verboten, aktiv an Kriegszügen teilzunehmen. Im Frühjahr 745 wurde eine gesamtfränkischen Synode unter dem Vorsitz der beiden Hausmeier Karlmann und Pippin unter Teilnahme von Bonifatius abgehalten. Gewiliobus wurde dort auf Betreiben von Bonifatius aufgrund seines Verhaltens abgesetzt. Bonifatius, der sich eigentlich um das zu dieser Zeit weitaus bedeutendere Amt des Kölner Bischofs bemühte, wurde auf der gleichen Synode zu seinem Nachfolger bestimmt. Gewiliobus wurde aus Mainz verbannt, bekam die Grundherrschaft über den Ort Spanesheum, das heutige Sponsheim, und wurde Eigenkirchenherr zu Kempten ("caput montis"). Beide Orte sind heute Stadtteile von Bingen. Nachdem sich Gewiliobus in Rom vergeblich um seine Rehabilitierung bemüht hatte, soll er in Sponsheim noch 14 Jahre gelebt haben.

Beurteilung des Gewiliobus[Bearbeiten]

In einem Brief des Papstes Zacharias vom 31. Oktober 745 wird neben Geroldus auch ein falsus episcopus erwähnt, der wahrscheinlich Gewiliobus war. Dieser wird dort als „Sohn eines ehebrecherischen Klerikers und Mörders“ geschildert über den Bonifatius dem Papst schlimme und schreckliche Dinge berichtet hat. An einer späteren Stelle des Briefes wird der Verführer namens Geoleobus erwähnt, bei dem es sich ebenfalls um Gewiliobus handeln dürfte.

In der Mainzer Überlieferung blieb Gewiliobus aber auch in positiver Erinnerung. Noch zwei Bonifatiusviten aus dem 11. Jahrhundert entschuldigten seine Tat und versuchten, Verständnis für ihn zu wecken da er im Grunde nur das getan hatte, was ihm als Mann von fränkischem Adel seine Ehre gebot.[5]

Kirchengeschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Ab circa 600 lässt sich eine Germanisierung der Kirche im fränkischen Reich feststellen. Aus dem Umfeld der fränkischen Könige und später deren Hausmeier wurden loyale Adelige und Verwandte zu Bischöfen ernannt um die Machtstrukturen des Königtums zu sichern. Besonders unter dem Hausmeier Karl Martell soll es zu zahlreichen Besetzungen von Bischofsämtern durch nicht klerikal ausgebildete Adelige gekommen sein. Gewiliobus und sein Vater Geroldus gehörten zu diesen fränkischen Adeligen, die weniger klerikal denn weltlich dachten und dem traditionellen Ehrenkodex des fränkischen Kriegeradels verbunden waren.

Erst mit der angelsächsischen Mission des Bonifatius und der von ihm durchgeführten Reformation der fränkischen Reichskirche kam es zu Konflikten wie diesem mit fränkischen Bischöfen. Bonifatius gelang es, deren Einfluss schrittweise einzudämmen und die Kirche im fränkischen Reich wieder deutlicher nach Rom und dem Papst auszurichten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Hahn: Gewilieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 131.
  • Hans Werner Nopper: Die vorbonifatianischen Mainzer Bischöfe. Eine kritische Untersuchung der Quellen zu den Anfängen des Bistums Mainz und zur Zuverlässigkeit der Bischofslisten. Selbstverlag, Mülheim an der Ruhr 2001, ISBN 3-8311-2429-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Hans Werner Nopper: Die vorbonifatianischen Mainzer Bischöfe. Eine kritische Untersuchung der Quellen zu den Anfängen des Bistums Mainz und zur Zuverlässigkeit der Bischofslisten. Mülheim an der Ruhr 2001, S. 118
  2. Vita quarta Bonifatii
  3. Hans Werner Nopper: Die vorbonifatianischen Mainzer Bischöfe. Eine kritische Untersuchung der Quellen zu den Anfängen des Bistums Mainz und zur Zuverlässigkeit der Bischofslisten. Mülheim an der Ruhr 2001, S. 123.
  4. nach J. M. Wallace-Hadrill: The long-haired kings and other studies in Frankish history. London 1962, S. 145.
  5. Klaus Schatz: Bonifatius und seine Bedeutung für uns heute., siehe weblink für den vollständigen Text.
Vorgänger Amt Nachfolger
Geroldus Bischof von Mainz
744–745
Bonifatius