Gewinnwarnung

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Gewinnwarnung ist ein Begriff aus dem Sprachumfeld der Börse. Er kann leicht missverstanden werden, da er nicht vor einem Gewinn warnt, sondern dessen Verringerung, also einen Verlust ankündigt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Aktiengesellschaft prognostiziert am Anfang eines Geschäftsjahres bzw. eines Quartals das angestrebte Geschäftsergebnis. Werden der Geschäftsleitung Informationen bekannt, die eine Änderung dieser Erwartung nahelegen, wird von der Gesellschaft die geänderte Erwartung durch Herausgabe einer Ad-hoc-Meldung veröffentlicht. Die Ankündigung einer Verringerung des Gewinns (bzw. Vergrößerung des Verlustes) wird als „Gewinnwarnung“, die einer Vergrößerung des Gewinnes wird als „Gewinnerwartung“ bezeichnet. Nach § 15 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) ist die Gewinnwarnung eine Pflichtmitteilung und hat unverzüglich zu erfolgen, um Insidergeschäfte zu verhindern. Nach einer Gewinnwarnung stoßen häufig Aktieninhaber ihre Anteile ab, so dass die Kurse sinken.

Unwortdiskussion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „Gewinnwarnung“ stand 2001 auf der Liste zum Unwort des Jahres (gewählt wurde letztlich „Gotteskrieger“).[1] Nach Meinung der Jury ist es ein „von Aktionären verwendeter sachlich falscher Begriff, der vor geringeren Gewinnen als erwartet warnt“.[1][2] Es hätten sich sachlich passendere Ausdrücke finden lassen wie etwa „Gewinnminderungswarnung“ oder, wenn das Unternehmen in die Verlustzone rutscht, „Verlustwarnung“.

Im gleichen Jahr wurde Gewinnwarnung zum Börsenunwort des Jahres gewählt[3] und 2008 zum österreichischen Unwort des Jahres.[4]

„Dieses Wort erlangte aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten große Aktualität und eine erhöhte Verwendungshäufigkeit. Darüber hinaus ist es aus sprachlicher Sicht interessant, da es scheinbar vor Gewinnen warnt, tatsächlich aber Verluste bzw. verminderte Gewinne meint. Es ist damit ein Wort, das die wahren Sachverhalte in höchstem Maße verschleiert und so sowohl in Inhalt als auch in seiner Verwendung für jene undurchsichtigen Vorgänge steht, die derzeit in der Finanz- und Bankenwelt vor sich gehen.“[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Gewinnwarnung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die bisher gekürten Unwörter. Abgerufen am 7. Dezember 2009.
  2. Die Unwörter von 2000 bis 2009. In: unwortdesjahres.net. Technische Universität Darmstadt, abgerufen am 23. März 2016.
  3. Heuschrecken ist das Börsen-Unwort des Jahres 2005. Boerse Düsseldorf, abgerufen am 7. Dezember 2009 (2004 war das Börsenunwort „Seitwärtsbewegung“, 2003 „Bester Preis“, 2002 „Enronitis“ und 2001 „Gewinnwarnung“): „Letzter Absatz: […] das Börsenunwort […] 2001 „Gewinnwarnung““
  4. a b Zum österreichischen UN-WORT DES JAHRES 2008 wählten die Jury und die Onlinewähler das Wort Gewinnwarnung. Uni Graz, abgerufen am 7. Dezember 2009.